Rettet uns vor den Guten!

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14-03-19 08:41:00,

Immer wenn der „Westen“ in anderen Ländern mordet und plündert, behauptet er, er kämpfe für das Gute. Seit Jahrhunderten. Er tötete im Namen der Christianisierung, der Zivilisierung, im Namen von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit, von Demokratie und Menschenrechten. Neuerdings in Wahrnehmung seiner angeblichen „Responsibility to Protect“, seiner angeblichen „Schutzverantwortung“ für die Welt. Inzwischen kürzen westliche Politiker ihre Begründungen für Mord und Totschlag mit den Worten ab, sie kämpften „für unsere Werte“. Warum die Werte auch einzeln aufzählen, wenn man sich ohnehin nicht an sie hält?

In der Unabhängigkeitserklärung der USA aus dem Jahr 1776 heißt es feierlich:

„Wir halten für selbstverständlich, dass alle Menschen gleich erschaffen sind. Dass sie von ihrem Schöpfer mit unveräußerlichen Rechten ausgestattet wurden. Darunter Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ (1).

Doch diese großartigen Worte galten nur für weiße, wohlhabende und männliche Amerikaner. Frauen, Indianer, schwarze Sklaven und weiße Bedienstete waren ausgeschlossen. Thomas Jefferson, Vater der Unabhängigkeitserklärung und späterer US-Präsident, lehnte Sklaverei öffentlich ab. Privat besaß er bis zu seinem Lebensende Hunderte Sklaven. Zum Thema Frauen sagte Jefferson, Frauen seien viel zu schlau, um sich durch Politik Falten auf die Stirn zu holen.

Heuchelei war schon bei der Gründung der USA eine beliebte Strategie. Vielleicht war die Unabhängigkeitserklärung der USA mitsamt der Erklärung der Menschenrechte sogar die Urmutter der modernen westlichen Heuchelei. Noch heute hängt die Unabhängigkeitserklärung in den Schulen der USA aus. Doch in Wahrheit folgt die US-Außenpolitik Machiavelli und Clausewitz. Amerikanische Interessen, nicht Werte, waren und sind oberstes Gebot der USA. Wir kämen der Wahrheit amerikanischer und westlicher Außenpolitik ganz nahe, wenn wir das Wort „Werte“ einfach durch das Wort „Interessen“ ersetzen würden.

Ähnlich menschenfreundlich klang 1789 die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der Französischen Revolution, auf die sich die heutige europäische Zivilisation so gern beruft. Doch im Namen von „Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit“ begann erst einmal ein gnadenloses Morden. „La terreur“, der Terror der Guillotine, wurde spätestens unter Robespierre zum wahren Symbol der Französischen Revolution. Selbst moderne Terroristen nehmen sich heute die Kopf abschneidende französische Guillotine zum Vorbild.

Auch die deutsche Verfassung liebt große Worte. In Artikel 1 des Grundgesetzes heißt es: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt“ (2). Alte, vereinsamte und verarmte Menschen,

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Die guten Diktatoren

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15-12-18 04:22:00,

Es ist skurril. Angela Merkel gibt den Parteivorsitz der CDU und damit den Kanzleranspruch ab und veranstaltet eine scheinemotionale Theateraufführung vom Feinsten (1). Während ihrer letzten Rede hat sie Tränen in den Augen und auch ihre Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer klatscht minutenlang energisch weinend. Schließlich wird der Kanzlerin als Abschiedsgeschenk von ihrer Partei der Taktstock des Dirigenten überreicht, welcher 2017 während des G20-Gipfels vor den teilnehmenden Staatschefs Beethovens Neunte Symphonie dirigierte, während es draußen zu gewalttätigen Ausschreitungen bei Polizei und Demonstranten kam. Wer kein eingefleischter CDU-Nostalgiker ist, muss spätestens jetzt lachen.

Nach 18 Jahren „Weiter so“, „richtig und wichtig“, „alternativlos“ und „Wir schaffen das“ inszeniert sich Merkel geradezu historisch als revolutionäre Ikone. Dass es sich hier um Show handelt, sollte insbesondere anhand ihres mangelnden schauspielerischen Talents klar werden.

Viel interessanter ist ein Blick weg von der Bühne, ins Publikum des CDU-Parteitags. Während Merkels Rede gibt es nicht nur ständig aufbrausenden Beifall. Ein Großteil der Delegierten hält auch Schilder in die Höhe mit der Aufschrift: „Danke Chefin“. Ein Spruch, an dem das Auge des Betrachters zumindest kurz hängen bleiben sollte. Eine „Chefin“ ist schließlich autoritär und hat nichts mit demokratischer Legitimation oder Repräsentation zu tun. Na und, könnte man meinen. Das weiß doch jeder. Aber weiß das wirklich jeder? Baut nicht ein großer Teil der Stabilität unseres Systems darauf, dass die Praktiken der Herrschenden von der Bevölkerung als demokratisch und ihren Willen repräsentierend angesehen werden? Doch insbesondere in den letzten Wochen und Monaten zeichnet sich ein Trend von erstaunlich offener politischer Rhetorik ab.

Die Verachtung gegenüber den Armen und Ausgebeuteten der Gesellschaft tritt immer deutlicher zu Tage. Mehr als ein kleines Murren hört man nicht, wenn Jens Spahn Sätze verlautbaren lässt wie: „Jeder Job ist zumutbar“ (2) und „Harz IV bedeutet nicht Armut“ (3). Oder erinnern wir uns doch an den geistigen Twitter-Erguss von Peter Tauber vor etwa einem Jahr: „Wenn Sie was ordentliches gelernt haben, brauchen Sie keine drei Minijobs“ (4). Allein die Kandidatur von Friedrich Merz, der in den letzten neun Jahren in annähernd jedem deutschen Aufsichtsrat gesessen hat, müsste den Zeiger eines halbwegs funktionalen Demokratieradars ausschlagen lassen.

Die Politiker der herrschenden Parteien scheinen jedoch nicht einmal mehr die Notwendigkeit zu sehen, ihre verächtliche und elitäre Haltung gegenüber der Bevölkerung zu verstecken. Und warum nicht? Vielleicht, weil sie es gar nicht mehr müssen.

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Wer sind die Guten? Wer die Bösen? | KenFM.de

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29-10-18 07:51:00,

Von Alf Ator.

Wenn du ein guter Mensch sein willst, musst du gut zu den Menschen sein. Ganz einfach. Und wer schlecht zu anderen ist, ist ein schlechter Mensch. Das klingt logisch. Aber stimmt das auch immer? Das ist die große Frage. Zu schlechten Menschen darfst du nämlich nicht gut sein. Wer das tut, unterstützt damit ihre schlechten Taten, wird sozusagen zum Mittäter und ist folglich auch ein schlechter Mensch. Also: Nur wer zu guten Menschen gut und zu schlechten Menschen schlecht ist, darf sich tatsächlich gut nennen. Das ist genauso wie in der Mathematik. Plus mal Plus ist Plus, Minus mal Minus ist auch Plus. Plus mal Minus dagegen ist Minus, genau wie Minus mal Plus.

Und wenn einer zu beiden Menschensorten gut ist? Oder zu beiden schlecht? Ist er dann quasi neutral? Hier wird es kniffelig. Traditionell wiegt das Verhalten guten Menschen gegenüber mehr als die Art, wie du schlechten Menschen gegenübertrittst. Siehe Jesus. Aber in der Praxis kann es leicht passieren, dass du – egal wie gut du dich sonst verhältst – sobald du schlechten Menschen gegenüber zu nachsichtig bist, schnell mal deinen Status als guter Mensch verlieren kannst. Das wird vor allem dann nachvollziehbar, wenn es sich um ganz besonders schlechte Menschen handelt. Wenn du beispielsweise einem Massenmörder zur Flucht verhilfst, oder einem Tyrannen und Kriegsverbrecher eine großzügige Spende zukommen lässt, kannst du noch so vielen lieben Omas über die Straße helfen – du bist ein schlechter Mensch.

Doch das eigentliche Problem ergibt sich aus der Tatsache, dass man einfach nicht jeden Menschen kennt, folglich auch nicht immer wissen kann, ob derjenige nun tatsächlich gut oder schlecht ist. Hier die Unschuldsvermutung anzuwenden und solange zu jemandem gut zu sein, bis seine Schlechtheit bewiesen ist, wäre naheliegend, kann aber auch in die Hose gehen. Denn jemand, der bereits um die moralischen Mängel der betreffenden Person weiß, nicht aber, dass du es noch nicht weißt, wird dich eventuell ebenfalls für schlecht halten, wenn er sieht, wie gut du zu ihm bist. Und wenn du nicht die Gelegenheit bekommst, die Sache richtig zu stellen, bist du – schwuppdiwupp! – in den Augen vieler Anderer ein schlechter Mensch und sie werden dich alle schlecht behandeln,

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