Ein Tag voll Glanz und Gloria | KenFM.de

ein-tag-voll-glanz-und-gloria-|-kenfm.de

07-08-20 04:10:00,

Von Dirk C. Fleck.

Es sind 27 Grad, ich blicke in einen strahlend blauen Himmel, klar und unverschmiert, wie man ihn seit Corona wieder zu sehen bekommt. Die Bäume in meiner Straße stehen glitzernd in der Sonne, ihrer Blätter sehen aus wie lackiert, so gründlich hat der Regen der letzten Nacht sie gewaschen. Eine leichte Brise spielt mit ihnen. Auf dem Fußweg unter meinem Balkon rollert ein etwa siebenjähriges Mädchen in ihrem Sommerkleidchen vorbei, gefolgt von einem freudig hüpfenden tibetanischen Tempelhund. Ich hatte auch mal so einen. Lhasa Apso heißt die Rasse. Sein Name war Nima, was tibetisch ist und Himmel heißt. Meine damalige Freundin Jutta gab ihm den Namen. Sie war es auch, die darauf bestand, ihn an einem Schönheitswettbewerb teilnehmen zu lassen. Nima gewann den ersten Preis, die Urkunde habe ich noch. Zwei Jahre später verließ mich Jutta, um in Goa ihr Glück zu suchen, wo sie dann an einer Überdosis Heroin verstarb. Ich gab den Hund meinen Eltern. Die hatten einen Garten und freuten sich. Nima freute sich auch. Als ich ihn wenig später besuchte, war von ihm nicht mehr viel zu sehen. Meine Mutter hatte den prämierten Vorzeige-Lhasa kurzentschlossen in die Hände eines Hundefriseurs gegeben… Das lange goldene Fell war, wie soll ich sagen … es war weg. Nima sah aus wie eine dünne Wurst mit Riesenaugen. Ich erinnere mich, dass ich nach dem ersten Schrecken in einen Lachkrampf verfiel, in den die ganze Familie einstimmte und der schier kein Ende nehmen wollte. Unterdessen stand Nima in unserer Mitte und schaute erstaunt von einem zum anderen.

Da kommen sie zurück. Diesmal rollen und rennen sie um die Wette. Der Hund hält erstaunlich gut mit. Vielleicht sollte ich meinen Aussichtspunkt in Höhe der Baumkronen verlassen und eintauchen in die Stadt, die sich seltsam ruhig verhält an diesem Tag. Naja, der Presslufthammer an der Kreuzung zählt nicht, aber wenn man nicht abwartet bis es grün wird, ist es schnell vorbei mit dem stotternden Anschlag auf die vom Vogelgezwitscher verzierte Ruhe. Am Isekai mache ich mich auf den Weg zu meiner Lieblingswiese. Sie ist zwar mit Maschendraht umzäunt, aber das macht Sinn. Nun, da weder Mensch noch Hund darauf herum trampeln können, ist sie zu einem kleinen Paradies erblüht.

 » Lees verder