Das Kennenlernspiel

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03-09-20 10:53:00,

Das Wasser steigt — im sprichwörtlichen wie im tatsächlichen Sinne. Immer knapper wird die Luft zum Atmen, immer unsicherer der Grund, auf dem wir uns bewegen. Scharf schneiden sich die Einschränkungen in unser Alltagsleben und vertiefen sich die Gräben zwischen Andersdenkenden. Jeder informiert sich über seine Kanäle und beruft sich auf seine Quellen — doch bis auf wenige Spezialisten weiß niemand, was wirklich stimmt. Wer von uns kennt sich schon mit Mikrobiologie oder Epidemiologie aus? Wer hat die entsprechenden wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnisse, die ihm ein unabhängiges Urteil erlauben?

Unsere Informationen erhalten wir in aller Regel nicht über eigene Recherche, sondern über Dritte, von denen wir nur hoffen können, dass sie uns die Wahrheit erzählen. Obwohl zunehmend bekannt ist, dass die Pressefreiheit immer stärker eingeschränkt wird, bleiben wir den Medien treu, von denen wir uns die größte Zuverlässigkeit versprechen.

Für die meisten sind das die Großen, die mit Tradition. Die können sich ja nicht erlauben, Unwahres zu verbreiten. Wenn dem so wäre, dann würden wir das wissen. Im Vergleich zu anderen Ländern sind wir doch frei. In China, in Russland oder in der Türkei sieht es ja viel schlimmer aus mit der Zensur.

Während wir das glauben, ist die Bundesregierung gerade dabei, dem Verfassungsschutz das Abhören verschlüsselter Kommunikation im Internet zu gestatten (1). Das bedeutet, dass unsere Kommunikation künftig beliebig ausspioniert, manipuliert, unterbrochen, verändert und gelöscht werden kann. Niemand kann mehr sicher sein, beim Austausch privater Nachrichten nicht überwacht zu werden. Enthüllungen wie die der Panama Papers, der Football Leaks und der Ibiza-Affäre sind künftig nicht mehr möglich. Informanten haben keinen Schutz mehr und müssen um ihr Leben fürchten.

Sicherlich werden wir uns auch daran gewöhnen und immer noch glauben, dass das, was man uns serviert, doch zumindest weitestgehend der Wahrheit entspricht. So wie wir uns daran gewöhnt haben, dass Medien eben gigantische Wirtschaftsunternehmen sind, dass an jedem Abgeordneten Trauben von Lobbyisten hängen und dass Politiker in Interessenskonflikte verstrickt sind. Wer am längeren Hebel sitzen will, der muss sich eben hocharbeiten. Das ist doch ganz normal. So wie es normal ist, dass Geld und Macht die Welt regieren, Geostrategen den Planeten wie ein Schachbrett benutzen und Ereignisse erfunden werden, um die Bevölkerung in Kriegslaune zu versetzen.

Doch wehe, uns sitzt in gemütlicher Runde einer gegenüber, der behauptet, das hätte etwas mit unserer aktuellen Situation zu tun!

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