Hilferuf für Syrien

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07-12-18 09:17:00,

Christen fürchten Sturz von Assad. Sanktionen und Abwerbung von Fachkräften treffen das kriegszerstörte Land. Rüdiger Göbel gibt für die NachDenkSeiten einen Überblick und schildert ein Dilemma, das so gar nicht zur Syrien-Berichterstattung des medialen Mainstreams passt.

Das weltweite päpstliche Hilfswerk „Kirche in Not“ unterstützt mit einer Spendenkampagne den Wiederaufbau der syrischen Stadt Aleppo. Im laufenden Jahr werden über 120 Einzelmaßnahmen in Syrien mit einer Gesamtsumme von sieben Millionen Euro gefördert. Es sind Tropfen auf den heißen Stein in dem seit bald acht Jahren kriegsgeplagten und kriegszerstörten Land. Millionen Euro Spendengelder lindern die Not, notwendig sind Milliarden für den Wiederaufbau. Syrien braucht einen Marshall-Plan.

Aleppo, wo „Kirche in Not“ vornehmlich engagiert ist, gehört zu den vom bald acht Jahre dauernden Krieg am meisten betroffenen Städten des Landes. In den von islamistischen Kampfgruppen besetzten östlichen Bezirken tobten monatelang schwere Kämpfe. Ende 2016 befreite die syrische Armee mit Unterstützung der russischen Luftwaffe die okkupierten Stadtteile, die Waffen schweigen. Rund ein Drittel der Gebäude in der Stadt sind zerstört. Auch zahlreiche Kirchen sind von Treffern gezeichnet. Die Al-Qaida-nahen Kampfgruppen wollten mit ihnen die Symbole für die jahrhundertelange christliche Tradition in der Stadt auslöschen.

Das katholische Hilfswerk unterstützt unter anderem die Wiederherstellung von drei Kathedralen: der armenisch-katholischen, der maronitischen und der syrisch-katholischen. Das nicht aus missionarischem Eifer, sondern als Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Kirchen sind so etwas wie Leuchttürme im Meer. Sie vermitteln Sicherheit und Hoffnung. Das gesamte soziale Leben spielt sich in den Kirchengemeinden ab“, erklärt Projekt-Referent Andrzej Halemba. Von den wiederaufgebauten Kirchen gehe eine „wichtige Signalwirkung“ aus: „Die vertriebenen Christen können den ersten Schritt Richtung Rückkehr wagen.“

Dazu passend ist in der Hamburger Wochenzeitung „Die Zeit“ vom 29. November ein Interview mit Michael Theuerl erschienen, das mit „In Damaskus erregt ein Kreuz keinen Anstoß“ überschrieben ist. Der Teltower Pfarrer berichtet von seinen bei einer Syrien-Reise gewonnenen Eindrücke, die so gar nicht zum medialen Mainstream der Konfliktbeschreibung passen. „Syrische Christen wünschen sich mehr Solidarität westlicher Staaten und Kirchenführer. Es genügt ihnen nicht, dass der Westen fordert: Assad muss weg! Sie glauben, Deutschland werbe durch seine Willkommenspolitik wichtige Bürger des Landes ab und beschleunige so auch das Sterben der orientalischen Kirchen. Außerdem fürchten sie, dass es nach einem Sturz Assads für sie gefährlicher werden könnte.“ Dieses „Dilemma“ sei in Deutschland kaum Thema,

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