Ein journalistischer Gau – www.NachDenkSeiten.de

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02-06-18 11:10:00,

Ein journalistischer Gau

Veröffentlicht in: Innere Sicherheit, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist nicht tot. Der russische Journalist Arkadi Babtschenko ist… ja was eigentlich? Wer sich als Mediennutzer auf die Berichterstattung zum angeblichen Mord an Babtschenko in den vergangenen Tagen verlassen hat, war verlassen. Der Umgang von Journalisten mit dem Fall Babtschenko ist ein Lehrstück, das zeigt: Große, reputierte Medien liefern eine Berichterstattung ab, die mit der Wirklichkeit nichts zu tun hat. Diese Feststellung ist weitreichend. Sie zeigt: Mediennutzer müssen alles, was Medien berichten, kritisch hinterfragen. Eine Analyse von Marcus Klöckner.

Als die „Nachricht“ (Desinformation?) vom angeblichen Mord an dem russischen Journalisten Arkadi Babtschenko in das Mediensystem eingespeist wurde, passierte, worauf man hätte wetten können: Journalistische Distanz? Zurückhaltung? Kritische Recherchen? Fehlanzeige. Stattdessen war eine Berichterstattung zu beobachten, die mustergültig aufzeigt, wie Medien in der Lage sind, fiktionale Wirklichkeiten zu konstruieren und diese dem Mediennutzer als Realität zu verkaufen. Und, noch schlimmer: Die erschaffene fiktionale Wirklichkeit dient dann als Basis, auf der die konstruierte Wirklichkeit weiter aufgebaut wird.

Da hat, zum Beispiel, der Deutsche Journalisten Verband (DJV) gleich den Boykott der Weltmeisterschaft in Russland gefordert und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ließ es sich nicht nehmen, „die Tat“ bei einem Besuch in der Ukraine zu verurteilen – worüber Medien dann natürlich entsprechend berichtet haben (in der Berichterstattung ist Steinmeier dann „erschüttert“, „verurteilt scharf“ und „fordert Aufklärung“).

Aber greifen wir nicht vor. Wir werden im weiteren Verlauf der Analyse noch im Detail auf die Berichterstattung eingehen. Zunächst zu etwas Grundlegendem. Frage: Waren Sie schon einmal in Paris auf dem Eiffelturm? Wenn Nein – die Frage: Gibt es den Eiffelturm tatsächlich? Steht der Eiffelturm tatsächlich in Paris? Wie beantworten Sie diese Fragen? Vermutlich mit: Ja, natürlich. Aber wie kommen Sie zu der Aussage? Wenn Sie doch noch nie in Paris waren, noch nie den Eiffelturm mit eigenen Augen gesehen haben, wie können Sie sagen, dass der Eiffelturm in Paris tatsächlich existiert? Wissen Sie, ob der Eiffelturm in Paris steht? Oder glauben Sie zu wissen, dass dem so ist?

Natürlich: Wer noch nie in Paris war, nie den Eiffelturm mit eigenen Augen gesehen hat,

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Prüfstein journalistischer Redlichkeit

Prüfstein journalistischer Redlichkeit

13-02-18 09:56:00,

Robert Parrys Tod ist ein herber Verlust für unser Land als politisches und intellektuelles Gemeinwesen. Es ist schade, dass die meisten Amerikaner das nicht wissen – ja, nicht einmal wissen, wer Robert Parry ist. Diese Ignoranz ist Ausdruck dessen, wie dürftig unser politisches und intellektuelles Gemeinwesen bereits geworden ist.

Diejenigen von uns, die seine Arbeit jahrzehntelang verfolgt haben, wissen wie prinzipientreu und verlässlich, was für eine große Ressource diese Arbeit war. Wir haben ihn für selbstverständlich gehalten als Prüfstein für journalistische Integrität. An ihm konnten wir uns orientieren, seine Einschätzung wichtiger Themen, ob wir nun mit ihm einer Meinung waren oder nicht, war stets ehrlich, sorgfältig recherchiert und beanspruchte unsere Aufmerksamkeit.

Als ganz selbstverständlich betrachteten wir auch seine Lebensgeschichte – dass ihm verwehrt wurde, seine ehrliche, prinzipienfeste Arbeit in den Mainstreammedien zu verrichten und er gezwungen war, seine Karriere aus eigenen Mitteln in Form eines unabhängigen Newsletters, einer unabhängigen Webseite – Consortium News – weiterzuverfolgen. Damit schlug er eine Richtung ein, die für seine Redlichkeit, wie auch seine relative Unbekanntheit bürgte.

Zu vieles war für uns einfach selbstverständlich.

Als glühend „Roter“ möchte ich betonen, dass Robert Parry niemand war, den ich – oder den er selbst – als „Linken“, geschweige denn als „Sozialisten“ bezeichnen würde. Ich zuckte jedes Mal ein wenig zusammen, wenn er Obama für seine guten Absichten großzügig Anerkennung zollte. Er war, würde ich sagen – und ich denke, er auch –, ein Liberaler. In seiner Arbeit orientierte er sich an der journalistischen Ethik, die der Liberalismus für sich beansprucht: an prinzipienfester intellektueller Redlichkeit. Mit der öffentlich bekundeten Betroffenheit und Trauer bei Linken wie mir – die ihm, wie man an dieser Bekundung sehen kann, mit ungeheurem Respekt folgten – erkennen wir ihn als einen der letzten achtbaren Liberalen an. Sich von ihm zu verabschieden, gleicht dem Abschied von einem der letzten großartigen Exemplare einer aussterbenden Gattung, die immer kleiner war, als es den Anschein hatte.

Ich empfehle jedem, insbesondere denjenigen, die Robert Parry nicht kennen, sich ein Interview mit ihm auf Gary Brechers Radio „The War Nerd“ (ab Minute 33:30) anzuhören (1).

Es ist ein langes Interview, aber es ist großartig – ein Seminar über die letzten 40 Jahre Geschichte amerikanischer Politik und Medien. Notfalls kann man sich auch nur Teile davon anhören.

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