Die (gute) Zeit der (guten) «Zeit» ist abgelaufen. Von Christian Müller.

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09-03-20 11:02:00,

Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» ist kaum mehr verdaubar. Nicht zuletzt der Herausgeber selbst ist unerträglich geworden. «Die Zeit» galt einmal als beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum überhaupt. Es gab viel Lob und Zustimmung, kaum Kritik oder zumindest nur punktuell. Das «Zeit»-Abonnement war die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau über den Rest der Welt ein Bild zu machen.

Tempi passati. Infosperber hat schon vor längerer Zeit auf zwei zunehmende Schwachpunkte aufmerksam gemacht: Der Frontseiten-Aufmacher wurde immer öfter einem Thema der Psychologie gewidmet, als ob man die «Zeit» abonniert hätte, weil man selbst psychisch angeschlagen ist und nach Hilfe Ausschau hält. Und zweitens war es immer äusserst ärgerlich, wenn «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe persönlich auf der Frontseite einen Kommentar platzierte.

Beide unerfreulichen Tendenzen haben sich seither verstärkt. Es gibt praktisch keine Ausgabe mehr, die dem Leser nicht schon auf der Frontseite mitteilt, er, der Leser, oder sie, die Leserin, hätten ein psychisches Problem – in der Liebe, in der Selbstbeurteilung, im Freundeskreis, im Berufsleben usw. Und wenn Herausgeber Josef Joffe schreibt, dann ist es nicht mehr nur ärgerlich, sondern schlicht unerträglich.

Weiterlesen bitte hier beim Infosperber. Danke vielmals für dieses interessante Stück.

Ergänzung Albrecht Müller:

Die hier vermittelte Beobachtung von Christian Müller bestätigt das, was im Kapitel II meines Buches „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst“ beschrieben ist – die Verschiebung der Ordinate wichtiger bisher als liberal bis fortschrittlich geltenden Medien. Hier der einschlägige Auszug aus dem Buch:

Man sollte weiter wissen, dass einige wichtige, ehedem fortschrittliche Medien ihre Ordinate, ihren Standort im Schema zwischen links und rechts, verschoben haben. Wer das nicht beachtet, wird tendenziell mit-verschoben.

Das gilt zum Beispiel für den Spiegel, für die Frankfurter Rundschau, für die taz, für die Süddeutsche Zeitung, für Die Zeit, für die Blätter für deutsche und internationale Politik und für den Freitag. Es gilt für einzelne Sendeformate wie Panorama bei der ARD und in Ansätzen auch für Monitor. Besonders deutlich ist die Entwicklung bei der taz. Dort gibt es mittlerweile Kriegshetze wie auch unsägliche Kommentare, die den Krieg zwischen Jung und Alt fördern.

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Die (gute) Zeit der (guten) «Zeit» ist abgelaufen

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07-03-20 01:09:00,

Christian Müller / 07. Mär 2020 –

Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» ist kaum mehr verdaubar. Nicht zuletzt der Herausgeber selbst ist unerträglich geworden.

Die deutsche Wochenzeitung «Die Zeit» galt einmal als beste Wochenzeitung im deutschsprachigen Raum überhaupt. Es gab viel Lob und Zustimmung, kaum Kritik oder zumindest nur punktuell. Das «Zeit»-Abonnement war die Möglichkeit, sich auf hohem Niveau über den Rest der Welt ein Bild zu machen.

Tempi passati. Infosperber hat schon vor längerer Zeit auf zwei zunehmende Schwachpunkte aufmerksam gemacht: Der Frontseiten-Aufmacher wurde immer öfter einem Thema der Psychologie gewidmet, als ob man die «Zeit» abonniert hätte, weil man selbst psychisch angeschlagen ist und nach Hilfe Ausschau hält. Und zweitens war es immer äusserst ärgerlich, wenn «Zeit»-Herausgeber Josef Joffe persönlich auf der Frontseite einen Kommentar platzierte.

Beide unerfreulichen Tendenzen haben sich seither verstärkt. Es gibt praktisch keine Ausgabe mehr, die dem Leser nicht schon auf der Frontseite mitteilt, er, der Leser, oder sie, die Leserin, hätten ein psychisches Problem – in der Liebe, in der Selbstbeurteilung, im Freundeskreis, im Berufsleben usw. Und wenn Herausgeber Josef Joffe schreibt, dann ist es nicht mehr nur ärgerlich, sondern schlicht unerträglich.

Mit der Ausgabe vom 20. Februar hat «Die Zeit» sich selbst übertroffen und einen neuen Höhepunkt erreicht. Aufmacher ist das Thema ‹Monogamie›. Das Besondere daran: Schon auf der Frontseite wird darauf aufmerksam gemacht, dass das Thema ‹Monogamie› diesmal «in allen Ressorts» behandelt wird: «Monogamie. Die grosse Illusion? Wie Wissenschaftler den Seitensprung beurteilen und ob Treue noch immer erstrebenswert ist: Eine Streitfrage durch alle Ressorts der ZEIT». Und, ebenfalls ärgerlich, darunter eine halbseitige Anzeige des Pharma-Unternehmens Bristol-Myers Squibb. Blätterte man um, erschien eine zweite Frontseite, der obere Teil identisch mit der ersten, der untere Teil anstatt mit der grossen Pharma-Anzeige mit zwei Leitartikeln; einer davon, einmal mehr, von Herausgeber Josef Joffe.

Zur ‹Monogamie›:

– Im Ressort ‹Politik› die ganze Seite 7: «Im lustverdünnten Raum. Besser fremdgehen als zu viel CO2 ausstossen. Die Sexualmoral ist nicht mehr die schwerste Last, an der deutsche Politiker zu tragen haben.» Und dazu ein grosses Bild eines Kondoms.

– Im Ressort ‹Geschichte› die ganze Seite 19: «Der Präsident und seine Sklavin. US-Gründervater Thomas Jefferson war gegen die Sklaverei – und gegen ihre Abschaffung.

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Die Lust am Guten

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29-02-20 02:34:00,

Kerstin Chavent: Liebe Birgit, wie kamst du auf die Idee, ein Online-Magazin zu gründen, in dem es um ethische und existenzielle Fragen geht?

Birgit Stratmann: In einer Gesellschaft, die stark polarisiert ist — rechts gegen links, Wissenschaft gegen Spiritualität, Religion gegen Säkularismus — suchten wir Initiatorinnen nach etwas Verbindendem zwischen Menschen und Kulturen. Ethik kann Menschen verbinden, auch wenn es unterschiedliche Wertvorstellungen gibt. Bei Ethik geht es um Gemeinsamkeiten. Gleichzeitig war es uns ein Anliegen, westliche und östliche Perspektiven zu integrieren, die innere Arbeit und gesellschaftliches Engagement.

Auch waren wir inspiriert von der Idee der „säkularen Ethik“, die der Dalai Lama promotet. Er spricht viel davon, dass Ethik wichtiger sei als Religion und bezeichnet die Ethik sogar als Schlüssel, um viele Probleme in der Welt zu lösen. Ein zentraler Gedanke dabei: Wir brauchen mehr Bewusstheit für innere Prozesse. Denn unethisches Verhalten entsteht oft aus Emotionen, Gedanken und Projektionen, die unbewusst unser Handeln bestimmen.

Was ist mit dem Begriff Ethik gemeint?

Ethik muss von innen kommen, daher unser Slogan: „Ethik ist Herzenssache“. Regeln sind auch hilfreich, ja unerlässlich, wenn Menschen zusammen leben wollen, aber äußerer Druck trägt nicht wirklich. Und auch die Intelligenz reicht nicht immer aus. Wir sind schlau und wissen viel, aber dann hapert es an der Umsetzung oder es fehlt an Mitgefühl.

Nehmen wir zum Beispiel die Klimakrise: Wir kennen die Fakten, wir wissen um unsere eigenen Anteile daran — aber trotzdem schaffen wir es nicht, unsere Lebensgrundlagen zu schützen. Wir fliegen, wir konsumieren und leben über unsere Verhältnisse. Genau das spiegelt sich auch auf politischer Ebene, wo es nicht gelingt, wirksame Maßnahmen zu beschließen, weil immer alles andere wichtiger ist. Und auch, weil es uns an Mitgefühl für nachfolgende Generationen mangelt. Wir kreisen immer um unsere eigenen kurzfristigen Bedürfnisse — das kenne ich nur zu gut aus eigener Erfahrung (lacht).

Daher die Idee, auf innere Quellen, wie Achtsamkeit, Weisheit, ein Gefühl der Verbundenheit zu setzen, um Lösungen auch für gesellschaftliche Probleme zu finden — natürlich in Kombination mit politischen Veränderungen. Ich gehöre nicht zu denjenigen, die glauben, man könne den Klimawandel wegmeditieren. Die Frage ist aber: Wie motivieren wir uns zu einem Handeln, das dem Gemeinwohl dient? Ethik kann die Gesellschaft zusammenhalten, über alle Differenzen hinweg.

Achtsamkeit und Meditation sind heute auch in der westlichen Industriegesellschaft bekannte Praktiken.

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Das Ende eines guten Lebens

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18-02-20 11:14:00,

von Helen Nearing

Wir brauchten sehr selten einen Arzt, Pillen oder ein Spitalbett. Trotzdem lebte Scott gesund und munter 100 Jahre lang und starb, als es sein Entschluss war — am Ende durch Fasten während anderthalb Monaten.

Er war immer körperlich aktiv, im Wald, im Garten, im und am Haus. Er war auch geistig aktiv, zwischen 20 und 90 Jahren schrieb er mehr als 40 Bücher, darunter auch seine Autobiografie „The Making of a Radical“.

„Arbeit“, sagte Scott, „hilft vermeiden, alt zu werden. Meine Arbeit ist mein Leben. Ich kann mir das eine nicht ohne das andere vorstellen. Wer arbeitet, dem ist es nie langweilig, der ist nie alt. Eine Person wird dann alt, wenn sie keine Hoffnung und Pläne mehr hat. Arbeit und Interesse an der Welt sind die besten Mittel gegen das Altern.“ Ruhig sah er dem Ende entgegen, als er es wusste.

1981 sagte er in einem Interview: „Ich freue mich bis 99 Jahre auf die verschiedenen Möglichkeiten meines Lebens.“ Seine blauen Augen zwinkerten. „Es ist ein unsicherer Ausblick, das versichere ich ihnen. Mit dem Alter verringern sich die Wahrnehmung und die Leichtigkeit sich auszudrücken. Mir bleibt praktisch nichts mehr übrig als Zeit. Aber so lange ich nützlich sein kann, mag ich weiterleben.“

Walt Whitman sagte, als er anfangs 70 war: „Das alte Schiff ist nicht mehr in der Lage, viele Reisen zu machen, aber die Flagge weht noch am Mast, und ich stehe immer noch am Steuer.“ Viele Leute beginnen in den Sechzigern alt zu werden. Scott begann erst nach 90 zu altern. Bis dahin geriet er in Wut, wenn ihn jemand alt nannte, weil er weder alt ausschaute noch sich alt fühlte. Sicher, er hatte viele Falten. Diese kamen in seinen Fünfzigern vom vielen harten Arbeiten an der Sonne. Aber sich schwach fühlen? Nein!

Als er 98 Jahre alt war, sagte er, „gut, wenigstens kann ich noch Holz spalten.“ Und als es bald zu Ende ging mit ihm, bedauerte er als einziges beim Verlassen dieser Welt, dass ich dann das Holz für den Küchenofen schleppen müsste. „Ich wünschte, ich könnte dir dabei helfen“, sagte er. Er war eine Hilfe bis zum Schluss.

Ein oder zwei Monate bevor er starb, saß er mit uns am Tisch. Er beobachtete uns beim Essen und sagte: „Ich denke,

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Rettet uns vor den Guten!

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14-03-19 08:41:00,

Immer wenn der „Westen“ in anderen Ländern mordet und plündert, behauptet er, er kämpfe für das Gute. Seit Jahrhunderten. Er tötete im Namen der Christianisierung, der Zivilisierung, im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, von Demokratie und Menschenrechten. Neuerdings in Wahrnehmung seiner angeblichen „Responsibility to Protect“, seiner angeblichen „Schutzverantwortung“ für die Welt. Inzwischen kürzen westliche Politiker ihre Begründungen für Mord und Totschlag mit den Worten ab, sie kämpften „für unsere Werte“. Warum die Werte auch einzeln aufzählen, wenn man sich ohnehin nicht an sie hält?

In der Unabhängigkeitserklärung der USA aus dem Jahr 1776 heißt es feierlich:

„Wir halten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich erschaffen sind. Dass sie von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden. Darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ (1).

Doch diese großartigen Worte galten nur für weiße, wohlhabende und männliche Amerikaner. Frauen, Indianer, schwarze Sklaven und weiße Bedienstete waren ausgeschlossen. Thomas Jefferson, Vater der Unabhängigkeitserklärung und späterer US-Präsident, lehnte Sklaverei öffentlich ab. Privat besaß er bis zu seinem Lebensende Hunderte Sklaven. Zum Thema Frauen sagte Jefferson, Frauen seien viel zu schlau, um sich durch Politik Falten auf die Stirn zu holen.

Heuchelei war schon bei der Gründung der USA eine beliebte Strategie. Vielleicht war die Unabhängigkeitserklärung der USA mitsamt der Erklärung der Menschenrechte sogar die Urmutter der modernen westlichen Heuchelei. Noch heute hängt die Unabhängigkeitserklärung in den Schulen der USA aus. Doch in Wahrheit folgt die US-Außenpolitik Machiavelli und Clausewitz. Amerikanische Interessen, nicht Werte, waren und sind oberstes Gebot der USA. Wir kämen der Wahrheit amerikanischer und westlicher Außenpolitik ganz nahe, wenn wir das Wort „Werte“ einfach durch das Wort „Interessen“ ersetzen würden.

Ähnlich menschenfreundlich klang 1789 die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution, auf die sich die heutige europäische Zivilisation so gern beruft. Doch im Namen von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ begann erst einmal ein gnadenloses Morden. „La terreur“, der Terror der Guillotine, wurde spätestens unter Robespierre zum wahren Symbol der Französischen Revolution. Selbst moderne Terroristen nehmen sich heute die Kopf abschneidende französische Guillotine zum Vorbild.

Auch die deutsche Verfassung liebt große Worte. In Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (2). Alte, vereinsamte und verarmte Menschen,

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Die guten Diktatoren

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15-12-18 04:22:00,

Es ist skurril. Angela Merkel gibt den Parteivorsitz der CDU und damit den Kanzleranspruch ab und veranstaltet eine scheinemotionale Theateraufführung vom Feinsten (1). Während ihrer letzten Rede hat sie Tränen in den Augen und auch ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer klatscht minutenlang energisch weinend. Schließlich wird der Kanzlerin als Abschiedsgeschenk von ihrer Partei der Taktstock des Dirigenten überreicht, welcher 2017 während des G20-Gipfels vor den teilnehmenden Staatschefs Beethovens Neunte Symphonie dirigierte, während es draußen zu gewalttätigen Ausschreitungen bei Polizei und Demonstranten kam. Wer kein eingefleischter CDU-Nostalgiker ist, muss spätestens jetzt lachen.

Nach 18 Jahren „Weiter so“, „richtig und wichtig“, „alternativlos“ und „Wir schaffen das“ inszeniert sich Merkel geradezu historisch als revolutionäre Ikone. Dass es sich hier um Show handelt, sollte insbesondere anhand ihres mangelnden schauspielerischen Talents klar werden.

Viel interessanter ist ein Blick weg von der Bühne, ins Publikum des CDU-Parteitags. Während Merkels Rede gibt es nicht nur ständig aufbrausenden Beifall. Ein Großteil der Delegierten hält auch Schilder in die Höhe mit der Aufschrift: „Danke Chefin“. Ein Spruch, an dem das Auge des Betrachters zumindest kurz hängen bleiben sollte. Eine „Chefin“ ist schließlich autoritär und hat nichts mit demokratischer Legitimation oder Repräsentation zu tun. Na und, könnte man meinen. Das weiß doch jeder. Aber weiß das wirklich jeder? Baut nicht ein großer Teil der Stabilität unseres Systems darauf, dass die Praktiken der Herrschenden von der Bevölkerung als demokratisch und ihren Willen repräsentierend angesehen werden? Doch insbesondere in den letzten Wochen und Monaten zeichnet sich ein Trend von erstaunlich offener politischer Rhetorik ab.

Die Verachtung gegenüber den Armen und Ausgebeuteten der Gesellschaft tritt immer deutlicher zu Tage. Mehr als ein kleines Murren hört man nicht, wenn Jens Spahn Sätze verlautbaren lässt wie: „Jeder Job ist zumutbar“ (2) und „Harz IV bedeutet nicht Armut“ (3). Oder erinnern wir uns doch an den geistigen Twitter-Erguss von Peter Tauber vor etwa einem Jahr: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, brauchen Sie keine drei Minijobs“ (4). Allein die Kandidatur von Friedrich Merz, der in den letzten neun Jahren in annähernd jedem deutschen Aufsichtsrat gesessen hat, müsste den Zeiger eines halbwegs funktionalen Demokratieradars ausschlagen lassen.

Die Politiker der herrschenden Parteien scheinen jedoch nicht einmal mehr die Notwendigkeit zu sehen, ihre verächtliche und elitäre Haltung gegenüber der Bevölkerung zu verstecken. Und warum nicht? Vielleicht, weil sie es gar nicht mehr müssen.

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Wer sind die Guten? Wer die Bösen? | KenFM.de

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29-10-18 07:51:00,

Von Alf Ator.

Wenn du ein guter Mensch sein willst, musst du gut zu den Menschen sein. Ganz einfach. Und wer schlecht zu anderen ist, ist ein schlechter Mensch. Das klingt logisch. Aber stimmt das auch immer? Das ist die große Frage. Zu schlechten Menschen darfst du nämlich nicht gut sein. Wer das tut, unterstützt damit ihre schlechten Taten, wird sozusagen zum Mittäter und ist folglich auch ein schlechter Mensch. Also: Nur wer zu guten Menschen gut und zu schlechten Menschen schlecht ist, darf sich tatsächlich gut nennen. Das ist genauso wie in der Mathematik. Plus mal Plus ist Plus, Minus mal Minus ist auch Plus. Plus mal Minus dagegen ist Minus, genau wie Minus mal Plus.

Und wenn einer zu beiden Menschensorten gut ist? Oder zu beiden schlecht? Ist er dann quasi neutral? Hier wird es kniffelig. Traditionell wiegt das Verhalten guten Menschen gegenüber mehr als die Art, wie du schlechten Menschen gegenübertrittst. Siehe Jesus. Aber in der Praxis kann es leicht passieren, dass du – egal wie gut du dich sonst verhältst – sobald du schlechten Menschen gegenüber zu nachsichtig bist, schnell mal deinen Status als guter Mensch verlieren kannst. Das wird vor allem dann nachvollziehbar, wenn es sich um ganz besonders schlechte Menschen handelt. Wenn du beispielsweise einem Massenmörder zur Flucht verhilfst, oder einem Tyrannen und Kriegsverbrecher eine großzügige Spende zukommen lässt, kannst du noch so vielen lieben Omas über die Straße helfen – du bist ein schlechter Mensch.

Doch das eigentliche Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass man einfach nicht jeden Menschen kennt, folglich auch nicht immer wissen kann, ob derjenige nun tatsächlich gut oder schlecht ist. Hier die Unschuldsvermutung anzuwenden und solange zu jemandem gut zu sein, bis seine Schlechtheit bewiesen ist, wäre naheliegend, kann aber auch in die Hose gehen. Denn jemand, der bereits um die moralischen Mängel der betreffenden Person weiß, nicht aber, dass du es noch nicht weißt, wird dich eventuell ebenfalls für schlecht halten, wenn er sieht, wie gut du zu ihm bist. Und wenn du nicht die Gelegenheit bekommst, die Sache richtig zu stellen, bist du – schwuppdiwupp! – in den Augen vieler Anderer ein schlechter Mensch und sie werden dich alle schlecht behandeln,

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