Gesichtserkennung: Automatisierter Rassismus gegen uigurische Minderheit in China

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15-04-19 11:23:00,

China baut die Überwachung der muslimischen uigurischen Minderheit aus. Wie jetzt herauskam, sind Gesichtserkennungssysteme in zahlreichen Städten Chinas darauf ausgerichtet, Mitglieder der Minderheit automatisch zu erkennen und zu tracken. Schon im Jahr 2017 war bekannt geworden, dass die Regierung die biometrischen Daten aller Uiguren zwischen 12 und 65 Jahren erfassen ließ. Dazu gehörten die Blutgruppe, Fotos des Gesichtes, ein Iris-Scan, Fingerabdrücke und die DNA.

In nur einem Monat sollen nun 500.000 Uigurinnen und Uiguren mittels Gesichtserkennung erfasst und getrackt worden sein, berichtet die New York Times (NYT) unter Berufung auf Dokumente, Datenbanken und Interviews. Es ist das erste bekannte Beispiel, in dem eine Regierung mit Absicht künstliche Intelligenz für Racial Profiling nutzt, zitiert das Blatt einen Experten.

Die Technologie wird nach Informationen der NYT in den reichen Städten des Ostens eingesetzt. Laut den vorliegenden Dokumenten forderten Anfang des Jahres 2018 schon mehr als zwei Dutzend Polizeien in 16 Provinzen die Technologie auch für ihre Städte an. Die uigurische Minderheit lebt vorranging im Nordwesten Chinas in einem riesigen Freiluftgefängnis mit ohnehin äußerst eingeschränkter Reisefreiheit. Für das Verlassen der Provinz ist die Abgabe eines biometrischen Gesichtsfotos Pflicht, schreibt die NYT.

US-Risikokapitalgeber an Finanzierung beteiligt

Das chinesische Überwachungs-Unternehmen CloudWalk bewirbt laut NYT die Technologie auf seiner Webseite mit den Worten: „Wenn ursprünglich nur ein Uigure in der Nachbarschaft lebt und innerhalb von 20 Tagen sechs andere Uiguren erfasst werden, löst das System sofort Alarm bei Strafverfolgungsbehörden aus.“ Beteiligt am Projekt sind die Unternehmen Yitu, Megvii, SenseTime, und CloudWalk. Finanziert werden die Firmen von bekannten US-Investoren: Fidelity International und Qualcomm Ventures sind Teil eines Konsortiums, das 620 Millionen Dollar in SenseTime investiert hat. Sequoia Capital investierte in Yitu.

In der muslimischen Provinz Xingjian geht die chinesische Zentralregierung mit großer Härte gegen die muslimische Minderheit der 11 Millionen Uiguren vor. Bis zu einer Million Menschen sollen zumindest vorübergehend in Umerziehungslagern gefangen worden sein. Die chinesische Regierung will die dortige Unabhängigkeitsbewegung brechen, sie begründet die Maßnahmen mit dem Kampf gegen den Terrorismus. China steht für die Menschenrechtsverletzungen international in der Kritik.

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Gesichtserkennung: Aktivisten manipulieren biometrisches Passbild

Gesichtserkennung: Aktivisten manipulieren biometrisches Passbild

24-09-18 04:35:00,

Für ein biometrisches Passfoto gibt es strikte Anforderungen. Qualitativ hochwertig soll es sein. Die Person muss direkt in die Kamera blicken, darf nicht lächeln und es darf keine zweite Person im Bild sichtbar sein. Die Vorgaben gibt es, damit Beamte oder Software das Gesichtsbild mit dem Passbild abgleichen können. Jetzt ist es den Aktionskünstlern vom Peng!-Kollektiv gelungen, einen Reisepass ausgestellt zu bekommen, in dem auf dem abgedruckten, aber manipulierten Foto zwei verschiedene Personen gleichzeitig zu erkennen sind.


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Für die Aktion „Mask.ID“ hat Peng! eine Software entwickelt, die biometrische Fotos von zwei Personen „morpht“, also miteinander auf elektronischem Wege kombiniert. Im Ergebnis zeigt das von Peng! erstellte Bild sowohl eine Peng!-Aktivistin als auch Federica Mogherini, Hohe Vertreterin der Europäischen Union für Außen- und Sicherheitspolitik. Nach einigem Zögern akzeptierte ein Berliner Bürgeramt das manipulierte Foto und stellte den Reisepass aus, schreibt Spiegel Online.

Wie eine Gesichtserkennungssoftware am Flughafen auf den Reisepass reagieren würde, ist bislang unklar. Gut möglich, dass das System meint, die Übereinstimmung zwischen der Peng-Aktivistin und ihrem Passbild sei groß genug, um sie durchzulassen. Doch was wäre, wenn die EU-Beamtin Mogherini mit dem Pass reist? Würde sie auch durchkommen? Laut Peng! könnten jetzt theoretisch beide Personen mit dem Pass reisen.

Die Aktionskünstler von Peng! möchten mit ihrem Hack auf die zunehmende Überwachung mittels biometrischer Daten aufmerksam machen. „Jeder Mensch, der einen Pass oder einen Ausweis beantragt, gibt Fingerabdrücke und Gesichtserkennungsdaten ab, die in die staatlichen Datenbanken einfließen“, schreibt Peng! auf der Aktionsseite. Auf die dort gespeicherten Informationen dürfen immer mehr Behörden zugreifen.

Geheimdienste dürfen auf Passbilder zugreifen

Seit der Änderung des eID-Gesetzes im Jahr 2017 ist es neben den Strafverfolgungsbehörden auch den Geheimdiensten und dem Zoll erlaubt, direkt und automatisiert auf die Datenbanken mit den biometrischen Passbildern zuzugreifen. Der Zugriff muss weder begründet werden noch gibt es eine Protokollierung oder richterliche Überprüfung. Die Aktionskünstler kritisieren: „So werden die technologischen Möglichkeiten, um uns zu überwachen und zu kontrollieren, immer umfassender.“ Gegen das Gesetz legte die Gesellschaft für Freiheitsrechte im Juli Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein.

Zudem kritisiert Peng!

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