Hitze, Dürre, Monokulturen – der deutsche Wald stirbt

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12-08-20 01:40:00,

Grüne dichte Fichtenwälder, satte Hochmoore und zwischendrin ein röhrender Hirsch. Von diesem Bild in unseren Köpfen müssen wir uns verabschieden. Die Monokulturen, die seit Jahrhunderten als „Kunstwald“ unser Bild vom deutschen Wald prägen, wären auch ohne Klimawandel nicht überlebensfähig. Hitze, Stürme und langanhaltende Dürren greifen jedoch mittlerweile auch die vergleichsweise natürlichen Mischwälder an. Deutschlands Wälder sterben. 245.000 Hektar Wald gelten laut aktuellem Waldschadensbericht als tot und müssen wieder aufgeforstet werden – eine Fläche, so groß wie das Saarland. Vor unseren Augen, aber dennoch kaum beachtet, spielt sich zur Zeit eine ökologische Katastrophe historischen Ausmaßes ab und wir sind mangels konkreter Handlungsspielräume zum Zusehen verdammt und müssen uns nun die Frage stellen, welchen Wald wir in Zukunft haben wollen. Von Jens Berger.

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Die Jahre 2018 und 2019 waren laut einer Studie des Helmholtz-Zentrums für Umweltforschung die beiden schlimmsten Dürrejahre seit Beginn der Erhebung durchgängiger Klimadaten im Jahre 1766. Und auch das Jahr 2020 ist im Vergleich zum langjährigen Schnitt zu niederschlagsarm. Regional reichen die Niederschläge bestenfalls für eine Durchnässung der oberen Bodenschichten. Für ältere Bäume mit teils mehrere Meter tiefen Wurzeln reicht dies nicht. Der aktuelle Dürremonitor des UFZ verzeichnet für weite Landstriche eine „außergewöhnliche Dürre“. Dabei ist nahezu das gesamte Bundesgebiet von der Dürre betroffen.

Für die Bäume hat die Dürre oft tödliche Folgen. Sie „verdursten“ zwar nicht, schalten aber in einen Stressmodus, der es Schädlingen wie Borkenkäfern und Pilzen leicht macht, das ansonsten robuste Abwehrsystem der Bäume zu überwinden und ihrerseits die Bäume derart zu schädigen, dass sie absterben oder dem nächsten Sturm zum Opfer fallen.

Sturmschäden im Januar 2018 – Bild: Niedersächsische Landesforsten

Der Harz ist ein tragisches Beispiel für diese Geschehnisse. Im Januar 2018 war es der Orkan Friederike, der binnen weniger Stunden flächendeckend ganze Fichtenwälder umknicken ließ. In exponierten Lagen vernichtete der Orkan so viele Bäume wie der reguläre Einschlag sonst in zwei Jahren. Was folgte war der Dürresommer und der Borkenkäfer. Das Katastrophenjahr 2018 endete mit einem schneearmen Winter und das Folgejahr brachte nicht nur eine erneute Dürre,

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Hitze ohne Ende

Hitze ohne Ende

20-07-18 08:00:00,

(Bild: Bild: ClimateReanalyser)

In Schweden brennen die Wälder, und am Polarkreis könnte derzeit Strandurlaub gemacht werden

Die Trockenheit in weiten Teilen Nord- und vor allem Ostdeutschlands hält weiter an, und auch in der nächsten Woche ist wenig Besserung in Sicht. Während im Süden teils erhebliche Niederschläge zu erwarten sind, hält die Dürre den Rest der Republik im Griff. Dass das für die Bauern alles andere als erfreulich ist, haben wir bereits berichtet.


Lufttemperatur in zwei Metern Höhe über dem Boden (oder der Meeresoberfläche).

(Bild: ClimateReanalyser)

Mehr noch als Deutschland sind weite Teile Skandinaviens von der Hitzewelle betroffen. Dort liegen die Temperaturen seit vielen Tagen erheblich über dem Durchschnitt, wie u.a. die Grafik mit den Wetterdaten für heute zeigt. Auch dort gehen die hohen Temperaturen mit einem Regendefizit und entsprechend großer Trockenheit einher.

Das Ergebnis sind unter anderem zahlreiche Waldbrände. In Schwedens Forsten brennt es an mehr als 50 Stellen, schreibt der Spiegel. Der Zivilschutz sei überfordert und eine Reihe der Brände außer Kontrolle geraten.


Abweichung der örtlichen Tagesmitteltemperatur vom lokalen Mittelwert für den jeweiligen Tag aus den Jahren 1979 bis 2000.

(Bild: ClimateReanalyzer)

Daran konnten offenbar auch Löschfahrzeuge nichts ändern, die man sich bei südeuropäischen Ländern borgte. Auch Löschflugzeuge wurden in Italien und Frankreich ausgeliehen, eigene hat das dünnbesiedelte und sehr waldreiche Land bisher nicht. In einigen Fällen könne nur noch auf einen Wetterumschwung gehofft werden, doch der ist nicht in Sicht.

The Weather Channel spricht von einer Rekord-Hitzewelle. Im nordschwedischen Dorf Kvikkjokk am Polarkreis seien am Mittwoch 32,5 Grad Celsius gemessen worden, die höchste dort je registrierte Lufttemperatur. Auch in den benachbarten Regionen Norwegens und Finnlands wurden neue Rekorde registriert, wobei dort das Thermometer an einigen Mesststationen noch um bis zu einen Grad Celsius höher kletterte.


Die Grafik zeigt, wie stark der örtliche Niederschlag im Juni von den jeweiligen lokalen Durchschnittswerten für diesen Monat abwichen.

(Bild: NOAA)

Das von der EU-Kommission betriebene Copernicus – European Drought Observatory hat eine Karte veröffentlicht, die Defizite der Bodenfeuchte auf den gesamten britischen Inseln,

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