Der Zerfall des kritischen Potenzials

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14-02-20 04:33:00,

Leider ist schon seit längerem zu beobachten, dass kritische Geister und kritische Medien, die eigentlich zur Zusammenarbeit und gegenseitigen Förderung verdammt wären, gegeneinander arbeiten, oder in der milderen Form, keine Notiz voneinander nehmen. Diese Fehlentwicklung hat damit zu tun, dass die etablierten Medien und damit verbundene Personen eine angeborene Abneigung gegen die kritischen Medien im Internet haben oder sich sogar ökonomisch bedroht fühlen. Oder es gilt, wie wir schon des Öfteren notiert haben, dass diese ehedem kritischen Geister zur mächtigen allgemeinen Öffentlichkeit gehören wollen, dass sie dazugehören wollen, statt kritisch aufzuklären. Ich will an zwei konkreten Beispielen sichtbar machen, was ich meine. Albrecht Müller.

Erstes Beispiel:

Der Öffentlich-rechtliche Rundfunk und insbesondere die dort als eher zeitkritische Formate installierten Medienprodukte wie Monitor, Panorama, ZAPP und ähnliche Sendungen im Hörfunk scheuen die Zusammenarbeit mit Internet-Medien und damit auch die gegenseitige Befruchtung und Förderung. Das Verhältnis ist eher feindselig als kooperativ. Allein mit verschiedenen Kabarett-Sendungen gibt es eine meist stille Kooperation. Man lernt voneinander, man informiert und fördert sich gegenseitig.

Zweites Beispiel: Günter Wallraff und Klaus Staeck u.a.m.

Beide haben sich lange Zeit auf dem Feld der Aufklärung ungemein verdient gemacht.. Klaus Staecks Plakate und Postkarten waren in den sechziger bis neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts wegweisend. Junge Menschen und politisch engagierte Menschen aller Altersgruppen hatten Spaß an seinen Sprüchen und Grafiken. Hieran zum Beispiel:

oder hieran:

Dieses Plakat war ein treffender Beitrag zur Steuer- und Reformdiskussion der sechziger und siebziger Jahre.

Ich habe damals als Verantwortlicher für die Öffentlichkeitsarbeit der SPD und dann später bis zu Beginn von Schröders Reformpolitik und der Agenda 2010 eng mit Klaus Staeck zusammengearbeitet. Dann kam mit der Veröffentlichung meiner beiden kritischen Bücher „Die Reformlüge“ und „Machtwahn“ und vor allem mit der Gründung der NachDenkSeiten der Bruch. Klaus Staeck wollte, obwohl er mit dem Hinweis auf die Gründung der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft indirekt den Anstoß für die Erfindung der NachDenkSeiten gab, die Kritik an der SPD und an einigen der etablierten Medien nicht teilen. Das galt auch für einige andere Personen des damaligen kritischen Milieus – für Günter Grass, Manfred Bissinger, Johano Strasser zum Beispiel. Kosovo Krieg und Agenda 2010 fanden die Unterstützung dieser ehedem kritischen Zeitgenossen.

Klaus Staeck wie übrigens auch die Otto Brenner Stiftung wandten sich dann einige Zeit später mit einer der übelsten Attacken gegen die früheren Partner – mit dem Vorwurf: Querfront!

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