Tagesdosis 16.4.2019 – Lasst hundert Wikileaks blühen! | KenFM.de

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16-04-19 01:50:00,

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Wenn unliebsame Journalisten einfach zu “feindlichen Geheimdiensten” umdefiniert werden können, ist die Pressefreiheit weltweit tot.

Ein Kommentar von Mathias Bröckers.

„Was machen eigentlich “New York Times”, “Guardian” und “Spiegel” ? Da wird ihr Informant Julian Assange in Haft genommen, da werden seiner Plattform Wikileaks die Server abgeklemmt und die Bank-und Kreditkartenkonten gesperrt – da wird also ein Medium, ein Organ der Presse, massiv und ohne rechtliche Grundlage seiner finanziellen und publizistischen Mittel beraubt, und die Großmedien, die eben noch mit Wikileaks-Informationen Auflage und Kasse gemacht haben, sagen dazu: Nichts !?

Wenn irgendwo auf der “Achse des Bösen” ein westlicher Journalist in die Bredouille gerät, lassen Editorials nicht lange auf sich warten, die “Pressefreiheit”, “Menschenrechte”, “Demokratie” mit scharfen Worten anmahnen; Chefredakteure lassen ihre Beziehungen zur Regierung spielen, Außenminister protestieren, Botschafter werden einbestellt, öffentlicher und politischer Druck wird aufgebaut. Was indessen Wikileaks betrifft, blasen die Herolde der Pressefreiheit derzeit nicht einmal ein laues Lüftchen – dass die NewYork Times-Besitzer persönlich protestiert hätten, dass der “Guardian” die britische Öffentlichkeit gegen die skandalöse Inhaftierung mobilisiert oder der “Spiegel” androht, seine Visa-und Mastercard-Konten zu kündigen, wenn diese Firmen Wikileaks weiterhin ausschließen… wenn dergleichen in den letzten Tagen geschehen wäre, hätte man davon gehört und gelesen. Es ist nicht geschehen und es ist zu vermuten, dass die vermeintlichen Flaggschiffe der ‘freien Presse’ auch künftig gegen die Unterdrückung von Wikileaks  nichts weiter einzuwenden haben; von “Quellen,- und Informantenschutz” – immer gern betont, wenn’s um die verfassungsmäßigen Rechte der Presse geht –  ist bei Julian Assange, der wichtigsten “Quelle” für NYT, Spiegel & Co. seit Jahren,  plötzlich keine Rede mehr und das Wort “Zensur” nehmen die Edelfedern unserer “Leitmedien” offenbar nur in den Mund,  wenn sie in China oder Iran stattfindet.

Dass der Presse diskrete Informationen zum Zwecke der Veröffentlichung zugespielt werden, ist nicht nur so selbstverständlich und so alt wie das gesamte Zeitungsgewerbe, in der heutigen Zeit gehört es sogar zu den Pflichten der Medien, als kontrollierende ‘vierte Säule’ der Verfassung, sich solche Informationen zu verschaffen. Nichts anderes hat Wikileaks in der Vergangenheit getan,

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Lasst sie nicht gewinnen!

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12-04-19 06:28:00,

von Whitney Webb

Heute Vormittag (der Artikel stammt vom 11. April; Anmerkung der Übersetzerin) hat der in London ansässige Zweig des Imperiums seine Drohung wahr gemacht und hat ganz unverschämt damit begonnen, die letzten Überreste von Demokratie und Pressefreiheit abzubauen, die noch verbleiben, Überreste, die es den Menschen in der gesamten westlichen Welt erlauben, so zu tun, als ob ihre Regierung und die Politiker noch ihre Rechte und das Gesetz respektierten.

Julian Assange, der Mann, der dazu beigetragen hat, eine Litanei an Verbrechen und die rotzfreche Korruption der mächtigsten Menschen und Regierungen der Welt aufzudecken, wurde aus der Botschaft des Landes gezerrt, dessen Staatsbürgerschaft er hatte und von dem er sogar Asyl erhalten hatte. Der gefährliche Präzedenzfall, den Assanges Verhaftung darstellt – nicht nur für den Journalismus, sondern auch für die nationale Souveränität und das Völkerrecht – ist erschütternd.

Jetzt, wo Assange sich in britischer Haft befindet, wird sein Schicksal unser eigenes widerspiegeln, da Assanges Schicksal und das von Journalisten auf der ganzen Welt sowie der Öffentlichkeit selbst zunehmend miteinander verflochten sind. Schließlich haben es diejenigen, die hinter Assange her sind und ihn seiner Freiheit berauben wollen — das US-Imperium, der „tiefe Staat”, die Schattenregierung, die globale Elite und so weiter – auch auf unsere Freiheit abgesehen.

Wenn wir schweigen, während sie diesen Mann gefangen nehmen, ausliefern, foltern oder sogar töten, können wir ein ähnliches Schicksal erwarten. Nicht morgen, nicht nächste Woche. Es könnte Jahre dauern. Aber verlassen Sie sich drauf: Das weltumspannende Imperium, dessen Kern die US-Regierung ist, wird jetzt dazu ermächtigt sein, jeden anzuklagen und einzusperren, den es als Bedrohung für sein Schalten und Walten ansieht.

Bei diesen Operationen, einschließlich derer, an deren Enthüllung Assange mitgewirkt hat, handelt es sich häufig um Massenmorde an unschuldigen Zivilisten — darunter unzählige Kinder —, die sterben mussten, damit man die Ressourcen anderer souveräner Nationen plündern konnte. Dazu zählt oft auch die Errichtung von Marionettenregierungen, entweder durch verdeckte Methoden – zum Beispiel durch Einmischung in die Wahlen — oder offene Maßnahmen wie Regime-Change-Kriege.

Diejenigen, die für die ungeheuerlichsten Verstöße gegen das Völkerrecht, für Kriegsverbrechen und für das Dahinschlachten unschuldiger Menschen verantwortlich sind, werden nicht eingesperrt, herabgewürdigt oder gefoltert. Sie werden belohnt und gefördert. Wie wir heute — und in den letzten Wochen,

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Lasst uns endlich massenhaft #aufstehen!

Lasst uns endlich massenhaft #aufstehen!

09-09-18 07:31:00,

Vorweg: ich, der Autor dieses Artikels, gehöre neben Nina Hagen, Julia Neigel, Eugen Drewermann, Albrecht Müller, Antje Vollmer und vielen anderen zu den Erstaufrufern von #aufstehen. Nehmen Sie, liebe Leserin und lieber Leser, diese Verortung bitte zur Kenntnis. Denn ich gedenke nicht, sie im Folgenden hinter einer Wolke angeblicher Neutralität verschwinden zu lassen.

Erwarten Sie, liebe Unterstützerin, lieber Unterstützer von #aufstehen, deshalb aber auch keinen kritiklosen Jubelartikel. Denn es gibt an einem alles in allem gelungenen Start dieser Sammlungsbewegung durchaus auch Kritisches anzumerken. Das werde ich in der gebotenen Deutlichkeit tun.

aufstehen hätte gar nichts davon, wenn sich die Unterstützung der Sammlungsbewegung in Kritiklosigkeit und Jubelpersertum zu beweisen hätte. Diese Art von Kadavergehorsam hat schon ganze Weltreiche ins Abgrund gestürzt. Da wird sie einer jungen, noch kleinen Bewegung kaum gut tun.

Und wie sollten sich Menschen, die von unterschiedlichen oder auch: von keinen politischen Traditionen geprägt worden sind, sammeln und zusammenfinden zu einer Bewegung, wenn es keine Möglichkeit gäbe, diese Unterschiedlichkeit einzubringen und eben auch auszutragen?

Das allerdings ist eine wahre Pest in unserer Zeit: die grassierende Unfähigkeit, Konflikte zivilisiert, lösungsorientiert und mit der nötigen Relaxtheit auszutragen.

Wir sind alle miteinander Meinungstotalitaristen geworden. Jahrzehntelange Freundschaften werden aufgekündigt, Menschen erklären sich zu Feinden – weil man sich über sicherlich relevante Teilaspekte der aktuellen Politik uneins ist. Die Kommentarfunktion auf Facebook ist das Paradebeispiel für diese kollektive, kommunikative Erkrankung.

Es wird Zeit, den Kopf aus diesem Treibsand zu ziehen und sich einmal umzuschauen, abseits der medial vermittelten Scheinrealität. Dann erkennen und verraten wir uns vielleicht gegenseitig ein großes Geheimnis.

Dieses Geheimnis ist, dass wir uns in Wahrheit einig sind.

Etwa nicht? Es gibt geschätzt 2.973 konkrete Maßnahmen, die jeder Mensch mit einem funktionierenden Gehirn und zwei Augen im Kopf selbstverständlich unterstützt.

Oder kennen Sie irgendeinen Menschen in Ihrem persönlichen Umfeld, der den allgemeinen Plastikwahnsinn befürwortet? Ist Ihnen jemand untergekommen, der fordert, wir sollten dringend noch mehr Plastikmüll produzieren?

In 12 afrikanischen Ländern wurden Plastiktüten bereits verboten. Warum nicht hier? Weil das „der Markt von selber regelt“, wie uns die Neoliberalen seit vier Jahrzehnten ins Ohr säuseln? Der Markt regelt offensichtlich gar nichts, zumindest nicht im Sinne der Allgemeinheit. Also muss das geregelt und durchgesetzt werden –

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