Irreführende und verschleiernde Quellenangaben bei Tamedia

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01-02-20 10:13:00,

Zwei Titel, zwei Zeitungen, doch im Inhalt Einheitsbrei.

Monique Ryser / 01. Feb 2020 –

Dem Tamedia-Verlag ist es offensichtlich peinlich, der Leserschaft den verbreiteten Einheitsbrei transparent zu machen.

Elf Zeitungen des Zürcher Tamedia-Verlags verbreiten auf ihren Inland-, Ausland- und Wirtschaftsseiten identische Artikel. Das wird jedoch der Leserschaft der einzelnen Zeitungen vernebelt, indem es in den Artikeln jeweils heisst, Zitate seien «gegenüber dieser Zeitung» gemacht worden. Tamedia verweist auf das Kleingedruckte im Impressum.

Christoph Schütz stört sich daran. Er hat an der Universität Freiburg Medienwissenschaften studiert und ist ein treuer Leser der Freiburger Nachrichten FN. Die FN sind zwar ein eigener, lokaler Verlag, beziehen aber die Inhalte für Inland, Ausland und Wirtschaft, dem sogenannten Mantelteil, ebenfalls von Tamedia. Schütz ist aufgefallen, dass die FN in Interviews behauptet, die Aussagen seien «gegenüber dieser Zeitung» gemacht worden, also gegenüber seinem Leibblatt. «Da der Mantelteil vom Tages-Anzeiger in Zürich angeliefert wird, sollte es korrekterweise heissen, dass die entsprechenden Artikel mit Auskünften gegenüber dem Tages-Anzeiger entstanden sind», meinte Schütz gegenüber Infosperber.

Beschwerde beim Presserat

Er hält die Praxis seiner Zeitung für eine Irreführung und hat deshalb beim Schweizerischen Presserat eine Beschwerde eingereicht. Darin schreibt er wörtlich: «Unter der Prämisse, dass unter dieser Zeitung jene verstanden wird, wie sich diese im Titel und in ihrem Impressum präsentiert, sind diese Verweise faktisch falsch, führen die Leserschaft in die Irre und sollten im Interesse der betroffenen Regionalzeitungen unterbunden werden.»

Die Beschwerde moniert eine Verletzung von Ziffer 1 der Pflichten der Journalistinnen und Journalisten, welche die Wahrheitssuche stipuliert und unter anderem mangelnde Präzision und wahrheitswidrige Verkürzung untersagt. «Dies sollte auch gelten für Hinweise in Artikeln, wer welche Recherchearbeit geleistet hat, wem beweislastige Dokumente vorliegen und mit Journalisten welcher Redaktion eine Auskunftsperson tatsächlich gesprochen hat», heisst es in der Beschwerde. Mit der Formulierung «gegenüber dieser Zeitung» würde Etikettenschwindel betrieben, der zu einem weiteren Verlust der Glaubwürdigkeit der Medien – insbesondere der Regionalmedien – führe.

Als eines der zahlreichen Beispiele führt der Beschwerdeführer einen Artikel über Vorgänge im Bistum Freiburg an, auf den sich ein Leser der Freiburger Nachrichten mit einem Leserbrief gemeldet hat. «Wie reimt sich das mit der journalistischen FN-Ethik? (…)», schreibt der Leser und nimmt damit «seine» Zeitung in die Pflicht.

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Führende Kunst- und Medien-«Experten» gnadenlos vorgeführt

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12-10-19 09:20:00,

Niklaus Ramseyer / 13. Okt 2019 –

Wolfgang Beltracchi und Claas Relotius haben die Inkompetenz von Chefs, Fachleuten und Experten entlarvt.

Über den einen ist jetzt gerade ein spannendes und wichtiges Buch herausgekommen: «Tausend Zeilen Lüge» von Juan Moreno (bei Rowohlt, 287 Seiten für 29 Franken). Der andere ist Morgen Sonntag, 13. Oktober, um 10 Uhr im «Persönlich» auf Radio SRF zu hören. Der eine ist der hochgelobte und duzendfach preisgekrönte «Lügen-Reporter» Claas Relotius (Spiegel, Cicero, Weltwoche etc). Der andere ist der inzwischen weltbekannte, meisterhafte «Kunstfälscher» Wolfgang Beltracchi, der eigentlich kein Kunst- sondern (gerichtlich festgestellt) ein Urkundenfälscher ist. Beide «Betrüger» unterscheiden sich also.

Erstaunliche Parallelen

In entscheidenden Punkten ähneln sich die Fälle Relotius und Beltracchi jedoch erstaunlich:

– Der raffinierte Reportagenfälscher Relotius und der geniale Kunstmaler Beltracchi haben beide mit ihren Arbeiten Juroren und Preisverleiher ebenso gnadenlos der blumig beredten Inkompetenz überführt, wie sie das Gerede hochtrabender Kunstfachleute als «Dampfplauderei schöngeistiger Kunstexperten» (Christian von Faber-Castell im Du Nr. 888) entlarvten. (Siehe dazu Wolfgang Beltracchis Selbstportrait oben.)

– In beiden Fällen wurden ihre Tricksereien nicht etwa durch die Kompetenz führender Kunstexperten (bei Beltracchi) oder durch die exakte Redaktionsarbeit (bei Relotius) erfahrener Führungskräfte (in der «Spiegel»-Zentrale in Hamburg) entdeckt, sondern eher durch Zufall: Beltracchi stolperte über ein allzu modernes Weiss im Kunstwerk «Rotes Bild mit Pferden», das er im Stil des deutsch-niederländischen Meisters Heinrich Campendonk gemalt hatte. Von Experten und Kritikern zunächst hoch gelobt («Schlüsselwerk der Moderne») und als «typisch» bezeichnet, zeigte erst die Farbanalyse, dass nicht der 1957 verstorbene Meister Campendonk hier am Werk gewesen war, sondern der nicht minder begnadete, aber weiterhin fröhlich lebende Meister Beltracchi.

Der Reportagen-Fälscher Relotius flog derweil auf, weil einem Reporter-Kollegen bei einer gemeinsamen Arbeit (Titel der Reportage «Jägers Grenze») gröbere Ungereimtheiten auffielen: Das Foto des Mitglieds einer bewaffneten Bürgerwehr in Arizona (USA), die Relotius exklusiv durch die Nacht der Grenze zu Mexiko entlang begleitet haben wollte, kam dem Kollegen bekannt vor. Schnell fand er heraus, dass nicht nur der Name des US-Bürgerwehrlers nicht stimmte, sondern über diesen schon mehrere Berichte und sogar ein Dokumentarfilm gemacht worden waren.

Unfähige Vorgesetzte gegen seriösen Whistleblower

Der aufmerksame Kollege heisst Juan Moreno. Und seine Geschichte, die er nun im erwähnten Buch mit dem Untertitel «Das System Relotius und der deutsche Journalismus» erzählt,

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Führende Krypto-Firmen gründen „Blockchain für Europa“

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05-12-18 07:17:00,

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