Für das Gesundheitssystem ist Gesundheit bedrohlich

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14-03-19 08:07:00,

Macht unser Gesundheitssystem gesund oder krank? Sven Böttcher, Journalist und Autor, hat seine eigenen Erfahrungen mit dem „Krankensystem“, wie er es nennt, gemacht. 4 Jahre lang litt er unter Multipler Sklerose. Der Schulmedizin und Pharmaindustrie hat er früh misstraut und ist einen anderen Weg gegangen. Nun hat er in seinem Buch „Rette sich, wer kann – Das Krankensystem meiden und gesund bleiben“ seine Erfahrungen veröffentlicht. Im NachDenkSeiten-Interview legt Böttcher seine Kritik an dem Gesundheitssystem dar und betont wie wichtig der kritische Patient ist, der Behandlungen hinterfragt. Von Marcus Klöckner.

Herr Böttcher, Sie kritisieren unser Gesundheitssystem. Warum?

Weil es kein Gesundheitssystem ist, sondern ein Krankensystem. Das Ziel des Systems ist Wachstum, und Wachstum bedeutet mehr Behandlungen, also sind immer mehr Kranke erforderlich. Der Begriff „Gesundheitssystem“ ist daher falsch gewählt und führt in die Irre.

Warum macht unser Gesundheitssystem krank?

Gesunde. (Lacht). Das System ist ja nicht krank, sondern kerngesund, solange immer mehr Menschen krank sind oder werden. Das „Gesundheitsministerium“ feiert alljährlich die Zuwächse der Branche, was einigermaßen absurd ist, denn mehr Ausgaben für Behandlungen bedeuten ja nicht „mehr Gesundheit“, sondern weniger. Die Krankheitsbranche ist längst unser wichtigster Wirtschaftsmotor und generiert bereits 12-18 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), mit besten Zukunftsaussichten.

Das heißt? Es geht in unserem Gesundheits-bzw – wie sie sagen: Krankensystem, nur ums Geld?

Es geht grundsätzlich darum, Geld zu bewegen und diese Bewegung zu messen, nicht nur im Krankensystem. Die Erkenntnis ist ja nicht originell. Wir messen unser Wohlergehen mittels Kennziffer, mittels des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Steigt der Wert, geht es uns gut, stagniert oder sinkt der Wert, geht es uns schlecht. Wir übersehen dabei, dass das BIP als Messinstrument für unser Wohlergehen ungefähr so taugt wie ein Fieberthermometer zum Messen des Reifendrucks, aber es gelingt keinem, diese Teufelszahl aus der Welt zu schaffen. Das ist grundsätzlich verheerend, aber im Krankensystem sollte es uns doch endgültig als absurd auffallen. Weil es hier eben tatsächlich lebensgefährlich ist.

Wie meinen Sie das?

Unser Wohlergehen hängt davon ab, dass es uns nicht wohl ergeht. Wäre die Hälfte unserer derzeitigen „Gesundheitskunden“ plötzlich gesund – tatsächlich oder gefühlt – würde unsere Wirtschaft zusammenbrechen. Die Hälfte der Arbeitsplätze in der Krankenbranche wären weg,

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Die Enteignung der Gesundheit

Die Enteignung der Gesundheit

06-10-18 08:13:00,

In letzter Zeit stehen die ganzheitlichen Heilmethoden – besonders die Homöopathie – im Fokus der öffentlichen Demontage. Mit längst widerlegten oder von vornherein unsinnigen Argumenten wird versucht, beliebte und wirksame Heilweisen zu unterminieren. Auf dem Wege der Versicherungsregulierung sind in den letzten Jahren die Hebammen ihrer freien Berufsausübung weitgehend beraubt worden. Menschen, die besorgte Fragen zur gängigen Impfpraxis stellen, werden öffentlich diffamiert.

Außerdem wird die Wirtschaftspolitik neoliberaler und unsozialer. Offen wird wieder über stärkere Militarisierung und Kriegsführung als politisches Mittel nachgedacht. Hat das etwas miteinander zu tun? Hat es, viel sogar. Um dies zu verstehen, müssen wir zunächst die Perspektive vergrößern.

Die Mehrheit der ganzheitlich Heilenden versteht sich selbst als „unpolitisch“ und ist nur daran interessiert, die eigene medizinische Arbeit möglichst gut und ungestört zum Wohle ihrer Patienten verrichten zu können. Mehrheitlich sehen sie nicht, dass sie eine Schlüsselrolle in einem viel größeren ideologischen Ringen um die Deutungshoheit spielen, welche Art von Denken gesellschaftlich für zulässig gehalten wird und unser Leben bestimmt.

Eine ganz entscheidende Stelle unserer Selbstwahrnehmung ist unsere Gesundheit, unser Körper. Wie sagt ein Sprichwort so schön: Gesundheit ist nicht alles, aber ohne Gesundheit ist alles nichts. Hier sammeln sich unsere Ängste, unsere Hoffnungen und Möglichkeiten. Hier zeigt sich, woran wir wirklich glauben, worauf in dieser Welt wir im Zweifelsfall wirklich vertrauen. Und an dieser entscheidenden Stelle kommt ins Spiel, für welche Art von Medizin wir uns entscheiden, oder zunächst welche Art von Medizin uns überhaupt angeboten wird und uns zugänglich ist. Zugänglich im materiellen Sinne als vorhanden und bezahlbar, aber zugänglich auch im geistigen Sinne als ein überzeugendes und Vertrauen erweckendes Konzept mit einer gewissen sozialen Akzeptanz.

Die Rede von den Halbgöttern in Weiß, denen auf der anderen Seite die Quacksalber und Scharlatane gegenüberstehen, zeigt deutlich, in welche Kiste der Vorstellungskraft gegriffen wird, um bestimmte Interessen durchzusetzen. Seitens der etablierten technisch-chemischen Medizin sind multimilliardenschwere Einkünfte und ein immer stärker angekratztes Image zu verteidigen. Deshalb wird hier mit sehr harten Bandagen gekämpft.

Abgesehen davon ist die moderne Medizin ein wesentlicher Garant dafür, dass wir unseren Körper als eine Art Mechanismus sehen, der mit den richtigen chemischen, genetischen oder technischen Eingriffen nach unserem Willen beherrschbar ist.

Im „Krieg“ gegen den Krebs wird eine militärische Metaphorik bedient; und der Tod gilt als der Feind der Medizin,

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