„Der Mann war offenbar kein Heiliger. Warum war es dann falsch, ihn zu töten?“

„der-mann-war-offenbar-kein-heiliger.-warum-war-es-dann-falsch,-ihn-zu-toten?“

13-01-20 05:22:00,

Christoph Heinemann, Leiter der Abteilung Aktuelles beim Deutschlandfunk, bringt den Zustand der bestimmenden Kräfte im deutschen Journalismus auf den Punkt: Wir sind bereit, Verantwortung zu übernehmen; wir sind gewaltbereit; auch militärisch, auch heimtückisch. Auf ein juristisch abgesichertes Urteil warten wir nicht. Der Verdacht reicht. Im Zweifel orientieren wir uns an den Führern der USA. – Das in der Überschrift wiedergegebene Zitat stammt aus einem Interview des Deutschlandfunk-Redakteurs mit dem SPD-Fraktionsvorsitzenden Mützenich vom 9. Januar. Die Feststellung Heinemanns ist symptomatisch für das, was wir im deutschen Journalismus querfeldein erleben: Am vergangenen Donnerstag im Deutschlandfunk, am Sonntagabend im Heute Journal, am Samstag und am Montag wieder in der Süddeutschen Zeitung. Und bei Bild sowieso: Wir sind die Guten und wen wir auf welche Weise auch immer umbringen, entscheiden wir, die USA und wir. Albrecht Müller.

Vor 50 Jahren verkündete ein deutscher Bundeskanzler: Wir wollen ein Volk der guten Nachbarn sein, wir vertrauen und wollen Vertrauen aufbauen, wir entsorgen die gepflegten Feindbilder. Vor 30 Jahren feierten wir den Erfolg dieser Politik und schworen auf das Konzept der „Gemeinsamen Sicherheit“. Die damals tätigen Journalistinnen und Journalisten waren trotz aller Kritikbereitschaft Teil dieser positiven Entwicklung.

Inzwischen scheint eine Art Kulturrevolution stattgefunden zu haben, oder auch ein umfassender personeller Austausch:

  • Der Frieden ist der Ernstfall – alter Käse! Militärische Mittel und militärische Interventionen nur im äußersten Notfall – altmodisch!
  • Wir sind auf dem Weg zurück. Feindbilder werden gepflegt, Misstrauen gesät. Dafür nur ein typisches Beispiel aus der Süddeutschen Zeitung: „Angela Merkel trifft Wladimir Putin – der Nutznießer der weltweiten Krisen“, hieß es schwarz unterlegt auf der ersten Seite der Süddeutschen Zeitung vom vergangenen Samstag. Auf Seite 7 dann die konstruierten Belege.
  • Und heute am Montag sind unsere famosen Medien fast alle enttäuscht darüber, dass es in Moskau am Samstag zwischen Merkel und Putin so friedlich und kooperativ zuging. Das passte schon alleine nicht ins gemalte Bild vom aggressiven Putin. Und es passt nicht in die außenpolitischen Denkweisen der begleitenden Journaille.
  • Das außenpolitische Denkmodell kennt nur Gegner, und Partnerschaft nur in Gegnerschaft zu anderen. Deshalb taucht jetzt das Bild von der Schaukelpolitik auf. Bei Gabor Steingart im Morgenbriefing zum Beispiel. Schaukelpolitik zwischen Ost und West! Warum sollte es nicht Partnerschaft sein? Partnerschaft mit beiden. Geht das nicht mehr?

 » Lees verder