Korrespondentenbericht: Das russische Fernsehen über die Eskalation in Syrien | Anti-Spiegel

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25-02-20 01:16:00,

Die Eskalation zwischen der Türkei und Russland in Syrien geht weiter. In Russland wurde ein Korrespondentenbericht aus der Kriegsregion Idlib gezeigt.

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ ausführlich über die Lage in Syrien berichtet. In einem ersten Beitrag wurde aus dem Studio über die Situation berichtet, der zweite Beitrag war ein Korrespondentenbericht aus Syrien.

Der Korrespondentenbericht ist sehenswert (zumal es keine westlichen Korrespondentenberichte aus Syrien gibt) und ich denke, er ist mit meiner Übersetzung auch ohne Russischkenntnisse verständlich. Daher habe ich beide Beiträge des russischen Fernsehens übersetzt.

Beginn der Übersetzung des ersten Beitrages:

Die Situation in der syrischen Provinz Idlib, in der eine international vereinbarte Deeskalationszone eingerichtet wurde, in die Terroristen beispielsweise aus Aleppo gebracht wurden, ist ernst. Für sie waren die Busse nach Idlib die einzige Möglichkeit, ihre Haut zu retten. Die andere Möglichkeit war die komplette Zerstörung der syrischen Großstadt bei einer Eroberung.

Das war Ende 2016, also vor etwas mehr als drei Jahren. Natürlich war allen klar, dass Idlib kein neues Pseudo-Kalifat sein darf und dass die Lösung eine vorübergehende sein sollte. Früher oder später muss ganz Syrien von diesem Greuel gereinigt werden. Deshalb wurde eineinhalb Jahre nach der Befreiung von Aleppo – im September 2018 – eine Militäroperation gegen die Terroristen angekündigt, die Idlib und Syrien nicht verlassen wollten. Es ist eine groß angelegte Operation, weil es Zehntausende von Terroristen in Idlib gibt. Als die Journalisten den russischen Verteidigungsminister Sergej Schoigu dann kurz vorher direkt fragten, ob diese Militäroperation nicht stattfinden werde, antwortete Shoigu trocken: „Ja“. Das war der 17. September 2018. (Anm. d. Übers.: Damals wurde die Operation im letzten Moment nach Verhandlungen zwischen Russland und der Türkei abgesagt)

Aber wer konnte die Operation absagen? Unerwartet taten das die Präsidenten Russlands und der Türkei, Putin und Erdogan, bei einem Treffen in Sotschi. Um die heutige Situation zu verstehen, ist es wichtig, sich an dieses Abkommen zu erinnern. Statt Krieg beschlossen sie, schwere Waffen an der Grenze zwischen den Terroristen und den Stellungen der syrischen Armee abzuziehen. Ein aktiver Befürworter dieser Entscheidung, wir erinnern uns an den Teheraner Dreiergipfel, war Erdogan. Der Gipfel in Teheran fand zehn Tage vor dem Treffen in Sotschi statt.

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Korrespondentenbericht des russischen Fernsehens aus Libyen | Anti-Spiegel

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10-02-20 05:48:00,

Das russische Fernsehen hat am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ eine Reportage aus Libyen gezeigt. Im Gegensatz zu westlichen Kamerateams haben sich die russischen Journalisten in das zerstörte Land gewagt.

Die Reportage war deshalb sehenswert, weil sich westliche Journalisten nicht in das Land trauen und es daher praktisch keine Berichte aus dem Land selbst gibt. Es war interessant, die Bilder aus Libyen zu sehen. Zusammen mit meiner Übersetzung dürfte der Bericht des russischen Fernsehens auch ohne Russischkenntnisse verständlich sein.

Zur Erinnerung: In Libyen stehen sich die international anerkannte Regierung unter Sarradsch, die jedoch praktisch nur Tripolis beherrscht, und das Parlament in Bengasi mit seiner nationalen Armee unter Marschall Haftar, die 80 Prozent des Landes kontrolliert, unversöhnlich gegenüber.

Beginn der Übersetzung:

Was ist los im kriegsgeschüttelten libyschen Bengasi? Und wie geht es weiter mit Libyen?

Seit 10 Jahren liegt Libyen nun in Trümmern. Die Versuche der westlichen Abenteurer, Libyen die Demokratie einzuimpfen, sind gescheitert. In der arabischen Welt enden diese Versuche immer in langwierigen Bürgerkriegen.

Bengasi ist die zweitgrößte Stadt Libyens. Hier brach 2011 der Aufstand gegen Gaddafi aus. Der Diktator wurde gestürzt und die Stadt war mehrere Jahre in den Händen des IS. Bis sie vertrieben werden konnten, wurde Bengasi teilweise in Trümmer gelegt.

„Wir wussten nicht, dass es IS-Anhänger unter uns gab, sie lebten die ganze Zeit hier. Dann kamen die Kommandeure des IS, gaben ihnen Waffen und dann begann der Krieg“, erinnert sich einer der Einheimischen.

Aus irgendeinem Grund war das erste, was die Islamisten geplündert und verbrannt haben die lokale Moschee von Archaic. Jetzt ist sie fast wiederhergestellt.

Irina Abdallah Jaber, die Witwe eines ehemaligen libyschen Kadetten der sowjetischen Militärschule für Piloten, verbrachte all die Jahre Seite an Seite mit dem IS. Sie lebt mit vier Kindern und vier Enkelkindern zusammen. Sie weiß nicht, wie sie überlebt haben. „Jahrelang wurden wir regelrecht erdrosselt, es war ein Alptraum. Sie haben geschossen, haben alles in Stücke geschlagen, es war wie in einem Schlachthaus. Sie haben Menschen die Köpfe abgeschnitten und sie zerstückelt“, erinnert sich die Frau.

Jetzt wird das Leben besser. Das Kriegsbrot ist kleiner, als das Brot früher war, und ist ziemlich teuer geworden. Irina erzählt, dass es kaum mehr als einen Tag haltbar ist und dann zerbröselt.

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