Schweres Geschütz

schweres-geschutz

01-08-20 09:06:00,

Der Krebs ist da. Seine Scheren erfassen den Körper der Betroffenen und zerfressen ihn von innen heraus. Den aggressiven Killerzellen und bösartigen Tumoren, die sich heimtückischen Monstern gleich in uns breitmachen, stehen, ganz in Weiß, Heerscharen von Spezialisten gegenüber. In geschlossenen Reihen kämpfen sie mit allen Mitteln gegen die Invasion des Feindes. Sie vergiften und bestrahlen den hinterhältigen Angreifer und schneiden das Entartete heraus.

So erinnern die heute gegen Krebs eingesetzten Kampfmittel auf makabre Weise an ihre Ursprünge im kriegserschütterten 20. Jahrhundert: Die Chemotherapie ist ein Derivat des Senfgases, das in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs zum Einsatz kam, und die Zerstörungskraft radioaktiver Strahlung wurde am Ende des Zweiten Weltkriegs in Japan zur Genüge bewiesen.

Damals kam der Feind von außen. Heute, so wird gesagt, sitzt das Entartete in uns. Bei der Behandlung wird der gesamte Körper in Mitleidenschaft gezogen. Alles wird zerstört. Nicht nur den „bösen“, sondern auch den „guten“ Zellen wird der Garaus gemacht. Man hofft, dass nur die guten die Schlacht überleben werden. Viele Patienten bleiben dabei auf der Strecke. Am Ende weiß man nicht mehr, woran die Behandelten eigentlich gestorben sind: an der Krankheit selbst oder an den Nebenwirkungen der Behandlungen.

Von Heilung wird selten gesprochen. Diejenigen, die stark genug sind zu überleben, sind in Remission. Viele von ihnen leiden ein Leben lang an den Langzeitwirkungen und an der Angst vor einem Rückfall. Mit gutem Grund: Die Behandlungen selbst sind hoch krebserregend. Denn bei der Chemotherapie werden nicht im eigentlichen Sinne Medikamente verabreicht, sondern Zellgifte, die unser Erbgut und unser Immunsystem dauerhaft schädigen können.

Als ich mich für das klassische Krebsprotokoll entschied, waren mir die möglichen langfristigen Auswirkungen der Behandlungen nicht klar. Ich wurde nicht darüber informiert. Statistisch gesehen, so sagte man mir, lagen meine Überlebenschancen bei 90 Prozent. Das stimmte mich zuversichtlich. Die Information, dass es sich um die Chancen für die nächsten fünf Jahre handelte, wurde nicht mitgeliefert. Niemand klärte mich über mögliche Folgeerscheinungen wie zum Beispiel Herzerkrankungen, Rheumatismen, Gedächtnisstörungen oder das wachsende Risiko für Osteoporose auf. In einem kurzen Gespräch wurde entschieden, wie es mit mir weitergehen sollte. „Jeder Mensch ist anders“, wurde mir erklärt, als man mir ein für Millionen Menschen konzipiertes Protokoll verschrieb. Man weiß nicht, wie der Organismus reagieren wird. Es gibt keine Garantie,

 » Lees verder

“Neue Normalität” als Geschäft und scheinbare Sicherheit

“neue-normalitat”-als-geschaft-und-scheinbare-sicherheit

27-05-20 06:13:00,

Aus der Werbebroschüre für Centoswab von Centogene.

Rostock und eine Schule in Mecklenburg-Vorpommern, die negativ Getestete mit grünen Punkten und Privilegien auszeichnet, haben mit dem Corona-Test der Firma Centogene, die auch an einem “digitalen Corona-Gesundheitszertifikat” arbeitet, eine gefährliche Schwelle überschritten

Das Gymnasium Carolinum in Neustrelitz in Mecklenburg-Vorpommern, das größte des Bundeslandes, will schneller in die “Normalität” zurück, die aber tatsächlich neu und anders ist. Die Klassen sollen wieder die übliche Zahl von Schülern enthalten, die Lehrer, auch die in Risikogruppen, sollen wieder eingesetzt werden können. Mit der seit November 2019 börsennotierten Biotech-Firma Centogene hat Schulleiter Henry Tesch als Pionier schon im April eine Vereinbarung getroffen, dass die Schüler sich “freiwillig” mit Centoswab zweimal die Woche auf Covid-19 testen können.

Die Schule muss für die Werbestrategie für das “kreative Modell” der Firma nichts zahlen, die sich über die Vereinbarung mit dem Schulleiter ein Geschäftsfeld erschließen will – was zu gelingen scheint, weil nun auch Rostock plant, die Centogene-RT-PCR-Tests an allen Schulen anzubieten. Nach der Ostsee-Zeitung fordert man einen Sonderweg, das Bildungsministerium soll auch bereits über Tests an Schulen nachdenken, aber noch nicht an flächendeckende Tests, wie dies das Unternehmen nahelegt und entsprechende Vorschläge gemacht hat. Das Unternehmen hat angekündigt, seine Testkapazitäten zu erhöhen, täglich sollen 75.000 Tests durchgeführt werden können.

In Mecklenburg-Vorpommern gab es bislang deutschlandweit die wenigsten Infizierten, bis gestern waren gerade 759 mit Sars-CoV-2 infizierte Menschen registriert worden. Davon mussten 112 (14 Prozent) im Krankenhaus behandelt werden, 20 sind in Zusammenhang mit einer COVID-19-Infektion verstorben. Gestern gab es wieder einen neu Infizierten, in den sechs Tagen zuvor keinen einzigen.

“Unser Ziel ist es”, sagte Tesch, “dass alle wieder gemeinsam in einem Raum lernen können. Wenn Sie das an einer Schule wie dieser machen, die einen Radius von 60 Kilometern hat, jeden Morgen, dann testen Sie ja nicht nur hier diesen Bereich, Sie testen ja fast in die Familien und in den Landkreis hinein.”

Aber von einem Test jeden Tag ist dann in der Realität doch nicht die Rede. Vorangegangen war die Initiative des Oberbürgermeisters Claus Ruhe Madsen, der mit dem in Rostock angesiedelten Unternehmen eine Teststation aufgebaut hatte,

 » Lees verder

Universität als Geschäft: Oligarch will Privathochschule in der Schweiz gründen

universitat-als-geschaft:-oligarch-will-privathochschule-in-der-schweiz-grunden

07-02-20 01:43:00,

Ein Geschäftsmann aus Singapur, Sergei Beloussow, will eine private Hochschule in der Schweiz gründen – mit hohen Ambitionen. Neben seinem eigenen Vermögen erhält er auch noch Geld vom Kanton Schaffhausen, dem Entstehungsort der Institution. Neben einem Bildungsauftrag hofft Beloussow jedoch auch auf eine gewisse finanzielle Effizienz.

Sergei Beloussow ist ein Geschäftsmann aus Singapur mit russischen Wurzeln, der gerade dabei ist, eine private Universität in der Schweiz zu errichten. Der erfahrene Unternehmer hatte bereits vor 20 Jahren seine erste Firma gegründet. Beloussow hat mehrere dutzende Unternehmen gegründet, viele davon hat er wieder verkauft. Die Schweizer Zeitschrift „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) berichtet, dass sein Vermögen momentan auf 600 Millionen Dollar geschätzt wird. Als CEO der IT-Sicherheitsfirma „Acronis“ hat er 2018 eine andere Richtung eingeschlagen: Er gründete das Schaffhausen Institute of Technology (SIT).

Noch gäbe es kein Gebäude der SIT in Schaffhausen selbst. Die bisher elf Immatrikulierten studieren in Nebengebäude der Partneruniversitäten Carnegie Mellon in Pittsburgh oder an der National University of Singapore. Auch zwei Dozenten sollen bereits zugesagt haben. Diese Zahlen sollen alle stark wachsen in den nächsten Jahren: Die Kapazität soll 2500 Studenten umfassen, die von renommierten Dozenten und Nobelpreisträger unterrichtet werden sollen. Allerdings habe die Universität bisher noch kein Gebäude und auch am Hauptsitz gebe es weder Klingelschild noch Briefkasten.

Universität als Geschäftsfeld?

Mit einer Universität Profit zu machen scheint erstmals bizarr. Für Beloussew soll dies jedoch eine sichere Investition zu sein. Zur NZZ sagt er:

„Wissen Sie, es gibt wenige Unternehmen, die älter als 500 Jahre sind. Universitäten sind fast alle über 500 Jahre alt. So gesehen sind sie die sicherste Investition.“

Beloussow sehe fünf Ebenen, auf denen man Geld verdienen könne. Diese lauteten: Bildungsbereich, wissenschaftliche Dienste, Infrastruktur, Zusammenarbeit mit Spin-Offs und die Entwicklung eigener Systeme. Startups, die vielversprechend seien, könnte somit Zugriff zu den universitären Ressourcen verschaffen werden. Mit dem Gelingen dieser Startups würde man zusätzlich Gewinn einnehmen können. „Andererseits wollen wir innerhalb der Universität verschiedene Managementsysteme entwickeln und diese an Dritte vertreiben“, erklärt Beloussow.

Finanzielle Unterstützung vom Kanton

Trotz seines Vermögens, von dem er 100 Millionen Dollar selbst investieren will, kriegt Beloussow auch Geld vom Staat. Genauer vom Kanton Schaffhausen, in welchem auch die Universität gebaut werden soll. Der zugesprochene Betrag liegt bei drei Millionen Schweizer Franken (rund 2,8 Millionen Euro).

 » Lees verder

“Wir sind Geschöpfe des Waldes” – Wolf-Dieter Storl bei den Buchkomplizen | KenFM.de

“wir-sind-geschopfe-des-waldes”-–-wolf-dieter-storl-bei-den-buchkomplizen-|-kenfm.de

23-11-19 03:57:00,

Dieser Artikel ist auch als kostenlose MP3 für Dich verfügbar!

Download MP3

Wolf-Dieter Storl ist ein Pionier der Permakultur, Ethnobotaniker, Kulturanthropologe und ein Gegner der allseits verbreiteten Meinung, CO2 allein sei Schuld am Klimawandel. Für ihn ist CO2 die Grundlage des Lebens.

Als Kenner und Freund aller Pflanzen leugnet er damit keineswegs den Klimawandel, sondern fordert ein vielseitigeres Denken und einen bewussteren Umgang mit unserer Umwelt. Die Bewegung „Fridays for Future“ sieht er mehr als kritisch und plädiert dafür, alles Natürliche nicht als Gegenstände, sondern als Lebewesen anzusehen.

Pflanzen brauchen CO2. Wir Menschen brauchen einen klaren Verstand.

Wolf-Dieter Storl mit seinem neuen Buch „Wir sind Geschöpfe des Waldes“ auf der Frankfurter Buchmesse 2019.

+++

KenFM jetzt auch als kostenlose App für Android- und iOS-Geräte verfügbar! Über unsere Homepage kommt Ihr zu den Stores von Apple und Google. Hier der Link: https://kenfm.de/kenfm-app/

+++

Dir gefällt unser Programm? Informationen zu Unterstützungsmöglichkeiten hier: https://kenfm.de/support/kenfm-unterstuetzen/

+++

Jetzt kannst Du uns auch mit Bitcoins unterstützen.

BitCoin Adresse: 18FpEnH1Dh83GXXGpRNqSoW5TL1z1PZgZK

Veröffentlicht am: 23. November 2019

Anzahl Kommentare: 6 Kommentare

 » Lees verder

Tagesdosis 9.8.2019 – Geschäftsmodell Klima | KenFM.de

tagesdosis-982019-–-geschaftsmodell-klima-|-kenfm.de

09-08-19 09:40:00,

Dieser Artikel ist auch als kostenlose MP3 für Dich verfügbar!

Download MP3

Ein Kommentar von Rainer Rupp.

Tatsächlich war die so genannte „Klimadebatte“ früher einmal wissenschaftlich, bis sie spätestens Anfang der 1990er Jahre im Rahmen der engen Fokussierung auf CO2 als Hauptverursacher des Klimawandels erst politisiert und dann finanzialisiert wurde. Führende Leute des US-Establishments, allen voran Bill Clintons Vizepräsident Al Gore, entdeckten, dass man aus dieser neuen Masche viel politischen Honig und noch mehr finanzielle Vorteile ziehen konnte. Nicht lange nach Al Gore`s Abgang aus dem Weißen Haus 1991  (Korr. des Autors: es handelt sich um das Jahr 2001) hatte er seinen eigenen Umwelt Hedgefonds gegründet und zusammen mit anderen Prominenten wie z.B. mit dem berüchtigten Hedgefonds-Spekulanten George Soros in CO2-Zertifikate investiert, um dann an den neuen Klimabörsen zu zocken und um mit der „Rettung des Klimas“ Millionen zu scheffeln.

Dazu zitierte „Das Handelsblatt“ vom 5.9. 2010 den Großinvestor Soros, der sich „nicht zufällig den Emissionshandel als Spekulationsziel ausgesucht“ habe. Denn dieser Markt, so schwärmte Soros, sei „wenig transparent und anfällig für Manipulationen“. Wörtlich sagte der Großspekulant: „Deshalb ist er (der CO2 Emissionshandel) so beliebt bei Finanztypen wie mir.“

Weiter führt das Handelsblatt aus, dass Top-Klimaretter Gore Mitgründer der Vermögensverwaltungsfirma „Generation Investment Management“ war, für die er damals allein mit einem Fonds fünf Milliarden Dollar eingesammelt habe. „Er investiert nicht nur in Windräder, Solarzellen und CO2-Zertifikate, sondern auch in Allerweltsunternehmen wie Nestlé oder den Autozulieferer Johnson Controls, die besonders nachhaltig wirtschaften sollen. Bei Fonds mit grünem Label ein durchaus gängiges Verfahren“, so das Handelsblatt.

Aber das war 2010; inzwischen hat Gore die CO2-Masche für sich zu einer wahren Gelddruckmaschine ausgebaut. Für US-Politiker kam Al Gore aus relativ bescheidenen Vermögensverhältnissen von nur einigen Millionen Dollar als Eigenkapital im Jahr 1992. Dank seines CO2-Geschäftsmodells war sein Eigenkapital im Jahr 2010 bereits auf über 100 Millionen gestiegen, und sich laut „Business Financial Post hatte es sich drei Jahre später, also 2013, auf weit über 200 Millionen Dollar mehr als verdoppelt.

 » Lees verder

Geschäftsgeheimnisse und Cum/Ex: Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Correctiv-Chefredakteur

geschaftsgeheimnisse-und-cumex-staatsanwaltschaft-ermittelt-gegen-correctiv-chefredakteur

11-12-18 05:23:00,

Die Staatsanwaltschaft Hamburg ermittelt wegen des Verdachts der Anstiftung zum Verrat von Geschäftsgeheimnissen gegen den Chefredakteur des Recherchenetzwerks Correctiv, Oliver Schröm. Das gab Correctiv heute bekannt. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang mit den Cum/Ex-Recherchen, die zeigen, wie Banken den Haushalt von europäischen Staaten um 55 Milliarden Euro schädigten.


netzpolitik.org – unabhängig & kritisch dank Euch.

Statt gegen die Drahtzieher der Bankengeschäfte ermittelt die Staatsanwaltschaft jetzt gegen die Journalisten, die die Praxis aufdeckten. Auf Ersuchen der Staatsanwaltschaft Zürich leiteten die Hamburger ein Ermittlungsverfahren gegen Oliver Schröm ein und vernahmen bereits einen mutmaßlichen Informanten.

Neues Gesetz verschlechtert Lage für Journalisten

Dass ein solches Ermittlungsverfahren überhaupt möglich ist, wirft ein negatives Licht auf die Gesetzeslage zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen. Schon jetzt kann die Staatsanwaltschaft nach dem Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb gegen Journalisten ermitteln, wenn der Verdacht besteht, dass Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen verraten wurden.

Derzeit plant die Bundesregierung allerdings die Einführung des Gesetzes zum Schutz von Geschäftsgeheimnissen, eines neuen Gesetzes, das die Inhaber von Geschäftsgeheimnissen in eine noch stärkere Position bringen würde. Ermittlungsverfahren wie gegen Schröm würden mit dem vorgesehenen Entwurf noch weiter erleichtert werden.

Maulkorb für Beschäftigte

Das liegt zum einen an der neuen Definition von Geschäftsgeheimnissen. Anders als bisher sollen Inhaber von Geschäftsgeheimnissen kein berechtigtes Interesse an der Geheimhaltung von Informationen mehr nachweisen müssen. Der Effekt: Auch rechtswidrige Praktiken könnten künftig von Unternehmen zu Geschäftsgeheimnissen erklärt werden.

Nicht nur für Journalisten, auch für Arbeitnehmer könnte dies zum Problem werden. Das DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach nennt die vorgesehene Regelung gegenüber netzpolitik.org einen „Maulkorb für Beschäftigte und ihre Interessenvertretungen“. Sie räume den Unternehmen die Deutungshoheit darüber ein, welche Informationen ein Geschäftsgeheimnis sein sollen.

Fehlender Schutz für Whistleblower

Außerdem könnten Informanten und Hinweisgeber künftig noch schneller einer Strafverfolgung ausgesetzt sein. Zwar sollen journalistische Tätigkeiten und Whistleblowing im Zusammenhang mit der Veröffentlichung von Geschäftsgeheimnissen nach dem Gesetzentwurf nicht strafbar sein. Der Gesetzentwurf schränkt allerdings ein, dass lediglich Whistleblower geschützt seien, die die Absicht gehabt hätten, das allgemeine öffentliche Interesse zu schützen. Statt also zu prüfen, ob Veröffentlichungen tatsächlich im öffentlichen Interesse geschehen, soll eine Gesinnungsprüfung für Whistleblower eingeführt werden. Es ist abzusehen, dass eine solche Regelung zu weiteren Schikanen gegen Whistleblowern führen würde.

 » Lees verder

Geschürte Hysterie

Geschürte Hysterie

24-07-18 10:12:00,

Es ist schon bedenklich, dass Behörden eine Abschiebung anordnen, wenn für den Abgeschobenen Folter droht. Doch noch zerstörerischer für den Rechtsstaat ist, wenn Politik und Behörden im Abschiebeverfahren jeglichen Respekt gegenüber der dritten Gewalt, den Gerichten, vermissen lassen. Dies war bei der Abschiebung von Sami A. der Fall. Die zuständigen Behörden haben durch Täuschungsmanöver eine zu erwartende unliebsame Gerichtsentscheidung bewusst ins Leere laufen lassen. Dadurch wurde der vom Grundgesetz verbürgte (Artikel 19 Absatz 4) und mit „Ewigkeitsgarantie“ ausgestattete (Artikel 79 Absatz 3) gerichtliche Rechtsschutz unterlaufen.

Der Präsident des für Sami A. zuständigen Verwaltungsgerichts (VG) Gelsenkirchen hat auf der Homepage des Gerichts den zeitlichen Ablauf der gerichtlichen Verfahren dokumentiert. Eine ergänzende Chronik findet sich auf Spiegel Online.

Aus den Gerichtsakten ergibt sich eindeutig, dass die Gelsenkirchener Verwaltungsrichter unter allen Umständen verhindern wollten, dass im Abschiebungsverfahren „vollendete Tatsachen“ geschaffen werden. Deshalb forderten sie das BAMF als zuständige Behörde auf, eine verbindliche Zusage abzugeben, dass vor der anstehenden Gerichtsentscheidung keine Abschiebungsmaßnahmen eingeleitet werden (sogenannte „Stillhaltezusage“); andernfalls behalte sich das Gericht vor, eine vorläufige Entscheidung (sogenannter „Hängebeschluss“) zu fällen.

Hierauf teilte das BAMF dem VG am 12. Juli mit, dass die Flugbuchung für diesen Tag storniert worden sei. Angesichts dieser Mitteilung konnten die Richter davon ausgehen, dass vor ihrer Entscheidung keine Abschiebung erfolgen wird. Sie berieten noch am Abend desselben Tages über den Rechtsschutzantrag des Sami A. und verfügten, dass dieser wegen drohender Folter nicht abgeschoben werden darf. Sie hinterlegten den 22-seitigen Beschluss um 19:20 Uhr in der – zu dieser Zeit nicht mehr besetzten – Geschäftsstelle des Gerichts.

In den frühen Morgenstunden des 13. Juli holte die nordrheinwestfälische Landespolizei Sami A. aus der Abschiebehaftanstalt und fuhr ihn zum Flughafen Düsseldorf. Dort nahmen ihn Bundespolizisten um 05:05 Uhr in Empfang und brachten ihn zum wartenden Flugzeug. Als der Gerichtsbeschluss am nächsten Morgen kurz nach 08:00 Uhr den Behörden per Fax übermittelt wurde, war das Flugzeug mit Sami A. bereits seit mehr als einer Stunde Richtung Tunis unterwegs.

In der Folge erfuhren die Richter durch Pressemeldungen von der nächtlichen Aktion. Sie versuchten umgehend, die Auslieferung des Sami A. an die tunesischen Behörden im letzten Moment zu verhindern. Eine Richterin wies die Ausländerbehörde um 09:25 Uhr darauf hin, „dass der Antragsteller – sollte er sich derzeit noch im Transitbereich des Zielflughafens befinden – zurückzufliegen sei“.

 » Lees verder

Mörderische Geschäfte

Mörderische Geschäfte

02-05-18 10:53:00,

In diesem Gremium werden deutsche Rüstungsexporte genehmigt. Das ist von großer Bedeutung, denn Deutschland ist als Rüstungsexporteur ein Gigant. Deutschland befeuert praktisch jeden Konflikt der Erde mit Waffen und Munition. Vordergründig geht das nach gewissen Grundsätzen. Grundlage ist das Kriegswaffenkontrollgesetz.

Dort steht unter Ziffer 6, wann eine solche Genehmigung nicht zu erteilen ist. Bisweilen geistert durch die Medien, dass Deutschland beispielsweise keine Kriegswaffen in Krisengebiete liefern darf. Das ist aber leicht auszuhebeln. Schon die Verlagerung der Bombenproduktion in ein anderes Land mit anderen Exportregeln reicht, Millionengeschäfte dort zu machen, wo die Waffen eingesetzt werden: in den verheerenden Kriegen dieser Zeit und in Krisenregionen, in denen Menschen leiden, sterben oder ihre Heimat verlieren. Die Globalisierung hilft den Konzernen, und was auch immer das Genehmigungsgremium tut, bleibt im Dunklen.

Selbst die öffentlich rechtlichen Medien, die gemeinhin dazu neigen, regierungskonform zu berichten, leisten sich inzwischen kritische Reportagen wie „Bomben für die Welt“, eine aktuelle Produktion des Bayerischen Rundfunks. Darin geht es um das schmutzige Bombengeschäft der Rheinmetall AG. Deren Produkte töten im Jemen, und der Jemen ist nach allgemeiner Auffassung ein Krisengebiet, seitdem Saudi Arabien dort mit allem bombardiert, was das feudale Königshaus auf dem Weltmarkt an Waffen für die eigene Sicherheit verkauft bekommt.

Schon der Inhalt dieser auffallend gut recherchierten Sendung gibt genügend Anlass, alle Mitglieder des Bundessicherheitsrates zumindest seit Bundeskanzlerin Merkels Amtszeit zum sofortigen Rücktritt aus allen Ämtern aufzufordern. Vollendeter Massenmord mit deutschen Rüstungsprodukten müsste einen riesigen Aufschrei zur Folge haben. Leider ist dieses Thema im öffentlichen Diskurs in Deutschland nicht sonderlich präsent.

Die Mitglieder des Bundessicherheitsrates sind oder waren nicht irgendwelche Ministerialbeamte, sondern stets führende Bundespolitiker in Persona:

  • Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel
  • Der Minister im Auswärtigen Amt (AA), Frank-Walter Steinmeier (jetzt Bundespräsident), Sigmar Gabriel, aktuell Heiko Maas
  • Der Minister oder die Ministerin im Bundesministerium der Verteidigung (BMVg), Franz Josef Jung, Karl-Theodor zu Guttenberg, Thomas de Maizière, aktuell Ursula von der Leyen
  • Der Minister im Bundesministerium des Innern (BMI), Wolfgang Schäuble, Thomas de Maizière, momentan Horst Seehofer
  • Der Minister im Bundesministerium der Justiz (BMJ), Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, Heiko Maas, jetzt Dr. Katarina Barley
  • Der Minister im Bundesministerium der Finanzen (BMF), Peer Steinbrück, Wolfgang Schäuble, jetzt Olaf Scholz
  • Der Minister im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi),

 » Lees verder

Das Geschäft mit dem Tod

Das Geschäft mit dem Tod

14-02-18 01:32:00,

Am Montag legte das Pentagon, das US-Verteidigungsministerium, seinen Haushaltsentwurf für das Jahr 2019 vor. Danach sollen bis zu 6000 US-Spezialkräfte weiter im Irak und in Syrien stationiert bleiben. Die US-Armeepräsenz sei weiter erforderlich, um zu stabilisieren und um zu verhindern, dass der „IS“ wieder auftauchen könne. Mit 15,3 Milliarden US-Dollar soll die US-geführte „Anti-IS-Koalition“ 2019 von Washington unterstützt werden. Der Betrag übersteigt das Budget für das laufende Jahr 2018 um 2 Milliarden US-Dollar.

In der Summe enthalten sind 1,4 Milliarden US-Dollar, um „US-Partner“ im Irak und in Syrien auszubilden und auszurüsten. 850 Millionen US-Dollar sind für die irakische Armee und die kurdischen Peschmerga im Nordirak gedacht. 300 Millionen US-Dollar gehen an die von den Kurden geführten „Syrischen Demokratischen Kräfte“ (SDK) in Syrien. 11.000 SDK-Kämpfer wurden von der US-Armee offiziell seit 2015 bewaffnet und ausgebildet. Mit 250 Millionen US-Dollar wollen die USA eine Grenzschutztruppe im Nordosten Syriens ausbilden, das Gebiet in den syrischen Provinzen Rakka, Hasakeh und Deir Ezzor wird von syrischen Kurden mit US-Streitkräften und Verbündeten der „Anti-IS-Koalition“ kontrolliert. Auch an der südlichen Grenze zu Jordanien will das Pentagon die Sicherheitsmaßnahmen verstärken. Dor wurde ein illegaler US-Militär-Stützpunkt bei Al Tanf errichtet, auf dem die US-Armee mit Verbündeten eine „Neue syrische Armee“ trainiert.

Den größten Teil des Haushaltsplan 2019 macht mit 10,9 Milliarden US-Dollar der Einkauf bei der Rüstungsindustrie aus. Munitionsvorräte müssen wieder aufgestockt werden, die bei den „Befreiungs“-Kämpfen um Rakka und Mosul deutlich geschrumpft waren. Auf der Einkaufsliste der US-Streitkräfte stehen Hellfire Raketen und so genannte SDB-Bomben (Small Diameter Bombs), die präzisionsgelenkt ihr Ziel treffen. Stückpreis 40.000,00 US-Dollar. Die „Effizienz“ der SDB-Geschosse kann u.a. in Mosul und Rakka betrachtet werden, wo sie nach US-Armee-Angaben massiv eingesetzt wurden und ganze Stadtviertel in Schutt und Asche legten.

Die Geschäfte für die US-Rüstungsbranche laufen gut. Der Kampf gegen den „IS“ kostete die US-amerikanischen Steuerzahler nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums 2016 täglich rund 11 Millionen US-Dollar. Den Auftakt der „Anti-IS-Koalition“ in Syrien machten im September 2014 mindestens 47 Marschflugkörper der Marke Tomahawk, die von US-Kriegsschiffen im Golf auf die syrischen Ölförderanlagen im Osten des Landes gefeuert wurden. Der Stückpreis variiert je nach Größe zwischen 500.000 – 2,03 Millionen US-Dollar. Seit Juni 2015 erhöhten sich die täglichen Kosten für den „Anti IS-Einsatz“ der US-Streitkräfte schlagartig um 2 Millionen US-Dollar. Allein die US-Luftwaffe hat seit August 2014 5,5 Milliarden US-Dollar verschlungen.

 » Lees verder