Tagesdosis 3.10.2018 – Graben wir tiefer! | KenFM.de

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03-10-18 07:22:00,

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Bessel van der Kolk revolutioniert die Seelenheilkunde.

Ein Kommentar von Florian Ernst Kirner. 

Trauma ist längst Volkskrankheit Nummer 1 geworden. Aber eine tabuisierte Volkskrankheit, immer noch. Das herausragende Werk des Traumaforschers und Therapeuten Bessel van der Kolk zeigt, dass sich daran etwas ändern lässt.

Sie ist genervt.
Schon wieder. Eigentlich meistens. Ihr Grundzustand ist näher an der Genervtheit als an der Entspannung gebaut. Es fällt ihr erst seit Kurzem auf. Seit sie einen neuen Freund hat, der sich die Attacken ihrer Genervtheit nicht klaglos gefallen lässt und sie darauf hinweist, dass ihre Grundgenervtheit tiefere Ursachen haben muss.

Er ist nervös.
Seit einer therapeutischen Aufstellung, in der er sich mit dem alltäglichen Terror im Elternhaus seiner frühen Kindheit auseinandergesetzt hat, fällt es ihm erst richtig auf. Diese nervöse Unruhe, die sich im Oberbauch rumorend zeigt, ist öfter da als weg. Und wenn er sich jetzt erinnert, ahnt er, dass ihn diese Unruhe schon seit langem begleitet. Seit seiner frühen Kindheit schon?

Erst, seit er hinspürt und dem nagenden Gefühl eine Zeit und den Verdacht ihrer Ursache zuweisen kann, bemerkt er sie immer öfter, diese nervöse Unruhe im Oberbauch.

Er nervös, sie genervt? Wo kommt das her? Muss das so bleiben?

Trauma als Volkskrankheit 

„Trauma ist heute das drängendste Gesundheitsproblem unserer Gesellschaft, und wir wissen mittlerweile, wie wir Traumata effektiv behandeln können. An uns ist es, das, was wir wissen, in die Tat umzusetzen“ (S. 423).

Mit diesen Sätzen endet nach 423 Seiten das Buch „Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann“.

Es sind 423 sehr aufwühlende Seiten, eine schmerzhafte und doch heilsame Lektüre, ein Ritt durch mehrere Jahrzehnte der Traumaforschung und durch diverse Ansätze der Traumaheilung, die Bessel van der Kolk hier vorgelegt hat.

Der Autor ist eine Koryphäe der Traumaforschung und der Traumaheilung. Er begann seine Karriere mit der Therapie US-amerikanischer Veteranen des Vietnamkriegs. Er war führend beteiligt, die Diagnose PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) zu entwickeln und durchzusetzen.

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Graben wir tiefer!

Graben wir tiefer!

03-10-18 09:33:00,

Sie ist genervt.

Schon wieder. Eigentlich meistens. Ihr Grundzustand ist näher an der Genervtheit als an der Entspannung gebaut. Es fällt ihr erst seit Kurzem auf. Seit sie einen neuen Freund hat, der sich die Attacken ihrer Genervtheit nicht klaglos gefallen lässt und sie darauf hinweist, dass ihre Grundgenervtheit tiefere Ursachen haben muss.

Er ist nervös.

Seit einer therapeutischen Aufstellung, in der er sich mit dem alltäglichen Terror im Elternhaus seiner frühen Kindheit auseinandergesetzt hat, fällt es ihm erst richtig auf. Diese nervöse Unruhe, die sich im Oberbauch rumorend zeigt, ist öfter da als weg. Und wenn er sich jetzt erinnert, ahnt er, dass ihn diese Unruhe schon seit langem begleitet. Seit seiner frühen Kindheit schon?

Erst, seit er hinspürt und dem nagenden Gefühl eine Zeit und den Verdacht ihrer Ursache zuweisen kann, bemerkt er sie immer öfter, diese nervöse Unruhe im Oberbauch.

Er nervös, sie genervt?

Wo kommt das her?

Muss das so bleiben?

„Trauma ist heute das drängendste Gesundheitsproblem unserer Gesellschaft, und wir wissen mittlerweile, wie wir Traumata effektiv behandeln können. An uns ist es, das, was wir wissen, in die Tat umzusetzen“ (S. 423).

Mit diesen Sätzen endet nach 423 Seiten das Buch „Verkörperter Schrecken. Traumaspuren in Gehirn, Geist und Körper und wie man sie heilen kann“.

Es sind 423 sehr aufwühlende Seiten, eine schmerzhafte und doch heilsame Lektüre, ein Ritt durch mehrere Jahrzehnte der Traumaforschung und durch diverse Ansätze der Traumaheilung, die Bessel van der Kolk hier vorgelegt hat.

Der Autor ist eine Koryphäe der Traumaforschung und der Traumaheilung. Er begann seine Karriere mit der Therapie US-amerikanischer Veteranen des Vietnamkriegs. Er war führend beteiligt, die Diagnose PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) zu entwickeln und durchzusetzen. Er führte unzählige Studien durch, gründete ein Trauma-Center, erforschte Ursachen, Folgen und Heilungsmöglichkeiten von Traumata. Bis heute ist er selbst als Therapeut tätig.

Aber ist das denn wirklich wahr? Trauma als Gesundheitsproblem Nummer 1?

Bessel van der Kolk liefert für diese These schockierende Belege aus der US-amerikanischen Gesellschaft. Ein Indikator wäre die Epidemie, zu der sich die Abhängigkeit von Psychopharmaka ausgewachsen hat.

Van der Kolk, auch in diesem Bereich ein Forscher der ersten Stunde, ist nicht generell gegen diese Medikamente.

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