Hilfe zum Heulen!

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18-04-19 02:19:00,

Ein Mitarbeiter des Elysée-Palastes bestätigte heute den Eingang der 100-Gramm-Tagesportion, die nun bei eBay an einen Gutmensch-Milliardär versteigert werden solle, um auch diesen Erlös in den Wiederaufbau von Notre-Dame zu investieren.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Bürger Deutschlands und Europas in der FAZ ausdrücklich dazu aufrief, den Wiederaufbau zu unterstützen, lobte den mutigen Jamal mit den Worten:

„Endlich mal ein armes Kind, das nicht nur fordert, sondern auch gibt, davon sollten sich die rund 4,4 Millionen deutschen armen Kinder mal eine Scheibe Reis abschneiden.“

Auf die Frage des Satire-Quickies, ob es nicht sinnvoll wäre, gemeinsam mit der deutschen Mainstream-Presse auch mal einen großen bundesweiten Spendenaufruf für die vielen durch die Europäische Union in Not geratenen MENSCHEN zu machen, sagte der Bundespräsident: „Wer will das denn lesen?“

Ähnlich sieht es übrigens auch der kleine Jamal selbst, den wir in seiner Heimat, dem Sudan, nach intensiver Recherche aufspüren konnten. Er habe volles Verständnis dafür, dass sich Hunger als Zeitungstitel nun mal nicht so gut verkaufen lasse wie ein spektakuläres Notre-Dame-Feuer und deswegen habe er gleich geholfen. Seine Eltern sind stolz auf Jamal, der mit seiner Tat der Welt vor Augen führt, worum es im Kapitalismus wirklich geht: um einen großen Haufen kalter, berühmter, verkohlter Steine.

Eine gute Nachricht noch zum Schluss: Die Hilfsorganisation Steine für die Welt (Anmerkung des SQ: ehemals Brot für die Welt) will zukünftig einen Großteil der Spenden für Notre-Dame zur Verfügung stellen. Kirchen wie diese gäbe es schließlich nur einmal, Menschen dagegen mehr als genug.

Na denn: Fröhliches Puzzeln!

Jens  Lehrich

Jens Lehrich, Jahrgang 1970, ist gelernter Hörfunk-Journalist und freier Autor aus Hamburg. Seit über 25 Jahren produziert, spricht und textet er Comedyserien für den privaten Hörfunk. Als sein Sohn im Jahr 2010 an Typ 1-Diabetes erkrankte, begann für den dreifachen Familienvater der Blick hinter die Kulissen der Pharmaindustrie. Lehrich gründete den Blog ahundredmonkeys.de, auf dem er Menschen präsentiert, die abseits vom Mainstream für eine bessere, gerechtere und gesündere Gesellschaft eintreten. Darüber hinaus gehören das Klavierspielen und Schreiben von Satire zu seinen Leidenschaften.

Dieses Werk ist unter einer Creative Commons-Lizenz (Namensnennung – Nicht kommerziell – Keine Bearbeitungen 4.0 International) lizenziert.

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Arme brauchen Hilfe, keine Diskriminierung – www.NachDenkSeiten.de

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15-11-18 03:52:00,

14. November 2018 um 12:00 Uhr | Verantwortlich:

Arme brauchen Hilfe, keine Diskriminierung

Veröffentlicht in: Audio-Podcast, Soziale Gerechtigkeit, Ungleichheit, Armut, Reichtum, Wertedebatte

Werden Arme in unserer Gesellschaft diskriminiert? Ja, sagt der Journalist Christian Baron (siehe sein Interview mit den NachDenkSeiten ). Recht hat er. Deshalb hat er vergangene Woche die Initiative #unten ins Leben gerufen. Seitdem haben sich zahlreiche Twitternutzer zu Wort gemeldet. Ihre Tweets geben einen unverblümten Einblick in eine Realität, die nicht geleugnet werden darf: Im reichen Land Deutschland existiert Armut. Und: Wer arm ist, wer von #unten kommt, ist im Alltag Demütigung und Ausgrenzung ausgesetzt. Das muss sich ändern. Möglichst schnell.  Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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Wer arm ist, braucht Hilfe. Was er nicht braucht, sind Diskriminierung, Demütigung, Ausgrenzung und Benachteiligung. Doch genau das ist es, was arme Menschen in Deutschland erleben. Immer wieder. Schon Kinder und Teenager, die mit ihren Eltern in Armut leben, werden oft aufgrund ihrer bescheidenen Lebensverhältnisse sozial abgewertet und ausgegrenzt. Die Entwürdigung der Armen beginnt früh und zieht sich durch alle Lebensphasen. Auch an Orten, an denen die Achtung der Würde des Menschen erwartet werden könnte, sind diejenigen, die aus armen Verhältnissen kommen, Diskriminierungen ausgesetzt. Ein Beispiel dafür liefert Aylin Karabulut, wissenschaftliche Mitarbeiterin der  Universität Duisburg-Essen, die sich an der Twitter-Diskussion zu #unten beteiligt und einen Dialog wiedergibt, den ein Student ihr erzählt hat:  

Nach nicht bestandener Uni-Prüfung: Prof: „Ihre Eltern sind doch sicherlich Arbeiter oder?“ Stud: „Ehm…ja, wieso?!“ Prof: „Das merkt man. Fragen Sie sich mal kritisch, ob die Uni auch wirklich der richtige Platz für Sie ist.“ Reale Erfahrung meiner Studentin #unten

Ist diese Schilderung glaubwürdig? Ja. So sieht es aus, wenn die soziale Herkunft selbst dann noch eine Rolle spielt, wenn sich die in Armut Aufgewachsenen einen für sie eher unüblich hohen Bildungsgrad erarbeitet haben. Anders gesagt: Wenn Menschen, die aus den unteren Schichten kommen, selbst an einer Universität aufgrund ihrer Sozialisation diskriminiert werden,

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Vergiftete Hilfe

Vergiftete Hilfe

13-10-18 11:39:00,

Um es gleich zu Beginn festzustellen: das, was während der letzten Jahre als „Hilfspolitik“ der Euro-Staaten gegenüber Griechenland gefeiert worden ist – wobei merkwürdigerweise das Ende dieser angeblichen „Hilfspolitik“ vor einigen Wochen ebenfalls Anlass zu großer Freude war! –, hat die totale Irrationalität und totale Dehumanisierung der Politik gegenüber Griechenland unter Beweis gestellt. Doch der Reihe nach – und zunächst einige Blicke zurück auf das, was am 12. Juli 2015 in Brüssel geschah.

Heißt: auf das, was Griechenland an diesem Tag an sogenannter „Hilfe“ aufgebürdet und an Zugeständnissen abgepresst worden ist. Dieser Rückblick ist erforderlich, um zu verstehen, was während der letzten drei Jahre in und gegenüber Griechenland geschah. Er ist zum zweiten erforderlich, weil die Irrtümer und Missverständnisse zur Griechenland-Politik der sogenannten „Helfer“ und „Retter“ gar nicht mehr zu zählen sind – dank entsprechender Politikersprüche und dank überwiegend fragwürdigster Berichterstattung darüber in Fernsehen und Presse – wenn überhaupt eine solche erfolgte. Und beginnen wir deshalb auch genau mit diesen beiden Hauptbegriffen, mit den Begriffen „Hilfe“ und „Rettung“, und demzufolge mit dem seither im Umlauf befindlichen Propagandabegriff „Rettungspaket“.

Erstens: Fangen wir mit der scheinbar positiven Seite der Vereinbarung an, die Mitte Juli des Jahres 2015 zwischen den EU-Institutionen – inklusive Internationalem Währungsfonds (IWF) – sowie Griechenland in Kraft getreten war. Griechenland sollte, als sogenanntes drittes „Hilfs-“ oder „Rettungspaket“, rund 86 Milliarden Euro von den Geldgebern bekommen. „Hilfe“ und „Rettung“ und „Paket“, das klingt nach „Geschenk“, nicht nach einer Bücherzusendung von einem Antiquar, die anschließend selbstverständlich bezahlt werden muss – und schon gar nicht nach einer Giftlieferung.

Man könnte auch sagen: irgendwie schien an diesem heißen Julitag für die Griechen der Weihnachtsmann unterwegs gewesen zu sein, Santa Claus, der dem gepeinigten Land ein großes Geschenkpaket mit ganz viel Euro-Scheinen vor die Türe gelegt hat – oder der brave Postbote hatte eine rettende/helfende Großverpackung ins Haus gebracht. Tja, die Politik und ihre Medienwelt: man „verpackt“ (!) noch das Fragwürdigste und Gefährlichste so, als ob es Heil brächte oder das Gute. Doch in Wahrheit war alles nur Lug oder propagandistisch-positive Suggestion, die keiner Überprüfung standhält. Denn tatsächlich handelte es sich bei diesen 86 Milliarden Euro – von denen tatsächlich nur 56 Milliarden Euro „ausgezahlt“ worden sind! – um nichts anderes als um einen Kredit!

Und seit wann kommen Kredite in der Gestalt von „Paketen“ ins Haus?

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Syrien: Wie Hilfe der NGOs an Dschihadisten kommt

Syrien: Wie Hilfe der NGOs an Dschihadisten kommt

24-08-18 12:57:00,

Miliz Ahrar al-Sham. Foto (2017): Twitter/Propaganda

Ermittlungen der USAID bestätigen in der Bevölkerung verbreitete Vorbehalte gegen Korruption von NGO-Mitarbeitern und Mafiaherrschaft der Milizen

Zuvor war meist nur von Waffen aus dem Westen die Rede, die dann am Ende bei den syrischen Dschihadisten landeten. In jüngster Zeit gibt es mehr Aufmerksamkeit für andere Hilfen, vor allem Geld, die eigentlich für die “gute” syrische Opposition gedacht war oder für die Zivilbevölkerung, die dann aber ebenso selbstverständlich wie die Waffen zu einem guten Teil bei den Dschihadisten landeten.

“Selbstverständlich”, weil es doch gar nicht anders sein kann, wenn die Dschihadisten die militärisch mächtigsten Akteure sind und alle anderen in ihrem Herrschaftsgebiet kontrollieren. Die Mafiaherrschaft verlangt ihre Tribute.

Korruption, Infiltration und Mafia-Forderungen

Von der syrischen Bevölkerung, die mit den Praktiken in den von westlichen Medien weiterhin beharrlich “Rebellengebiete” genannten Zonen der Herrschaft von Milizen mit al-Qaida-Agenda vertraut ist, gab es schon lange Klagen über Geschäfte oder Abmachungen, die zwischen NGOs und den Dschihad/Islamisten-Milizen laufen.

Bewohner bekamen Korruption und Mafia-Forderungen vor Ort mit, wie Elizabeth Tsurkov in ihrem durch Hunderte von Interviews gestützten Befund: The Breaking of Syria’s Rebellion berichtet (vgl. Syrien: Bevölkerung angewidert von Milizen). Ein Ausschnitt:

Abdul Kader, ein Aktivist der in Idlib lebt und jahrelange Erfahrung in der Aufsicht und Einschätzung der humanitären NGOs innerhalb Syriens hat, erzählte mir, dass sich alle Fraktionen einen kleinen Teil der Lieferungen holen, die für die Bevölkerung gedacht sind, “nicht nur Hayat Tahrir a-Sham, aber auch Ahrar [a-Scham], Faylaq [a-Scham] und die Freie Armee. Die Milizenfraktionen zwingen die NGOs auch dazu, einen Anteil der Jobs an ihre Kader abzugeben. Das wird von den Milizen dazu genutzt, um befähigte Leute zu rekrutieren, damit diese dann bei den NGOs arbeiten.

Arbeitsplätze in den NGOs sind extrem lukrativ, da sie gut bezahlt sind, besser als andere Positionen in Syrien und physisch nicht so erschöpfend sind wie Arbeit im Baugeschäft oder in der Landwirtschaft und viel weniger gefährlich, als wenn sie sich einer Miliz anschließen.

Elizabeth Tsurkov, Common Perception of Corruption in the Ranks of NGOs and Local Councils

Nervöse Abgrenzungen

Angesichts des Aufmerksamkeitswirbels, der aktuell um eine anstehende Offensive der regierungstreuen Militärverbände auf Idlib gemacht wird,

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Tödliche Hilfe

Tödliche Hilfe

13-04-18 06:46:00,

Das Grundgesetz unseres Landes ist dem Buchstaben nach eine republikanische und demokratische Verfassung. Dem Grundgesetz liegt die auf die Aufklärung zurückgehende Vorstellung zugrunde, dass die Bevölkerung des Landes der Souverän ist und von ihr alle Macht ausgeht. Jeder Mensch ist von Natur aus frei, gleichwertig und niemandem Untertan, keiner anonymen Kapitalgesellschaft und auch nicht dem Staat.

Doch dieses politische Ideal hat mit der Realität, in der wir leben, immer weniger zu tun. Das gilt weltweit und ebenso bei uns in Deutschland. Denn Gesetze und Verordnungen werden immer mehr in Unternehmenskanzleien geschrieben und den Politikern von Lobbyverbänden eingeflüstert. Die Parlamentarier nicken oft nur das ab, was an anderer Stelle entschieden wurde. In vielen Fällen wissen die Politiker nicht wirklich, was sie beschließen. Der beste Beleg für diesen Verfall der Demokratie liefert ausgerechnet das Zitat eines hochrangigen Politikers, des Präsidenten der Europäischen Kommission, Jean-Claude Juncker, der in diesem Fall wohl ein wahres Wort gesprochen hat:

„Wir beschließen etwas, stellen das dann in den Raum und warten einige Zeit ab, was passiert. Wenn es dann kein großes Geschrei gibt und keine Aufstände, weil die meisten gar nicht begreifen, was da beschlossen wurde, dann machen wir weiter – Schritt für Schritt, bis es kein Zurück mehr gibt.” (1)

Die wahre Macht im Staat haben immer mehr die Unternehmen, insbesondere die Kapitalgesellschaften. Da sie juristische Personen sind, unterliegen sie auch nicht dem Strafrecht, da sich in unserem Rechtssystem nur natürliche Personen strafbar machen können. Sie können sich dadurch fast immer der Verantwortung entziehen. Bei gravierenden Verstößen von Unternehmen, zum Beispiel gegen Umweltschutzgesetze, muss die persönliche Schuld einzelner Personen nachgewiesen werden. Dies ist jedoch in den meisten Fällen nicht gerichtsfest möglich, und so bleiben die meisten Verstöße ungeahndet.

Nirgendwo werden Einfluss und Macht der Unternehmen auf Politik und unsere Gesellschaft so deutlich wie bei der Automobil- und Pharmaindustrie.

Die Pharmakonzerne sind so mächtig, dass in Deutschland keine Politik gegen sie möglich ist. Als in den 1990er-Jahren eine Positivliste der wirksamen Medikamente erstellt werden sollte, lief die Pharmalobby Sturm, und das Gesetz wurde gekippt.

Doch damit nicht genug. Um die Politik auch noch zu demütigen, überreichte man ihr symbolisch die Liste geschreddert in tausend Schnipseln. In der 2008 gesendeten ZDF-Dokumentation „Das Pharmakartell“ (2) äußerte Horst Seehofer, der in den 1990ern Gesundheitsminister war,

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