Holger Balodis über die Absurditäten der Riester-Rente | KenFM.de

21-12-20 10:50:00,

Ausschnitt aus dem Gespräch mit Holger Balodis – in voller Länge hier zu sehen: https://kenfm.de/holger-balodis/

„Die Rente ist sicher!“ Nur wenige politische Phrasen brannten sich so in das kollektive Gedächtnis der Deutschen ein, wie einst Norbert Blüms Plädoyer für die umlagebasierte Rentenversicherung. Schon seit jeher hatte das Rentensystem mit seinen hohen Beitragseinnahmen Begehrlichkeiten in der Privatwirtschaft geweckt, die in ihrer neoliberalen Blüte nun die Zeit gekommen sah, sich einen weiteren großen Topf des Gemeineigentums unter den Nagel zu reißen.

Man kann es als Ironie der Geschichte sehen, dass nicht Blums CDU, sondern es die Sozialdemokraten waren, die der privaten Altersvorsorge mit dem Altersvermögengesetz im Jahr 2001 mächtig in die Karten gespielt haben. Seither wird bundesweit „geriestert“, was das Zeug hält, und das mit einem so bunten Portfolio an verschiedenen Anlagemöglichkeiten, dass einem nur ein erfahrener Pfadfinder das passende Angebot aus dem Dickicht an Möglichkeiten heraussuchen kann.

Da die von Stiftung Warentest geprüfte Beratung mit erhöhten Verwaltungs- und Abschlusskosten einhergeht (etwa zehnmal so hoch wie bei der gesetzlichen Altersvorsorge), vertrauen die Pfadfinder ganz auf das Gambling-Know-How ihrer Zockerfreunde, die an den Spieltischen der Finanzwirtschaft ihr Pokerface aufsetzen, um die Kosten wieder reinzuholen und zudem maximale Gewinne zu erwirtschaften.

In Anbetracht dieses Aufwands sollte man meinen, die deutschen Renten seien sicherer denn je. Doch leider gibt es bei Glücksspiel immer Gewinner und Verlierer. Und wenn große Versicherungsunternehmen Milliardengewinne verzeichnen und Rekorddividenden ausschütten, hat der Beitragszahler dann überhaupt noch eine Chance, den Lebensabend auf der Sonnenseite zu verbringen? Ein vergleichender Blick in die Nachbarländer Schweiz und Österreich zeigt, wer im Privatisierungsquartett mal wieder den Schwarzen Peter gezogen hat.

Es ist der Arbeiter, der zeitlebens brav seine Beiträge gezahlt und von dem bisschen, was noch übriggeblieben ist, privat vorgesorgt hat, nur um am Ende festzustellen, dass er sich trotz aller Anstrengungen mit einer mehr als dürftigen Rente begnügen muss. Spätestens jetzt wird ihm klar, was für einem riesigen Betrug er aufgesessen ist. Die Handhabung der Rente in Deutschland hat mit „Sozial“ so wenig zu tun, wie die FIFA mit Fair-Play. Mehr noch: Sie gefährdet den sozialen Frieden im Land.

Aus diesem Grund beschäftigt sich Holger Balodis nun schon seit Jahrzehnten mit diesem scheinbar trockenen Thema.

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Holger Balodis und Dagmar Hühne: Renten-Fake News demaskiert

15-11-20 10:53:00,

Renten-Fake News demaskiert

Rentengehirnwäsche muß ein Ende haben!

von Holger Balodis und Dagmar Hühne / vorsorgeluege.de

Holger-Balodis-Dagmar-Huehne-Altersarmut-Armutsrente-Kritisches-Netzwerk-Rentenluege-Rentenpolitik-Rentnerverarschung-Rentengehirnwaesche-RentenkahlschlagSeit vielen Jahren wird die Rentendebatte von krassen Falschbehauptungen geprägt: Die demografische Entwicklung gefährde die Rente, nur durch den Bundeszuschuss werde eine Pleite verhindert, Altersarmut gäbe es unter heutigen Rentnern praktisch nicht und vieles mehr. Elf solcher Mythen haben wir für die Rosa-Luxemburg-Stiftung genau geprüft und Fakten dagegengesetzt.

Entstanden ist ein handliches Bändchen, das all jenen, die in der Rentenpolitik mitreden wollen, die richtigen Argumente liefert. Beispielsweise, dass schon heute nachweislich jeder fünfte Rentner arm ist. Dass die Einbeziehung aller Erwerbstätigen das beste Mittel ist, um die Rentenfinanzen zu stabilisieren. Dass auch künftig genug Beitragszahler da sind, um gute Renten zu zahlen. Dass der Bundesanteil seit vielen Jahren viel zu niedrig ausfällt. Dass durch Riester-Rente und die neuen Betriebsrenten die Altersversorgung nicht sicherer, sondern nur extrem teuer wird. All dies und mehr wird durch seriöse Quellen belegt.

Das Heft enthält ein Glossar, das die wichtigsten Rentenfachbegriffe verständlich erklärt. Kostenlos kann es über die Rosa-Luxemburg-Stiftung bezogen werden, entweder als Download oder als gedruckte Ausgabe.

„Es gibt keine Altersarmut in Deutschland“ Mythen und Fakten zur Rentenpolitik, in der Reihe ‚luxemburg argumente’, Autoren: Holger Balodis und Dagmar Hühne, 52 Seiten, ISSN 2193-5831.

Vorbemerkung (Leseprobe aus dem Heft):

Die Mär von den reichen Rentner*innen, die auf Kosten der jungen Generation leben, wird seit vielen Jahren gehegt und gepflegt. In Fernsehberichten werden die reichen Alten vorgeführt, die den Wohlstand der heute Jungen angeblich in Saus und Braus verfrühstücken.[1] Ökonomen wie Hans-Werner Sinn beklagen, dass sich «Heerscharen von Rentnern» mit ihren üppigen Renten «von Luxuslinern durch die Weltmeere» schaukeln lassen und die Vergnügungsviertel weltweit bevölkern.[2] In ungezählten Kommentaren der Tagespresse wird mehr Generationengerechtigkeit angemahnt und in Talkshows sind sich neoliberale Ökonom*innen mit den sogenannten Vertreter*innen der nachwachsenden Generation einig: So könne es nicht weitergehen. Während die Alten immer wieder Rentengeschenke bekämen, werde den Jungen viel zu viel aufgebürdet.

Um es gleich vorweg deutlich zu sagen: Die Faktenlage deckt eine solche Meinungsmache nicht. Die Wahrheit ist: Jahr für Jahr gibt es immer mehr arme Rentner*innen. Durch eine Vielzahl von Gesetzen wurden die Renten in den vergangenen 30 Jahren für die meisten Rentner*innen um rund 40 Prozent beschnitten.

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