Der Generalstreik in Indien und der weltweite Kampf gegen Kommunalismus und Krieg

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12-01-20 09:25:00,

Von
Keith Jones

13. Januar 2020

Rund 250 Millionen arbeitende Menschen in Stadt und Land beteiligten sich am 8. Januar an einem eintägigen Generalstreik in Indien. Sie brachten ihren Zorn und ihre Opposition gegen die von Narendra Modi geführte Regierung zum Ausdruck. Modi und seine Partei, die Bharatiya Janata Party (BJP), schüren unaufhörlich Hindu-Chauvinismus und setzen zugleich Kürzungen, Privatisierungen und Verschlechterungen des Arbeitsrechts durch.

Breite Teile der Arbeiterklasse schlossen sich dem Streik an. Arbeitsniederlegungen gab es in Indiens global vernetzter Autoindustrie, in den Bergwerken, auf Juteplantagen, im Bus-, Lkw- und Rikscha-Verkehr, bei den Banken und Elektrizitätswerken sowie bei der staatlich finanzierten ländlichen Kinderbetreuung (Angwadi Services), in der vorwiegend extrem schlecht bezahlte Frauen beschäftigt sind.

Arbeiterinnen rufen Parolen während des Generalstreiks in Ahmadabad, Mittwoch, 8. Januar 2020 [AP Photo/Ajit Solanki]Ajit Solanki]

Die Streikbeteiligung schwankte je nach Bundesstaat und Wirtschaftssektor, wie in einem sehr vielfältigen Land mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern nicht anders zu erwarten. Er hatte jedoch insgesamt massive Auswirkungen und zeigte, wenn auch nur Keimform, die enorme soziale Macht der Arbeiterklasse.

Über alle Bevölkerungsgruppen, Kasten und Sprachgrenzen hinweg bildeten die Arbeiter eine gemeinsame Front gegen die Modi-Regierung und ihre hinduistischen Verbündeten, die eine chauvinistische Provokation nach der anderen anzetteln. Mit Kriegsdrohungen gegen Pakistan schürt die Regierung Nationalismus und alle möglichen reaktionären Ideologien.

Der Streik unterstrich, dass Arbeiter als Klasse handeln, sobald sie den Kampf aufnehmen. Jenseits aller „Identitäten“, die von der Bourgeoisie und wohlhabenden Mittelschichten gehegt und gepflegt werden, schlossen sie die Reihen über alle Unterschiede der Hautfarbe, der Herkunft, des Geschlechts und der sexuellen Orientierung hinweg.

Insbesondere forderten die Streikenden die Aufhebung des antimuslimischen Staatsbürgerschaftsgesetzes (CAA) der BJP. Sie verlangten die Rücknahme des Plans der Regierung, alle Einwohner Indiens zu zwingen, einen „Nachweis“ für ihre Staatsbürgerschaft zu erbringen. Damit soll die muslimische Minderheit eingeschüchtert und schikaniert werden.

Seit das CAA vergangenen Monat durch das Parlament gepeitscht wurde, reißen die Massenproteste nicht ab. Der Mythos der Unbesiegbarkeit, den die staatstreuen Medien der BJP-Regierung verliehen hatten, ist dahin. In die Enge gedrängt, greifen die Herrschenden zu Gewalt. In weiten Teilen Indiens hat die Regierung wiederholt öffentliche Versammlungen von mehr als vier Personen verboten und das Internet abgestellt.

Am Sonntag vor dem Generalstreik wurden Studenten der Jawaharlal-Universität in Delhi brutal von maskierten Schlägern angegriffen.

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Indien: 250 Millionen Arbeiter nehmen am weltweit größten Generalstreik teil

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08-01-20 11:09:00,

Politik

18:49 08.01.2020(aktualisiert 18:53 08.01.2020)

Zum Kurzlink

Am Mittwoch hat der weltweit größte Generalstreik in Indien stattgefunden, bei dem man 250 Millionen Demonstranten erwartet hat. Banken, der öffentliche Verkehr und weitere Bereiche des alltäglichen Lebens sollen stark beeinflusst sein. Der Streik richtet sich dabei gegen Arbeitslosigkeit und die unmenschliche Wirtschaftspolitik des Modi-Kabinetts.

Die zehn zentralen indischen Gewerkschaften haben im September 2019 zu einem Generalstreik aufgerufen, der ganz Indien umfassen soll. Laut Angaben der indischen Zeitung „Times of India“ werden 250 Millionen Menschen an diesem Protest erwartet. Der Streik dauert 24 Stunden und betrifft sämtliche gemeinnützige Berufsgruppen. Der indische Historiker und Schriftsteller Vijay Prashad bezeichnet diesen Generalstreik als den bisher weltweit größten Protest.

Gegen menschen- und arbeiterfeindliche Politik

Unter den Demonstrierenden befinden Mitarbeiter von Banken, Transportunternehmen, privaten Wirtschaftssektoren und der Regierung selbst. Auch Studenten und Dozenten der Universität in Mumbai zeigten ihre Unterstützung durch das Tragen von schwarzen Abzeichen oder Schleifen und dem Anfertigen von Schildern und Plakaten. In gewissen Regionen Indiens schließen sich auch die Lehrer am Generalstreik an.

Demonstriert wird gegen Arbeitslosigkeit und die unmenschliche Wirtschaftspolitik der Modi-Shah-Regierung. Die Gewerkschaften setzen sich zudem für Mindestlöhne und die soziale Sicherheit der indischen Beschäftigten ein.

Auch der indische Politiker Rahul Gandhi zeigt sich solidarisch mit den Protestierenden in einem Twitter-Post. Der ehemalige Präsident der Kongresspartei schreibt in seinem Tweet:

„Die unmenschliche und arbeiterunfreundliche Politik der Modi-Shah-Regierung verursachte Arbeitslosigkeit in einem katastrophalen Maße und schwächt unsere PSUs (Public Service Undertaking), um ihren Verkauf an die kapitalistischen Freunde Modis zu rechtfertigen. Heute wurden 250 Millionen Arbeiter aufgerufen am Bharat Bandh .“
(Anm. d. Red.: Mit PSU (Public Service Undertaking) sind Unternehmen gemeint, die der indischen Regierung oder der Regierung der Städte gehören. Bharat Bandh beschreibt eine besonders in Nepal und Indien populäre Form des Generalstreiks.)

The Modi-Shah Govt’s anti people, anti labour policies have created catastrophic unemployment & are weakening our PSUs to justify their sale to Modi’s crony capitalist friends.

Today, over 25 crore 🇮🇳workers have called for #BharatBandh2020 in protest.

I salute them.

— Rahul Gandhi (@RahulGandhi) 8. Januar 2020

​In den meisten Städten verlief der Streik friedlich und ohne Anzeichen auf Beschädigungen oder Gewalt.

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In Indien ist es fünf nach zwölf

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15-12-19 05:01:00,

Huhn oder Gemüse lautet die Frage in der Mirza Ghalib Street. Foto: Gilbert Kolonko

  1. In Indien ist es fünf nach zwölf

  2. Nicht alle Probleme sind hausgemacht


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Die katastrophalen Folgen des Wachstumswahn in Indien sind nicht mehr zu stoppen – sie haben alle Lebensbereiche der Menschen durchdrungen

Die Sonne ist noch nicht aufgegangen, über der 4,5 Millionen Einwohner Metropole Kolkata. Die meisten Händler am Straßenrand schlummern auf ihren Verkaufsständen. Vor mir brennt ein Plastikhaufen und gibt einen Hinweis, warum 40 Prozent der 26.000 Tonnen Plastiks in Indien, die täglich in Umlauf gebracht werden, “verschwinden”.

Ein Plastiksammler in zerlumpter Kleidung läuft vorbei, dann ein Angestellter der Stadt mit seinem Müllkarren. Ich folge ihm an weiteren brennenden Müllhaufen vorbei in die Mirza Ghalib Street, wo die Metropole eine ihrer Müllsammelstellen hat. Davor steht ein Lastwagen mit der Aufschrift: Clean City. 100 Meter entfernt ein Gemüsemarkt: Dort, wo seine Ware herkommt, fährt der Lastwagen später hin.

Zwischen Müllsammelstelle und Gemüse ein Hühnermarkt – der Gestank lässt alles andere vergessen: Das weiß-graue Gefieder wird lebend an Fahrräder und Motorräder der Kundschaft gehängt oder an Rikschas, die noch von Menschen gezogen werden. Die Illusion glücklicher Hühner gibt es in Indien nur für die obere Mittelklasse auf der Verpackung im Supermarkt.

Chicken im Curry?

Wer die Bleiwerte in den Lebensmitteln Kolkatas kennt, könnte annehmen, dass Hühnchen gesünder ist als Gemüse: Das Geflügel ist “nur” mit bis zu 10 Milligramm Blei pro Kilo belastet, das Gemüse mit bis zu 50 Milligramm – der Grenzwert in Indien beträgt 2,5 Milligramm.

Doch in der Hauptstadt von West-Bengalen weiß der Kunde seit dem letzten Jahr nicht so recht, ob er wirklich Chicken in seinem Curry hat: Auf dem Raja-Basar beschlagnahmte die Polizei 20 Tonnen Fleisch, das von Kadavern von Hunden und Katzen stammte. Laut der Behörden wurde das verrottete Fleisch mit Formalin gewaschen und gegen den Gestank mit einer Mischung aus Aluminium-Sulfat und Blei-Sulfat eingesprüht.

Morgens in Kolkata. Foto: Gilbert Kolonko

Auch eine aktuelle Studie des Indian Council of Medical Research (ICMR) zweifelt den Vorteil von Hühnchen gegenüber Gemüse an: Von 207 untersuchten,

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Indien: Gift und Religion

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16-11-19 10:40:00,

Freiluftwäscherei am Hindon Fluss. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Gift und Religion

  2. Modi, der Retter, und der Westen


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In Indien sind Wasser, Luft und Nahrung vergiftet. Genug Lohnarbeit gibt es auch nicht. Dafür Nationalismus und Religion

Samstag, 9. November: “Der Ram Tempel wird gebaut”, ruft jemand voller Freude in ein Tee-Kabuff in New Delhi hinein. Alle schalten sie ihre chinesischen Smartphones ein. Eigentlich sollte das Oberste Gericht erst nächste Woche über den knapp 130 Jahre alten Tempel-Streit zwischen Muslimen und Hindus im Ort Ayodhya entscheiden. Doch auf Druck der Regierung tat es das Gericht überraschend schon am vergangenen Samstag (Hindus dürfen alten Tempel auf dem Gelände der Ayodhya-Moschee wiedererrichten).

Der Wirt strahlt mich glückselig an und fragt, was ich dazu sage: “Tempel interessieren mich nicht so. Ich würde mir lieber anständig bezahlte Arbeit für die meisten Inder wünschen.” Sofort ist der Wirt beschämt. Erst am Tag zuvor hatte er sich wieder beschwert, dass der Teepreis das letzte Mal vor zwei Jahren von 8 auf 10 Rupien erhöht wurde: “Aber Gas, Milch und Zucker sind teurer geworden. Und kein Wirt in der Umgebung traut sich den Preis zu erhöhen.”

Vor meinem Hotel in einer Seitengasse von New-Delhi gab es vor fünf Jahren nur einen Teestand, heute sind es drei, obwohl die Kundschaft kaum merklich angestiegen ist. Ein Hauptgrund ist ein Wirtschaftswachstum, das keine Arbeit schafft und dessen Früchte zu 73 Prozent an das reiche Ein-Prozent des Landes fällt.

Knapp 60 Prozent der Inder sind unter 25 Jahre alt. So wird Indiens Bevölkerung noch bis 2060 wachsen. Von jetzt 1,3 Milliarden Einwohner auf 1,7 Milliarden, obwohl die Geburtenrate pro Leben einer indischen Frau auf 2,33 Prozent gesunken ist.

Zwei Stunden später stehe ich an einer Einfahrt zur G.T Road, nahe der Stadt Ghaziabad, die langsam mit Delhi zusammenwächst – genau wie die rasant ansteigende Zahl von hastig gebauten Satellitenstädten. Der 18-jährige Sunil sitzt auf seinem Rolltisch inmitten der Abgase. Im Sekundentakt rauschen Fahrzeuge vorbei. Im Minutentakt halten einige der über 3 Millionen Neuwagen Delhis und einige der 6,6 Millionen Motorräder/roller an Ständen an,

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Indien: Das tödliche Geschäft mit dem Sand

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25-08-19 12:25:00,

Eine Baggerschaufel erhebt sich über das illegal zur Sandgewinnung aufgebaggerte Flussufer des Flusses Yamuna, südlich der indischen Hauptstadt Delhi. Foto: Christian Faesecke

  1. Indien: Das tödliche Geschäft mit dem Sand

  2. Ökologische Folgen des Baumbooms, Schmiergelder und Morde


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Für ein volles Boot mit Sand erhält der Taucher umgerechnet 15 Euro. Auch Gegner des groß organisierten Sandraubs riskieren ihr Leben

Früh morgendlicher Dunst hängt tief über dem lang gestreckten und weitläufigen Vasai Fluss, nördlich von Mumbai. Ein Hauch von Salz des nahen Arabischen Meeres liegt in der Luft und vermischt sich mit dem Diesel der Bootsmaschinen. Nur langsam zeichnen sich erste Konturen von den gegenüberliegenden Wohn-Hochhäusern der Millionenstadt Thane ab. Sie gehört zum Großraum Mumbai, in dem 22,8 Millionen Menschen leben und der einer der am dichtesten besiedelten Metropolregionen der Welt ist.

Mit dem Einsetzen der Ebbe beginnt für die Sandtaucher ihr Arbeitstag. Mühselig wird der schwere, mit allerlei Plastikdreck und schwarzem Schlamm behangene Anker des bauchigen Holzbootes eingeholt. Andere Boote sind schon an einer geeigneten Stelle in Ufernähe in Position gebracht worden. Um die hundert Boote ankern hier in mehreren Reihen miteinander verbunden.

Lange Stahlrohre werden in den schlammigen Grund gehauen. Sie dienen den Sandtauchern unter Wasser zur Orientierung und als Halt gegen die Strömung. Schutzausrüstung gibt es nicht. Mit großen Blecheimern tauchen sie bis zu 12 Meter tief, um den dringend benötigten schwarzen Sand dem Flussbett zu entreißen.

Einer von ihnen ist Radhesyam Sahni. Für ein volles Boot mit Sand erhält der Taucher umgerechnet 15 Euro. Das ist immerhin fast das Vierfache des üblichen indischen Tagelohns und noch das Dreifache dessen, was die übrigen Arbeiter an Bord verdienen. “Unter Wasser ist alles schwarz”, erklärt er, “mit meinen Beinen ertaste ich eine günstige Sandstelle und drücke anschließend den Eimer in den Sand, um ihn zu füllen”.

Viele der Taucher klagen über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle oder kaputte Trommelfelle. Verlieren sie unter Wasser das Bewusstsein, bedeutet das in dem trüben Fluss meist das Todesurteil. Die Leichen werden wegen der Strömung oft erst nach Tagen irgendwo angespült.

Im Thane Creek,

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Indien: Wirtschaftswachstum verursacht Wasserkrise

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02-08-19 09:21:00,

93,8 Prozent der indischen Bevölkerung hat Zugang zu sauberen Trinkwasser, doch das ganze Land steckt in einer Trinkwasserkrise. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Wirtschaftswachstum verursacht Wasserkrise

  2. Lösungen gibt es


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Dank des durch Reformen ausgelösten Wirtschaftswachstums sollen 271 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden sein. Genaueres Hinsehen entlarvt dessen Früchte als ungenießbar

In den 1990er Jahren begann Indien seine Wirtschaft marktliberal zu reformieren, um so das Wachstum zu beschleunigen. Dass dadurch zum Beispiel der indische IT-Boom möglich gemacht worden sei, ist einer unter vielen Mythen.

Doch durch eine aktuelle Studie der Vereinten Nationen fühlen sich die Reformer jetzt in ihrer Sicht bestätigt, den richtigen Weg eingeschlagen zu haben: Zwischen 2006 und 2016 seien in Indien 271 Millionen Menschen aus der Armut befreit worden, heißt es darin. In der umfangreichen Liste der Indikatoren für den erreichten Fortschritt figuriert auch der gesamtindisch auf 93,8 Prozent angestiegene Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Diese Erfolgsnachricht wird allerdings durch die Tatsache, dass ein Großteil des Landes unter Trinkwassermangel leidet, eindeutig infrage gestellt. In der 10 Millionen Einwohner-Stadt Chennai kann der Staat nicht einmal die Hälfte des Wasserbedarfs der Bevölkerung decken.

Unter den 21 indischen Städten, denen im nächsten Jahr aller Wahrscheinlichkeit nach das Grundwasser ausgehen wird, ist auch die Hauptstadt Delhi mit ihren 18,6 Millionen Einwohnern (2012), wobei Delhi mittlerweile mit seinen unkontrolliert gewachsenen Vorstädten verschmolzen ist, so dass sogar von ca. 40 Millionen Menschen gesprochen werden muss.

Es ist aber nicht nur die steigende Einwohnerzahl der Hauptstadt, die zu einer starken Zunahme der Menge an hochgepumpten Grundwasser geführt hat, sondern auch die Verwandlung des Hauptflusses der Metropole, des Yamunas, in eine verseuchte, nicht zur Trinkwasserbeschaffung nutzbare Kloake.

Gini-Koeffizient in Indien: Höchstes Niveau in Asien

Dass die Einwohnerzahlen in den indischen Großstädten so rasant ansteigen, hat weniger mit dem in absehbarer Zeit stagnierenden Bevölkerungswachstum zu tun als mit der Landflucht. Die durch das Wirtschaftswachstum generierten Vorteile werden nicht nur in sozialökonomischer Hinsicht ungerecht auf die Einwohner Indiens verteilt – der Gini-Koeffizient, ein Maßstab für die Einkommens- und Vermögensverteilung einzelner Länder,

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Indien: Der schöne Schein einer Supermacht

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12-05-19 11:55:00,

Der schöne Schein ist für die meisten nur zum Träumen da. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Der schöne Schein einer Supermacht

  2. Indische Realitäten, die daraus für die Masse der Bevölkerung resultieren


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Die indische Regierung investiert viele Kräfte in Illusionen – die Auswirkungen für die Masse der Bevölkerung sind schon jetzt katastrophal und werden es auch für den Rest der Erde

Auf dem nordindischen Bahnhof New Jalpaiguri regnet es in Strömen. Am äußersten Ende des Bahnsteiges geraten zwei Obdachlose in einen Streit, weil der eine dem anderen den Zutritt unter das schützende Dach verwehrt.

Beide tragen sie zerlumpte Kleider und mit ihren müden Bewegungen, bei denen sie die Füße kraftlos über den Boden schleifen, haben sie eine Ähnlichkeit mit Zombies. Doch nach einem langen Hin- und Her schlagen sie plötzlich mit Eisenruten aufeinander ein, jeder Schlag reine Wut – voller Energie. Dann kommt ein zweiter Obdachloser angeschlurft und schlägt dem Schutzsuchenden ein Bambusrohr über den Kopf. Reflexartig greift der Getroffene den neuen Angreifer am Hals.

Ein paar Augenblicke später kommt ein halbes Dutzend Zerlumpter angehinkt – Eisenstangen und mit Nägeln gespickte Holzlatten in den Händen, die sie von einer nahen Baustelle haben: Der erste Schlag trifft krachend den Kopf des Einzelkämpfers. Da immer noch niemand eingreift, stehe ich auf, springe dazwischen und schreie: “Bas (Schluss).”

Sofort weichen die Schläger ein paar Schritte zurück und starren mich an. Aus ihren trüben Augen dringt nicht mehr viel Menschliches, außer Instinkt. Instinkt, der ihnen sagt, dass ich wohl einer höheren Kaste angehöre. So reicht ein weiteres “Bas!” aus, um die Situation aufzulösen. Das ist keine Heldentat. In Indien hält die Religion mit Hilfe des hinduistischen Kastensystems die Gesellschaft noch immer halbwegs unter Kontrolle.

So beobachtete ein übergewichtiges Ehepaar die Szene auch in aller Seelenruhe. Der Mann nur ab und zu von seinem Handy aufblickend, als betrachte er ein paar Ameisen, die an einem Insekt zehren, und die Frau, in dem sie dabei etwas Frittiertes in sich hineinstopft. Unwichtig, auch für die indische Kriminalitätsstatistik, die trotzdem langsam, aber stetig steigt. Auch die Straßenkinder auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig sind für das Paar aus der Mittelklasse nicht vorhanden: Wesen,

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Indien: Chronologie von Modis Machenschaften

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22-04-19 09:55:00,

Obdachlose unter einem sogenannten Overfly. Etwa 270 Millionen Inder leben von 27-30 Rupien (39 Euro-Cent) am Tag. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Chronologie von Modis Machenschaften

  2. Modis soziale Wohltaten


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Ein Blick ins Detail zeigt die Unverfrorenheit und die Dimension, mit der Narendra Modi Großindustrielle unterstützt, während seine hinduistischen Anhänger zur Ablenkung Pakistan nacheifern

Im Jahr 2005 war das Image von Narendra Modi als Ministerpräsident von Gujarat stark angeschlagen: Modi soll weggeschaut haben, als drei Jahre zuvor in seinem Bundesstaat mindestens 1000 Menschen bei religiös motivierten Massakern getötet wurden. Die meisten waren Muslime.

Doch dann zog er einen “alten Hut” aus der Schublade: Modi gab bekannt, dass die Gujarat State Petroleum Corporation (GSPC) vor der Küste des Bundestaates ein Gasfeld mit 20 Billionen Kubikfuß des wertvollen Rohstoffs entdeckt habe, dessen Wert 31 Milliarden US-Dollar betrage. Modi kündigte an, dass die Regierung 210 Millionen Dollar investieren werde und schon nach zwei Jahren würde das Gas-Feld Gewinn abwerfen.

10 Jahre später kam ans Licht, Modi war mittlerweile Premierminister, dass GSPC kein Gas gefördert hat, aber dafür drei Milliarden US-Dollar Schulden angehäuft.

Damit die GSPC nicht vor den aktuellen Wahlen Pleite ging, ordnete Modi im letzten Jahr den staatlichen Konzern Oil and Natural Gas Corporation (ONGC) an, für 1,2 Milliarden US Dollar 80 Prozent der Anteile von GSPC zu kaufen, obwohl jedem Experten mittlerweile klar ist, dass aus dem Wundergasfeld kein Profit herausgeholt werden kann.

Der Autor Subir Ghosh zeigt in seinem Buch: The GSPC Disaster bis ins kleinste Detail auf, wie gelogen und betrogen wurde, damit Modi seine Gujarat-Wunderlüge verbreiten konnte. Zudem: Weder bei der Gesundheitsversorgung noch beim Thema Bildung nahm Gujarat unter Modi einen der vorderen Plätze im Vergleich der indischen Bundesstaaten ein.

Einzig die Unternehmer waren zufrieden, schafften Wachstum und schlecht bezahlte Arbeit. So wundert es nicht, dass Modi mit dem Erfolgsmodell Gujarat in den Wahlkampf 2014 ging und der Großindustrielle Gautam Adani ihm dafür seine Privatflugzeuge und einen Hubschrauber zur Verfügung stellte.

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Indien: Die grüne Lüge

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16-03-19 08:59:00,

Protest bei der öffentlichen Anhörung zur Verbrennungsanlage in Okhla. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Die grüne Lüge

  2. Die Mittelklasse Delhis, die mehr Müll produziert als der Durchschnitt


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Eine billige chinesische Müll-Verbrennungsanlage mitten in einem Wohngebiet Delhis: Modis “grüne Politik”

“Durch die gegenüberliegenden Schornsteine werden hochgiftige Dioxine ausgestoßen, die auch im Agent Orange enthalten waren, mit dem die US-Armee hunderttausende Menschen im Vietnam Krieg getötet hat“, sagt der Aktivist Gopal Krishna von der Umwelt-Organisation Toxics Watch. Etwa 250 Meter entfernt von uns ragen drei Schornsteine aus der Müllverbrennungsanlage Timarpur/Okhla im Süden Delhis.

Im Jahr 2012 ist die Anlage der Jindal Saw Gruppe in Betrieb gegangen. Sie soll aus Müll Strom produzieren und läuft unter dem Swachh Bharat Mission (SBM) Programm der Regierung von Premierminister Narendra Modi, das Indien sauberer und grüner machen soll.

Dazu ist die Verbrennungsanlage im Rahmenübereinkommen über Klimaänderungen der Vereinten Nationen registriert und bringt der indischen Regierung Kredite im Handel mit Emissionszertifikaten. Dann übernimmt unser Gastgeber Ranjit Devraj das Wort: “Unsere Bürgerinitiative hat eine Studie in Auftrag gegeben, die zu dem Ergebnis kommt, dass der Rauch aus der Mühlverbrennungslage lebensbedrohlich ist.”

Der 41-jährige Gopal Krishna fügt hinzu, dass mehrere Untersuchungen des Delhi Pollution Control Committee (DPCC) and des Central Pollution Control Board (CPCB) zu ähnlichen Ergebnissen gekommen sind. Eine Untersuchung des nationalen Green Tribunal (NGT) bestätigte die Ergebnisse. Ich merke an, dass die Luft hier im Gegensatz zum Zentrum von Delhi beinahe paradiesisch sei: “Hier fliegen ja sogar allerhand exotische Vögel herum”, worauf Ranjit Devraj erregt erwidert:

Die Anlage steht derzeit still, weil ihre Kapazität von 16 MW auf 40 MW erweitert wird. Während sie uns krank macht, bekommt die Jindal Gruppe vom Energieministerium einen Zuschuss von 240.000 Dollar pro Megawatt, weil die Anlage angeblich so umweltfreundlich ist. Wir hatten hier früher viel mehr Vögel – das Vogelschutzgebiet Okhla ist 1,7 Kilometer entfernt.

Ranjit Devraj

Im Jahr 2009 wurde inmitten des Wohnkolonie Sukhdev Vihar der Grundstein für die Verbrennungsanlage gelegt. 100 Meter entfernt steht das erste Wohnhaus. Die Bewohner von Sudhek Vihar schlossen sich mit denen der Siedlungen Hazi Kolonie und Gaffar Manzil zusammen um vor Gericht eine Stilllegung der Verbrennungsanlage zu erreichen.

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Indien: Selbstmorde für den guten Zweck

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03-02-19 09:45:00,

In Dhaka sind alle Flüsse verseucht. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Selbstmorde für den guten Zweck

  2. Die Reinigung des Ganges als Wahlversprechen


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In Indien setzen immer mehr Gläubige ihr Leben ein, um den Ganges und seine Umwelt zu retten

“Er hat sein Leben geopfert, damit es zukünftige Generationen mal besser haben”, sagt Madhu Jhunjhunwala und meint damit den Hindupriester Swami Gyanswaroop Sanand: Am 11. Oktober 2018 starb dieser an den Folgen seines Hungerstreiks, den er 111 Tage vorher begonnen hatte. Sanand wollte Premierminister Narendra Modi zwingen, endlich seinem Wahlversprechen von 2014 Taten folgen zu lassen und den Ganges zu reinigen.

Religiöse Umweltaktivisten

Als die indische Kongress Partei 1979 einen ersten Versuch zur Rettung des Ganges startete und den Central Pollution Control Board (CPCB) ins Leben rief, war der Priester dessen erster Vorsitzender. Damals hieß Sanand noch G.D. Agarwal und lehrte als Professor an verschiedenen Universitäten und Instituten Umwelttechnik. 2011 nahm Agarwal enttäuscht von der Politik seinen neuen Namen an und wurde ein aktivistischer Priester – mit mehreren Hungerstreiks zwang er die Regierung kleinere Maßnahmen zur Reinigung des Ganges einzuleiten.

Doch auch heute ist der Ganges nachweislich an den meisten Stellen dreckiger als bei Modis Amtsantritt vor 4 Jahren – an vielen Abschnitten gilt er als biologisch tot. So überrascht es nicht, dass die Bewohner am Ufer des Ganges die höchste Krebsrate Indiens aufweisen.

Deswegen hat Madhu Jhunjhunwala am 18. Januar nach Haridwar in den Bundestaat Uttarkhand zu einer Konferenz gerufen, um nach Wegen zu suchen, die Reinigung voranzutreiben. Etwa 80 Aktivisten, Wissenschaftler und ein Anwalt des Höchsten Gerichts des Landes sind dem Ruf gefolgt.

Der Tagungsort ist nicht ohne Grund der Matri Sadan Ashram, der an einem naturbelassenen Stück des Ganges liegt: Nigamananda Saraswati, ein Schüler des Ashrams, war im Juni 2011 während eines Hungerstreiks aufsehenerregend ums Leben gekommen. Sein Guru und Leiter des Ashrams, Swami Shivanand, führte den Hungerstreik sechs Tage fort, dann knickte die Regierung von Uttarkhand ein und Verbot im Distrikt Haridwar Bergbau an den Ufern des Ganges.

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Tagesdosis 14.1.2019 – Ganz Indien streikt, die Presse schweigt | KenFM.de

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14-01-19 01:18:00,

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Ein Kommentar von Susan Bonath.

Extremer Billiglohn, brutale Arbeitsbedingungen, Elend und Kinderarbeit: Wer wissen will, wo ein Großteil unserer Kleidung und zahlreiches technisches Spielzeug produziert wird, blicke zum Beispiel nach Indien. Millionen von Menschen schuften dort wie Sklaven für den Wohlstand unserer westlichen Lebenswelt. Über die Armut in dem bis kurz nach dem zweiten Weltkrieg von Europa kolonialisierten und bis heute wirtschaftlich ausgeplünderten Staat mit mehr als 1,3 Milliarden Einwohnern wird oft berichtet. Nicht erwünscht sind dagegen Informationen über den Widerstand der indischen Bevölkerung gegen die Herrschenden. Vergangene Woche ereignete sich in Indien der vielleicht größte Streik der Geschichte. Doch niemand außer ein paar kleinen linken Blättern berichtete darüber.

Nach Angaben der Dachverbände der größten indischen Gewerkschaften, darunter kommunistische und reformistische sowie Frauenverbände, legten am vergangenen Dienstag und Mittwoch rund 200 Millionen Arbeiter zugleich ihre Arbeit nieder. Stillgestanden habe die Bahn und das Transportwesen, ein Großteil der Produktion, sogar Banken und staatliche Behörden, wie zuerst das Neue Deutschland (ND) berichtete.

200 Millionen – das ist mehr als ein Siebtel der Gesamtbevölkerung des einwohnermäßig zweitgrößten Staats der Welt. Die Streikenden haben massiven Repressionen getrotzt. Damit hatte die indische Regierung gedroht. Im südindischen BundesstaatTamil Nadu etwa kündigte sie gravierende Lohnkürzungen für Festangestellte an. Teilzeitbeschäftigten und Tagelöhnern drohte sie mit dem Verlust ihres Jobs.

Demnach richtete sich der Streik vor allem gegen die Änderung eines Gewerkschaftsgesetzes zugunsten der Industriellen, Aktionäre und Firmenbesitzer. Es erschwere Proteste und Organisation von Arbeitern massiv. Laut Tapan Sen von der Kommunistischen Gewerkschaft Indiens sorge das Gesetz „für sklavenähnliche Bedingungen“. Die indische Regierung begründete die Novelle ähnlich, wie einst der deutsche Altbundeskanzler Gerhard Schröder bei der Einführung der schikanösen Hartz-Gesetze: Man müsse das Wirtschaftswachstum beschleunigen.

200 Millionen, das sind 2,6 Prozent der heutigen Weltbevölkerung – so viele muss man erst einmal mobilisieren. Indischen Gewerkschaften ist das gelungen. Ein Weltereignis? Denkste. Denn während allzu häufig einzelne Gewalttaten durch die überregionale Presse gehen, herrschte absolute Funkstille über den Generalstreik. Das lag an der Ignoranz der großen Nachrichtenagenturen.

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“In Indien ist alles vergiftet”

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24-11-18 08:59:00,

Inmitten von hochgiftigem Qualm sammeln Menschen Plastik, um es auf dem freien Markt zu verkaufen. Foto: Gilbert Kolonko

  1. “In Indien ist alles vergiftet”

  2. Der Autoverkehr und deutsche Geschäfte


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Indiens Verantwortliche und die Weltwirtschaft schreien nach Wirtschaftswachstum – die Folgen für die indische Bevölkerung und die Umwelt sind katastrophal

Vor mir hocken Frauen in Gemüsefeldern und bringen zum Teil singend die Ernte ein. Zu allen Seiten Fischteiche. Im Osten scheint eine Bergkette zu flimmern und macht mich glauben, in Nepal zu sein – wenn da nicht dieser beißende Gestank wäre. Auch in den Gemüsefeldern direkt unterhalb des “Berges” wird dem Auge Himalaya vorgegaukelt.

Auf schmalen Pfaden steigen Lastenträger vom Berg hinab. Der Aufstieg ist unsicher und rutschig wie an einer Gletschermoräne, nur dass hier rotgefärbte Rinnsale unter den Füßen entlang fließen. An der Bergkante angekommen bin ich in einer Science-Fiction. Zwischen Rauchschwaden und kleinen Feuern sammeln menschliche Schatten Plastik aus einem Meer aus Müll, das von Kipp-Lastern ständig neu gefüllt wird. Zwischendrin grasen Kühe im Müll.

Die Gefahr einzubrechen ist die gleiche wie auf einem Gletscher. Täglich fahren knapp 500 Laster 80 Prozent der 3.500 bis 3.700 Tonnen kommunalen Müll Kolkatas auf diesen Berg, dessen “aktiver Teil” sich auf einer Fläche von 24 Hektar erstreckt. 12 Hektar wurden im Jahr 2009 “naturbelassen” stillgelegt.

Das rotgefärbte Sickerwasser, das von der Müllhalde in die umliegenden Felder fließt, enthält extrem hohe Konzentrationen von Chrom, Blei, Kadmium, Kupfer und Zink und verunreinigt das Grundwasser. So wurden in Bodenproben der umliegenden Felder bis zu 800 Milligramm Blei per Kilogramm gemessen.

Kolkatas kilometerlanger Müllberg von weitem. Foto: Gilbert Kolonko

Die etwa 25.000 Menschen, die um die Müllkippe “Dhapa” herum im Osten Kolkatas leben, werden selten älter als 50 Jahre alt. In ihren Dörfern stapelt sich das gesammelte Plastik zu Haufen oder liegt zerschreddert zum Trocknen aus: “Wo soll ich denn sonst hin”, sagt der 35-jährige Gopal, zeigt auf seine notdürftig zusammen gezimmerte Hütte und fügt trotzig hinzu: “Ich bin kein Bettler. Ich habe ein eigenes Haus und verdiene mein eigenes Geld.”

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Indien: Kleiner Mann – was nun?

Indien: Kleiner Mann – was nun?

17-10-18 07:47:00,

Das Wirtschaftswachstum läuft am kleinen Mann vorbei – was nun? Foto: Gilbert Kolonko

Viele der einfachen Menschen Indiens haben vor vier Jahren große Hoffnungen in Narendra Modi gesetzt – der hat jetzt auch noch die Bankenkrise nach Indien geholt. Eine Lösung hat er auch dafür parat: Noch mehr Privatisierung. Unterstützt wird er dabei von der Weltbank.

Auch heute ist Amith schon zehn Stunden auf den Beinen, verkauft Tee für 10 Rupien und Kekse für zwei Rupien das Stück. Für seinen acht Quadratmeter großen Laden in einem bröckelnden Gebäude, 10 Minuten vom Bahnhof Neu-Delhi entfernt, zahlt er monatlich 18.000 Rupien (242 US Dollar) Miete – für den Vermieter ist das steuerfrei, denn auf dem Papier existiert Amiths Teebude nicht. Als ich ihn frage, wie teuer der Laden wäre, wenn er ihn kaufen würde, winkt der etwa 50-Jährige müde ab: “Mindestens 40 Lakh (54.000 US Dollar). In Delhi ist Platz nun mal Mangelware – und selbst einen Kilometer weiter vom Bahnhof entfernt, müsste ich immer noch 15-20 Lakh hinlegen.” Die Frage nach einem Bankkredit stelle ich ihm gar nicht: Für den “kleinen” Mann haben die Banken wegen der aktuellen Krise sowieso kein Geld – und auch vorher schauten sie bei Menschen wie Amith 10 Mal hin.

Vier Stunden hat er heute noch vor sich – und am Ende des Monats reicht das Geld gerade so um seine Frau und seinen Sohn über die Runden zu bringen. Die schwarzen Flecken im Gesicht und die trüben Augen erzählen vom täglichen Überlebenskampf im Dauerlärm einer 20-Millionen-Einwohner-Metropole mit Feinstaubwerten bis zu 1000 Mikrogramm PM 2,5 pro Kubikmeter Luft.

In der Nähe des Kaschmir-Tores steht Ravish unter einer der Brücken, über die dauerhupende Autos im Dauerstau schleichen. Vor ihm auf einem Tischwagen liegen grellfarbige Polo-Shirts. “China?”, frage ich, worauf er stolz antwortet: “Nein. Export-Qualität! Bangladesch!” Ein genauer Blick in die Innenseite der Shirts zeigt, dass er Recht hat. Da sind die Stempel, die anzeigen, dass es sich um die Überschussware eines westlichen Einkäufers handelt. Die Nähereien Bangladeschs produzieren 10 Prozent mehr, als es der Auftrag verlangt, damit fehlerhafte Stücke ausgetauscht werden können. In der Regel geht der Überschuss unter der Hand auf den Markt.

84,7 Prozent der arbeitenden Bevölkerung in Indien arbeiten im informellen Sektor.

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Indien gerät in den Sog der Schulden-Krise

Indien gerät in den Sog der Schulden-Krise

12-09-18 07:15:00,

Verfall der Rupie: Ein Mann sortiert am 29.08.2013 im indischen Jammu Rupienscheine (Foto: dpa)

Ein Mann sortiert am 29.08.2013 im indischen Jammu Rupienscheine (Foto: dpa)

Der Verfall der Rupie zum US-Dollar hat dazu geführt, dass der Staat umgerechnet etwa 8,1 Milliarden Euro mehr als geplant für die Zinsen auf kurzlaufende Staatsanleihen bezahlen muss. Dies geht aus Daten hervor, welche die indische Zentralbank veröffentlicht hat.

Der Wertverfall ist signifikant. Am Donnerstag erreichte die Rupie mit über 72 Rupien zum Dollar einen historischen Tiefstand. Da gleichzeitig auf die in Dollar notierten Ölpreise in den vergangenen Monaten deutlich gestiegen sind, muss die Regierung viel höhere Kosten als geplant für die Energieimporte tragen.

Die Preise für die gesamten Importe liegen zur Zeit bereits auf dem höchsten Niveau seit dem Finanzjahr 2014, zeigen Berechnungen von Bloomberg. Indien muss im laufenden Jahr zudem wahrscheinlich noch etwa 85 Milliarden Euro an kurzfristigen Schulden zurückzahlen.

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Kurz eingeworfen: Indien will US-Sanktionen gegen iranisches Öl umgehen | www.konjunktion.info

Kurz eingeworfen: Indien will US-Sanktionen gegen iranisches Öl umgehen | www.konjunktion.info

05-09-18 10:38:00,

Kurz eingeworfen - Bildquelle: Wikipedia / 4028mdk09Kurz eingeworfen - Bildquelle: Wikipedia / 4028mdk09

Kurz eingeworfen – Bildquelle: Wikipedia / 4028mdk09

Betrachtet man das gegenwärtige politische Klima aufgrund des von der Trump-Administration los getretenen Handelskrieges, kommt die nachfolgende Meldung nicht gerade überraschend:

Indische staatliche Raffinerien könnten bald damit beginnen, die Sanktionen der USA gegen Teherans Erdölindustrie zu umgehen, indem sie iranisches Öl mittels iranischer Tanker importieren.

Die Berichte über das Wochenende schilderten detailliert einen Iran-Indien-Deal, in dem Teheran Tanker und Versicherungen arrangieren wird, weil Indiens Topimporteur Shipping Corp of India (SCI) begonnen hatte, Öllieferungen aus Angst vor wieder auferlegten US-Sanktionen einzustellen.

Washington hat Teheran wieder mit ökonomischen Strafen belegt, seit Präsident Trump im Mai die USA aus dem iranischen Atomprogramm von 2015 zurückgezogen hat. Um die iranischen Öl-Experten auf Null zu bringen, sollen die US-Sanktionen gegen iranisches Öl im November beginnen.

Herr Trump hat davor gewarnt, dass jeder, der seine wirtschaftlichen Beziehungen zum Iran nicht einschränkt, “ernsthafte Konsequenzen riskieren wird”.

(Indian public sector oil refiners could soon start sidestepping U.S. sanctions against Tehran’s petroleum industry by importing Iranian oil from Iranian tankers.

Reports over the weekend detailed an Iran-India deal in which Tehran will arrange tankers and insurance because India’s top shipper, Shipping Corp of India (SCI), had begun halting oil shipments fearing re-imposed U.S. sanctions.

Washington has been re-imposing economic penalties on Tehran since President Trump withdrew the U.S. from the 2015 Iranian nuclear deal in May. In a bid to slash Iranian oil experts to zero, U.S. sanctions on Iranian petroleum are scheduled to start in November.

Mr. Trump has warned that anyone who does not cut their economic ties to Iran will “risk severe consequences”.)

Immer wieder habe ich davon geschrieben, dass die großen Ökonomien sich vom US-Dollar als alleinige Fakturierungseinheit nicht nur im Erdölhandel abwenden werden. Dieser Prozess nimmt inzwischen immer mehr an Fahrt auf und wird sich in den nächsten Monaten fortsetzen bzw. verschärfen. Auch wird es wahrscheinlicher, dass Europa/die EU eine offene Erklärung zum Handel mit iranischen Öl und/oder zum Handelskrieg der USA mit Teheran unter Missachtung Washingtons abgeben wird.

Für mich markiert dies, das gewollte und bewusst eingesteuerte Ende des US-Dollars als Weltreservewährung. Die indische Haltung,

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In Indien droht eine Trinkwasserkatastrophe

In Indien droht eine Trinkwasserkatastrophe

22-06-18 10:50:00,

Das Flussbett des Yamuna bei Wazirabad. Foto: Gilbert Kolonko

Nach einem Regierungsbericht werden 40 Prozent der Bevölkerung bis 2030 keinen Zugang zu Trinkwasser haben, wenn nicht gehandelt wird

Indien liefert einen Ausblick darauf, was dank der kapitalistischen Überausbeutung der Ressourcen und der Klimaerwärmung in vielen Ländern droht: extreme Wasserknappheit und Dürre, bei gleichzeitiger Verschwendung, weil viel Wasser verloren geht. Und das sagen nicht Umweltschützer, sondern das steht in einem gerade veröffentlichten Bericht der indischen Regierung.

Schon im Vorwort des Berichts, an dem drei Ministerien beteiligt waren, heißt es dramatisch, wenn auch verklausuliert: “Es ist besorgniserregend, dass 600 Millionen Menschen in Indien mit extremem Wasserstress im Land zu tun haben. Dreiviertel der Haushalte haben kein Trinkwasser in ihrer Wohnung. Weil 70 Prozent des Wassers verschmutzt ist, liegt Indien auf Platz 120 von 122 Ländern in dem Index für Wasserqualität. Jährlich 200.000 Menschen würden wegen des verschmutzten Wassers schon jetzt sterben.

Schnell wird aber die Verantwortung an die indischen Bundesstaaten verwiesen, die seien nämlich für das Wasser, für dessen optimale Nutzung und Recycling, verantwortlich. Das Problem müsse dringend angegangen werden, denn die Situation werde nur schlimmer. Indien stecke in der “schlimmsten Wasserkrise seiner Geschichte”. Das Grundwasser, das für 40 Prozent der Trinkwasserversorgung verwendet wird, werde viel zu schnell ausgebeutet, um sich wieder anfüllen zu können.

Schon 2030 werde die Nachfrage nach Wasser im Land doppelt so hoch wie die verfügbare Menge sein. 40 Prozent der Bevölkerung werden bis 2030 dann keinen Zugang zum Trinkwasser haben, bis 2020 werden schon 32 Großstädte wie Neu Delhi kein Grundwasser mehr haben, was 100 Millionen Menschen betrifft. Das bedeute, dass für Hunderte von Millionen das Trinkwasser knapp wird. Und um die Drohung noch zu verstärken, betonen die Autoren, dass damit das BIP des Landes bis 2050 um 6 Prozent sinken könnte. Die Landwirtschaft verbraucht 80 Prozent des Wassers, gleichzeitig leben weiterhin 800 Millionen Menschen oder 70 Prozent der Bevölkerung auf dem Land, wo sie oft keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben.

Um die Wasserversorgung zu verbessern, wurde ein Index der Bundesstaaten erstellt, um diese anzustoßen, mehr zu machen. Danach gibt es gewaltige Unterschiede, letztlich aber müssten alle Bundesstaaten mehr machen. 60 Prozent haben weniger als die Hälfte des Notwendigen gemacht, darunter die stark landwirtschaftlich genutzten Teile Nord- und Ostindiens,

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Indien: Der Heilsbringer im Griff der Schlangen, die er nährte

Indien: Der Heilsbringer im Griff der Schlangen, die er nährte

10-06-18 11:56:00,

Für die meisten jungen Inder bleibt die eigene Wohnung in einer Smart City ein Traum. Foto: Gilbert Kolonko

  1. Indien: Der Heilsbringer im Griff der Schlangen, die er nährte

  2. Eine Million junger Inder, die monatlich auf den Arbeitsmarkt kommen


  3. Auf einer Seite lesen

Narendra Modis komplette Wachstumsstrategie beruht auf dem Wohl der Konzerne. Seine großindustriellen Freunde zeigen ihm nun deutlich, dass sie nur ihr eigenes Wachstum interessiert

Letzte Woche ließ die indische Regierung die europäische Gemeinschaft aussehen, wie ein loser Verbund kleiner Fürstenstaaten, der verängstigt unter der Knute des Kaisers steht: Die indische Außenministerin Sushma Swaraj hatte erklärt, dass Indien sich nicht an Sanktionen gegen den Iran beteiligen würde.

“Wir haben deutlich gemacht, dass wir nur UN-Sanktionen befolgen werden. Wir akzeptieren keine einseitigen Maßnahmen eines einzelnen Landes. Als die USA das letzte Mal Sanktionen gegen den Iran verhängt haben, haben wir unseren bilateralen Handel auch fortgesetzt”, sagte Swaraj am Rande eines Treffen mit ihrem iranischen Amtskollegen.

Schon zu Beginn dieses Jahres hatten Indien und der Iran mehrere Verträge unterzeichnet, um die bilateralen Wirtschaftsbeziehungen zu verstärken. Dazu arbeitet Indien an einer Kopie zum chinesischen Coup im süd-pakistanischen Gwadar: Im iranischen Chabahar wollen sie ihren eigenen Tiefseehafen mit Zugang zum Arabischen Meer bauen.

Die Leichtigkeit, den USA die Stirn zu bieten

Noch nie war es so einfach für Indien, den USA die Stirn zu bieten: Pakistan hat sich an China verkauft und die Vereinigten Staaten dürften es sich drei Mal überlegen, ob sie ihren Einfluss in diesem Teil der Erde vollkommen aufs Spiel setzen, indem sie jetzt auch Indien mit Strafzöllen belegen.

Doch ausgerechnet Mukesh Ambani, Chef von Reliance Industrie, erklärte kurz darauf, sich an die Sanktionen halten zu wollen. Reliance Industrie ist der weltgrößte Besitzer von Ölraffinerien und fest eingebunden ins amerikanische Finanzsystem. Dass Ambani seine eigenen Interessen wichtiger sind, ist ein heftiger Schlag ins Gesicht von Indiens Premierminister.

Zuviele Inder werden auf dem Weg ins 21.Jahrhundert im 19. Jahrhundert belassen. Foto: Gilbert Kolonko

Dabei hat Modi Reliance Industrie quasi die indische Staatsbank (SBI) geschenkt,

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Indien: Tote für mehr Wirtschaftswachstum

Indien: Tote für mehr Wirtschaftswachstum

31-05-18 06:46:00,

Bei den Demonstrationen wurden zuletzt auch Steine geworfen. Foto: Alina Tiphagne

12 erschossene Demonstranten bei Protesten gegen Umweltverschmutzungen im südindischen Bundestaat Tamil Nadu zeigen, was Indiens Mächtige antreibt: Wirtschaftswachstum um jeden Preis

In der südindischen Hafenstadt Thoothukudi schwelt der Protest seit Monaten, zum hundertsten Protesttag ist er eskaliert: Trotz Versammlungsverbot gingen am letzte Woche wieder 30.000 Demonstranten für die Schließung einer Kupferschmelzfabrik der Vedanta-Gruppe auf die Straße. Sie werfen den Verantwortlichen des Sterlite-Kupferwerks vor, die Luft und das Grundwasser zu verschmutzen und damit für unzählige Krankheitsfälle gesorgt zu haben.

Nicht erst seit Narendra Modis wirtschaftsfreundlicher Politik stoßen derlei Proteste in ganz Indien bei den Behörden in der Regel auf taube Ohren. Zwar stellte der Supreme Court im Jahr 2013 fest, dass die Kupferschmelze die Umwelt verschmutze, aber die anschließende Geldstrafe fiel äußerst gering aus. Unabhängige Beobachter sehen einen Grund für die unverhältnismäßige Milde des Gerichtes darin, dass Indiens Wirtschaft Kupfer dringend braucht. Als die Polizei den Demonstrationszug an einer Kreuzung stoppte, entlud sich die aufgestaute Wut einiger Demonstranten. Es flogen Steine, die Polizei antwortete mit Tränengas, woraufhin Polizeiwagen in Brand gesetzt wurden.

Am späten Nachmittag hatte die Polizei die Lage wieder unter Kontrolle. Eine nicht genannte Anzahl von Demonstranten liegt mit Schussverletzungen im Krankenhaus. Etwa 40 Polizisten wurden ebenfalls zur ärztlichen Behandlung eingeliefert. 50 Motorräder und 8 Fahrzeuge wurden zerstört oder verbrannt. Auch kam es von Seiten der Demonstranten zu Angriffen auf Journalisten – doch hatten diese scheinbar das vorrangige Ziel, die Speicherkarten der Kameras der Berichterstatter zu beschlagnahmen.

Foto von einer Demonstration. Bild: Alina Tiphagne

Unter welchen Umständen die Polizei zahlreiche Schüsse abgab, ist noch nicht geklärt. Doch Indiens Medien schlafen auch in diesem Fall nicht. Obwohl das Land im Pressefreiheits-Index auf Platz 138 abgerutscht ist, kommen jeden Tag neue Einzelheiten über die 12 Toten Demonstranten in Thoothukudi heraus: So zeigen Fernsehbilder, wie Scharfschützen der Polizei unbedroht und ohne jede Warnung von den Dächern der Polizeiwagen in die Menge schießen. Andere Bilder zeigen Polizisten, die mit Bambusstöcken einen Verwundeten anstoßen, ihn auffordern, die Schauspielerei sein zu lassen und aufzustehen: Kurz darauf verstarb der junge Mann an seiner Schussverletzung.

In Indien kommt es regelmäßig zu Toten bei Demonstrationen. Erst im März dieses Jahres wurden bei Protesten der Dalits (den Unberührbaren) in Delhi 10 Menschen von der Polizei erschossen.

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Indien und Pakistan: Kommt es zu einem Krieg an ganz anderer Stelle als wir alle denken? | www.konjunktion.info

Indien und Pakistan: Kommt es zu einem Krieg an ganz anderer Stelle als wir alle denken? | www.konjunktion.info

08-03-18 09:42:00,

Jenseits vom Nahen Osten, der Ukraine oder Nord-Korea schwellt ebenfalls seit Jahren ein Konflikt, der in unserer Hochleistungspresse so gut wie nicht vorkommt. Ein Konflikt zwischen zwei Atommächten: Indien und Pakistan.

Kaschmirregion - Bildquelle: Wikipedia / CIA; Public DomainKaschmirregion - Bildquelle: Wikipedia / CIA; Public Domain

Kaschmirregion – Bildquelle: Wikipedia / CIA; Public Domain

“Objekt der Begierde”: die Kaschmirregion.

Letzte Woche gab die pakistanische Regierung bekannt, dass sie sich “Sorgen mache” ob der indischen Drohnentechnologie. Nur wenige Tage später ließ das pakistanische Militär die Welt wissen, dass es eine indische Drohne abgeschossen hat.

Nach Angaben des englischen Express gab am Mittwoch Islamabad eine Erklärung heraus, dass man eine indische Drohne vom Himmel geholt habe, da diese den pakistanischen Luftraum verletzt habe:

Truppen der pakistanischen Armee schossen eine indische Spionage-Drohne ab, weil sie im Chirikot-Sektor gegen die LoC [Line of Control] verstieß. Die Drohne wurde von Truppen der pakistanischen Armee übernommen. Dies ist die 4. Drohne, die im letzten Jahr von Truppen der pakistanischen Armee abgeschossen wurde

(Pakistan Army troops shot down an Indian spy drone while it violated LoC in Chirikot Sector. The drone has been taken over by Pakistan Army troops. This is 4th drone which has been shot down by Pakistan Army troops in last one year.)

Die Erklärung Islamabads erfolgte nur einen Tag nachdem sich der chinesische Präsident Xi Jinping in die “Diskussion eingebracht hatte”. Prakash Katoch, ein ehemaliger Generalleutnant der indischen Spezialeinheiten, dazu:

Aber der Krieg ist sehr realitätsnah, und Indien muss bereit sein zu kämpfen und kann es sich kaum leisten, entweder an der pakistanischen oder an der chinesischen Front Schutz zu suchen. Indien muss sich auf einen Zweieinhalbfrontkrieg vorbereiten.

(But war is very much in the realm of reality, and India must be prepared to fight and can ill afford to let its guard down on either the Pakistani or the Chinese front. India must prepare for a two-and-a-half-front war.)

Mohammad Faisal, Sprecher des pakistanischen Außenministeriums, zeigte sich in einer Pressekonferenz aufgrund der zunehmenden Spannungen sehr besorgt:

Indiens Entwicklung der Drohnentechnologie ist besorgniserregend, wenn man den größeren Zusammenhang des Auf- und Ausbaus militärischer Fähigkeiten in den konventionellen und nichtkonventionellen Bereichen betrachtet, die der zunehmenden strategischen Belastung regionaler strategischer Stabilität unterliegen.

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Indien: Und plötzlich ist der Ganges sauber

Indien: Und plötzlich ist der Ganges sauber

25-01-18 11:39:00,

Der Ganges ist so heilig wie verschmutzt. Foto: Gilbert Kolonko

Modi will die deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit dafür benutzen, ein gebrochenes Wahlversprechen von 2014 in Propaganda für die Parlamentswahlen 2019 zu verwandeln

Mit rührenden Sätzen wie: “Mutter Ganges hat mich gerufen” bekräftigte Narendra Modi nach seinem Wahlerfolg 2014 an den Ufern des “heiligen” Ganges in Varanasi seine “göttliche” Aufgabe, den Fluss aller Flüsse zu reinigen. Ein Jahr später verabschiedete die Regierung einen Fünfjahresplan zur Reinigung des Ganges mit einem Etat von 3,2 Milliarden US-Dollar – Modis Ego-Projekt, der bullet train zwischen Bombay und Ahmedabad, verschlingt dagegen 18 Milliarden US-Dollar.

Eine Studie der Aufsichtsbehörde (CAG) des Ganges-Reinigungsprojektes stellt der Regierung nun ein vernichtendes Zeugnis aus: In den ersten drei Jahren wurden die zur Verfügung gestellten Gelder nur zu 8%, 37% und 63% ausgeschöpft. Wasserproben belegen, dass der Ganges an vielen Stellen weniger Sauerstoff enthält als 2013, aber dafür stärker verschmutzt ist. An nur zwei Stellen des 2600 Kilometer langes Ganges konnten die Wasserproben zumindest Badequalität bescheinigen – in Rishikesh und in Haridwar.

Genau für diesen Bereich hat die von Modis Bharatiya-Janata-Partei gestellte Regionalregierung im Bundesstaat Uttarakhand nun deutsche Firmen und die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) beauftragt, bei der Flussreinigung zu helfen. Doch obwohl in der Regel schon Absichtserklärungen in der indischen Politik medial als sensationelle Erfolge verkauft werden, gab es in diesem Fall nur kleine Randnachrichten.

“Das ist wieder typisch Modi. Dreieinhalb Jahre fielen die praktischen Anstrengungen der Regierung in Sachen Gangesreinigung sogar hinter der Vorgängerregierung zurück – und pünktlich für die Wahlen 2019 bereitet er mit Hilfe der Deutschen eine erneute Wahlpropaganda vor”, sagt Dr. Gopal Krishna gegenüber Telepolis. Als Wasserexperte arbeitet er seit Jahren mit dem Ganga Protection Committee zusammen und ist der Herausgeber von Toxics Watch:

Die Reinigung des Ganges benötigt die Zusammenarbeit von zwölf indischen Bundessstaaten und vier Ländern (Indien, China, Nepal Bangladesch). Dazu müssen sich die Regierungen, Geldgeber (Banken), Firmen die am Ganges angesiedelt sind und die Firmen, die die Reinigung ausführen, absprechen. Es geht nicht einfach ‘nur’ darum, Wasser zu reinigen, sondern ein dauerhaftes System zu installieren, das auch zukünftige Verschmutzungen verhindert. Aber auch darin hat die Regierung bisher komplett versagt.

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