Viele junge Tataren packen die ihnen gebotene Chance (Krim IV)

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13-08-19 10:26:00,

Christian Müller / 13. Aug 2019 –

Die Krimtataren, etwa ein Achtel der Bevölkerung auf der Krim, sind kriegs- und leidgeprüft. Russland versucht nun, sie zu fördern.

Dieser Artikel ist nach einem Überblick, einem der Stadt Sewastopol gewidmeten und einem Kertsch und der neuen Brücke zum russischen Festland gewidmeten Beitrag der vierte in einer mehrteiligen Serie über die Krim heute. Alle Berichte basieren auf einem dreiwöchigen Aufenthalt des Autors auf der Krim im Mai/Juni dieses Jahres mit Recherchen vor Ort (cm).

«Du besuchst die Krim, um später auch darüber zu schreiben? Interessant! Aber vergiss dann nicht, auch die Tataren zu befragen, wie es ihnen heute auf der Krim geht. Du weisst doch, dass sie total dagegen waren, sich von der Ukraine abzuspalten und wieder ein Teil Russlands zu werden.» So und ähnlich hörte ich es mehrmals vor unserer Abreise auf die Krim im Mai.

Wer sich für die Geschichte der Krim interessiert, kann die Tataren tatsächlich nicht ausser Acht lassen. Sie haben in der Geschichte der Halbinsel Krim im Schwarzen Meer lange eine führende Rolle gespielt.

Doch damit gleich zum ersten Problem. Jedes geschichtliche Ereignis hat eine Vorgeschichte. Wo also anfangen? Im 14. Jahrhundert, als die Tataren sich zum Islam bekehrten? Im 15. Jahrhundert, als sie auf der Krim und in den nördlichen und östlichen Steppen ein eigenes Khanat bildeten – in heutiger Terminologie so etwas wie ein eigenes Fürstentum – mit dem Zentrum in Bachtschyssaraj auf der Krim? Oder im 18. Jahrhundert, als sie durch die russische Eroberung der Krim mehr und mehr ins Hintertreffen gerieten?

Eine Katastrophe nach der anderen

Was auch immer vorher schon passiert war: Die erste Hälfte des letzten Jahrhunderts brachte den Krimtataren eine Katastrophe nach der anderen. Das Verhältnis zwischen den Tataren und Russland war schon lange Zeit belastet von zahlreichen kriegerischen Konflikten. Das führte dazu, dass ein Teil der Tataren im Rahmen der Revolutionen in Russland 1905 und 1917 auf der Seite der Revolutionäre mitkämpften, in der Hoffnung, damit einen Beitrag zur Entmachtung der russischen Nobilität leisten und danach einen eigenen, autonomen Staat bilden zu können. Mit dem Kommunismus allerdings wollten sie nichts zu tun haben, was ihnen nach dem Ende des Bürgerkrieges in Russland wieder nicht gut bekam.

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