Heute vor 73 Jahren war der zweite Weltkrieg zu Ende. Dessen gedenken wir mit dem Text einer 96-jährigen NachDenkSeiten-Leserin. – www.NachDenkSeiten.de

08-05-18 07:53:00,

8. Mai 2018 um 8:45 Uhr | Verantwortlich:

Heute vor 73 Jahren war der Zweite Weltkrieg zu Ende. Dessen gedenken wir mit dem Text einer 96-jährigen NachDenkSeiten-Leserin.

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Gedenktage/Jahrestage, Militäreinsätze/Kriege

Sie schreibt großartig, und sie teilt die Sorgen um die neuen Konflikte, die noch mal zum großen Krieg führen könnten. Sie hat als junge Frau während des Zweiten Weltkriegs in einem Frankfurter Betrieb gearbeitet. Dort waren auch russische und französische Kriegsgefangene und Deportierte beschäftigt. Gemeinsam erlebten sie die Bombennächte. Hiervon handelt der folgende Text „Über die Kriegsjahre im Büro“. Albrecht Müller.

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Unsere Autorin will nicht mit ihrem Namen auftreten. Wir akzeptieren das. Anette Sorg und ich haben sie am vergangenen Sonntag besucht und sind tief beeindruckt. Wir freuen uns darüber, den NachDenkSeiten-Leserinnen und -Lesern die Texte einer Frau bieten zu können, die 1922 geboren wurde und das Geschehen von Jugend an und bis heute hellwach begleitet, beobachtet, kritisiert. Heute macht sie sich zum Beispiel große Sorgen darüber, was Cambridge Analytica und ähnliche Firmen mit uns anstellen. Davon vielleicht später mehr. Heute statt einer Politiker-Rede zum 8. Mai dieser Bericht:

Louise Demangeon, André Sergeff

(Über die letzten Kriegsjahre im Büro)

Meine Geschichte beginnt im Herbst 1943. In der Lampenfabrik war ich von der „Auslands-korrespondentin“ zur „Werbeleiterin“ avanciert. Meine Vorgänger, wiewohl nicht mehr die Jüngsten, waren zum Kriegsdienst eingezogen worden. Darunter litt die Firma allerdings kaum. Der Bedarf an Auslandskorrespondenz und Werbung tendierte gegen null. Die Leuchtenfabrikation war auf kriegswichtige Güter reduziert worden und nur für solche gab es Zuteilung von Rohstoffen. Lampen mit Lichtkurven für die diffuse Beleuchtung des trauten Heims waren passé. Statt dessen mussten Leuchten für Landebahnen der Luftwaffe und schlagwettergeschützte Grubenleuchten produziert werden. Dass ich mit Mittelschulreife und Lehre zur Kaufmannsgehilfin vom Berufsbild „Werbeleiter“ keine Ahnung hatte, war unter solchen Umständen irrelevant.

Das letzte Aufgebot waren meine eingezogenen Vorgänger leider noch lange nicht. Die deutschen Heere Ost hatten nach der verlorenen Schlacht um Stalingrad ein halbes Jahr zuvor die Zeit ihrer größten Ausdehnung in Europa bereits überschritten.

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