Brückenunglück in Genua: Wie Privatisierungen die Sicherheit gefährden

Brückenunglück in Genua: Wie Privatisierungen die Sicherheit gefährden

21-08-18 12:04:00,

43 Menschen sterben beim Einsturz der Morandi-Brücke. Das Unglück ist zum Sinnbild für die katastrophalen Folgen von rigider Sparpolitik und Privatisierung geworden. Lastwagenfahrer, prekär beschäftigte Putzkräfte mit albanischen Wurzeln, Arbeitsmigranten aus Süditalien, junge Menschen und Familien, die zu Ferragosto mit ihrem Spargroschen ein paar Tage Ferien machen wollten – sie alle haben ihr Leben verloren.

Die Schockbilder aus Genua erschüttern ganz Italien. Genau einen Tag, bevor das Land traditionell den Höhepunkt des Sommers feiert, stützt die Autobahnbrücke Morandi ein und reißt 43 Menschen in den Tod. Das Unglück ist zum Sinnbild für die katastrophalen Folgen von über zwei Jahrzehnten rigider Spar- und Privatisierungspolitik geworden.

Haupteigentümer der Brücke war Benetton

1999 hat die italienische Regierung die Privatisierung der Autobahngesellschaft Autostrade beschlossen. Der Staat blieb zwar Eigentümer des Autobahnnetzes, die Verwaltung und Erhaltung wurden jedoch einem Privaten übergeben. Den Zuschlag erhielt damals die Aktiengesellschaft Schemaventotto aus dem Imperium der Familie Benetton. Anfangs hielt Benetton nur ein Drittel der Aktien, steigerte den Anteil 2003 aber auf über 80 Prozent. Nach einer neuerlichen Reorganisierung entstand das Unternehmen Autostrade per l’Italia, das zu 100% von Autostrade S.p.A. kontrolliert und später in Atlantia umbenannt wird.

Haupteigentümer ist und bleibt dabei immer Benetton. Dessen Beteiligungsholding Atlantia hält auch Autobahnen in Lateinamerika, Flughäfen (Rom, Nizza…) und verdient mit Autobahnraststätten. Den Expansionskurs haben vor allem die ständig steigenden Mauteinnahmen (+21%) finanziert.

Kaum Kontrolle, freie Hand bei Mauthöhe

In Italien sorgen die mehr als kapitalfreundlichen Bestimmungen für die privaten Autobahnbetreiber seit Jahren für Aufregung. So haben Experten empfohlen, die Mautgebühren bei wachsendem Verkehrsaufkommen zu senken – das wurde aber politisch verhindert. Entgegen den gesetzlichen Vorgaben verzichtet der Staat gänzlich darauf, Einfluss auf die Mauthöhe und die Qualitätskontrolle zu nehmen.

Der private Betreiber hatte völlig freie Hand und die hat er im großen Stil genutzt. Die Aktiengesellschaft hat sich mehr oder weniger selbst kontrolliert. Autostrade per l’Italia durfte etwa die Mautgebühren erhöhen, um Investitionen zu finanzieren, die unter Umständen getätigt werden. Stellen wir uns vor: Ein Hotelier würde die Preise in seinem 3-Stern-Hotel erhöhen, weil er sein Haus zu einer 5-Sterne-Unterkunft umbauen will. Die Gäste würden wohl bald ausbleiben. Für die Benutzer einer Autobahn ist das natürlich nicht so leicht möglich.

Einnahmen sprudelten, Investitionen sanken um 20 Prozent
Eingestürzte Morandi-Brücke: Das Unglück ist zum Sinnbild für die katastrophalen Folgen von rigider Sparpolitik und Privatisierung geworden.

Das teileingestürzte Polcevera-Viadukt am 14.

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Genua en het algemeen belang | Uitpers

Genua en het algemeen belang | Uitpers

16-08-18 08:25:00,

Te koop (wikimedia.commons)

Beppe Grillo, de stichter van de nu regerende Italiaanse Vijfsterrenbeweging, vindt dat het beheer van bruggen en wegen weer een zaak van de staat moet worden. Met de instorting van de Morandi-viaduct in Genua is in Italië en elders de discussie losgebarsten over de privatiseringen van de infrastructuur: in hoeverre zijn die te rijmen met het algemeen belang?

Kas vullen

Zoals elders dacht de Italiaanse overheid dat privatisering van infrastructuur veel goede kanten had. Er was het credo van de EU dat schuldafbouw voor alles gaat, privatiseringen spijzen de staatskas. En na het blootleggen van de systematische corruptie van de politieke ‘gezagsdragers’, kon privatisering begin deze eeuw ook worden voorgesteld als een middel tegen corruptie. Terwijl dat in de praktijk net het omgekeerde is, want bij voorbeeld concessies toewijzen laat veel ruimte voor smeren.

De firma Autostrade,onderdeel van Atlantia, die bruggen, wegen en luchthavens uitbaat in Europa en Amerika, heeft één centraal doel: winst maken. Veiligheid is een nevenaspect, zoals dat ook het geval was bij de brand in het torengebouw Grenfell in Londen op 14 juni 2017. Uit winstbejag was er bij de renovatie goedkope maar wel zeer brandbare gevelbeplating aangebracht. Londen, Genua, het is dezelfde logica.

Luchthavens

Ook in Frankrijk wordt nu volop gediscussieerd over de verdere privatiseringsplannen van president Macron en zijn rechtse minister van Economie en Financiën Bruno Le Maire. Voor eind dit jaar staat de privatisering van de luchthaven van Parijs op de agenda; de staat wil zijn aandeel van 50,6 % van de hand doen. Kandidaat is onder meer de firma Atlantia die daar grote winst ruikt. Atlantia is al eigenaar van de luchthaven van Nice.

Macron heeft duidelijk de openbare opinie niet mee. De privatisering van de autowegen is een schandaal, de rechtse Jean-Pierre Raffarin, premier van 2002 tot 2005, heeft indertijd enkele concessies cadeau gedaan aan zijn vrienden die naar hartelust de toltarieven verhogen. Er is ook de vrees van het publiek voor slappere veiligheidsnormen; een privéfirma heeft er ook geen belang bij rekening te houden met de omwonenden, integendeel, hoe meer verkeer hoe meer winst – zijn enkele opwerpingen van tegenstanders die er ook op wijzen dat zelfs in de VS, met hun verering voor de privé, de luchthavens beheerd worden door de diverse staten.

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Brücke in Genua: Privatisierung tötet – doch die Medien warnen vor „Schuldzuweisung“ – www.NachDenkSeiten.de

Brücke in Genua: Privatisierung tötet – doch die Medien warnen vor „Schuldzuweisung“ – www.NachDenkSeiten.de

16-08-18 08:22:00,

16. August 2018 um 14:35 Uhr | Verantwortlich:

Brücke in Genua: Privatisierung tötet – doch die Medien warnen vor „Schuldzuweisung“

Veröffentlicht in: Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Markt und Staat, Medienkritik, Privatisierung, Verkehrspolitik

Das Unglück von Genua hätte eine Steilvorlage für kritischen Journalismus sein können. Stattdessen nehmen die großen europäischen Medien die private Betreiberfirma der Brücke in Schutz – denn auf das Prinzip der Privatisierung soll kein schlechtes Licht fallen. Von Tobias Riegel.

Es gibt kein einziges Beispiel für eine positiv verlaufene Privatisierung öffentlicher Güter, seien dies Infrastruktur-Projekte wie Brücken, Autobahnen oder Bahntrassen oder seien dies Dienstleistungen in der Verwaltung oder in der Krankenversorgung. Im Gegenteil: Der allgemeine Begriff Privatisierung kann schnell und erbarmungslos auf den Alltag durchschlagen – der Zusammenbruch der privat betriebenen Brücke in Genua symbolisiert das auf schockierende Weise. Hier wird den Menschen die tödliche Folge eines Rückzugs des Staates schonungslos vor Augen geführt. Weil der Brücken-Einsturz neben dem individuellen Leid das prinzipielle Problem der Privatisierung beleuchtet, wettern viele Medien nun gegen eine „Schuldzuweisung“ in Richtung der privaten Betreibergesellschaft.

Naturgemäß fordern die großen europäischen Medien nun keine öffentliche Zurückeroberung von privatisierten Bereichen – die Berichterstattung hat das gegenteilige Ziel: Aus der Katastrophe sollen keine „falschen“ Schlussfolgerungen gezogen werden, also solche, die sich gegen Privatisierungen richten. Und so läuft eine Medien-Kampagne gegen „populistische“ Kritik an den Brücken-Betreibern und gegen ein „altes Spiel der Schuldzuweisungen“, wie etwa die belgische Zeitung „De Tijd“ kommentiert:

„Die Katastrophe von Genua gibt ihr (der italienischen Regierung) nun Gelegenheit, sich zu beweisen. Aber die Art und Weise, auf die sie die Schuld so weit wie möglich von sich weist und schnell Sündenböcke präsentiert, die in ihr ideologisches Schema passen, verheißt nichts Gutes. Das Land braucht eine neue Dynamik und nicht das alte Spiel der Schuldzuweisungen, um vor allem selbst nichts tun zu müssen.“

Dieser Tenor zieht sich durch zahlreiche europäische Medien, stellvertretend schreibt etwa die „Tagesschau“: „Die Schuldzuweisungen haben längst begonnen“ und: „Der Grund für den Brückeneinsturz in Genua ist noch unklar, doch die Regierung hat die Schuldigen bereits ausgemacht: den Autobahnbetreiber.“

„Populisten“ betreiben „Vorverurteilung“

Die „Hessische Allgemeine“ findet: “Es ist der Tag der Reflexe- und damit der viel zu schnellen,

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