Die Kunst des Weglassens: Wie der Spiegel über die Telefonate von Biden und Poroschenko “berichtet” | Anti-Spiegel

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21-05-20 07:05:00,

Endlich berichtet der Spiegel über die Neuigkeiten auf Kiew. Und wie erwartet berichtet der Spiegel völlig anders, als der Anti-Spiegel. Was der Spiegel seinen Lesern alles verschweigt, ist schon bemerkenswert.

Ich habe die Pressekonferenz des ukrainischen Abgeordneten Andrej Derkatsch vom Dienstag komplett übersetzt und weil ich dabei bemerkt habe, dass Menschen, die das Thema nicht sehr gut kennen, die Vorgänge kaum verstehen können, habe ich noch einen Artikel geschrieben, in dem ich aufgezeigt habe, wie die Chronologie der Vorgänge ist, für die Derkatsch nun neue Belege geliefert hat.

Es ist ein komplexes Thema, um das es dabei geht und auch die chronologische Zusammenfassung dürfte für viele sehr schwere Kost sein, denn es geht um komplizierte Zusammenhänge und viele Namen, von denen die meisten noch nie gehört haben. Wenn man es kurz auf den Punkt bringen will, dann kann man ganz vereinfacht sagen, dass in der Ukraine vor dem Maidan 40 Milliarden Dollar unterschlagen wurden, die nach dem Maidan neu aufgeteilt wurden und zwar vor allem unter dem Schutz von Kräften aus den USA. Es geht um Korruption und Geldwäsche in wohl nie dagewesenem Ausmaß. Und all das fand unter dem Schutz und der Leitung des damaligen Vize-Präsidenten der USA, Joe Biden, statt.

Die in den Medien präsentierten Skandale „Russlandaffäre“ (angebliche Wahleinmischung Russlands in die US-Wahlen 2016) und „Ukraine-Skandal“ (was zum gescheiterten Amtsenthebungsverfahren gegen Trump geführt hat) waren Teile dieser Geschichte. Das alles klingt völlig abstrus und deshalb ist das Thema auch so kompliziert. Es geht eben nicht um einen kleinen Betrugsfall, sondern um Wirtschaftskriminalität in unvorstellbarem Ausmaß und dabei wird immer mit sehr verschachtelten Strukturen gearbeitet, zum einen, um Entdeckung und Aufklärung zu erschweren, zum anderen, weil bei so großen Sachen viele Leute beteiligt sind und die Hand aufhalten.

Fakt ist, dass in den eben genannten Skandalen komischerweise immer wieder die gleichen Menschen, Firmen und NGOs auftauchen. Und sind die Zusammenhänge — wenn man sich damit genauer beschäftigt — erstaunlich gut zu belegen. Wenn das Thema für Sie neu ist, lesen Sie die Chronologie (auch, wenn sie dabei ab und an Pausen brauchen, um das Gelesene „sacken zu lassen und die Zusammenhänge zu verstehen).

Ich habe darüber in den letzten Tagen mit einigen Leuten gesprochen, die das Thema auch gut kennen und wir sind uns einig: Wenn ein Thriller-Autor sich diese Geschichte ausgedacht hätte,

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Die Kunst der Zusammenarbeit – www.themen-der-zeit.de

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17-03-20 10:02:00,

17. März 2020

100 Jahre Dreigliederung des sozialen Organismus

von Walter Kugler

Jeder hat es gelesen, jeder?

“Marx würde sagen: Wenn nach mir einer kommt, der etwas Neues bringt und er heißt nicht Marx, sondern Steiner, dann haltet Euch an den lebendigen Geist und nicht an die alten Knochen.” [1] Das ist die Stimme eines Arbeiters, der sichtlich berührt war von dem ‘ Neuen’, das Rudolf Steiner in seinen einleitenden Worten an einer Betriebsräteversammlung in Stuttgart den Zuhörern in Herz und Sinn einprägte.

Das Neue, es kam nicht über Nacht, sondern erschien gleichsam als Zwischenbericht eines Jahrzehnte langen Beobachtens und Reflektierens der sozialen Verhältnisse im Großen wie im Kleinen, in der Weltwirtschaft wie im Zwischenmenschlichen. Bereits als als 27-Jähriger, im Jahre 1888, hatte Steiner in seiner Eigenschaft als Redakteur der Wiener Deutschen Wochenschrift die Debatten der Abgeordneten im Wiener Parlament verfolgt und die Geschehnisse in zahlreichen Zeitungsartikeln kritisch kommentiert. [2] So hat er sich u.a. mit der von Papst Leo XIII. am 20. Juni 1888 verkündeten Enzyklika Libertas praestantissimum donum (dt. Die Freiheit ist das vorzüglichste unter den natürlichen Gütern) kritisch auseinandergesetzt, um schliesslich einen Satz in das Gedächtnis seiner Zeit einzuschreiben, der sein eigenes zukünftiges Wirkungsfeld absteckte und zugleich programmatisch ein Stück der Postmoderne vorwegnehmen sollte: “Nur das für wahr halten, wozu uns unser eigenes Denken zwingt, nur in solchen gesellschaftlichen und staatlichen Formen sich bewegen, die wir uns selbst geben, das ist der große Grundsatz der Zeit.” [3] In jedem seiner damaligen Essays spürt man seine Präsenz, spürt man den Atem eines nicht dem Gleichschritt verpflichteten Denkers, und man spürt bereits den zukünftigen Verfasser einer Freiheitsphilosophie (1894), in der er jeglichem normativen Anspruch moralischer Gesetze eine deutliche Abfuhr erteilte.

Lässt man sich auf seine außergewöhnlichen Überlegungen einmal ein, dann wird man schon bald Zeuge eines rastlos Suchenden, bei dem es wohl ein Innehalten, aber keinen Stillstand gibt und der 25 Jahre später mit seinem Buch Die Kernpunkte der sozialen Frage, erschienen 1919, die Feuilletonisten namhafter Zeitungen beschäftigen wird, sei es bei der New York Times (14.1.1923), der New York Tribune (26.5.1921) oder der britischen Daily News (16.9. 1920). In letztgenannter war unter der Überschrift “Wie Kapital behandelt werden soll – Ein Buch, über das in Europa diskutiert wird” u.a. zu lesen: “Von jedem Denkenden des Kontinents wird ein auffallendes Buch besprochen,

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Kaum Lügen, aber die hohe Kunst der Verkürzung

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31-12-19 10:03:00,

Helmut Scheben / 31. Dez 2019 –

Die Nachrichtensendung des ZDF demonstriert, wie man mit wirkungsvoller Montage von Bild und Text falsche Informationen verbreitet.

Die ZDF-Sendung «heute» am 28. Dezember um 19 Uhr: Die Moderatorin kündigt schlechte Nachrichten aus Idlib an. In der syrischen Provinz seien allein in den letzten zwei Wochen nach UN-Angaben 235’000 Menschen auf der Flucht. Der türkische Präsident Erdogan warne daher «vor einer neuen Migrationswelle Richtung Europa».

Damit ist schon mal im ersten Satz ein Akzent gesetzt, nämlich die stets wirksame Assoziation «Flüchtlings-Tsunami»: Sie sind auf dem Weg Richtung Europa. Der bewährte Aufreger erweist sich als perfektes Trampolin für das, was folgt, nämlich die unmittelbare Schuldzuweisung. Die Moderatorin belehrt uns, wem wir das alles zu verdanken haben:

    «Die Provinz im Nordwesten Syriens gilt als letzte grosse Rebellenhochburg im Land. Hier sollten eigentlich seit Monaten die Waffen ruhen, aber die Vereinbarung ist längst gebrochen. Die syrischen Regierungstruppen fliegen (hier macht die Moderatorin eine winzige Kunstpause und hebt dann die Stimme) mit russischer Unterstützung Luftangriffe und zwingen die Menschen zur Flucht.»

Noch Fragen? Sicher keine, denn hier scheint alles klar, schon bevor die Bilder des Beitrags zu laufen beginnen. Was bei mir – und bei einem deutschsprachigen Millionenpublikum – hängen bleibt, ist die simple Information: Die syrische Armee und die russische Luftwaffe treiben die Menschen in die Flucht. Da schiessen russische Kampfbomber auf Frauen und Kinder. Und das ist der Krieg in Idlib. Genau dies ist ganz offensichtlich der Aussagewunsch in diesem Beitrag, und mehr Erklärung halten die Autoren, wie sich in der Folge herausstellt, nicht für notwendig.

Falls der Zuschauer erwartet hatte, er erfahre, wie es zu dieser Offensive der syrischen Regierung gekommen ist, oder welche Rolle diese Aufständischen spielen, die in der Moderation als «Rebellen» bezeichnet werden, so hat er zu viel erwartet. Die rund 20’000 Kombattanten der verschiedenen Extremistengruppen der Terrororganisation Hai’at Tahrir asch-Scham, gegen welche die syrische Armee mit russischer Hilfe vorgeht, tauchen im ZDF-Beitrag nicht auf. Sie haben sich in Luft aufgelöst. Dass sie nach übereinstimmenden Aussagen zahlreicher Beobachter die ausgehandelte Waffenruhe mit brutalen Angriffen gebrochen haben, wird nicht erwähnt. Stattdessen wird das Gegenteil angedeutet:

    «Die Waffenruhe wurde gebrochen. Die syrische Armee und die russische Luftwaffe fliegen Angriffe.»

Die unmittelbare Aufeinanderfolge dieser beiden Sätze in der Moderation legt einen Kausalzusammenhang nahe.

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Die Kunst des Trauerns

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22-11-19 10:09:00,

Später Herbst, ein Felsloch, der schäumende Ozean vor dem windumtosten Eingang des Hades am Kap Matapan, dem Totenreich der antiken Unterwelt. Es gibt kaum eine bessere Kulisse für ein Nachdenken über unseren Umgang mit Tod und Trauer.

„Rasch tritt der Tod den Menschen an, es ist ihm keine Frist gegeben; es stürzt ihn mitten aus der Bahn, es reißt ihn fort vom vollen Leben“ — ein schwacher Trost von Friedrich Schiller. Wir sollten zukünftig ein wenig nachdenken, bevor wir uns beim Kondolieren im Hilflosen verheddern, so von wegen „unerklärlich“, „fassungslos“ und „mitten aus dem Leben gerissen“. Aber richtig schützen können wir uns letztlich ohnehin nicht, wenn da frühmorgens zwei Polizisten vor der Türe stehen und uns betreten auffordern: „Sie müssen jetzt stark sein“.

Christiane zu Salm verlor im Alter von sechs ihren drei Jahre jüngeren Bruder und erinnert sich heute an jene Trauerzeit daheim: „Meine Eltern waren so aufgesogen von dem Schmerz, dass bei uns nur noch eine große Sprachlosigkeit herrschte und viel dafür getan wurde, wieder ein ganz normales Leben zu führen. Es ging um die Kunst der kleinen Schritte, also wieder ins Leben zurückzufinden und ganz von vorne und ganz von unten anzufangen. Wie jeder anders liebt, trauert auch jeder anders. Die Sätze der Freunde wie: Ich bin immer für dich da oder ruf mich einfach an, wenn du mich brauchst — halfen herzlich wenig, denn der Trauernde hat keine Kraft, jemanden anzurufen. Es geht darum, einfühlsam auszuloten, was demjenigen guttut, also lieber einen Brief schicken, eine kleine Geste zeigen wie eine Umarmung oder einem einfach das Gefühl vermitteln, dass man nicht alleine ist.“

Wer wie und warum und wie lange trauert und wie er am Ende da herauskommt, ob gestärkt, ratlos, schockerstarrt oder zerbrochen, das muss jeder am eigenen Leib erfahren und bewältigen. Ein Trauern auf Rezept dürfen wir von der Welt nicht einfordern.

Sigmund Freud prägte den Begriff der „Trauerarbeit“ und meinte damit eine echte Leistung auch im physischen Sinne. Er sprach sich dafür aus, die Erinnerungen an das geliebte, aber definitiv verlorene Wesen immer wieder zu durchlaufen, um damit die affektive Bindung nach und nach aufzuheben und die so zurückgewonnene psychische Energie dem Ich wieder zur Verfügung zu stellen.

Für eine gewisse Zeit ähnelt das Trauern einem pathologischen Zustand, denn der Tote lebt ja weiter,

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Führende Kunst- und Medien-«Experten» gnadenlos vorgeführt

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12-10-19 09:20:00,

Niklaus Ramseyer / 13. Okt 2019 –

Wolfgang Beltracchi und Claas Relotius haben die Inkompetenz von Chefs, Fachleuten und Experten entlarvt.

Über den einen ist jetzt gerade ein spannendes und wichtiges Buch herausgekommen: «Tausend Zeilen Lüge» von Juan Moreno (bei Rowohlt, 287 Seiten für 29 Franken). Der andere ist Morgen Sonntag, 13. Oktober, um 10 Uhr im «Persönlich» auf Radio SRF zu hören. Der eine ist der hochgelobte und duzendfach preisgekrönte «Lügen-Reporter» Claas Relotius (Spiegel, Cicero, Weltwoche etc). Der andere ist der inzwischen weltbekannte, meisterhafte «Kunstfälscher» Wolfgang Beltracchi, der eigentlich kein Kunst- sondern (gerichtlich festgestellt) ein Urkundenfälscher ist. Beide «Betrüger» unterscheiden sich also.

Erstaunliche Parallelen

In entscheidenden Punkten ähneln sich die Fälle Relotius und Beltracchi jedoch erstaunlich:

– Der raffinierte Reportagenfälscher Relotius und der geniale Kunstmaler Beltracchi haben beide mit ihren Arbeiten Juroren und Preisverleiher ebenso gnadenlos der blumig beredten Inkompetenz überführt, wie sie das Gerede hochtrabender Kunstfachleute als «Dampfplauderei schöngeistiger Kunstexperten» (Christian von Faber-Castell im Du Nr. 888) entlarvten. (Siehe dazu Wolfgang Beltracchis Selbstportrait oben.)

– In beiden Fällen wurden ihre Tricksereien nicht etwa durch die Kompetenz führender Kunstexperten (bei Beltracchi) oder durch die exakte Redaktionsarbeit (bei Relotius) erfahrener Führungskräfte (in der «Spiegel»-Zentrale in Hamburg) entdeckt, sondern eher durch Zufall: Beltracchi stolperte über ein allzu modernes Weiss im Kunstwerk «Rotes Bild mit Pferden», das er im Stil des deutsch-niederländischen Meisters Heinrich Campendonk gemalt hatte. Von Experten und Kritikern zunächst hoch gelobt («Schlüsselwerk der Moderne») und als «typisch» bezeichnet, zeigte erst die Farbanalyse, dass nicht der 1957 verstorbene Meister Campendonk hier am Werk gewesen war, sondern der nicht minder begnadete, aber weiterhin fröhlich lebende Meister Beltracchi.

Der Reportagen-Fälscher Relotius flog derweil auf, weil einem Reporter-Kollegen bei einer gemeinsamen Arbeit (Titel der Reportage «Jägers Grenze») gröbere Ungereimtheiten auffielen: Das Foto des Mitglieds einer bewaffneten Bürgerwehr in Arizona (USA), die Relotius exklusiv durch die Nacht der Grenze zu Mexiko entlang begleitet haben wollte, kam dem Kollegen bekannt vor. Schnell fand er heraus, dass nicht nur der Name des US-Bürgerwehrlers nicht stimmte, sondern über diesen schon mehrere Berichte und sogar ein Dokumentarfilm gemacht worden waren.

Unfähige Vorgesetzte gegen seriösen Whistleblower

Der aufmerksame Kollege heisst Juan Moreno. Und seine Geschichte, die er nun im erwähnten Buch mit dem Untertitel «Das System Relotius und der deutsche Journalismus» erzählt,

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