Hauptsache, China-Bashing!

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15-12-18 04:23:00,

Sollen hartnäckige Vorurteile wieder bestätigt werden? In einem Land wie China, in dem angeblich alles von der Regierung und der Kommunistischen Partei kontrolliert wird, macht ein Forscher namens He Jiankui unverantwortliche Experimente mit Embryonen und veröffentlicht das auch noch im Internet. Natürlich kann er das nur, wenn es von oben so gewollt ist. Also sind das Experimente „der Chinesen“! Oder ist das nur ein Beispiel für die berühmte Vorurteilsfalle, nach der ein Vorurteil zu ständig neuen Vorurteilen führt?

Der Theologe Peter Dabrock, Vorsitzender des Deutschen Ethikrates, hat in der FAZ vom 27. November eine Stellungnahme zu den behaupteten Genmanipulationen an Embryonen abgegeben. In der gleichen FAZ-Ausgabe wird über dieses Experiment auf der ersten Seite mit der Überschrift „Empörte Reaktionen auf genveränderte Babys“ berichtet. Die Genveränderung solle in Shenzhen geborene Zwillinge und deren weitere Nachkommen vor dem HI-Virus schützen. Der Vater der Kinder sei mit dem Virus infiziert gewesen.

Auf der „Deutschland und die Welt“-Seite erfahren wir auch, dass über 100 chinesische Forscher in einem offenen Brief dieses Experiment verurteilt hätten und die betroffene Universität eine Untersuchung eingeleitet habe. Davon hat offensichtlich auch Peter Dabrock Kenntnis, denn er schreibt: „Die Southern University of Science and Technology, der He angehört, hat sich in einer Stellungnahme über die Experimente empört und darauf hingewiesen, dass die Versuche weder genehmigt waren , noch auf dem Universitätscampus stattgefunden haben.“ So weit, so gut.

Aber dann vernachlässigt Peter Dabrock seine Kenntnisse und geht vom Angriff auf den in Stanford ausgebildeten Forscher mit einer floskelhaften Entschuldigung zum China-Bashing über: „[…] man verzeihe mir, dass ich unterstelle, dass für die chinesischen Forscher Embryonen in der Petrischale keine Menschenwürdenträger sind.“

Wie bitte? Eine Unterstellung nicht auf He bezogen, sondern auf „die chinesischen Forscher“ sollen wir als Leser verzeihen? Oder ist das ein Druckfehler und soll „den chinesischen Forscher“ heißen? Aber vielleicht hat Peter Dabrock mit der Artikelverwendung im Deutschen Probleme und meint „diese chinesischen Forscher“, weil He ja nicht allein gearbeitet haben kann? Einiges deutet genau darauf, aber auch auf noch Schwerwiegenderes für einen Vorsitzenden des Deutschen Ethikrates hin, denn Ethik hat auch etwas mit der Sprache zu tun. Stereotype und Pauschalisierungen sind ethisch sehr fragwürdig, da sie gerade bei Völkerbezeichnungen zu gefährlichen Reaktionen, eventuell sogar zu Morden, führen können. Was wäre nicht nur in der deutschen Medienlandschaft los,

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Hauptsache rumballern?

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31-10-18 04:18:00,

Wo war das noch gleich, wo der Bundestag überall Krieg führen lässt? Ach egal, kennt sowieso keiner

Hierzulande macht man sich ja gerne über US-Präsidenten lustig, die Österreich (Austria) und Australien (Australia) verwechseln. Auch sonst geht der sich aufgeklärt wähnende Deutsche meist davon aus, dass das US-Regierungspersonal die Namen der Länder kaum buchstabieren oder auf der Landkarte verorten kann, in dem es bombardieren und töten lässt.

Wie sich zeigt, sind aber auch hiesige Journalisten zu ähnlichen geografischen Glanzleistungen in der Lage. Der Behördenspiegel berichtet in seiner neuesten Ausgabe über die aktuellen deutschen Kriege, äh – Auslandseinsätze. Illustriert ist das Ganze unter anderem mit obiger Abbildung.


(Bild: Behördenspiegel)

Aufgelistet sind dort der Kosovo, zwei Einsätze im Mittelmeer, die Westsahara, der Senegal, Mali, der Sudan, der Südsudan, Eritrea, Äthiopien, Dschibuti, Somalia, der Libanon, Syrien, der Irak und Afghanistan. Das wären abgesehen von den beiden Marineeinsätzen im Mittelmeer beachtliche 14 Staaten, in denen deutsche Soldaten den Abzug am Finger haben und auch schon mal Zivilisten massakrieren lassen, um anschließend die Karriereleiter nach oben zu fallen.

Die Frage ist nun: Wer findet den Fehler? Oder sind es vielleicht mehrere? Und wenn ja wie viele? (Hinweis: Gemeint ist hier nicht der ganz große Fehler, für den die Zeitung nichts kann und der eher mit dem Grundgesetz zu tun hat.)

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Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs! – www.NachDenkSeiten.de

Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs! – www.NachDenkSeiten.de

30-09-18 07:21:00,

30. September 2018 um 11:30 Uhr | Verantwortlich:

Hauptsache Arbeit? Bullshit-Jobs!

Veröffentlicht in: Arbeitsmarkt und Arbeitsmarktpolitik, Neoliberalismus und Monetarismus, Rezensionen

Die neoliberale Umgestaltung der Wirtschaft ist im Kern ineffizient. Der Anthropologe David Graeber greift den Mythos der modernen Arbeit an. Elmar Wigand hat für die NachDenkSeiten Graebers neues Buch „Bullshit-Jobs“ rezensiert.

„Ich habe nie herausgefunden, was Depotbanken eigentlich tun. Ich verstehe, welches Konzept sich mit Depotbanken verbindet, aber ich habe sie immer nur für eine überflüssige weitere Form der Buchführung gehalten. Depotbanken bewahren Begriffe wie Aktien oder Schuldverschreibungen auf. Aber wie machen sie das eigentlich? Können russische Hacker solche Konzepte stehlen? Soweit ich erkennen kann, ist das ganze Depotwesen Bullshit.“

(Bruce, Fondsberater einer Depotbank, in: David Graeber: Bullshit-Jobs, Stuttgart 2018, S. 248)

Der us-amerikanische Anthropologe Graeber, der an der London School of Economics lehrt, ist mit Bullshit-Jobs einem Phänomen auf der Spur, das viele kennen dürften – aus der eigenen Erwerbsbiografie, aus dem Bekanntenkreis oder der erweiterten Familie –, das aber bisher nie als radikale Kritik des Arbeitswerts formuliert wurde.

Dass es sich bei Bullshit-Jobs um ein Massenphänomen mit explosionsartiger Verbreitung handelt, lassen jüngste Zahlen vermuten: Die Krankmeldungen in Deutschland sind zwischen 2008 und 2016 um mehr als 60 Prozent gestiegen. Zu den wichtigsten Ursachen zählte die Bundesregierung auf Anfrage der Linksfraktion im Bundestag “Fehlentwicklungen des Arbeitsalltags”. Hinter Erkrankungen des Muskel-Skelett-Syndroms waren zuvorderst psychische Erkrankungen und Verhaltensstörungen für insgesamt 560 Millionen Krankschreibungen zwischen 2008 und 2016 verantwortlich. Der volkswirtschaftliche Schaden habe im Zeitraum um 75 Prozent zugenommen und im Jahr 2016 75 Mrd. Euro betragen. [1]

Dass Arbeit krank macht, dürfte einfach erklärbar sein durch gesteigerte Arbeitshetze, Flexibilisierung und und Überstunden vor allem im Niedriglohnsektor. Kaum beachtet ist eine massenhafte Zunahme von vergleichsweise gut bezahlten oder gar üppig entlohnten Bullshit-Jobs. Auch sie machen krank. [2]

Was ist ein Bullshit-Job?

Graebers Definition lautet: „Ein Bullshit-Job ist eine Form der bezahlten Anstellung, die so vollkommen sinnlos ist, dass selbst derjenige, der sie ausführt, ihre Existenz nicht rechtfertigen kann, obwohl er sich im Rahmen der Beschäftigungsbedingungen verpflichtet fühlt, so zu tun, als sei dies nicht der Fall.“

Graeber nennt unzählige Beispiele,

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Tagesdosis 21.8.2018 – Hauptsache, Feindbild! | KenFM.de

Tagesdosis 21.8.2018 – Hauptsache, Feindbild! | KenFM.de

21-08-18 12:03:00,

Geld, das vermeintlich die Antwort auf alle Probleme dieses Globus ist. Probleme die es ohne es, überhaupt nicht geben würde.
Anbei ein Standard-Artikel zum Thema, inklusive des Steuergeldes:

19 Dez 2017
Die Illusion der freien Märkte
Wie der Staat hinter den Kulissen den Kapitalismus künstlich am Leben hält. Exklusivabdruck aus „Chaos: Das neue Zeitalter der Revolutionen“
von Fabian Scheidler

Es gehörte schon immer zu den schmutzigen Geheimnissen des Kapitalismus, dass er mit freien Märkten sehr wenig zu tun hat und von Anfang an untrennbar mit staatlichen Herrschaftsstrukturen verflochten war. Die frühneuzeitlichen Staaten gewährten Händlern und Bankiers wie den Fuggern Monopolrechte als Gegenleistungen für Kredite, mit denen die Landesherren Söldner und Rüstungsgüter bezahlten. Nur durch diese Kredite konnten die sich neu formierenden Territorialstaaten ihre Macht aufbauen. Und nur durch die Monopole konnten die Händler und Bankiers die enorme Konzentration von Kapital in ihren Händen erreichen, ohne die der Kapitalismus undenkbar wäre. Die ersten Aktiengesellschaften des 17. Jahrhunderts waren Schöpfungen von Staaten und wurden von ihnen mit Charterbriefen, Monopolrechten und sogar militärischen Mitteln ausgestattet. Bis heute sichern Staaten für private Unternehmen weltweit Handelswege und setzen Eigentumsrechte durch – oft gegen den massiven Widerstand lokaler Bevölkerungen, wenn es etwa darum geht, neue Kupferminen oder Tagebaue zu erschließen, Pipelines zu bauen oder Kleinbauern für Palmölplantagen zu vertreiben. Im Laufe der Jahrhunderte haben sich darüber hinaus einige weitere Methoden entwickelt, mit denen Staaten die Maschinerie der endlosen Geldverwertung in Gang halten. Drei Strategien sind dabei von besonderer Bedeutung: Subventionen, leistungslose Einkommen aus Eigentumsrechten und Aneignung durch Schulden. Diese Dreifaltigkeit der Tributökonomie wird immer wichtiger, je instabiler die Weltwirtschaft wird. Denn sie beschert dauerhafte Geldflüsse auch dann, wenn sich am Markt kaum noch Profite durch den Verkauf von Gütern und Dienstleistungen erzielen lassen.

Konzerne am Tropf

In fast allen Staaten der Erde existiert ein komplexes Subventionsdickicht, durch das private Konzerne mit Steuergeldern kontinuierlich gefördert werden. In den letzten Jahrzehnten ist dieses Subventionsnetz zu einer Art Herz-Lungen-Maschine für den dahinsiechenden Kapitalismus geworden. Ein Großteil der 500 größten Konzerne der Erde würde ohne die massive Unterstützung durch Steuergelder längst bankrott sein. Schauen wir uns die mächtigsten Branchen einmal nacheinander an:

– Die Erdöl-, Erdgas- und Kohleindustrie wird nach Schätzungen der ausgesprochen konservativen Internationalen Energieagentur jedes Jahr mit rund 500 Milliarden Dollar subventioniert.

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Hauptsache, Feindbild!

Hauptsache, Feindbild!

18-08-18 11:54:00,

Über 260.000 Kinder sollen es sein – inklusive der circa 30.000 deutschen Kinder – für die aus dem deutschen Bundeshaushalt Steuergelder aufgewendet und ins Ausland versendet werden müssen. Unter den Empfängern befinden sich ausländische Kindergeldbetrüger. Es wird also Geld ausgegeben für Kinder, die gar nicht zum entsprechenden Kindergeld-Antragsteller in mütterlicher oder väterlicher Beziehung stehen.

Die deutsche Seele kocht hoch. Die Medien deklinieren es rauf und runter. Man muss einschreiten, Maßnahmen ergreifen, dem Bezug ein Ende setzen. Die Steuergeldverschwendung muss eingedämmt werden.

So liest man bei der Münsterschen Zeitung:

„Mehrere hundert Millionen Euro Kindergeld zahlt der deutsche Staat inzwischen an Empfänger im EU-Ausland, Tendenz stark steigend. Oberbürgermeister schlagen Alarm: Der soziale Friede sei zunehmend gefährdet.“

Der Fokus-Leser erfährt, dass 2017 eine Summe von 343 Millionen Euro an Konten im Ausland gezahlt wurde. Um im nächsten Satz zu lesen, dass sich die Bundesagentur Sorgen um organisierten Sozialbetrug mache. Die – unbewusste – Assoziation ,343 Millionen im Ausland als Folge von Sozialbetrug‘ ist sicherlich nicht gewollt. Oder vielleicht doch?

Laut Westfalenpost sollte am besten gleich das BKA gegen diese Kriminellen eingesetzt werden. Das zeigt die ganze Dramatik der drohenden Gefahr.

Obwohl aktuell noch niemand den Anteil an Betrügern wirklich quantifizieren kann, klingt es bereits dramatisch: „Bei 100 Verdachtsprüfungen in Wuppertal und Düsseldorf wurden in 40 Fällen fehlerhafte Angaben festgestellt“ liest man in der Westfalenpost.

Bei der FAZ liest sich das schon anders: „Die Familienkasse betont, es gebe keinen flächendeckenden Betrug. Stichproben ergaben einzelne Missbrauchsfälle vor allem in Nordrhein-Westfalen. Beim Kindergeld für Personen, die aus dem Ausland kommen, um hier zu arbeiten, deren Kinder aber in der Heimat geblieben sind, ,„findet so gut wie kein Missbrauch statt‘.“

Obwohl niemand wirklich die Zahlen kennt – beziehungsweise kennen kann –, wird heftig hochgerechnet. So sind es laut Huffington Post mehr als 100 Millionen Euro – pro Jahr –; andere Medien nennen noch höhere Zahlungen. Also fast 30 Prozent des ins Ausland gezahlten Kindergeldes wird ausländischen Betrügern – den Rumänen und Polen wie man lesen kann – aus unseren Sozialkassen nachgeworfen.

Was daraus in sogenannten „rechten“ Blogs und Facebook-Gruppen gemacht wird, ist für Rubikon nicht zitationsfähig – es fällt unter „Hate Speech“ – und war definitiv absehbar.

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