Die gemachte Wahrheit

07-11-20 03:03:00,

Man kommt nicht mehr umhin, die vermeintlich steigenden Fallzahlen der Corona-Erkrankungen und der sich langsam füllenden Intensivstationen wahrzunehmen. Bisher konnte man sich noch gut beruhigen, dass es doch gar nicht so schlimm werden würde; jetzt aber sehen wir täglich Grafiken, die uns zeigen, wie schlimm die Belastung des Gesundheitswesens zu sein scheint oder zumindest innerhalb der nächsten Wochen zu werden droht.

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Quelle: links: n-tv Landkarte (Stand: 31. Oktober 2020), ; rechts: Anzahl gemeldeter intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Fälle (Stand: 31. Oktober 2020).

Wenn man solche Bilder sieht, wird es einem verständlicherweise angst und bange: Deutschland tiefrot hinsichtlich der 7-Tages-Inzidenz der Corona-Neuerkrankungen, und nach einem anfänglichen Peak steigt die Zahl der gemeldeten intensivmedizinisch behandelten COVID-19-Patienten wieder dramatisch an.

Was wurde hier gemacht? Es wurde eine Erkrankung zusammenhanglos dargestellt. Durch die beiden Grafiken erhalten Sie keine Zusatzinformationen und können somit ein wertmäßiges Ergebnis nicht bewerten.

Was sehen Sie auf der folgenden Grafik? Eine deutliche Zunahme von irgendetwas, in diesem Fall von einer beliebigen Erkrankung.

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Quelle: eigene Darstellung

Was sagt Ihnen diese Grafik aus? Erst einmal sagt die Grafik nur aus, dass die Erkrankung X am Anfang kaum vorhanden war, dann massiv angestiegen ist, anschließend wieder deutlich, auf das Ausgangsniveau, abgefallen ist und aktuell wieder deutlich ansteigt. Das ist die wertmäßige Beschreibung des Zustanden. Mehr Informationen können daraus nicht abgeleitet werden. Eine Bewertung dieser Grafik keinesfalls möglich. Hierzu bedarf es Referenzgrößen, weitergehende Informationen, Verhältnisse. Ob es schlimm ist, dass die Erkrankung wieder zunimmt, ob es zu erwarten war, ob es gar zu einer Katastrophe führen wird, kann nicht daraus abgelesen werden. Diese Fragen stellen bewertende Ergebnisse dar, für die es weitergehende Informationen bedarf, in diesem Beispiel Schwere der Erkrankung, Kapazitäten, die durch die Erkrankung benötigt werden und weitere. Seit Anfang des Coronaausbruchs, Anfang des Jahres, unterbleibt jedoch mit konsequenter Penetranz genau diese Bewertung eines wertmäßigen Ergebnisses in der allgemeinen Presse.

Wird beispielsweise die Erkrankung X im Zusammenhang mit anderen Parametern, in diesem Fall im Zusammenhang mit anderen Erkrankungen, dargestellt, so ergibt sich möglicherweise schon ein ganz anderes Bild.

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Quelle: eigene Darstellung

Hier sehen wir das zuvor bekannte Bild; die gelbe Krankheit — Krankheit 3 — scheint deutlich zuzunehmen. Es wird schon etwas klarer,

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Der gemachte Feind

26-11-19 10:53:00,

Die Rolle und die Funktion von Hasspredigern bestehen im Generieren von „Dschihadisten“, die entweder am militärischen oder am Online-Dschihad teilnehmen. Hassprediger arbeiten in der Öffentlichkeit und suchen sogar mediale Aufmerksamkeit durch provokative Aktionen. Anwerber hingegen arbeiten diskret, gemeinsam mit Geheimdiensten.

Die Methoden der Anwerbung zum Dschihad hat Geschichte. Sie begann in den 1980er Jahren, als die CIA mit der Hilfe Saudi Arabiens und anderer arabischer Staaten ein weltweites Netz von Anwerbern aufbaute, wie zum Beispiel das Rekrutierungsbüro Maktab al-Khidmat lil-mujahidin al-Arab (MAK), das Freiwillige zum Kampf in Afghanistan gegen die sowjetische Besatzung anwarb.

Allein in den USA wurden 30 Zentren zur Anwerbung von Kämpfern gegründet und hohe Summen deponiert (1). Bereits dort erhielt ein Teil der Angeworbenen eine militärische Ausbildung durch das FBI (2). Über den Aufbau dieser „Fremdenlegion“ ist bereits viel geschrieben worden (3). Deren Söldner, auch als „Arab-Afghanen“ bezeichnet, stellten nach dem Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus Afghanistan ein Reservoir von arbeitslosen Kämpfern dar, die in Bosnien (4), im Kosovo (5) und in Tschetschenien (6) von westlichen Geheimdiensten gegen Serbien und Russland eingesetzt wurden. Diese Geschichte wiederholte sich in den vergangenen Jahren mit dem plötzlichen Erscheinen des „Islamischen Staates“ (IS).

Die Saga des Deutsch-Syriers Muhammad Haydar Zammar illustriert bestens diese geheimdienstlichen Vorgänge: Nach seiner Kampferfahrung in Afghanistan und Bosnien kehrte er nach Deutschland zurück, beteiligte sich an der angeblichen Radikalisierung der sogenannten Hamburger Terrorzelle um Mohammed Atta – der übrigens mit dem 9/11 nichts zu tun hatte – und soll Mitglieder dieser Gruppe für eine kurzzeitige Ausbildung in Afghanistan angeworben haben.

Zammar war den deutschen Ermittlern gut bekannt beziehungsweise arbeitete in ihrem Auftrag (7). Nach den Anschlägen des 11. September 2001 wurde ihm von höchster Stelle „gestattet“, von Deutschland nach Marokko auszureisen, damit er nicht für Aussagen im Gerichtsverfahren gegen Mounir al-Motassadeq zur Verfügung stehe. Er hätte sonst seine Rolle als Anwerber zugeben müssen. Später wurde er dann von der CIA mithilfe des marokkanischen Geheimdiensts nach Syrien verschleppt. Die deutschen Behörden bestritten, von diesen Machenschaften etwas gewusst zu haben, wollten ihn aber nicht nach Deutschland zurückzubringen. Stattdessen besuchten deutsche Ermittler ihn in Syrien, um ihn zu vernehmen. Die Protokolle ihrer Vernehmungen sind bis heute Verschlusssache (8).

Das Dossier Zammar war politisch so brisant, dass es das Bundeskanzleramt beschäftigte und dessen damaliger Chef Frank-Walter Steinmeier sich mit dem Fall intensiv befasste.

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