Wie das Internet zum Klimakiller wird

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12-10-19 11:49:00,

Jürg Müller-Muralt / 12. Okt 2019 –

Der Globalisierungsatlas wirft einen schonungslosen Blick auf den Zustand der Erde, auch auf den Energiefresser Internet.

Eine weisse Wolke am blauen Himmel ist etwas Luftiges, Leichtes, manchmal Verspieltes, beinahe Immaterielles. Wohl deshalb verorten viele die Cloud, die Datenwolke, intuitiv ebenfalls irgendwo «am Himmel» und nutzen die Segnungen der Digitalisierung, ohne an Online-Umweltverschmutzung zu denken. Man weiss zwar schon, dass es ein bisschen Strom braucht, wenn man beispielsweise den Akku des Mobiltelefons auflädt. Doch im öffentlichen Bewusstsein ist das Ausmass des Energie- und Ressourcenverbrauchs des IT-Sektors nicht sehr stark verankert. Selbst in der gegenwärtigen Klimadebatte taucht das Thema nicht an vorderster Stelle auf. Dabei entfallen auf die globale IT-Branche weltweit rund sieben Prozent des Stromverbrauchs.

Wachstum in astronomische Sphären

Natürlich: Auf der privaten Stromrechnung kann man die Auswirkung einer Google-Recherche kaum dingfest machen. Doch gesamthaft wächst der Datenberg gewaltig. Die Internet-Nutzung in all ihren Facetten verdoppelt sich etwa alle ein bis zwei Jahre. Die Daten- und Energiemengen wachsen in astronomische Höhen. Die grossen Treiber sind einerseits die stark zunehmende private und betriebliche Nutzung von Handys, Tablets, PC etc., anderseits die totale globale Vernetzung, das «Internet der Dinge» (IoT), das Cloud-Computing, das Video-Streaming. Zudem ist jeder kleinste Klick im Internet nur dank einer massiven Infrastruktur möglich: Router, Übertragungsnetze, Antennen, Rechenzentren und riesige Serverfarmen.

Zwei Publikationen gehen verdienstvollerweise in leicht verständlicher Art auf diese Problematik ein: Zum einen der kürzlich von Le Monde diplomatique herausgegebene Atlas der Globalisierung. Er dokumentiert mit Text, Karten und Grafiken den «Klimakiller Internet» und zeigt, wie das Netz zu einem der grössten Energiefresser heranwächst. Und zum andern das TechnoScope (3/19), ein Flyer der Schweizerischen Akademie der Technischen Wissenschaften (SATW) zum Thema «Internet und Umwelt»; er richtet sich primär an Jugendliche.

SATW-Flyer mit Grundwissen und Spartipps

Der im September 2019 veröffentlichte SATW-Flyer liefert sowohl Grundwissen zum Ressourcenverbrauch von Smartphones und Co., wie auch Tipps zum sparsameren Umgang. So vernimmt man etwa, dass nicht nur der Flug in die Ferien der Umwelt schlecht bekommt, «auch unsere Ausflüge ins Internet sind alles andere als klimafreundlich». Die gesamte Informations- und Kommunikationsbranche verursacht knapp halb so viel Treibhausgasemissionen wie der gesamte Motorfahrzeugverkehr – und deutlich mehr als die Verkehrsflugzeuge: Der Anteil der Luftfahrt an den globalen CO2-Emissionen liegt bei 2,5 Prozent,

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Krieg als Klimakiller

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08-10-19 01:47:00,

Aus der Friedensbewegung kommt immer wieder Kritik an den Fridays-for-Future-Protestierern. Sie übergingen ein entscheidendes Thema: Den Einsatz für den Frieden. Schließlich sei Krieg einer der größten Klimakiller überhaupt. In ihrem Artikel legt Medea Benjamin zehn Beispiele für die Verflechtung und gegenseitige Verstärkung von Klimakrise und Militarismus dar. So wird deutlich: Ein Gegeneinander-Aufwiegen von Klima- und Friedensbelangen ist nicht sinnvoll. Erfolgsversprechend ist nur ein gemeinsamer Kampf für den Klimaschutz und den Frieden. Übersetzung aus dem Englischen von Susanne Hofmann.

Die Verflechtung von Klimakrise und Militarismus in zehn Punkten

Die Umweltgerechtigkeits-Bewegung, die derzeit weltweit aufkommt, ist bewusst intersektional und zeigt, dass die Erderwärmung mit Themen wie Rasse, Armut, Migration und Öffentliche Gesundheitsversorgung zusammenhängt. Ein Bereich, der mit der Klimakrise eng verknüpft ist, jedoch wenig Aufmerksamkeit bekommt, ist der Militarismus. Im Folgenden finden sich einige Punkte, in denen diese Themen – wie auch ihre Lösungen – ineinandergreifen.

  1. Das US-Militär schützt die Erdöl- und Rohstoffindustrie. Das US-Militär wird häufig dafür eingesetzt, sicherzustellen, dass US-Ölfirmen weltweit Zugang zu Rohstoffquellen, insbesondere Öl, haben. Der Irakkrieg 1991 war ein eklatantes Beispiel eines Krieges um Erdöl; heute ist die US-Militärunterstützung für Saudi Arabien verbunden mit der Entschlossenheit der US-amerikanischen fossilen Brennstoffindustrie, den Zugang zu den Erdölvorkommen der Welt zu kontrollieren. Hunderte von US-Militärbasen rund um den Globus befinden sich in ressourcenreichen Regionen und in der Nähe von strategischen Schifffahrtswegen. Wir können der fossilen-Brennstoff-Tretmühle erst entkommen, wenn wir unser Militär davon abbringen, als globale Schutzmacht der Ölindustrie aufzutreten.
  2. Das Pentagon ist die Institution auf der Welt, die mit Abstand am meisten fossile Brennstoffe verbraucht. Wäre das Pentagon ein Staat, würde ihn alleine sein Brennstoffverbrauch zum 47-größten Emittenten von Treibhausgas der Welt machen, größer als ganze Staaten wie Schweden, Norwegen oder Finnland. Die US-amerikanischen Militäremissionen stammen vorwiegend aus dem Betrieb von Waffen und Ausrüstung sowie der Beleuchtung, Heizung und Kühlung von mehr als 560.000 Gebäuden auf der ganzen Welt.
  3. Das Pentagon vereinnahmt die Gelder für sich, die wir brauchen, um die Klimakrise richtig anzugehen. Wir geben heute mehr als die Hälfte des jährlichen Ermessenshaushaltes der US-Bundesregierung für das Militär aus und das, wo die größte Bedrohung der nationalen Sicherheit der USA nicht der Iran oder China, sondern die Klimakrise ist. Wir könnten das aktuelle Budget des Pentagons halbieren und hätten dann immer noch ein größeres Militärbudget als China,

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