Wie kroatische Emigranten die politische und wirtschaftliche Landschaft der Anden verwandelten – Teil 1: Die faschistische Bastion Santa Cruz in Bolivien

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12-01-20 01:02:00,

Viel ist über den christlich-fundamentalistischen Fanatismus des herausragenden, jungen Führers des Staatsstreichs in Bolivien, Luis Fernando Camacho, geschrieben worden, doch kaum über die Ursprünge dieses Fanatismus und die Beziehungen Camachos zur kroatischen Einwanderer-Szene in Oriente, dem Osten Boliviens. Ein Bericht von Frederico Füllgraf.

Retronarrativ erzählt fällt als Erstes auf, dass die Camachos eine vielzitierte, weil mehrfach in den Panama-Papers-Skandal involvierte Familie ist. Luis Fernandos Vorfahren machten mit Boliviens Erdgasreserven ein Vermögen, verloren jedoch einen Teil davon, als Präsident Evo Morales die Erdöl- und Gasvorkommen verstaatlichte.

Hellhörig macht Camachos kulturelle und politische Ausbildung in der Unión de la Juventud Cruceña (Jugendbund von Santa Cruz – UJC). Die faschistisch ausgerichtete Gruppe sorgte bereits vor Jahrzehnten für Schlagzeilen wegen des Hitlergrußes ihrer Mitglieder. Doch die UJC war niemals bloß ein extemporärer rechtsradikaler Spinnerverein, sondern vor allem ein paramilitärischer Kampfverband, mit erwiesener Beteiligung an mehreren Verschwörungen zur Ermordung von Evo Morales sowie an Angriffen auf linke Aktivisten, indigene Bauern und Journalisten.

Gerade dreiundzwanzigjährig wurde Camacho im Jahr 2002 zum stellvertretenden Vorsitzenden der UJC gewählt. Zwei Jahre später verließ er die Organisation, um sich dem Aufbau eines Familienzentrums und dem Aufstieg in das Pro-Santa-Cruz-Bürgerkomitee zu widmen. Das harmlos klingende Komitee war jedoch eine rechtsradikale Separatisten-Organisation, die mit dem Vorwand stärkerer regionaler Autonomie Evo Morales mit der Abspaltung der gesamten Media Luna, also dem als Halbmond bekannten Zentrum und Osten Boliviens, drohte. Einer der führenden Köpfe der Separatisten war der Bolivianer kroatischer Abstammung, Branko Marinkovic, Camachos Vorgänger im Bürgerkomitee Pro Santa Cruz.

Im Dezember 2010 erhob die bolivianische Generalstaatsanwaltschaft wegen einer mutmaßlichen Verschwörung zur Ermordung von Evo Morales und der Planung terroristischer Anschläge Anklage gegen 39 Personen, darunter Marinkovic, nun als früherer Bürgermeister von Santa Cruz. Der illustre Angeklagte bestritt seine Involvierung und setzte sich zunächst in die USA ab, ließ sich aber bald im benachbarten Brasilien nieder, dessen Justiz beide Augen vor den schweren Beschuldigungen zudrückte. Zu den Vorwürfen der Volksverhetzung, des Separatismus, ferner der Bildung und Finanzierung einer terroristischen Vereinigung paarte sich außerdem eine Anklage wegen schwerer Steuervergehen durch Eröffnung von Offshore-Konten mit dem Ziel der Geldwäsche.

Marinkovic lebt in Brasilien, steht jedoch nach wie vor in enger Verbindung mit seinem „camarada“ aus der faschistischen Szene, Luis Fernando Camacho.

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