Krebsmedikamente: Pharmaindustrie erhöht Margen auf Rekordwert

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13-03-19 11:36:00,

Tobias Tscherrig / 13. Mär 2019 –

Neue Krebsmedikamente kosten bis zu 80 mal mehr als die Herstellungskosten. Das geht zulasten von Prämienzahlern und Krankenkassen.

Medikamente gegen Krebs kosteten die Krankenkassen im Jahr 2018 über eine Milliarde Franken – ohne die Krebsmittel, die in Spitälern abgegeben werden.
Das Geschäft mit den Krebsmedikamenten floriert, es ist die Zukunft der Pharmaindustrie: Allein in der Schweiz erhalten jedes Jahr rund 40’000 Personen die Diagnose Krebs. Dafür müssen alle Prämienzahlenden tief in die Tasche greifen: Krebspräparate kosten in der Schweiz bis über das 80-fache ihrer Herstellungskosten. Das rechnete jedenfalls das öffentlich-rechtliche Westschweizer Radio RTS in seiner Sendung «Mise au Point» vor.

Die Pharmaunternehmen bringen immer neue Präparate auf den Markt. Eine grosser Teil davon ist für todkranke Patientinnen und Patienten, denen bisher übliche Chemobehandlungen und Bestrahlungen nichts mehr nützen. Sie sollen das Leben um ein paar Monate verlängern oder wenigstens die Lebensqualität bis zum Tod verbessern. Das tun sie jedoch längst nicht immer. Für die in Aussicht gestellten Hoffnungen müssen die Krankenkassen Höchstpreise zahlen.

Starker Anstieg der Kassenausgaben für Krebsmedikamente

In seinem Bericht nannte «RTS» bisher unveröffentlichte Zahlen zu den Kosten von Krebsmedikamenten, welche die Kassen in der Grundversicherung zahlen müssen. Diese seien im Zeitraum von nur fünf Jahren von 603 auf 931 Millionen Franken pro Jahr gestiegen, was einem Anstieg von 54 Prozent entspreche.

Für alle Arten Medikamente mussten die Kassen insgesamt 6,8 Milliarden ausgeben. Am weitaus stärksten sind die Kosten für Krebsmedikamente gestiegen. Ein einziges Krebsmedikament habe beispielsweise über 74 Millionen Franken gekostet. Unter den fünfzehn umsatzstärksten Krebsmedikamenten befinden sich vier Krebsmedikamente des Basler Pharmakonzerns «Roche». Bei Krebspräparaten ist «Roche» einer der Weltmarktführer.

Kosten einzelner Krebsmedikamente von 2014 bis 2018 für die Grundversicherung

«Herceptin» von Roche liegt mit über 250 Millionen Franken an zweiter Stelle. Grössere Auflösung der Grafik hier.

Tiefe Produktionskosten, hohe Preise

Der Grund für die hohe Endabrechnung liegt an den hohen Medikamentenkosten pro Patient. Kosten, die sich pro Jahr und Patient auf 100’000 Franken und mehr belaufen, seien schon beinahe die Norm, erklärte Martina Weiss. Sie leitet für die Krankenkasse Helsana die Abteilung Verhandlungen und Vergütungen.

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