Dem Leben vertrauen

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10-07-19 09:12:00,

Wir leben in einer wilden Zeit. Alte Machtstrukturen brechen ein, die Arten sterben, das Wasser steigt und die Pole sind dabei, sich umzudrehen. Bald wissen wir buchstäblich nicht mehr, wo oben und wo unten ist. Es braucht Mut, sich in einer Zeit, in der wir individuell und kollektiv die Orientierung verloren haben, zurechtzufinden und die Hoffnung nicht zu verlieren.

Ich gehöre zu den optimistischen Naturen und gelte gemeinhin als eine Art unverwüstliches Stehaufmännchen: Meine Jugendliebe heiratet meine Freundin, ich ziehe mit einem mittellosen Opernsänger nach Frankreich. Als dieser sich wiederum in die Freundin verliebt — nicht in die gleiche —, ziehe ich nach Hamburg zurück, unterschreibe den vor mir liegenden Vertrag zur Verbeamtung nicht und fange noch einmal allein in Südfrankreich an. Ganz von vorn. Ohne Geld. Ohne Job. Mit Vertrauen in meine Entscheidung.

Ein paar Tage vor meiner zweiten Hochzeit bekomme ich die Diagnose Brustkrebs. Ich überwinde die Krankheit. Allein dafür werde ich oft als mutig und stark angesehen. Doch es ist nicht mein Verdienst, ein optimistisches Naturell zu haben und die Dinge tendenziell positiv zu sehen. Ich habe es mir nicht erkämpft, gesund zu werden. Im Gegenteil. Es war keine Anstrengung, kein Zähnezusammenbeißen, kein Kopf-Hoch-Du-Schaffst-Das-Schon.

Ich fand den Zugang zu meiner Heilung nicht in Strenge und Härte, sondern in Weichheit, Nachgiebigkeit und Hingabe. Der Mut, den ich heute brauche, meine Angst zu überwinden, kommt nicht in heldenhaftem Gewand daher, sondern als zarte, kaum hörbare Stimme. Hab Vertrauen, flüsterte sie. Hör auf, Widerstand zu leisten und nimm das, was da ist, so wie es ist.

Da ist eine Krankheit, eine verlorene Liebe, eine tiefe Verletzung. Da ist Arbeitslosigkeit, Verlust, Mangel, Konflikt, Zerstörung. Da ist Angst, Trauer, Wut. Sie sind da. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen und sie ungeschehen machen. Doch ich kann aufhören, gegen sie anzukämpfen und ihnen damit die Möglichkeit geben, sich aus sich selbst heraus zu verwandeln.

Nicht ich bin es, die die Dinge verändert. Wer bin ich zu glauben, das Geschehen in der Welt auch nur um einen Millimeter verschieben zu können? Wir gehen ja gerade daran zugrunde, dass wir glauben, die Dinge kontrollieren zu können.

Wir können uns einbilden, Macht zu haben. Doch eine einzige Böe, eine Welle, ein Beben genügen, in Sekundenschnelle die Anstrengungen von Generationen zunichte zu machen.

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Das ist der Bericht von Dr. Abed Shokry aus Gaza. Ein Zeichen der Depression. Nicht verwunderlich. Die Menschen, die dort leben, sollen nicht leben können. Sie sollen weg.

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10-07-19 08:08:00,

Eine Freundin der NachDenkSeiten, Marlene Stripecke, schickt immer wieder Nachrichten über den deprimierenden Zustand in Gaza. Jetzt macht sie auf eine Veranstaltung mit Dr. Abed Shokry in Bonn aufmerksam und schickt gleichzeitig einen Bericht des Referenten über den Zustand in Gaza. Zuerst finden Sie die Mail mit der Einladung zur Veranstaltung. Das ist nur relevant für die in der Umgebung lebenden Leserinnen und Leser. Für alle interessant ist der zweite Teil, der Bericht des Referenten.
Albrecht Müller.

Teil I:

Liebe Leut,

Dr. Abed Shokry stammt aus Gaza, lebt in Gaza mit seiner Familie und hat die tagelangen Horrorangriffe aus Israel 2014 mitgemacht. Er studierte und promovierte in Deutschland, spricht daher gut Deutsch und kann auf alle Fragen zum Alltag dort, den Völkerrechtsverletzungen, zu Politik, Isolation, Umwelt und Verschmutzung, zu den kollektiven Traumata der Gesellschaft in Gaza sicher eindringliche Antworten geben. Seine Rundreise in Deutschland dient unserer Aufklärung über die entsetzlichen Zustände dort.

Denn die Medien schweigen – Ist Gaza vergessen?

Seine Rundbriefe kann man hier lesen.

Die Veranstaltung findet statt:

Wann? Am Freitag, den 19. Juli 2019, um 18:00 Uhr
Wo? Im Gemeindesaal der Ev. Trinitatiskirche

Bonn-Endenich, Brahmsstraße 14

Busse 606, 607 vom Hbf Bonn, Haltestelle Brahmsstraße

 
Eintritt frei, Spenden für Unkosten erbeten
Veranstalter: FrauenWegeNahost

Arbeitskreis Frieden von Aufstehen Bonn

Mit Unterstützung von: Institut für Palästinakunde Bonn, Palästinensische Gemeinde Bonn, DPG-NRW-Süd, Deutsch-Palästinensischer Frauenverein

Teil II:

Das ist der Bericht von Dr. Abed Shokry aus Gaza.

(Er ist vom Mai, aber immer noch aktuell.)

Gaza am 05/05/2019

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und liebe Freunde,

heute, am Sonntagnachmittag, wurde der Gazastreifen zur gleichen Zeit aus der Luft, aus dem Meer und ebenso mit Panzergranaten angegriffen. Und so fallen diesen Angriffen unweigerlich Opfer zu. Fast alle sind Zivilisten. Wie es weitergehen wird, das weiß hier und nebenan niemand. Eben höre ich, dass israelische Kampfflugzeuge überall im Gazastreifen viele Wohnhäuser bombardieren, bei einigen dieser Häuser wurden die Bewohner nicht vorgewarnt und so steigt die Anzahl der getöteten Zivilisten an. Eine ganze Familie wurde so ermordet,

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Ein Ort zum Leben

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27-06-19 10:49:00,

Morgens 7.30 Uhr: Lisa öffnet die Türen. Draußen stehen Paul und Tom.

Lisa begrüßt die beiden mit einem herzlichen Lächeln. Paul fragt Lisa ganz aufgeregt, ob er heute Morgen schon mit Tom in den Projektraum kann. Gestern hatten sie begonnen, die abgegebenen kaputten Elektronikgeräte im Repaircafé auseinanderzubauen. Ihm ist heute Nacht eingefallen, wo der Fehler bei einem Gerät liegen könnte und Tom hat eine Idee, was für ein Ersatzteil benötigt werden könnte. Das wollen sie gemeinsam im nahe gelegenen Elektroladen besorgen, falls ihre Annahme stimmt.

Lisa nickt selbstverständlich und schließt die Räume auf.

Lisa ist Lehrerin. Heute nennt sie sich Lernbegleiterin …

Sie steht vor einer bunten Tür, an der steht „Nur ein Genie beherrscht das Chaos“. Nachdem sie die Tür einen Spalt öffnet, riecht es schon nach Kreativität — nach Farben, Hölzern und Kleber — der Duft der Phantasie. An den Wänden hängen Bilder, an den Fenstern sitzen kleine Igel in der hohen Blumenwiese — bunte Blumen aller Art.

Auf dem Tisch prangt ein riesengroßes hölzernes Etwas. Lisa schaut es sich genauer an. Marie kommt rein, flitzt zu Lisa und drückt sie ganz fest. „Lisaaa, das wird unser neues Puppenhaus. Meine Freundinnen und ich haben uns das schon immer gewünscht und deswegen haben wir uns mit Hendrik einen Bauplan gemacht. Vorgestern haben wir begonnen, schau mal, sooo soll es werden — sogar mit Balkon und richtiger Treppe.“

8.00 Uhr: Lisa geht in den Eingangsbereich. Vor der Angebotstafel stehen bereits Hendrik und Maike — auch sie sind Lernbegleiter. Die drei begrüßen sich herzlich und schauen gemeinsam, welche Angebote dort für heute stehen — die Angebote werden immer gemeinschaftlich mit den jungen Menschen erarbeitet.

Lisa und Maike wollen in der Buchstabenwerkstatt mit den Kindern Satzbauarten hüpfen. Maike geht in den dafür vorgesehenen Raum und bereitet alles vor. Sie sucht dafür verschiedene Formen für die Wortarten heraus.

Hendrik ist — wie fast jeden Tag — in der Werkstatt, denn dort verbindet er Mathematik mit gelebter Praxis. Er baut, bastelt und schreibt Pläne gemeinsam mit den Kindern. Sie berechnen, wie viel und welches Material sie für den geplanten Kompostbehälter und den Hühnerstall im „grünen Klassenzimmer“ brauchen — nebenbei unterstützt er Marie und ihre Freundinnen beim Bau des Puppenhauses.

Lisa sitzt mit der Anwesenheitsliste im Eingangsbereich.

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Die Sehnsucht nach Leben

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23-05-19 06:37:00,

Das, liebe Leserinnen und Leser, sind nur einige wenige Sekunden aus dem Leben eines Kindes, das über eineinhalb Jahrzehnte kaum etwas anderes als Vernachlässigung, seelische Grausamkeit und emotionale Gewalt erlebte, niemals sicher, wirklich gebunden oder in seinem So-Sein bestätigt worden ist.

Großgezogen von einer Mutter, die jederzeit und von einer Sekunde zur anderen zu einem Monster werden konnte, das vor Hass überlief, ihn bedrohte, ihn vernichten wollte und ihm in diesen Momenten jede Lebensberechtigung absprach.

Egal, was er tat: Erreichen konnte er sie nie. Egal, wie sehr er sich auch bemühte und um ihre Liebe rang: niemals wurde es sicher. Das Leben bestand aus einer endlosen Wiederholung der bedrohlichen Gewissheit: „Der Mensch, den ich liebe und den ich so dringend brauche, tötet mich jetzt. Tötet mich, wenn ich auch nur andeutungsweise meiner Bedürftigkeit, Haltlosigkeit, Sehnsucht oder Not Ausdruck verleihe. Ich darf nicht sein, was ich bin“.

„Der Schlimmste waren nicht die Vernachlässigung, der emotionale Missbrauch und die alltägliche Grausamkeit“, sollte er später sagen. „Das Schlimmste war, dass sie mich nie geliebt haben.“

Der Junge sollte ein brüchiges, aber sehr intensives und bewegtes Leben führen. Immer wieder zurückgeworfen von schweren Schicksalsschlägen sowie beständig wiederkehrenden und immer schwerer werdenden Depressionen.

Der Junge sollte auf der Suche nach sich selbst und den verlorenen Teilen seiner Seele Antworten bei Rainer-Maria Rilke, Erich Fromm, Arno Gruen und Erich Fried finden. Und er würde es mit Marianne Williamson halten, die einmal sinngemäß schrieb:

„Eine Wahl haben wir immer in unserem Leben: Zumindest anderen das zu geben, was wir selbst niemals hatten — und hierdurch unser Schicksal und Leiden zu transzendieren.“

Der Junge engagierte sich politisch, schrieb Gedichte, Artikel und Bücher und hatte, obwohl Arbeiterkind und „bildungsfern“, zunehmend Erfolg. Dennoch fiel ihm das Leben immer schwerer und schwerer, und war von Jahr zu Jahr immer weniger bewältigbar.

Und eines Tages, da war er Ende Dreißig, stellte er fest, dass er seit vielen Jahren nicht mehr hatte Lachen oder Weinen können, ihn nichts mehr wirklich berührte. Was er auch tat, kein wirkliches Gefühl erreichte mehr sein Herz. Er war „innerlich gestorben“ und hatte es gar nicht bemerkt.

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Das gläserne Leben

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23-04-19 12:10:00,

Mein bürgerliches Leben als Arbeitnehmer verbringe ich in der Verwaltung eines Krankenhauses. Datenschutz ist ja von jeher ein großes Thema im Gesundheitswesen. Die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) hat aber freilich auch dort für mehr Papieraufwand gesorgt. Das Arztgeheimnis ist empfindlich, geraten Daten in falsche Hände, kann das unangenehm bis teuer werden. Um sich abzusichern, holt jeder vorab allerlei Unterschriften zur Erlaubnis der Datenübermittlung ein. Ob nun Arztbericht oder Reha-Antrag: Die Daten eines Patienten gehören zunächst ihm. Falls er sie zur Behandlung abtreten muss, heißt das für ihn: Unterschreiben, unterschreiben und — ja genau — unterschreiben.

Natürlich gab es vorher schon Entbindungen vom Datengeheimnis. Aber seitdem im Mai 2018 die Datenschutzgrundverordnung den totalen Datenschutz deklarierte, nicken viele von denen, die in mein Büro kommen, ziemlich verschwörerisch, wenn wir in medias res gehen. So als wüssten sie darüber Bescheid, dass wir uns nun im Datenschutzzeitalter befinden. Seit die DSGVO aktiviert ist, muss ich ihnen nur sagen, dass da unten noch ein Passus mit einer Datenschutzerklärung ist, schon kritzeln sie ihren Otto drunter. Rückfragen? Durchlesen? Das kommt selten vor. Noch weitaus seltener als vorher, als die Grundverordnung noch ein Papiertiger aus Brüssel war.

Einige von denen, die ich um eine Unterschrift zu bitten habe, motzen natürlich rum, „Datenschutzunsinn“ nennen sie es und unterschreiben synchron dazu. Für sie bin ich der Mann, der sich diese protektionistischen Sperenzchen ausgedacht hat. Dennoch nimmt jeder es hin, hat resigniert, will gar nicht mehr wissen, was es mit dem Zauber auf sich hat. Beim Wort „Datenschutz“ zücken alle den Stift, sind bereit ihren Teil zu leisten.

Quatsch ist der Datenschutz aber nun wahrlich nicht. Trotz aller Verstimmungen. Er ist nur schrecklich anachronistisch. Die Ära der Intimsphäre scheint längst vorbei zu sein. Der moderne Zeitgenosse versteht sein Leben als Konzept der Zurschaustellung seiner Angelegenheiten.

Rückzug ins Private, ein besonderer Schutz seiner Intimsphäre scheint dafür gar nicht mehr vorgesehen zu sein. Viele zelebrieren die Show des Lebens in Netzwerken ebenso wie im öffentlichen Raum.

Neulich in einer gut gefüllten S-Bahn telefonierte ein Mann in den Dreißigern laut und deutlich mit einem Arzt oder einem Krankenhaus. Jedenfalls ließ das Gesagte die Deutung zu, dass er mit einer medizinischen Einrichtung sprach. „Mein Name ist Müller“, stellte er sich vor. Wobei ich anmerke, dass er anders hieß, aber weil ich Wert auf Datenschutz lege,

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Mut zum Leben

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20-04-19 05:49:00,

„Mach ich was falsch?“, fragt Woody Allen, im Bett an Diane Keaton herumknabbernd. „Du wirkst irgendwie distanziert“. „Alles okay“, versichert die Frau. In diesem Moment löst sich ein geisterhaft-durchsichtiger „Doppelgänger“ Dianes von ihrem Körper ab, setzt sich neben das Bett und sieht sich selbst beim Sex zu. Ein genialer Regiekniff Allens aus seinem Klassiker „Der Stadtneurotiker“. Natürlich handelt es sich dabei um (Selbst-)Kritik am Intellektuellen-Milieu. Zu viel Reflexion schadet eben der Lust am Sex. Was es bräuchte — was überhaupt die Grundlage jeder Erfüllung wäre —, ist Hingabe.

Hingabe bedeutet vor allem Gegenwärtigkeit und den Verzicht auf Kontrolle. Dies ist mit Ängsten verbunden, die man nicht leicht allein durch die Kraft des Willens auflösen kann. Denn Willensanstrengung bedeutet ja wieder Kontrolle der Situation, also Nicht-Hingabe. Konstantin Wecker schrieb im Text eines schönen Liebeslieds:

„Komm mein Lieb, wir lassen uns den Fluss hinunter treiben. Lass uns schrecklich unvernünftig sein! Und anstatt uns an den Ängsten endlich aufzureiben, dringen wir unendlich in uns ein.“

Sexualität ist ein Bereich, in dem die Notwendigkeit von Hingabe wohl von den meisten akzeptiert wird — auch wenn sie nicht immer leicht „in die Tat“ umzusetzen ist. Weniger leicht wird dies in anderen Lebensbereichen eingestanden. Speziell in der spirituellen Szene, sonst auch für ihr „Ego-Bashing“ bekannt, ist es mit der Hingabe oft nicht weit her. Da bläht sich das Ego häufig sogar bis in gottähnliche Dimensionen hinein auf.

So schreibt Erhard F. Freitag, Vertreter des „Positiven Denkens“, kurzerhand: „Es gibt kein Problem, keine Krankheit auf dieser Erde, deren Ursache wir nicht in uns selbst erfahren könnten“. So bedeutet plattes Positives Denken auch die Übertragung des im Kapitalismus vorherrschenden Menschenbilds des „Homo Faber“, des alles kontrollierenden Machers, auf das Gebiet der Religion. Unnötig hinzuzufügen, wer demgemäß an den sozialen Härten in unserer Gesellschaft schuld ist: auch „wir selbst“, also jeder Einzelne.

Eindeutig haben wir es beim Positiven Denken mit einer willenszentrierten Machbarkeits-, nicht mit einer Hingabereligion zu tun. Könnte es damit zusammenhängen, dass Begeisterung, emotionale Wärme — geschweige denn Ekstase — bei dieser Form der Spiritualität nicht so recht aufkommen wollen?

Handelt es sich bei kontrollsüchtiger heroischer Spiritualität etwa um eine spirituelle Orgasmusstörung?

Ein Bild für Hingabe im christlichen Kulturkreis ist vor allem die Geschichte von Marias Empfängnis.

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Aus Liebe zum Leben

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18-04-19 10:48:00,

„Es gibt nur einen Zeitpunkt, an dem es wichtig ist zu erwachen. Dieser Zeitpunkt ist jetzt“ — Buddha.

Bruno hat mir Mut gemacht, ich werde ihn nie vergessen. Seit 19 Jahren gibt es von ihm kein Lebenszeichen mehr. Damals wollte er sich auf der Insel Borneo im malaysischen Gliedstaat Sarawak durch den Dschungel zu seinen Freunden durchschlagen, den letzten Penan-Waldnomaden. In Malaysia galt er als Staatsfeind, weil er die Eingeborenen im Kampf gegen die Abholzung des Regenwaldes unterstützte.

Im Orwellschen Jahr 1984 reiste der Schweizer Umweltaktivist Bruno Manser erstmals nach Sarawak und wurde von den Penan als einer der ihren aufgenommen. Er passte sich ihrer Lebensweise an, sprach ihre Sprache, ging mit dem Blasrohr auf die Jagd, ernährte sich von Sago und Affenfleisch. Doch die Ureinwohner waren besorgt: Internationale Holzfirmen walzten mit Bulldozern und Motorsägen den Wald nieder, um den Hunger der Industrieländer nach edlen Tropenhölzern zu stillen. Bruno organisierte den Widerstand.

1988 setzten die Holzfirmen ein Kopfgeld auf ihn aus. Unter abenteuerlichen Umständen gelang es ihm, in die Schweiz zurückzukehren, wo er die Öffentlichkeit auf die Situation der Penan aufmerksam machte. Er setzte sich ein für ein Tropenholz-Importverbot und eine klare Deklaration der Hölzer in den Geschäften.

1993 erschien mein Buch „Ego und Gomorrha — Texte wider die Suizidgesellschaft“. Bruno teilte meine Analyse der weltweiten Umweltzerstörung, die durch eine neoliberale Wirtschaft vollstreckt und durch opportunistische Politiker begünstigt wird. Wir haben der Natur den Krieg erklärt und damit den Samen gesät für den künftigen Krieg zwischen den Menschen. An der Öko-Front stehen sich Umweltschützer und -zerstörer gegenüber: Hin und wieder fallen Schüsse, vereinzelt explodieren Bomben, ein paar Schiffe werden ausgeschaltet, ein paar Anschläge verübt und hin und wieder muss ein Mensch dran glauben.

Ich befürchte eine verhängnisvolle Eskalation: Zunahme der Weltbevölkerung, Konzentration der Menschen in Großstädten, landwirtschaftliche und industrielle Überproduktion, Überfischung der Weltmeere, Vergiftung der Böden, Abholzung des Regenwaldes, Plünderung der Rohstoffe, Aufheizung des Klimas, Zerstörung des Lebensraumes. Diese Faktoren lösen eine ökologische Krise und soziale Unruhen aus. Die Unruhen führen zu politischen Krisen und diese zu einer Weltwirtschaftskrise. Die Situation verschärft sich. Militante Umweltschützer lehnen sich gegen jene auf, die die Natur zerstören.

Im ökologischen Weltbürgerkrieg bekämpfen sich Öko-Rebellen und umweltfaschistische Einzelne, Betriebe, Konzerne, Organisationen und Regierungen.

Das ist die historische Entwicklung: Aufklärung,

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Der Januar 2019 im Leben von Nova-Atlantis – Teil 4 | KenFM.de

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23-03-19 09:18:00,

Ein Land und seine Abenteuer, im Spiegel von Medienberichten.

von Jochen Mitschka.

Dieses Essay erzählt die Geschichte des Landes Nova-Atlantis im Januar 2019. Dies ist keine Satire. Es sind wahre Begebenheiten, echte Vorfälle, nur mit geänderten Namen. Versuchen Sie einfach, die Fakten auf sich wirken zu lassen, ohne erkennen zu wollen, welche Personen und Länder dahinterstecken. Die Idee ist, dass Sie das Essay lesen, ohne auf die Links zu klicken, um die wirklichen Namen zu erkennen. Diese Dinge passierten wirklich im Januar 2019, nicht vor hundert Jahren. Die Artikelserie basiert auf einem im NIBE-Verlag erschienenem Essay (1).

Der Weg von Nova-Atlantis zum Januar 2019

Die missionarische Kraft hinter der Bildung des Staates Nova-Atlantis in Aboringina basierte auf zwei Argumentationen: Die erste bestand in der Überzeugung der Nova-Atlantiker, zu kolonialisieren bzw. wieder in Besitz zu nehmen, was sie behaupteten, was das Land ihrer Vorfahren sei. Ein Anspruch, der auf mystischer Geschichte basierte.

Die zweite Rationale war die Suche nach Schutz vor Jahrzehnten der Diskriminierung europäischer Angehöriger ihrer Religion, die ihren Höhepunkt in dem entsetzlichen Mordprogrom (…) in den Jahren 1933 bis 1945 erreichte. Diese andauernde Diskriminierung war im Verlaufe (…) eines über 2.000 Jahre alten Imperiums entstanden, als Nova-Atlantiker beschuldigt wurden, alle möglichen Dinge verursacht zu haben, darunter die Tötung (…) eines Gottes. (2)

Verfolgung von Nova-Atlantikern

Europas Nova-Atlantikern war oft verboten, Landeigentum zu besitzen oder öffentliche Ämter zu bekleiden, und sie waren aus verschiedenen europäischen Ländern verbannt worden (3, 4). (…) Das Nova-Atlantis-Verbrechen, ein Versuch des Völkermords an europäischen Nova-Atlantikern, ist gut dokumentiert, trotz Krieg und Zerstörung von Unterlagen und menschlicher Überreste.(5) Es gibt keine Zweifel über dieses große Verbrechen, und es bestehen keine Zweifel, dass europäische Nova-Atlantiker in den 1940er Jahren auf der Flucht vor Verfolgung in Europa waren. Aber beides rechtfertigt nicht die Vertreibung und ethnische Säuberung (…) der Menschen von Aboringina.

Die Gründung von Nova-Atlantis

Entgegen dem verbreiteten Mythos erschufen nicht die Vereinten Nationen den Staat Nova-Atlantis. Ende der 1940er Jahre übergaben die Briten ihr Mandat des Völkerbundes über Aboringina an die neu gegründeten Vereinten Nationen. Die UNO gründete ein Komitee,

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Der Januar 2019 im Leben von Nova-Atlantis – Teil 3 | KenFM.de

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11-03-19 10:29:00,

Ein Land und seine Abenteuer, im Spiegel von Medienberichten.

Von Jochen Mitschka.

Dieses Essay erzählt die Geschichte des Landes Nova-Atlantis im Januar 2019. Dies ist keine Satire. Es sind wahre Begebenheiten, echte Vorfälle, nur mit geänderten Namen. Versuchen Sie einfach, die Fakten auf sich wirken zu lassen, ohne erkennen zu wollen, welche Personen und Länder dahinterstecken. Die Idee ist, dass Sie das Essay lesen, ohne auf die Links zu klicken, um die wirklichen Namen zu erkennen. Diese Dinge passierten wirklich im Januar 2019, nicht vor hundert Jahren. Die Artikelserie basiert auf einem im NIBE-Verlag erschienenem Essay. (1)

Es sind Fakten, sicher, sie sind zum Teil einseitig dargestellt, ohne ausgewogene Bewertung von beiden Seiten. Aber es bleiben Fakten. Und wenn Sie Ähnlichkeiten zum Verhalten von Kolonialländern vergangener Jahrhunderte finden, sollte mich das nicht verwundern. Im ersten und zweiten Teil der Artikelserie berichteten wir über Medienberichte bis zum 15. Januar. Hier geht es nun weiter.

Am 15. Januar wurde ein Video verbreitet, das zeigte, wie Besatzungstruppen von Nova-Atlantis einen Krankenwagen angriffen, der in die Nähe des Grenzzaunes kam, das den belagerten und blockierten Teil von Aboringina einfriedet. (2)

Am 19. Januar wurde das Video eines Geistlichen verbreitet, der dem Mainstream der Religions-Interpretation des Staates Nova-Atlantis nicht folgte und eine große Anhängerschaft, insbesondere außerhalb des Staates hat.

„Ein Land, das ohne Menschen ist, unbewohnt, selbst dort ist es unserer Religion verboten, dieses Land unserer eigenen Souveränität zu unterwerfen. Aber die staatliche Doktrin interessiert das nicht, denn sie ist nicht religiös. Zuerst wollten sie Patagonien zu ihrem Land machen, in Uganda, weil es praktisch war, sie wollten nicht gottgefällig sein. Dann wandten sie sich Aboringina zu. Warum Aboringina, weil sie wussten, dass die Welt sie unterstützen würde.

Sie sagen, die Bibel sagt, Gott gab den Vorfahren schon das Heilige Land. Sie wussten, dass die Welt nicht wusste, was die Bibel sagt. Nur die religiösen Menschen unserer Religion, die Gott fürchten und die Worte unseres heiligen Buches kennen, wissen, dass es uns verboten ist. Sie zählten auf das Fehlen des Wissens (…) und unglücklicherweise war die Mehrheit der Mitglieder unserer Religion nicht so religiös und sie sagten: Das ist,

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Der Januar 2019 im Leben von Nova-Atlantis – Teil 2 | KenFM.de

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07-03-19 08:02:00,

Ein Land und seine Abenteuer, im Spiegel von Medienberichten.

Von Jochen Mitschka

Dieses Essay erzählt die Geschichte des Landes Nova-Atlantis im Januar 2019. Dies ist keine Satire. Es sind wahre Begebenheiten, echte Vorfälle, nur mit geänderten Namen. Versuchen Sie einfach, die Fakten auf sich wirken zu lassen, ohne erkennen zu wollen, welche Personen und Länder dahinterstecken. Die Idee ist, dass Sie das Essay lesen, ohne auf die Links zu klicken, um die wirklichen Namen zu erkennen. Diese Dinge passierten wirklich im Januar 2019, nicht vor hundert Jahren. Die Artikelserie basiert auf einem im NIBE-Verlag erschienenem Essay (1).

Es sind Fakten, sicher, sie sind zum Teil einseitig dargestellt, ohne ausgewogene Bewertung von beiden Seiten. Aber es bleiben Fakten. Und wenn Sie Ähnlichkeiten zum Verhalten von Kolonialländern vergangener Jahrhunderte finden, sollte mich das nicht verwundern. Die Kolonialzeit wurde auch nicht beendet durch „ausgewogene“ Darstellung von beiden Seiten, sondern durch die Parteinahme für die Unterdrückten und Schwachen.

Lesen Sie sich einfach durch die Geschichte des Januars, und dann der Vorgeschichte, die zu diesem Januar führte, und machen Sie sich ihre Gedanken. Dann im Anschluss prüfen Sie die Links und ob die Tatsachen richtig geschildert wurden. Damit eröffnen Sie sich die Chance, einen Eindruck von den Fakten zu erhalten, ohne durch Vorurteile geblendet zu werden.

Am 11. Januar veröffentlichte ein internationales Medium Fotos der „Apartheid Straße“ innerhalb der von Nova-Atlantis kolonisierten Gebiete Aboringinas.

„Nova-Atlantis hat eine durch eine 26 Fuß [circa 8 Meter] hohe Wand getrennte Straße fertiggestellt, die auf einer Seite nur für die Siedler von Nova-Atlantis gebaut wurde, und welche die Siedlung GB mit der Autobahn (…) verbindet. (…) Den Menschen des kolonialisierten Landes Aboringina ist die Nutzung der 40 Kilometer langen Straße untersagt, und zusätzliche 20 Kilometer der Straße sind teilweise für Einheimische nicht erlaubt. Siedler können sich frei auf diesen Straßen bewegen (…). “ (2)

Die Zäune, Mauern und Absperrungen, welche die Siedler von Nova-Atlantis immer weiter ausbauten, um sich innerhalb der Kolonie sichere Straßen und Siedlungen bauen zu können, unterbrechen Schulwege, Nachbarschaften, Familien, Dörfer, trennen die Menschen von ihren Arbeitsplätzen. Und immer wieder beobachtet man verzweifelte Versuche,

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Der Januar 2019 im Leben von Nova-Atlantis – Teil 1 | KenFM.de

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05-03-19 12:24:00,

Ein Land und seine Abenteuer, im Spiegel von Medienberichten.

Von Jochen Mitschka

Dieses Essay erzählt die Geschichte des Landes Nova-Atlantis im Januar 2019. Dies ist keine Satire. Es sind wahre Begebenheiten, echte Vorfälle, nur mit geänderten Namen. Versuchen Sie einfach, die Fakten auf sich wirken zu lassen, ohne erkennen zu wollen, welche Personen und Länder dahinterstecken. Die Idee ist, dass Sie das Essay lesen, ohne auf die Links zu klicken, um die wirklichen Namen zu erkennen. Diese Dinge passierten wirklich im Januar 2019, nicht vor hundert Jahren. Die Artikelserie basiert auf einem im NIBE-Verlag erschienenem Essay (1).

Es sind Fakten, sicher, sie sind zum Teil einseitig dargestellt, ohne ausgewogene Bewertung von beiden Seiten. Aber es bleiben Fakten. Und wenn Sie Ähnlichkeiten zum Verhalten von Kolonialländern vergangener Jahrhunderte finden, sollte mich das nicht verwundern. Die Kolonialzeit wurde auch nicht beendet durch „ausgewogene“ Darstellung von beiden Seiten, sondern durch die Parteinahme für die Unterdrückten und Schwachen.

Lesen Sie sich einfach durch die Geschichte des Januars, und dann der Vorgeschichte, die zu diesem Januar führte, und machen Sie sich ihre Gedanken. Dann im Anschluss prüfen Sie die Links und ob die Tatsachen richtig geschildert wurden. Damit eröffnen Sie sich die Chance, einen Eindruck von den Fakten zu erhalten, ohne durch Vorurteile geblendet zu werden.

Und los geht es mit einer Nachricht am 1. Januar 2019:

Die kritische linke Zeitung Kritika von Nova-Atlantis veröffentlichte Anfang Januar einen Artikel, in dem erklärt wurde, dass eine Ausstellung über Zensur in dem Land zensiert wurde, und die Künstler daher ihre Kunstwerke wieder zurückzogen. „Die Kuratoren entfernten eine Arbeit über das Gedicht ‚Widerstehe, mein Volk‘ und stellten stattdessen den Zensurvorgang aus“ (2). Der Beschluss der Zensur war vom Kultusminister erteilt worden. Daraufhin zogen vier Künstler ihre Arbeit aus der Ausstellung zurück.

Wie schon länger angekündigt, zog sich Nova-Atlantis zum Anfang des Jahres aus der weltumspannenden Organisation zum Schutz von Kulturgütern zurück, mit der Begründung, dort unfair behandelt zu werden. Das von Nova-Atlantis besetzte und kolonialisierte Land Aboringina war von der Organisation als Mitgliedsstaat zugelassen worden, und die Kolonialisierung von der Organisation verurteilt worden (3).

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Auge um Auge – Geld oder Leben!

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27-02-19 09:49:00,

Werner Vontobel

Werner Vontobel / 27. Feb 2019 –

Die 4,3-Milliarden-Übernahme von Spark Therapeutics durch Roche sagt viel aus über das Geschäftsgebaren der Pharma-Industrie.

Geld oder Leben! Strassenräuberei war einst ein riskantes Geschäft mit tiefer Rendite. Der Kapitaleinsatz – eine Pistole und eine Gesichtsmaske – war zwar bescheiden, aber dasselbe galt für die mögliche Beute. Mehr als ein paar Hundert Franken lagen selten drin. Zudem waren Strassenräuber sozial geächtet und standen immer mit einem Bein im Knast.

Doch seit unser Leben von finanziell potenten Krankenkassen versichert wird, ist das alte Metier neu erfunden worden. Jetzt gibt die Pharma-Industrie den Tarif durch – und der hat es in sich. In den USA etwa ist neulich ein Medikament namens Luxturna auf den Markt gekommen. Die Gentherapie hilft gegen eine seltene, bisher unheilbare Form von genetisch bedingter Erblindung. Luxturna wird unter die Netzhaut der Augen injiziert und soll die Erblindung pro Anwendung um bis zu drei Jahre hinauszögern, vielleicht auch länger.

850’000 Dollar pro Patient und Anwendung

Eine Injektion von Luxturna wird auf den US-Markt für 425’000 Dollar verkauft. Macht 850’000 Dollar pro Patient und Anwendung. Luxturna ist kein Einzelfall: «Preise, die sich pro Jahr und Patient auf 100’000 Franken und mehr belaufen, sind bei neuen Krebsmedikamenten schon fast die Norm, sagt Martina Weiss, die beim Krankenversicherer Helsana für die Preisverhandlungen zuständig ist. Für ein Medikament gegen Leukämie von Kindern verlangt Novartis sogar 370’000 Franken. Begründung: Eine einmalige Anwendung soll genügen.

Die grosse Frage ist nun, ob diese Preise durch entsprechend hohe Kosten gerechtfertigt sind, oder ob die Pharma-Industrie einfach versucht, das Maximum aus den Finanztöpfen der Krankenversicherer herauszuholen. Das ist besonders bei seltenen Krankheiten verlockend. In Deutschland etwa gibt es gemäss der Deutschen Apothekerzeitung aktuell etwa 200 Patienten, denen Luxturna helfen könnte. 200 mal 850’000 gleich 170 Millionen Dollar alle drei Jahre. Das müsste doch zu verkraften sein.

Was die effektiven Kosten betrifft, will sich Big-Pharma nicht in die Karten schauen lassen. Man vertraut darauf, dass allein der Begriff «Gentherapie» nach hohen Kosten riecht. Der Kaufpreis von 4,3 Milliarden Dollar für Spark Therapeutics, den Hersteller von Luxturna, gibt nun aber doch einige Hinweise auf die effektiven Kosten. Spark wurde 2013 mit einem Kapital von 1,1 Milliarden Dollar gegründet und hat bisher knapp die Hälfte davon «verbrannt» bzw.

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Eine TV-Show um Leben und Tod, um die Langzeitfolgen und das Kurzzeitgedächtnis | KenFM.de

eine-tv-show-um-leben-und-tod-um-die-langzeitfolgen-und-das-kurzzeitgedachtnis-kenfm.de

29-01-19 12:24:00,

von Dirk C. Fleck.

In seinem aktuellen Risikobericht bezeichnet das Weltwirtschaftsforum den Klimawandel als die existenziellste Herausforderung der Menschheit. Der Ökozid, und damit der Zusammenbruch unseres gesamten Wirtschafts- und Wertesystems, wird immer wahrscheinlicher, da sich weder die Wirtschaft noch die an ihr gängelnd befindliche Politik dieser Herausforderung stellen. Vor diesem Hintergrund wären eigentlich die Medien gefordert – intensiver und radikaler, als sie und wir es bisher gewohnt sind.

Aber da sich die großen Medienhäuser im Besitz jener Eliten befinden, die gar kein Interesse an einer Änderung des Status quo haben, ist von ihrer Seite eine ehrliche Aufklärung nicht zu erwarten, welche zu den längst überfälligen Konsequenzen führen könnte.

Ich habe mir einmal überlegt, wie wohl ein aufklärerisches Fernsehformat aussehen könnte, das die Massen auch erreicht. In erster Linie muss es ins Entertainment-Muster passen, in dem heutzutage fast alles transportiert wird. Hier ist sie also: die GO!-Show (GO!, Abkürzung für Global Observer).

Die Go!-Show müsste vor allem in jenen Ländern installiert werden, deren Wirtschaftskraft es in wenigen Jahrzehnten verstanden hat, die unterschiedlichsten Kulturen auf diesem Planeten dem Gesetz ihrer Marktwirtschaft zu unterwerfen, um sie im „Global Village“ auf nie gekannte Weise zu „schleifen“. Die Sorge, dass ein ausschließlich auf Wachstum fixiertes Wirtschaftssystem über kurz oder lang den Nerv allen Lebens empfindlich treffen könnte, ist unter den Menschen nirgends so ausgeprägt wie in der sogenannten „ersten Welt“.

GO!: Die Message

GO! – Eine Show um Leben und Tod, um die Langzeitfolgen und das Kurzzeitgedächtnis. Eine Show, die auch für jene Generationen spricht, die sich in Zukunft auf verbrannter Erde einzurichten haben. Eine Abschiedsshow, ein Nachruf auf den funktionierenden Verbund des Lebens. Eine Verbeugung vor aller Kunst, die seit Menschengedenken herrlichste Narrenfreiheit besaß, solange die Luft rein war. Eine Hommage an Pflanzen und Tiere. Ein Blick zurück auf die kurzen Zeiten des Friedens, auf humanistische Ideale und auf alles, wozu Menschen sich hätten entwickeln sollen. Die GO!-Show – eine einzige drängende Frage, der kein Verantwortlicher entkommt. Eine große dokumentierte Ausrede. Ein vorgezogenes Tribunal. Archiv eines fehlgeleiteten Bewusstseins.

GO!: The Anchorman

Der Moderator: witzig, kompromisslos, radikal, frech. Er „nagelt“ seine zehn Thesen,

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Leben wir in einer Demokratie oder in einer Auto-kratie?

Leben wir in einer Demokratie oder in einer Auto-kratie?

28-10-18 01:19:00,

Bild: Greg Gjerdingen/CC BY-2.0

Wenn deutsche Autofirmen gegenüber China, Japan, Korea oder auch gegenüber Tesla das E-Auto verschlafen, sind natürlich wieder die Anderen Schuld oder die fehlenden Ladesäulen. Ein Kommentar

Die deutsche Automobilindustrie ist wirklich sehr deutsch: Sie arbeitet seit Jahrzehnten nach dem Motto “Hauptsache dagegen”.

Als in den 70er Jahren der Anschnallgurt vorgeschrieben werden sollte, war der damalige VW-Chef Lotz mit dem abenteuerlichen Argument dagegen: “Sicherheit verkauft sich nicht.” Mit Gurt fahre kein Mensch mehr Auto. Es war die Zeit als auf Deutschlands Straßen bis zu sechsmal mehr Menschen starben als heute. 1976 kam die Gurtpflicht und es wurden danach mehr Autos gekauft als zuvor.

Als Mitte der Achtziger Jahre der Drei-Wege-Katalysator vorgeschrieben wurde, waren die deutschen Autobauer wieder dagegen: Der Katalysator werde die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobile vernichten, tönte es aus den Chefetagen von Daimler und Co. 1989 wurde der Katalysator schließlich vorgeschrieben und es wurden mehr deutsche Autos exportiert als zuvor.

Und heute wird von den deutschen Autobauern ebenso heftig gegen bessere Umweltstandards beim Diesel und auch gegen die rasche Produktion von E-Autos polemisiert. VW-Chef Diess hat soeben von einem “Feldzug gegen die individuelle Mobilität und damit gegen das Auto” gejammert und zugleich von einer “beinahe hysterischen Stickoxid-Diskussion” gesprochen. Dass es dabei um tausende Menschenleben geht, scheint ihm schnuppe zu sein. Stattdessen drohte er wieder einmal mit dem “Verlust von 100.000 Arbeitsplätzen”. Dabei tut er so als hätten beim Dieselskandal nicht die Autobauer getrickst, sondern die Käufer oder die Umweltverbände. Wiederum gilt: Hauptsache dagegen!

Wer gefährdet wirklich die Jobs in der deutschen Automobilwirtschaft?

Wenn deutsche Autofirmen gegenüber China, Japan, Korea oder auch gegenüber Tesla das E-Auto verschlafen, sind natürlich wieder die Anderen Schuld oder die fehlenden Ladesäulen. Jetzt hat auch das Kraftfahrtbundesamt Strafanzeige gegen Opel gestellt – wegen krimineller Machenschaften. Ex-Audi-Chef Stadler sitzt bereits im Gefängnis und Ex-VW-Chef Winterkorn droht Gefängnis in den USA.

Wer also gefährdet wirklich die Jobs in der deutschen Automobilwirtschaft? Doch eher die Autobosse selbst als strengere Umweltauflagen. In den USA musste VW bereits viele Milliarden Dollar Strafe bezahlen. Auch dafür ist nicht die Umwelt verantwortlich, sondern kriminelle deutsche Automanager.

Leben wir in einer Demokratie oder in einer Auto-kratie?

Es ist auch nicht die böse Politik,

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Ja zum Leben!

Ja zum Leben!

17-10-18 12:11:00,

Das chinesische Wort „Krise“ setzt sich aus den beiden Begriffen „Gefahr“ und „Gelegenheit“ zusammen. Das Leben in dieser Welt fragt uns nach dem Sinn unseres Seins. Wenn es ihn gibt, dann besteht er darin, Weiterleben möglich zu machen, möglich zu halten. Das geht nur in Kooperation, in Solidarität. Die Basis dafür besteht darin, dass mensch gerne lebt. Dadurch entsteht das Motiv, achtsam mit dem Lebensraum umzugehen. Der Mensch lebt nicht gerne alleine.

Die Bewegungen, die sich in unseren Tagen für die Umwelt, die Demokratie, den Frieden und gegen die soziale Ungerechtigkeit einsetzen, können das Glücksgefühl des eigenen Sinns nähren. Sie sind ein erfreuliches Zeichen der Hoffnung. Bewegungen, die am Hambacher Wald, in München, im Ruhrgebiet, auch beim Solidaritätskonzert in Chemnitz und bundesweit vielen Städten teils zehntausendfach für ein friedliches, soziales und Umwelt-Zukunfts-verträgliches Leben aktiv sind, bringen ein wichtiges Gegengewicht gegen den Militarismus, den Ultranationalismus und den Rassismus ein. Sie stehen gegen die Auswüchse des neoliberalen Kapitalismus. Und dies tun sie in einer Zeit, in der das kapitalistische System die Menschheit mit wachsendem Tempo an den Abgrund katapultiert.

Der neue zehntausendfache Aufschwung der Bewegungen kann ein Schritt in die Richtung eines Notausgangs für die Menschheit sein, um den Zukunftsgefährdungen vielleicht doch noch zu entgehen. Allerdings sind noch viel deutlichere und auch beharrlichere Schritte in diese Richtung notwendig. Rückschläge, die den Weg zum Erfolg immer auch mit begleiten, dürfen den Mut der Engagierten und ihrer WeggefährtInnen nicht lähmen. Sie können auch ermutigen, die Anstrengungen weiter zu verstärken. Das ist die Kraft des Trotzdem-Lebens.

Das Kernproblem besteht aus einem Problemmix: Die politische Demokratie kann die im Kapitalismus unlösbaren Widersprüche zwischen der Entkoppelung von menschlicher Arbeit einerseits und der Wertschöpfung in der Ökonomie andererseits nicht lösen, da der betriebswirtschaftliche Vorteil der mannarmen Produktion die Grundlage aller Entscheidungen ist.

Zugleich erwartet die Bevölkerung von der Politik aber genau diese Lösung in der Zeit der Digitalisierung. Solange die Lösung dann im Regierungswechsel gesucht wird, droht die Dynamik der gesellschaftlichen Verhältnisse und ihrer Entwicklung immer unsicherer und chaotischer zu werden. Das ist nicht nur eine notwendige Gelegenheit für die Kräfte, die an die Wurzel der Probleme gehen wollen — das bedeutet „radikal“ sein —, also für die Bewegung gegen das System der Konkurrenz bei der Jagd nach Profit zugunsten der immer weniger werdenden, immer reicheren Kapitalbesitzer.

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“Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung”

“Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung”

02-10-18 07:29:00,

  1. “Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung”

  2. Illusion des Informiertseins

  3. “Wir leben in einer Zeit der Gegenaufklärung”


  4. Auf einer Seite lesen

Der Psychologe Rainer Mausfeld über die Illusion des Informiertseins, eine “Verachtung des Volkes” und Journalisten und Intellektuelle, “die sich wie Eisenspäne in den Kraftfeldern der Macht ausrichten”

Herr Mausfeld, Sie sind vor allem bekannt für Ihre

Vorträge

, in denen es um die verdeckte Rolle von Machteliten in unserer Gesellschaft geht. Dafür werden Sie von vielen Seiten angegriffen. Der ehemalige ARD-Journalist Hans Jessen

wirft

Ihnen im Podcast von Tilo Jung ein “geschlossenes Weltbild” vor, der Amerikanistik-Professor Michael Butter entdeckt in Ihrer Arbeit “verschwörungstheoretische Züge” – was umgehend in den Wikipedia-Artikel zu Ihrer Person

eingearbeitet

wurde. Überrascht Sie die Vehemenz solcher Kritik?

Rainer Mausfeld: Wir müssen natürlich Kritik und Diffamierung unterscheiden. Kritik zielt auf die Sache, Diffamierung auf die Person. Kritik beruht auf Argumenten, Diffamierung arbeitet mit einem Diffamierungsvokabular. Worum geht es mir in meinen politischen Beiträgen in der Sache? In meinen Vorträgen geht es mir weniger um Vermittlungen konkreter Inhalte und Positionen. Denn hier gibt es wie stets bei der Betrachtung komplexer Systeme einen großen Spielraum für unterschiedliche Perspektiven; ich lege jedoch in meinen Beiträgen stets offen, dass meine Perspektive durch die radikaldemokratische Tradition der Aufklärung geprägt ist.

Mir geht es in meinen Vorträgen vor allem um die Vermittlung einer Denkmethodologie, also gleichsam um das Handwerk des Denkens, mit der wir unsere alltäglichen politischen Erfahrungen wieder in einen Sinnzusammenhang einordnen können. Denn nur so können wir wieder ein Stück Autonomie gewinnen und angemessene Handlungskonsequenzen aus unseren Erfahrungen ziehen.

Was meinen Sie mit “Handwerk des Denkens”?

Rainer Mausfeld: Zum Handwerkszeug des Denkens gehören auch die in der Aufklärung verfeinerten Methoden, durch die sich unbewusste und oftmals tief verborgene politische Vorurteile aufdecken lassen. Somit gehört auch die Ideologiekritik zur Denkmethodologie. Politische Indoktrination zielt ja gerade darauf, in uns die Art von Vorurteilen zu erzeugen, die dazu beitragen, den Status der Machtausübenden zu stabilisieren.

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Es geht uns um das Leben | KenFM.de

Es geht uns um das Leben | KenFM.de

14-09-18 02:30:00,

Zuspitzung der Lage im Hambacher Forst

Eine Redebeitrag [vom 8.9.2018] von Bernhard Trautvetter.

Unser Protest gegen die profitorientierte und von der Stadt Essen finanziell mitverantwortete Naturzerstörung richtet sich nicht alleine dagegen, dass in den letzten 40 Jahren ein einzigartiges Waldgebiet mit teils über tausend Jahre alten Bäumen weiter dahingerafft wird. Der Hambacher Forst mit seinen einzigartigen  Hainbuchen ist von 4100 HA auf jetzt wenige hundert zusammen gestutzt.

Es geht nicht nur um die circa einhundert Hektar, die RWE als Besitzer des Gebietes abholzen will, in dem einige Dutzend Baumhäuser von Umweltschützern den Wald gegen die von RWE betriebene Rodung verteidigen wollen. Es geht auch nicht nur um Nachrichten und Ministeräußerungen, die die Naturschützer als gewaltbereit kriminalisieren, um damit ihr Vorgehen gegen sie zu legitimieren. Die ungefähr 200 meist jungen Aktivisten setzen ihre Körper für den zivilen und friedlichen Ungehorsam ein, um das Leben der Natur vor der Rendite-Fixiertheit des Großkonzerns RWE zu schützen. RWE will dort insgesamt zwei Mrd. Tonnen Braunkohle abbauen. Das ist in der Tat hilfreich für die Gewinnerwartung. Dabei stört die Kohlekommission. Deshalb erhöht RWE den Druck, bevor deren Beschlüsse ihre Profitaussichten schmälern könnten. Nicht einmal das Argument des Konzerns, Arbeitsplätze mit der Rodung schützen zu wollen, ist haltbar, denn in den bisher gerodeten Bereichen des Tagebaugebietes gibt es noch andere Bereiche für die Förderung.

Mit unserem Widerstand gegen die Braunkohle und den RWE-Konzern leisten wir zudem auch einen Beitrag zum Versuch, das Überleben der Menschheit wahrscheinlicher zu machen.

Wir wollen die Menschen aufwecken, dass das Schlafwandeln in den Abgrund des Weiter-So aufhört. Der Strom kommt nicht einfach aus der Steckdose, RWE-Kraftwerke erbringen Strommengen, die über dem Verbrauch vieler Staaten liegen. Wir handeln aus Verantwortung für unser Leben und das der Menschheit.

Wenn die Weltgemeinschaft die Zukunftsgefährdungen abwenden kann, dann muss eine sehr rasche Transformation der Energienutzung erfolgen, weg von der Verbrennung fossiler Stoffe, hin zu nachhaltigen Energieformen.

Die Stadt Essen beispielsweise darf nicht länger Anteil an der Zukunftsgefährdung durch RWE haben. Sie hat die Verantwortung, Schlimmeres im Interesse von uns Lebenden und erst recht im Interesse unserer Kinder und deren Kindeskindern, von denen wir die Welt nur geborgt haben, zu verhindern.

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Das falsche Leben

Das falsche Leben

30-08-18 11:05:00,

Wenn viele Menschen traumatisiert sind, wenn viele von ihnen in Täter-Opfer-Dynamiken innerlich feststecken, werden auch die menschlichen Kollektive zu traumatisierten und traumatisierenden Gesellschaften. Woran kann man diese erkennen? Das ist ähnlich wie bei einem einzelnen Menschen, bei dem sich seine Traumatisierungen in Form von körperlichen und psychischen Symptomen sowie in seinen Trauma-Überlebensstrategien zeigen. Auch in den Gesellschaften drücken sich ihre Traumatisierungen anhand von massenhaft auftretenden negativen sozialen Symptomen aus sowie in den gesellschaftlich bevorzugten Überlebensstrategien, um mit diesen Symptomen umzugehen. Solche sozialen Symptome können u.a. sein:

  • Hohe Raten von Abtreibungen, viele frühe Schwangerschaften bei jugendlichen Müttern,
  • viele Frauen, die ungewollt Mutter werden und zu viele Kinder bekommen,
  • hohe Raten von Geburtskomplikationen, die mit schweren körperlichen und psychischen Verletzungen für Mütter und Neugeborene verbunden sind (Zangen-, Vakuum-, »Kaiser«schnitt-Geburten),
  • geringe Anzahl stillender Mütter,
  • hoher Prozentsatz von Babys, die zu früh und zu lange von ihren Müttern getrennt werden (Kinderkrippen, Weggeben der Neugeborenen zu den Großeltern, ältere Geschwister, die sich wie Eltern um die jüngeren Geschwister kümmern müssen),
  • frühe Verwahrlosung von vielen Kleinkindern mit psychosomatischen Erkrankungsfolgen (z.B. langes Bettnässen, Ohren-, Hals- und Hauterkrankungen),
  • sehr viele alleinerziehende Mütter,
  • hohe Fallzahlen von sexueller Traumatisierung von Babys, Klein-, Vorschul- und Schulkindern,
  • schulischer Konkurrenzdruck mit hohen Raten von »Schulversagern«, mit Folgen wie »Depressivität«, »Hyperaktivität« oder »Mobbing« bei den Schülern,
  • hoher Druck auf die Eltern, Familien- und Arbeitsleben in einer Konkurrenzökonomie zu »vereinbaren«,
  • Ausbeutung und Lohn-Sklaverei,
  • hohe Arbeitslosigkeitsquoten bei der arbeitsfähigen Bevölke-rung,
  • weitverbreitete Geldarmut in allen Lebensaltern,
  • keine Altersabsicherung oder niedrige Renten für einen Groß-teil der arbeitenden Menschen,
  • hohe Verbrechensraten (Diebstähle, Einbrüche, Betrügereien, Morde) und viele Menschen, die nach Gefängnisstrafen oft noch stärker psychisch gestört sind als zuvor,
  • Gewalt- und Actionfilme auf allen Medienkanälen, gewaltverherrlichende Computerspiele,
  • allgegenwärtige Pornographie und Prostitution mit den dazu-gehörigen kriminellen Milieus,
  • weitverbreiteter Suchtmittelkonsum und süchtiges Verhalten in verschiedenster Form (Medikamente, Alkohol, Heroin, Kokain, Designer-Drogen, Spiel-, Kauf-, Arbeits-, Fress- oder Beziehungssucht),
  • hohe Raten chronifizierten körperlichen Leidens und ein Gesundheitssystem, das dafür keine effektiven Heilbehandlungen anbieten kann,
  • hohe Raten von Menschen mit chronifizierten psychischen Auffälligkeiten, die durch das Psychiatrie- und Psychotherapie-System nicht geheilt, sondern nur verwaltet werden (»Drehtür-Psychiatrie«),
  • hohe Selbstmordraten,

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Totgesagte leben länger

Totgesagte leben länger

11-08-18 01:28:00,

Der Hauptinitiator des Festivals, Malte Klingauf, hat etwas sehr Kluges gemacht: Er hat sich nicht ins Boxhorn jagen lassen und einfach das nächste Festival vorbereitet. Er wusste, dass die Idee eines Festivals wertvoll ist, auf dem es die Möglichkeit gibt, gemeinsam Musik zu erleben, Vorträge zu hören, in Workshops Wissen zu vertiefen und sich mit friedensengagierten Menschen zu vernetzen.

Es war jedoch nicht nur reiner Zufall, dass es in der Krise Menschen gab, die sich ganz und gar der Idee des Festivals verschrieben und es unterstützt haben. Als Achtsamkeits-Coach fällt mir eine Sache besonders auf: Klingauf und das Organisationsteam haben sich nicht mit den Gefühlen der Angst identifiziert, dass das Festival womöglich an einer Hürde scheitern würde. Stattdessen gab es ein Durchatmen und er stellte sich ernsthaft die Fragen: „Was ist genau passiert? Was fühle ich? Was denke ich? Was ist falsch gelaufen? Was kann man besser machen? Was ist jetzt nötig? Wie gehen wir mit der Situation am besten um?“

Der jetzige Festival-Arzt, der im vergangenen Jahr das Ordnungsamt von der Schließung des Festivals abgehalten hatte, konnte überhaupt erst dadurch begreifen, dass gerade er jetzt gebraucht wird. Hätte Klingauf die Nerven verloren und panisch reagiert, wäre das nicht möglich gewesen, denn: Im Chaos ist nicht sichtbar, wie man aus selbigem wieder herauskommt. Es braucht außer hilfsbereiten Menschen auch jemanden, der im Chaos einen Schritt zurück macht und sich oben genannte Fragen stellt. Dadurch gewinnt man wieder Übersicht.

Hätte das Organisationsteam des Pax Terra Musica Festivals sich 2017 als Opfer der Behörden gesehen oder hätte wegen eines möglichen Fehlers resigniert, wäre an dieser Stelle schon Schluss mit dem Festival gewesen.

Neben der Fähigkeit, Angst und Schock zu überwinden, gewann Klingauf auch Mut. Er hat nach der Veranstaltung im vergangenen Jahr offengelegt, dass sich das Festival im ersten Jahr finanziell nicht getragen hat und es vielleicht kein zweites geben kann. Ganz pragmatisch, und das heißt keineswegs emotionslos, wandte er sich um Spenden an die Gemeinschaft. Wenn man einen Umgang mit Angst gefunden hat, dann schließt sich fast automatisch der Mut an, auch unliebsamen Wahrheiten zu begegnen. Das war für das Weiterleben des Festivals enorm wichtig.

Und an den Mut, unliebsamen Wahrheiten zu begegnen, schließt sich auch Eigenverantwortung an. Klingauf und das Festivalteam hatten keine Angst vor einem – vielleicht sogar berechtigten – Vorwurf der Misswirtschaft.

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Leben ist Lernen

Leben ist Lernen

10-08-18 07:02:00,

Diejenigen, die sich für das Wohl der Menschheit engagieren, könnte man – so scheint es mir manchmal – in zwei Lager aufteilen: „die Politischen” und „die Spirituellen”. In beiden Gruppen sollte man zunächst zwischen weniger hoch und höher entwickelten Formen des Engagements unterscheiden.

Eine fundamentalistische Geisteshaltung kennzeichnet unreife politische Einstellungen. Fundamentalisten verstehen die eigenen Grundsätze als die einzig Wahren. Sie halten an vorgegebenen Regeln und Ideologien fest oder fordern eine Rückbesinnung auf diese ein. Wer das akzeptiert, verhält sich gesellschaftskonform und genießt Unterstützung. Die Gesinnung zu hinterfragen, ist unerwünscht. Fremde Überzeugungen lässt man nicht gelten und schließt Andersdenkende aus. Im Extremfall kämpfen Fundamentalisten mit radikalen und gewalttätigen Mitteln um gesellschaftliche Vormacht.

Reife politische Entscheidungsfindung erwächst aus argumentativem Austausch. Menschen mit einer reifen politischen Einstellung verfügen über eine offene Grundhaltung. Sie hinterfragen bestehende Denkmuster und lassen Kritik an eigenen Wertvorstellungen zu. Sie interessieren sich für die Sichtweisen anderer. Sie wollen diese nachvollziehen, um ihren eigenen Horizont zu erweitern. Dadurch entwickeln sie Toleranz auch für abweichende Meinungen. Sie schauen über den Tellerrand der eigenen Gruppeninteressen hinaus und beziehen das Wirken komplexer Systemzusammenhänge in ihr Denken und Handeln ein. Widersprüche zwischen Thesen und Antithesen lösen sich in umfassenderen Synthesen auf. Geschieht dies nicht, bleibt die Möglichkeit zu demokratischer Mehrheitsbildung.

Auch im Feld der Spiritualität gibt es unreife und reife Ausformungen. Erstere sind von egozentrischen Wunscherfüllungsfantasien durchzogen. Hier herrscht magisches Denken vor. Diese Menschen glauben, alles Ersehnte – quasi per Knopfdruck – kraft der eigenen Gedanken herbeizaubern zu können. Oder sie projizieren solche Allmachtsfantasien nach draußen, dann sollen Götter oder gottgleiche Gurus die Erlösung bringen unter der Voraussetzung, dass diese ihnen gefallen und sich ihnen unterwerfen. Zu dieser Art von Spiritualität gehört die Faszination für Symbole und Rituale. Religiöse Schriften werden wortwörtlich interpretiert. Wer daran glaubt, wird selig. Alle anderen werden als ungläubige Zweifler verbannt. Extreme Verzerrungen unreifer Spiritualität führen zu Heiligem Krieg und Terror im Namen der eigenen Gottesbilder.

Ken Wilber bezeichnet diese Art der Spiritualität in seinem Integralen Modell als prärational (prä = vor, ratio = Vernunft). Manche verwechseln diese mit reifer, transrationaler (trans = über/hinaus) Spiritualität, weil beide Formen einen nicht-rationalen Charakter haben. Doch beide unterscheiden sich wie Tag und Nacht.

Reife spirituelle Erkenntnis achtet den Wert der Vernunft, entlarvt aber auch ihre Begrenztheit. Sie gewinnt einen befreienden Abstand zu Denkprozessen.

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“Wir leben in einer Gesellschaft, die von Propaganda und Manipulation durchdrungen ist”

“Wir leben in einer Gesellschaft, die von Propaganda und Manipulation durchdrungen ist”

08-08-18 09:17:00,

Walter Ötsch über den US-Propagandisten Walter Lippmann und den Neoliberalismus

Die neoliberale Ordnung ist tief in der Gesellschaft verankert. Sie bestimmt sogar die Grenzen dessen, was denkbar ist. Im Interview über den US-amerikanischen Propagandisten Walter Lippmann (Die Welt, mit der wir es in politischer Hinsicht zu tun haben, liegt außer Reichweite) geht der Wirtschaftswissenschaftler Walter Ötsch (Demagogen: Alle sprechen vom Volk, das von der Elite unterdrückt wird) näher auf die Verbindung Lippmanns zum Neoliberalismus ein und zeigt, welche demokratieverachtende Denkweise hinter dem neoliberalen Projekt zu finden ist.

Prof. Dr. Walter Ötsch ist Professor für Ökonomie und Kulturgeschichte an der Cusanus Hochschule. Er ist Kommunikationstrainer und Experte für Rechtspopulismus. Veröffentlichungen u.a. “Haider Light. Handbuch für Demagogie“ (Czernin Verlag, 2000) und “Populismus für Anfänger. Anleitung zur Volksverführung” (Westend Verlag 2017). Zusammen mit der Ökonomin Silja Graupe hat Ötsch die Einführung zu dem gerade in deutscher Sprache neuaufgelegten Lippmann-Buch “Die öffentliche Meinung” verfasst.

Wurden Walter Lippmanns Erkenntnisse in Sachen Manipulation und Propaganda bei der Ausrichtung des Neoliberalismus missbraucht?

Walter Ötsch: Im gewissen Sinne ja, die Sache ist allerdings kompliziert. Denn die Aufnahme von Walter Lippmann zerfällt in zwei getrennte Stränge, die sich nicht aufeinander beziehen. Walter Lippmann gilt zum einen in den Medien- und Kommunikationswissenschaften als Experte von Propaganda, aber hier wird die neoliberale Seite von Lippmann ausgeblendet. Auf der anderen Seite kennt man Lippmann in der Geschichte des Neoliberalismus, die kritische Sozialwissenschaftler schreiben. Hier wird auf The Good Society und auf das Walter Lippmann Kolloquium verwiesen, aber sein Beitrag zu einer Theorie von Propaganda scheint unbekannt zu sein.

Bevor wir näher darauf eingehen: Können Sie unseren Lesern kurz erklären, woher der Begriff Neoliberalismus überhaupt kommt?

Walter Ötsch: Der Begriff Neoliberalismus wird im Walter Lippmann Kolloquium als Selbstbezeichnung für die neue Richtung festgelegt, Alternativen waren “Neokapitalismus”, “positiver” und “sozialer Liberalismus”. Der ordoliberale Ökonom Werner Röpke hat übrigens 1945 The Good Society ins Deutsche übersetzen lassen, das Werk erscheint als Die Gesellschaft freier Menschen. In der Einleitung, die Röpke verfasst hat, führt er den Begriff “Neoliberalismus” in die deutsche Sprache ein.

Der Neoliberalismus der Mont Pèlerin Society will einen ökonomischen,  » Lees verder

Geld oder Leben!

Geld oder Leben!

13-07-18 07:25:00,

Über die soziale Frage bei der Verteilung von Einkommen, über Pläne der Regierungen und über die globale Wirtschaft entscheiden fast immer die Finanzen. Der Finanzsektor ist deshalb so mächtig, weil man mit keiner Methode mehr und schneller Geld verdienen kann als mit finanziellen Transaktionen. Dabei wird stillschweigend vorausgesetzt, dass Geldverdienen für die Akteure von sich aus einen höheren Sinn hat.

Und Geld verdient man am besten mit Geld. Einfach, schnell und bequem. Voraussetzung: Man hat schon einen gewissen Sockelbetrag zur freien Verfügung, etwa 100 Millionen Dollar, Euro, Franken oder Pfund. Aus dieser Perspektive werden die materielle Lage der Menschen und Staaten und die reale, wertschöpfende Wirtschaft ziemlich uninteressant.

Dabei ist der hohe Wert des Geldes gegenüber anderen Gütern bei genauerer Betrachtung irrational. Geld ist nämlich im Überfluss vorhanden, etwa sechzigmal so viel, wie für alle laufenden Operationen nötig wäre, für die Geld benötigt wird. Abgesehen natürlich von den Spekulationen und Wetten im Finanzsektor.

Wenn es viel zu viele Tomaten auf dem Markt gibt, werden Tomaten billiger. Bei Geld ist das nicht so. Geld ist eben keine Ware und kein materieller Wert, sondern eine Zahl, die einen Marktwert nur symbolisiert. Entscheidend ist dabei die Akzeptanz. Wenn alle akzeptieren, dass ein Euro so viel wert ist wie ein Kilogramm Mehl oder ein halber Liter Rotwein, dann hat der Euro auch diesen Wert.

Die Akzeptanz des Geldes geht aber so weit, dass überall davon ausgegangen wird, 100 Milliarden Euro hätten auch den Wert von 50 Millionen Tonnen Tomaten, obwohl diese Zahl für Tomaten eine unsinnige Menge ist, die es nie geben kann und geben wird.

Schon erkennt man, dass auch die Geldmenge 100 Milliarden irgendwie fragwürdig ist. Und trotzdem ist sie in der Finanzwirtschaft eine allseits akzeptierte Größe, eben weil Geld eine Zahl ist und kein Wertgegenstand oder Konsumartikel.

Zahlen lassen sich bekanntlich immer weiter zählen, sie lassen sich bis ins Unendliche fortsetzen und auch immer wieder multiplizieren. Das kann jedes Kind: Indem es einfach am Ende der Zahl eine Null anhängt, verzehnfacht sich der Betrag. Die Zahl 1.000.000.000 = 1 Milliarde kann aber niemand mehr zählen, egal ob es Tomaten, Euro-Münzen, Sandkörner oder Krankheitserreger sind.

Man kann sich Zahlen oberhalb der Milliarde nicht wirklich vorstellen, nur Mathematik macht es möglich, dass wir damit operieren.

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Unwertes Leben 2.0

Unwertes Leben 2.0

20-06-18 09:27:00,

In Brandenburg-Görden wurde im Oktober 1939 die erste „Kinderfachabteilung“ eingerichtet.

Drei Jahre später, am 1. Oktober 1942, wird hier der elfjährige Horst aufgenommen, „vorläufige Diagnose“: „Organisches Gehirnleiden mit erheblichem Hydrocephalus – also Wasserkopf“ (1). Horst kann sich selbständig aufrichten und den Kopf halten, aber nicht gehen oder stehen. Beim Intelligenz-Test nach Binet-Simon antwortet er recht korrekt: „die Gabel sei zum Essen, der Stuhl zum Sitzen, das Pferd zum Reiten und der Soldat zum Aufbauen“ (2). Er ist „voll orientiert, kennt die Personen seiner Umgebung mit Namen, erfaßt den Tagesablauf“, weitere Untersuchungen attestieren ihm „eine leidliche oder sogar gute Auffassungsgabe“ (3). Danach wird Horst gefragt: „Was ist der Wehrmachtsbericht?“ Seine Antworten werden protokolliert:

„(Was ist der Wehrmachtsbericht?) Da sagen sie an, der Feind war mit wenigen Flugzeugen in Westdeutschland … (Warum sagt man das?) Guck mal, die müssen doch ansagen, wann der Krieg zu Ende ist … (Wer sind unsere Feinde?) – – – (Engländer?) Ja. (Die Russen) Hu, wenn ich die schon sehe, – – habe doch Angst. (Warum?) Da wird alles zerschossen … (Warum ist Krieg?) Das weiß ich auch nicht, warum. (Warum schießen sie dann?) – – – Ich werde mal meine Mutti fragen, wie lang der Krieg noch dauert“ (4).

In den folgenden Wochen wird Horst so häufig Tests unterzogen, dass er manchmal nicht mehr mag. Wenn der Arzt dann mit dem Rohrstock droht, macht Horst wieder mit. Am 5. Januar 1943 erfolgt eine letzte Überprüfung von Horsts Gesundheitszustand. Der Bericht schließt mit: „Lungen ohne Befund“ (5). Am 12. Januar diktiert der zuständige Arzt, Dr. Schumann, das Todesurteil:

„Es handelt sich bei dem Patienten … ganz eindeutig um ein schweres organisches Zustandsbild … In neurologischer Hinsicht steht im Vordergrund die spastische Lähmung beider Beine. Der Patient kann weder gehen noch stehen und ist dadurch völlig pflegebedürftig. Auf psychischem Gebiet befindet sich neben einem erheblichen Intelligenzmangel (Intelligenzalter von 5,8 Jahren bei einem Lebensalter von 11,5 Jahren zur Zeit dieser Untersuchung) eine organische Demenz (schwerste Mängel der Konzentrationsfähigkeit usw.). Mit einer irgendwie nennenswerten Besserung dieses Zustandsbildes ist keinesfalls zu rechnen. Die Anleitung selbst zu einfachsten Beschäftigungen oder irgendeine sozial noch verwertbare Betätigung wird bei dem Patienten niemals möglich sein. Eine Behandlung im Sinne des Erlasses des R(eichs)M(inisterium) d(es) I(nneren) erscheint deshalb …

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Wie kam Anis Amri ums Leben?

Wie kam Anis Amri ums Leben?

10-06-18 08:56:00,

Sattelzug, mit dem Anis Amri, den Anschkag auf den Berliner Weihnachtsmarkt verübte. Bild: Emilio Esbardo / CC BY-SA 4.0

  1. Wie kam Anis Amri ums Leben?

  2. Desinteresse an Aufklärung der Tathintergründe

  3. Eine brisante Aussage


  4. Auf einer Seite lesen

In den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen zum LKW-Anschlag von Berlin kommen immer mehr Fragen und Widersprüche auf

Wie kam der mutmaßliche Attentäter vom Breitscheidplatz in Berlin ums Leben und warum dort, wo er starb? Stimmen die Abläufe zu dem Anschlag, dem am 19. Dezember 2016 zwölf Menschen zum Opfer fielen, so wie sie offiziell dargestellt werden? In den parlamentarischen Untersuchungsausschüssen (PUA) brechen immer mehr Fragen auf, auch solche, die als beantwortet galten.

Vor allem der Obmann der Bündnisgrünen im PUA des Bundestages, Konstantin von Notz, lenkte den Fokus in der jüngsten Sitzung auf den Tod von Anis Amri und den Ort, wo der mutmaßliche Attentäter am 23. Dezember 2016, vier Tage nach dem Anschlag, von italienischen Polizisten erschossen wurde: in der Nähe des Bahnhofes Sesto San Giovanni bei Mailand.

Zufall oder Zusammenhang?

Das ist weniger als zwei Kilometer von der Stelle entfernt, wo am 18. Dezember 2016 jener Sattelschlepper mit Stahlträgern beladen worden war, ehe er nach Deutschland fuhr, und den Amri dann am 19. Dezember auf den Weihnachtsmarkt an der Gedächtniskirche gelenkt haben soll. Der Täter kehrt zu dem Ort zurück, wo seine Tatwaffe “LKW” ihren Ausgang nahm. Zufall oder Zusammenhang? Wusste Amri das? War er schon einmal dort gewesen?

Für den Abgeordneten von Notz jedenfalls ein hinterfragungswürdiger Sachverhalt. Der Sonderermittler der nordrhein-westfälischen Landesregierung von 2017, Bernhard Kretschmer, meinte, es könne Zufall sein, möglicherweise habe Amri aber den Weg schon öfter genommen, “als Beifahrer oder Drogenkurier”. Beantworten müsse das letztlich die Behörde des Generalbundesanwaltes, die die Ermittlungen führt.

Nicht beantworten konnte es jedenfalls die für den Informationsaustausch mit ausländischen Partnerbehörden verantwortliche Kriminaldirektorin im Bundeskriminalamt (BKA), Sabine Wenningmann. Sie sei nicht damit befasst gewesen, erklärte sie den Abgeordneten.

Die Todesumstände Amris in Mailand?

Was weiß man über die Todesumstände Amris in Mailand?

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„Unwertes Leben” 2.0

„Unwertes Leben” 2.0

18-05-18 01:02:00,

Was Prantl in senem Artikel schrieb, ist leider nur allzu wahr.

Das Wort Euthanasie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „schönes” oder auch „leichtes Sterben”.

„Bei Abenddämmerung trieben die Soldaten die Kranken aus dem Bau Zwei. An der Ausgangstür wurde ein Maschinengewehr aufgestellt und das Feuer eröffnet, so daß die aus dem Saal getriebenen Kranken auf der Stelle erschossen wurden und auf einen immer mehr anwachsenden Leichenhaufen fielen. Die widerspenstigen deutschen Patienten wurden durch die Räume getrieben und aus den Fenstern des ersten oder zweiten Stockwerks geworfen. (…)

Die schwierigste Aufgabe war das Ergreifen der Kinder, Patienten der Kinderabteilung, die in alle Etagen auseinander liefen und sich in Schränken und dergleichen versteckten. Alle Kinder wurden gesucht und erschossen.”(1)

Auch Giftspritzen und -tabletten, stufenweises Verhungern-Lassen, In-die-Luft-Sprengen oder Erschlagen kamen im „Dritten Reich” zum selben Zweck zur Anwendung. Manchmal auch nicht weniger tödliche „wissenschaftliche Experimente”. Bevorzugt wurde jedoch eine andere Methode: das Vergasen in eigens dafür hergerichteten Vergasungsanstalten oder Gaswagen.

„Haben die Opfer den Gaswagen betreten und sind die Türen geschlossen, wird der unter dem Wagen angebrachte Schlauch mit dem Auspuff verbunden. Der Fahrer beginnt Gas zu geben. In der Theorie sind die Opfer nach etwa sieben, acht Minuten bewußtlos, sterben zwei Minuten später. Zunächst setzen Kopfschmerzen ein, Schläfendruck, Übelkeit, sie erbrechen, zittern, Urin und Kot gehen ab. Sie schreien, beten, schlagen gegen die Wagenwände. In der Praxis dauert es jedoch oft Stunden, bis die Opfer qualvoll ersticken.”(2)

Wer waren die Menschen, die auf diese Weise zum Opfer nationalsozialistischer „Sterbehilfe” wurden?

Schon 1925 sagt Hitler in „Mein Kampf” nicht nur der „marxistisch-jüdischen Welt” den Krieg an, sondern auch den „Missgeburten zwischen Mensch und Affe”. Er verlangt „die unbarmherzige Absonderung unheilbar Kranker” und die Anwendung „modernster ärztlicher Hilfsmittel”, damit „Zeugungsfähigkeit und Zeugungsmöglichkeit seitens körperlich Degenerierter und geistig Erkrankter” unterbunden werden. Letztendlich solle “die Schwäche vernichtet (werden), um der Stärke den Platz zu schenken.”(3) 1929 konkretisiert er auf dem NSDAP-Parteitag in Nürnberg: „Wenn in Deutschland jährlich eine Million Kinder geboren und zugleich 700.000 bis 800.000 der Schwächsten beseitigt würden (…) wäre das Endergebnis sogar eine Kräftesteigerung.”(4) Die „Nationalsozialistischen Monatshefte” bringen es dann 1930 auf den Punkt: „Tod dem lebensunwerten Leben!”(5)

Solche Auffassungen sind zu dieser Zeit in Deutschland keine Seltenheit.

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Den Frieden leben

Den Frieden leben

29-04-18 07:06:00,

Die Überlegungen, die wir (a1) im ersten Teil angestellt haben, lassen sich im folgenden Leitgedanken, der uns für unser Handeln seither als Kompass dient, zusammenfassen: Wir dürfen unsere Energie nicht weiter dem System zuführen und unsere Energie auch nicht mehr durch „Brot und Spiele“ oder „Teile und Herrsche“ sinnlos vernichten. Stattdessen müssen wir unsere Energie in Resonanz bringen und auf die Beseitigung jener Systemeigenschaften hinwirken, die zwangsläufig zum Systemversagen führen.

Diese Systemeigenschaften sind das Feind- und das Hierarchiedenken. Wir können diese Systemeigenschaften gewaltfrei beseitigen. Dazu müssen wir uns unseren eigenen Ängsten und Defiziten stellen, statt sie weiterhin nach außen zu projizieren. Alles, was wir tun oder auch nicht tun, sollten wir zuvor an diesem Leitgedanken spiegeln. Wir sollten stets prüfen, wie wir den Energiefluss lenken, ob wir das System stärken oder schwächen, ob wir mit unserem Handeln eine eskalierende oder deeskalierende Wirkung erzielen oder ob wir gerade wieder einen inneren Konflikt nach außen tragen.

Im zweiten Teil stellen wir daher eine Auswahl konkreter Handlungsanleitungen vor. 

Es gibt nichts Gutes, außer man tut es.

Änderung der inneren Einstellung

Wir erleben immer wieder, dass ein Mensch – vorzugsweise jemand in der Nähe der Pyramidenspitze – symptomatisches Verhalten zeigt. Wann immer das Feindbilddenken in uns aufsteigt, sollten wir es zur Gewohnheit machen, uns die folgenden beiden Situationen vorzustellen.

Die erste Situation: Wir sind mit diesem Menschen für zwei Wochen auf eine einsame Insel verschlagen. In den zwei Wochen kämpfen wir gemeinsam um unser Überleben und kommen ins Gespräch. Nach den zwei Wochen werden wir gerettet und haben einander und uns selbst besser verstehen gelernt. Wir sind beide nicht mehr die Gleichen wie vorher.

Die zweite Situation: Wir stellen uns diesen Menschen beim sonntäglichen Familienfrühstück vor, wie er von seinem jugendlichen Kind gefragt wird, wieso er Dinge tut, die von den Freunden des Kindes so heftig kritisiert werden. Dieser Mensch erklärt seinem Kind nun seine Sicht der Dinge. Kann sich jemand vorstellen, dass er seinem Kind eröffnet, dass er ein böser Mensch ist? Was also würde er seinem Kind erzählen? Glaubt jemand, dass er sein Kind in dieser Situation bewusst belügen würde?

Wenn wir das konsequent üben, bauen wir das Feindbilddenken ab. Wenn die Angriffe insgesamt weniger werden, können alle ein Stück weit aus ihrer Verteidigungshaltung herausgehen und beginnen,

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Leben ohne Müll

Leben ohne Müll

28-03-18 01:45:00,

„Zero Waste“ ist das Stichwort, unter dem jene Bewegung zusammengefasst wird, die sich damit beschäftigt, ihren persönlichen Müllausstoß zu verringern. Bei weitergehender, individueller Recherche mithilfe der Lieblingssuchmaschine ist dies also auch der Begriff, der die meisten Treffer verspricht.

Die „Zero Waste“-Bewegung, so man denn von einer Bewegung sprechen will, geht umweltbezogene Probleme da an, wo jeder Einzelne zu einem Wandel beitragen kann: im täglichen Leben. Immer weiter stieg das individuelle Müllaufkommen in den letzten Jahrzehnten, und dem etwas entgegenzusetzen, ist Ziel des „Zero Waste“.

Jeder kann dazu beitragen, seine eigenen, negativen Auswirkungen auf die Umwelt zu verringern. Auch Menschen, die sich nicht primär mit Umweltthemen beschäftigen, können durch Integration der hier vorgestellten Veränderungen in ihr Leben einen Beitrag zum Umweltschutz leisten.

Was also ist „Zero Waste“ genau, wie funktioniert das, muss ich mich irgendwo anmelden?

Natürlich gibt es keinen Verein, bei dem man einfach monatlich einen kleinen Betrag bezahlt, um Mitglied zu werden. Nein, „Zero Waste“ ist ein Wandel im Einkaufs- und Konsumverhalten. Wandel, das klingt zunächst wenig erstrebenswert.

Viele Menschen haben sich ihr Leben auf eine bestimmte Weise eingerichtet, sich Verhaltensweisen angeeignet, die sie immer und immer wiederholen. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und genau das kann man sich zunutze machen, wenn man sich für ein Leben ohne Müll entscheidet.

Denn Verhaltensweisen und das eigene Kaufverhalten sind eine Sache der Gewohnheit – und Gewohnheiten lassen sich ändern. Dazu bedarf es einer gewissen Hartnäckigkeit, um Routinen zu etablieren, doch nach einer gewissen Zeit werden die neuen Angewohnheiten und Verhaltensweisen so normal, als habe man nie anders gelebt.

Doch kommen wir zum Thema. Viele Menschen, die mit den kapitalistisch aufoktroyierten Lebensweisen hadern, hegen zwar insgeheim den Wunsch, an einem Wandel mitzuwirken, wissen aber nicht so recht, wie. Wie also beginnt man damit, ein müllfreies Leben zu führen?

Der erste Schritt ist ganz simpel: Führen Sie sich Ihr persönliches Einkaufs- und Konsumverhalten vor Augen. Was kaufen Sie, weil sie es benötigen, was kaufen Sie nur, weil Sie es haben wollen, ohne es wirklich zu brauchen? Ein erster Schritt ist, Verschwendung zu vermeiden und sich vor allem von Überfluss freizumachen. Jedes Jahr ein neues Smartphone, ist das wirklich notwendig? Alle paar Jahre ein neues Auto, muss das sein? Kann ich nicht viel mehr Wege mit dem Fahrrad zurücklegen oder zu Fuß gehen?

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Das Leben stirbt – weltweit

Das Leben stirbt – weltweit

27-03-18 08:05:00,

Bild: BMU

Ein Kommentar

Zum ersten Mal hat die UNO (IPBES) einen Bericht zum weltweiten Artensterben vorgelegt, einen Biodiversitäts-Bericht.

In Nord- und Südamerika hat sich die ökologische Belastung seit 1960 verdoppelt. Deshalb sind 40% aller Tier- und Pflanzenarten vom Aussterben bedroht. 17% des Amazonas-Regenwaldes sind bereits abgeholzt. Seit der europäischen Besiedlung sind 95% der Prärielandschaften in Agrarland und in Agrarwüsten verwandelt worden.

In Europa und in Zentralasien sind die Fischarten um 71% zurückgegangen, um 60% in den letzten zehn Jahren. Seit 1990 ist der Wasserbestand um 15% gesunken.

In Deutschland sind in den letzten 20 Jahren die Insektenarten um zwei Drittel reduziert worden.

In Afrika südlich der Sahara hungern 25% der Bevölkerung. 50% der Vögel- und Säugetierarten werden durch den Klimawandel bis zum Jahr 2100 verschwinden.

Asien/Pazifik: 13% des Waldes sind bereits verschwunden. 37% der Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. Acht von zehn Flüssen weisen die höchste Plastik-Belastung auf. Ab dem Jahr 2048 gibt es keine nutzbaren Fischbestände mehr.

Die Studie weist nach, dass der Raubbau nicht nur ökologische, sondern auch ökonomische Katastrophen zur Folge haben wird. In Nord- und Südamerika sei die Leistung der Natur so hoch wie die des Bruttosozialprodukts.

Hunderte Millionen Menschen in Afrika und Asien sind abhängig von der Leistung der Natur und auf funktionierende Ökoleistungen angewiesen.

Ohne Entkoppelung von Wirtschaftswachstum und Ressourcenverbrauch sowie ohne rasche solare Energiewende, ohne ökologische Verkehrswende und ohne biologische Landwirtschaft werden wir keine Wege aus der selbstverschuldeten Öko-Krise finden, in die wir uns manövriert haben.

Die erste und vernünftigste Maßnahme muss heißen: Weniger Waffen, mehr Klima- und Umweltschutz, mehr Bildung und weniger Panzer und Bomben.

Wenn in einem Museum ein wertvolles Kunstwerk – sagen wir ein Rembrandt – zerstört wird, trauert die halbe Welt. Die Feuilletons aller Zeitungen sind voll davon. Wenn aber Dreiviertel aller Insektenarten ausstirbt und weltweit das Leben, ist das nur eine Randnotiz, wenn überhaupt.

Wir brauchen eine ganz neue Art von Bildung, wenn wir überleben wollen: Denken und Handeln in Zusammenhängen, Herzensbildung, ökologische Bildung, Sinn für Schönheit und Vielfalt.

Schön ist ein Produkt oder Programm, wenn es dem Leben dient;

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