Giftiger als Glyphosat, nicht deklariert, frei erhältlich – infosperber

16-03-21 08:21:00,

Tobias Tscherrig / 15.03.2021  Wissenschaftler finden nicht deklarierte toxische Verbindungen in Pestiziden. Die EU- Zulassungsbehörde habe versagt.

Während einer Arbeit an einer Studie finden Wissenschaftler bei vierzehn in der EU frei erhältlichen Pestiziden undeklarierte Stoffe, die allesamt genauso giftig oder giftiger als «Glyphosat» sind. Die gefundenen Mengen überschreiten die von den internationalen Gesundheitsbehörden definierten Toxizitätsschwellenwerte. Die Studienautoren sprechen von «Betrug», knapp 120 Abgeordnete des Europäischen Parlaments werfen der für die Zulassungen zuständigen Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Versagen vor und fordern dringend Massnahmen.

Es geht nicht «nur» um «Glyphosat»

Die Diskussion um die Schädlichkeit von Pestiziden wird seit Jahren von Debatten über den von der Bayer AG (vormals Monsanto) vertriebenen Unkrautvernichter «Roundup» und die darin enthaltene chemische Verbindung «Glyphosat» dominiert. Kein Wunder, denn «Glyphosat» ist weltweit der mengenmässig bedeutsamste Inhaltsstoff von Herbiziden.

Ob «Glyphosat» aber Krebs erzeugt oder die Krebserzeugung fördern kann, ist nach wie vor umstritten. Zwar gibt es zahlreiche Anzeichen aus den verschiedensten Einsatzgebieten, mehrere US-Gerichte und auch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) bewerten es als «wahrscheinlich krebserregend». Andere Organisationen und Behörden, darunter zum Beispiel die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), kommen zu gegenteiligen Schlüssen, was teilweise auch auf unterschiedliche Vorgehensweisen bei der Bewertung zurückgeführt wird. Und diverse Skandale wegen industriefinanzierten Studien und nachlässigen Behörden, die bei der Zulassung des Wirkstoffs schlichtweg daraus abgeschrieben hatten, haben kaum dazu beigetragen, dem Hickhack um «Glyphosat» ein Ende zu setzen. Immerhin – Produkte, die Glyphosat enthalten, wurden inzwischen in einigen Ländern verboten. Andere werden folgen, die Schweiz ist bisher nicht dabei.

Genauso giftig – oder giftiger als «Glyphosat»

Die Diskussion um «Glyphosat» ist wichtig – nur nimmt sie im Kampf gegen Gifte in Pestiziden, die für den Menschen schädlich sind, zu viel Raum ein. Zu leicht gehen andere Produkte vergessen, die mindestens so schädlich, wenn nicht deutlich schädlicher sind. Eine neue Studie zeigt das eindrücklich: Ende November 2020 veröffentlichten die Biologen Gilles-Éric Séralini und Jungers Gerald in der wissenschaftlichen Zeitschrift «Food and Chemical Toxicology» eine Studie, in der sie die Moleküle untersuchten, aus denen vierzehn Pestizide oder Herbizide für den allgemeinen Gebrauch bestehen. Alle untersuchten Produkte sind als frei von «Glyphosat» zertifiziert und sind ohne Einschränkungen auf dem europäischen Markt erhältlich. Ein Gang ins nächste Gartencenter genügt.

Die zusammengefassten Ergebnisse der Studie: Die untersuchten Produkte (von Monsanto,

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USA: Agrarlandschaft 48-mal giftiger als vor 25 Jahren

14-08-19 10:36:00,

Der enorme Anstieg der Toxizität in der US-Agrarlandschaft ist auf Neonicotinoide zurückzuführen. © pixabay

Tobias Tscherrig / 14. Aug 2019 –

Die US-Agrarlandschaft ist heute für Insekten 48-mal giftiger als vor 25 Jahren. Schuld sind vor allem Neonicotinoid-Pestizide.

Die US-Agrarlandschaft ist heute 48-mal giftiger für Honigbienen – und sehr wahrscheinlich auch für andere Insekten – als noch vor 25 Jahren. Diese erschreckende Erkenntnis ist auf den weit verbreiteten Einsatz der sogenannten Neonicotinoid-Pestizide zurückzuführen. Das belegt eine neue Studie, die in der Zeitschrift «PLOS One» veröffentlicht wurde.

Zwei der drei Neonicotinoid-Pestizide, die gemäss der Studie am meisten zur Gesamttoxizität beigetragen haben, werden von «Bayer-Monsanto» hergestellt. Das dritte erwähnte Produkt stammt von «Syngenta/ChemChina» mit Hauptsitz in der Schweiz.

Probleme auch in der Schweiz

Die Schweiz hat den Einsatz der hochgiftigen Neonicotinoid-Pestizide im Freiland Ende 2018 verboten, womit sie auf einen entsprechenden EU-Entscheid reagierte. Bis es soweit war, musste aber einiges geschehen. Es ist immer dasselbe Spiel: Pestizid-Konzerne stellen sich auf den Standpunkt, ihre Produkte seien «bei vorschriftsmässiger Anwendung» harmlos. Drohende Verbote bekämpfen sie bis vor Gericht.

Werden die entsprechenden Produkte dann endlich verboten, ist bereits viel Unheil angerichtet. So ergab eine Studie der Universität Neuenburg, dass 93 Prozent der Äcker von Biobauern im Schweizer Mittelland mit Neonicotinoiden verseucht sind. Rückstände, welche durch Verfrachtungen von herkömmlichen Betrieben auf die Bio-Äcker gelangten. Bei herkömmlichen Betrieben fanden die Forscher sogar flächendeckend Rückstände des Insektengifts. Rückstände von Neonicotinoiden wurden auch in Honigproben aus der ganzen Welt gefunden. Werden die Grenzwerte dabei nicht überschritten, sind sie für den Menschen ungefährlich. Nicht aber für Honigbienen, die sich daran vergiften.

Mit dem Verbot von Neonicotinoiden in der Schweiz ist die Problematik aber keineswegs gelöst. Wie «Infosperber» berichtete, sind neue Bienengifte schon seit längerem im Anflug – die Verharmlosungsstrategien von Pestizid-Industrie und -Lobby gehen weiter. Und das, obwohl diverse Studien und Forschungsarbeiten die Gefährlichkeit der Nachfolge-Produkte untermauern – wie etwa beim Wirkstoff Sulfoxaflor.

Ein weiteres Problem in der Schweiz ist das Zulassungsverfahren für Pestizide, das noch immer eine Black-Box ist. Ein Umstand, den «Infosperber» seit Jahren kritisiert. Immerhin gibt es seit Februar 2018 einen Lichtblick: Laut Bundesgericht gilt das Verbandsbeschwerderecht der Umweltorganisationen auch bei Bewilligungsverfahren für Pestizide.

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Giftiger Nebel – Die JAPCC- /Nato- Konferenzen in der Messe Essen und das Völkerrecht – www.NachDenkSeiten.de

20-09-18 08:18:00,

20. September 2018 um 8:52 Uhr | Verantwortlich:

Giftiger Nebel – Die JAPCC- /Nato- Konferenzen in der Messe Essen und das Völkerrecht

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Friedenspolitik, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen

Die Nato nimmt den Untergang der europäischen Zivilisation in Kauf: Inhalte der Strategie-Entwicklung offenbaren die Konferenzen des Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), das in Kalkar stationiert ist und in Essen seine Jahres-Konferenzen abhält. Der Ersteinsatz von Nuklearpotentialen ist im Köcher der Nato; das ist nicht nur völkerrechtswidrig, es ist auch ein Verbrechen gegenüber den Lebensinteressen der Menschheit. Von Bernhard Trautvetter[*].

Schon der Titel der unmittelbar diesen Oktober (vom 9. bis zum 11.10.) anstehenden Konferenz ist für jeden friedliebenden Menschen eine Provokation: „Der Nebel des Tages Null – Luft und All an der Frontlinie“ – im englischen Text der Einladung heißt das: “The Fog of Day Zero – Air and Space in the Vanguard“.

Die militärische Strategieschmiede JAPCC wird aus Steuergeldern und Beiträgen aus 16 Nato-Staaten finanziert. Das JAPCC versteht sich als Denkfabrik der Nato, um militärisches Wissen, militärische Erfahrung und Informationen auszutauschen, zu vernetzen und für zukünftige Entwicklungen zu öffnen. Das JAPCC ist eines von derzeit 24 steuer-finanzierten Nato-Zentren außerhalb der Kommando-Struktur der NATO, um Nato-Führungskräfte zu bilden und zu trainieren. Ziel ist eine Strategie-Entwicklung für die Kriegsführung im 21. Jahrhundert sowie die Qualifizierung von Führungskräften.

JAPCC-Konferenzen bieten den Militärs, führenden Politikern und Rüstungsindustriellen wichtige Möglichkeiten, diesen Zielen zu dienen. Damit steht die Arbeit des JAPCC im Widerspruch zum Friedensgebot internationaler Verträge, des Völkerrechts und des Grundgesetzes.

Schon einige der Titel der Konferenzen machen deutlich, dass es nicht um das friedliche Zusammenleben der Völker geht, wie es der Vertrag zur Regelung der Einheit Deutschlands und das Grundgesetz verlangen –Beispiele: Militärische Handlungen als expeditorische Operationen (JAPCC-Konferenz 2007: ‚The Role of Air Power in Expeditionary Security and Stability Operations‘), Entscheidungs-Überlegenheit in der Kriegsführung des 21. Jahrhunderts (JAPCC-Konferenzen 2008, 2012). Expeditorische Kriegshandlungen erinnern an Ingeborg Bachmanns Gedicht:

Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,

sondern fortgesetzt. Das Unerhörte

ist alltäglich geworden. Der Held

bleibt den Kämpfen fern.

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