Der Kontrollverlust

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01-09-20 11:09:00,

Im spanischen Fernsehsender TVE — der „spanischen ARD“ — wurde ein Mediziner des Hospitals El Escorial aus Madrid zur Corona-Situation in Spanien interviewt. Dr. Luis de Benito war bei seiner Arbeit in der Klinik von Anfang an mit der Corona-Thematik an vorderster Front befasst und gab aber der interviewenden Fernsehjournalistin nicht die erwünschten Antworten. Stattdessen blieb er lieber bei der Wahrheit, zerstörte damit das Corona-Narrativ der spanischen Medien durch die Konfrontation mit der Realität.

Das Interview startet zunächst mit den Fragen einer Journalistin und den Antworten de Benitos. Dieses „entgleitet“ nach Ansicht der Redaktion aber offenbar. Später kommt ein Kollege der interviewenden Journalistin zu Hilfe. Das Ganze geschieht eher spontan als eine Art Notfalleinsatz. Es war nicht geplant. Der Fernsehsender gibt sich keine Mühe, das im Interview irgendwie zu vertuschen, wie jeder sehen oder nachlesen kann: Hier war offenbar „Gefahr im Verzug“.

Der „erfahrene Kollege“ flippt aber recht schnell aus und redet sich um Kopf und Kragen. Am Ende verkündet der TV-Mann trotzig, dass er gerne die Totenscheine der Corona-Toten ausgefüllt hätte, aber leider keine Gelegenheit dazu hatte.

Hier der Link zum kompletten Televisión-Española-1-Interview mit englischen Untertiteln als Video sowie als deutschsprachiges und als englischsprachiges Transkript.

Das deutschsprachige Transkript ist eine Übersetzung der englischen Untertitel beziehungsweise des englischsprachigen Transkripts des Videos.

TV-Frau: Wir haben gerade gehört — Patienten wurden auf die Intensivstation aufgenommen. Wir haben Dr. Luis de Benito eingeladen, hallo!

Doktor, Sie kennen die Situation sehr gut. Sie haben seit Beginn der Pandemie mit Patienten gearbeitet, die vom Coronavirus betroffen waren. Sie sind im Augenblick im Escorial Hospital in Madrid. Erzählen Sie uns, wie ist die Situation genau. Ist es beunruhigend oder nicht? Können sie uns etwas über die Gesamtauslastung erzählen? Gibt es Krankenhäuser, die beginnen, die Anzahl der Betten zu erhöhen? Können Sie dies bestätigen?

Arzt: Ah, nein, das glaube ich nicht. Ich weiß nicht, über welche Krankenhäuser Sie sprechen. Es ist wahr, wir sehen einen Anstieg der Anzahl der Einweisungen. Aber bis letzte Woche gab es keine. Gestern hatten wir drei. Verstehen sie, drei Leute und über einhundert Betten?

Also nein, ich glaube nicht, dass wir nahe an der Auslastung sind. Darüber hinaus ist das Krankenhaus mit den meisten Menschen das „12. Oktober“…

TV-Frau: Das 12.

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Kontrollverlust

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11-03-20 08:20:00,

In Italien hat die „Erkrankung, die verläuft wie ein Schnupfen“ (Zitat des Leiters des Frankfurter Gesundheitsamtes) nun bereits 631 Menschenleben gefordert und das Gesundheitssystem an den Rand des Chaos geführt. Und dies ist nur der Beginn. Was wir heute in Italien beobachten, wird mit zwei, drei Wochen Verzögerung auch in Deutschland zu beobachten sein. Dennoch lautet die Devise von Bund und Ländern „Augen zu und durch“. Wertvolle Zeit wurde und wird vertrödelt, die Kanzlerin ist auf Tauchstation, ihr Gesundheitsminister chronisch überfordert und übt sich in Beschwichtigungsversuchen. Während andere Länder handeln, streitet man sich in Deutschland über Zuständigkeiten. Auch wenn es bitter klingt: In Sachen Corona ist Deutschland ein „failed state“ – der Politik ist die Kontrolle entglitten. Von Jens Berger.

Dieser Beitrag ist auch als Audio-Podcast verfügbar.

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Wer über das Coronavirus schreibt, läuft schnell Gefahr, von einigen Zeitgenossen als „Panikmacher“ abserviert zu werden. Unter Verweis auf den meist mild oder gar symptomfreien Krankheitsverlauf wirken Forderungen nach konsequenten Eindämmungsmaßnahmen in der Tat schnell überzogen. Doch hier wäre mehr Differenzierung nötig. Denn Personen, die älter als 65 oder vorerkrankt sind, nutzen die „schnupfenähnlichen“ Symptome junger, fitter Erkrankter herzlich wenig. Hier geht es um kalte Wahrscheinlichkeiten und erst wer das verstanden hat, kann die Risiken richtig einordnen.

Erst gestern fragte mich ein Freund, ob ich eigentlich Angst vor „Corona“ habe? Meine Antwort war ein klares „Jein“. Nein, ich selbst habe keine Angst. Ich bin ein rationaler Mensch, der weniger an Götter und das Schicksal, dafür aber um so mehr an Statistiken, Wahrscheinlichkeiten und die Wissenschaft glaubt. Als – zumindest im „Coronamaßstab“ – junger und vergleichsweise sportlicher Mensch ohne Vorerkrankungen gehöre ich einer demographischen Gruppe an, bei der eine Covid-19-Erkrankung in nahezu allen Fällen mild und oft sogar nahezu symptomfrei verläuft; „wie ein Schnupfen“ könnte man sagen.

Aber um mich geht es hier auch nicht. Gäbe es auf der Welt nur junge, gesunde Menschen, bräuchten wir uns wohl über Corona nicht weiter zu unterhalten. Aber dem ist bekanntlich nicht so und für Menschen mit anderen demografischen oder medizinischen Vorbedingungen sehen die Daten zu Covid-19 leider vollkommen anders aus. So weisen die Daten der chinesischen Behörden für Menschen,

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