Der letzte Damm | Von Roland Rottenfußer | KenFM.de

29-12-20 02:26:00,

Ein Standpunkt von Roland Rottenfußer.

Wer hätte vor 12 Monaten gedacht, dass wir innerhalb der Weltgesellschaft in diesem Jahr eine ungeheure Mutation erleben würden ─ vom Homo sapiens zum Homo coronicus, einem gleichgeschalteten, angstgesteuerten Wesen mit maskenbedingt vorgewölbter Mundpartie und einem krampfhaften Vermeidungsverhalten, wenn sich Artgenossen nähern? Wir befinden uns auf dem Weg in einen Transhumanismus, der vorerst ohne Cyborgimplantate auskommt. Den Suggestionen journalistischer und wissenschaftlicher Hofschranzen folgend, wollen viele den Menschen alten Typs überwinden, wollen mehr als menschlich sein und sind gerade deshalb dabei, weniger als das zu werden. Transhumanismus ist wie Prähumanismus vor allem eines: inhuman.

Das Virus ist nicht inexistent, nein. Wie ein Luftballon, der im Originalzustand ein schlaffes, kleines Ding ist, wurde auch Corona nur groß, weil man sehr viel Luft hineingeblasen hat ─ ein Gasgemisch aus Behauptungen, Fantasien und Ängsten.

Viele dieser Aufbläser sind Journalisten wie wir. Sie tragen willfährig das große Gerücht weiter, das Gespinst einer historischen Bedrohung, die es angeblich notwendig macht, dass die Weltgesellschaft aus Angst vor dem Tod Suizid begeht. Sie tun es, teils weil sie wirklich an die große Corona-Erzählung glauben, teils weil sie meinen, von Berufs wegen daran glauben zu müssen ─ vielleicht aus Angst, ihre journalistische Existenz zu verlieren, sofern sie nicht aufhören, Journalisten zu sein.

Wer sich jetzt präventiv vor der im Aufbau befindlichen Diktatur duckt, beschleunigt jedoch eben dadurch den Prozess ihrer Etablierung. Umgekehrt hätte entschlossenes, mutiges Handeln aller, denen schon in der Frühphase die ganze Hysterie spanisch vorkam, vielleicht das Schlimmste verhindern können. Die abwartende Zaghaftigkeit und Entscheidungsschwäche eines Großteils auch der politisch wachen Menschen hatte wesentlichen Anteil an der Misere.

Eine Ära der Verdunklung

„Aufklärung“ steht als Bezeichnung für eine historische Epoche wie einen Bewusstseinsprozess der „Aufhellung“ noch immer in hohem Ansehen. Derzeit erleben wir allerdings das Gegenteil: eine kollektive Verdunklung des Zeitgeists, „Disenlightenment“. Schon Erlerntes und vorschnell als selbstverständlich Betrachtetes geht in einem rapiden Prozess verloren: so etwa Meinungspluralität, differenziertes und kritisches Denken, der Respekt vor Freiheit und Individualität. Stattdessen triumphieren Zwangsherrschaft, Schwarze Pädagogik, Gleichschaltung und die dramatische Reduktion von Komplexität auf das der Staatsmacht und dem politisch-pharmazeutischen Komplex Genehme. All dies geschieht interessanterweise unter Berufung auf die Wissenschaft. Und es geschieht unter dem unablässigen Kopfnicken von Intellektuellen ─ auch solchen, die sich vormals als Liberale, Sozialisten oder gar Anarchisten verstanden haben.

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Der letzte Damm

23-12-20 10:13:00,

Wer hätte vor 12 Monaten gedacht, dass wir innerhalb der Weltgesellschaft in diesem Jahr eine ungeheure Mutation erleben würden ─ vom Homo sapiens zum Homo coronicus, einem gleichgeschalteten, angstgesteuerten Wesen mit maskenbedingt vorgewölbter Mundpartie und einem krampfhaften Vermeidungsverhalten, wenn sich Artgenossen nähern? Wir befinden uns auf dem Weg in einen Transhumanismus, der vorerst ohne Cyborgimplantate auskommt. Den Suggestionen journalistischer und wissenschaftlicher Hofschranzen folgend, wollen viele den Menschen alten Typs überwinden, wollen mehr als menschlich sein und sind gerade deshalb dabei, weniger als das zu werden. Transhumanismus ist wie Prähumanismus vor allem eines: inhuman.

Das Virus ist nicht inexistent, nein. Wie ein Luftballon, der im Originalzustand ein schlaffes, kleines Ding ist, wurde auch Corona nur groß, weil man sehr viel Luft hineingeblasen hat ─ ein Gasgemisch aus Behauptungen, Fantasien und Ängsten.

Viele dieser Aufbläser sind Journalisten wie wir. Sie tragen willfährig das große Gerücht weiter, das Gespinst einer historischen Bedrohung, die es angeblich notwendig macht, dass die Weltgesellschaft aus Angst vor dem Tod Suizid begeht. Sie tun es, teils weil sie wirklich an die große Corona-Erzählung glauben, teils weil sie meinen, von Berufs wegen daran glauben zu müssen ─ vielleicht aus Angst, ihre journalistische Existenz zu verlieren, sofern sie nicht aufhören, Journalisten zu sein.

Wer sich jetzt präventiv vor der im Aufbau befindlichen Diktatur duckt, beschleunigt jedoch eben dadurch den Prozess ihrer Etablierung. Umgekehrt hätte entschlossenes, mutiges Handeln aller, denen schon in der Frühphase die ganze Hysterie spanisch vorkam, vielleicht das Schlimmste verhindern können. Die abwartende Zaghaftigkeit und Entscheidungsschwäche eines Großteils auch der politisch wachen Menschen hatte wesentlichen Anteil an der Misere.

„Aufklärung“ steht als Bezeichnung für eine historische Epoche wie einen Bewusstseinsprozessen der „Aufhellung“ noch immer in hohem Ansehen. Derzeit erleben wir allerdings das Gegenteil: eine kollektive Verdunklung des Zeitgeists, „Disenlightenment“. Schon Erlerntes und vorschnell als selbstverständlich Betrachtetes geht in einem rapiden Prozess verloren: so etwa Meinungspluralität, differenziertes und kritisches Denken, der Respekt vor Freiheit und Individualität. Stattdessen triumphieren Zwangsherrschaft, Schwarze Pädagogik, Gleichschaltung und die dramatische Reduktion von Komplexität auf das der Staatsmacht und dem politisch-pharmazeutischen Komplex Genehme. All dies geschieht interessanterweise unter Berufung auf die Wissenschaft. Und es geschieht unter dem unablässigen Kopfnicken von Intellektuellen ─ auch solchen, die sich vormals als Liberale, Sozialisten oder gar Anarchisten verstanden haben.

Was derzeit geschieht, ist, dass sich viele Menschen sehenden Auges in einen Zustand der Geistesverdunkelung hinabsinken lassen,

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Letzte Chance für die Agrarwende

13-11-20 10:37:00,

Die dringend nötige Agrarreform in der Europäischen Union, die die Landwirtschaft ökologisieren sollte, die ihr im Klimawandel helfen sollte oder sie sogar zu einem Helfer gegen den Klimawandel machen sollte – sie ist gescheitert. Durchgefallen im Europäischen Rat und im Europaparlament. Das ist die schlechte Nachricht. Und jetzt die gute: Die EU-Kommission will das nicht akzeptieren. Von Florian Schwinn.

Frans Timmermans, der in der Kommission für den Green Deal zuständig ist, will den Einsatz von Pestiziden halbieren und den von Dünger um 20 Prozent kürzen, außerdem zehn Prozent Flächenstilllegungen. Am 10. November startete in Brüssel der sogenannte Trilog zur Gemeinsamen Agrarpolitik GAP, die Verhandlung von Rat, Parlament und Kommission. Das ist die einstweilen letzte Chance für eine Agrarreform, die diesen Namen verdient.

Aber halt, hatte nicht die deutsche Landwirtschaftsministerin von einem „Systemwechsel“ gesprochen, von einer großen Reform, die sie im Rat durchgesetzt habe? Ja, das hatte sie. Und wollte uns damit offensichtlich das Weiter-so, das sie mit ihren Kolleginnen und Kollegen im Ministerrat ausgehandelt hatte, als Agrarreform verkaufen. Man darf spekulieren, ob das schlicht eine dreiste Lüge war oder Julia Klöckner einen amtsbedingten Knick in der Optik hat. Danach versenkte auch das Europaparlament mit einer ganz großen Koalition aus Konservativen, Sozialisten und Liberalen die zuvor zwei Jahre lang diskutierte Reform. Im Prinzip soll bei den europäischen Agrarsubventionen alles so bleiben, wie es ist. Wenn es nach dem Rat geht, werden 80 Prozent der Subventionen weiterhin an die landwirtschaftliche Nutzfläche gebunden. Viel Land – viel Geld. Wenn es nach dem Parlament geht, sind es 70 Prozent. Immerhin will das EU-Parlament eine Deckelung bei 100.000 Euro pro Betrieb und Jahr. Der Rest, also 20 oder 30 Prozent der Agrarmillionen, soll für sogenannte Eco Schemes ausgegeben werden. Nur was diese Öko-Regelungen sein sollen, außer einem neuen grünen Mäntelchen, ist noch unklar. Das sollen die Mitgliedsstaaten regeln. Auch das gefällt übrigens Kommissar Frans Timmermans nicht. Wenn es nach ihm geht, setzt die Kommission die Regeln und kontrolliert sie auch.

Was scheren mich Agrarsubventionen?

Ja, was haben wir anderen, wir Verbraucher, mit diesem ganzen Streit zu tun? Sehr viel, denn es geht dabei nicht nur um unser Geld, es geht sogar um unser Leben. Was die Landwirtschaft macht, entscheidet nicht nur über die Qualität unserer Lebensmittel, nicht nur darüber, ob wir Pestizide mitessen und einatmen,

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Die letzte Kolonie

26-08-20 02:09:00,

Als Wissenschaftler, der sich Zeit seines Berufslebens mit der Geschichte des Kolonialismus beschäftigt, Bücher und Studien geschrieben, unzählige Vorträge im In- und Ausland, Seminare und Vorlesungen darüber gehalten hat, den erfüllt eine gewisse Genugtuung, dass im zweiten Dezennium des dritten Jahrtausends diese Thematik, am Beispiel der deutschen kolonialen Vergangenheit veranschaulicht, in der Mitte der Gesellschaft angekommen zu sein scheint.

Allerorten gibt es Diskussionen und zuweilen auch daraus entstandene praktische Schlussfolgerungen, die in der Tatsache begründet sind, dass das Deutsche Reich vor mehr als einhundert Jahren eine Kolonialmacht war. Kolonialherrschaft war immer unrecht, tief rassistisch und basierte zumeist auf Gewalt und Ausbeutung. Sich dagegen zu wenden und aufklärerisch wirksam zu sein, kann man nur begrüßen. Denn Deutschland hat seine Spuren als Kolonialmacht von 1884/85 bis 1918/19 in Afrika, in China und in der Südsee hinterlassen.

Allerdings maßen sich heute leider so manche an der kolonialen Vergangenheit interessierte Deutsche an, ohne sich in der Fachliteratur kundig und somit mit der kolonialen Wirklichkeit vertraut gemacht zu haben, zu behaupten, darüber schon alles zu wissen. Zudem instrumentalisieren sie den seit einigen Jahren in Deutschland angekommenen postkolonialen Diskurs für ihre Interessen.

So manche Nachgeborene behaupten sogar, sie hätten eine Amnesie des deutschen Volkes auf dem Gebiet der kollektiven Erinnerung ausfindig gemacht, die man nun endlich beseitigen müsse. Das sind zwar gut gemeinte, die Effektivität der antikolonialen und antirassistischen Überzeugungsarbeit aber behindernde Anmaßungen. Denn oft genug wird mit kaum verdeckten Fake News versucht, den vormaligen Kolonialismus in der sogenannten Dritten Welt für alle nur möglichen Entwicklungen verantwortlich zu machen, die nicht nach ihren, letztlich europäischen Vorstellungen verlaufen.

Dabei wird vergessen, dass seit Ende der 1950-er Jahre in der DDR und seit Mitte der 1960-er Jahre in der alten Bundesrepublik begonnen worden ist, die deutsche koloniale Vergangenheit kritisch aufzuarbeiten. Es wäre angebracht, die hunderte von einschlägigen Büchern und die zu Tausenden vorliegenden Studien in einer Spezialbibliothek zusammenzufassen und somit auch denjenigen zugänglich zu machen, die bis heute lamentieren, dass die deutsche Kolonialgeschichte nun endlich aufgearbeitet werden müsse, und dann noch behaupten, sie könnten jedoch die vorliegenden Forschungsergebnisse dazu nicht finden.

Wichtig ist zweifelsohne, dass man in einer politischen Auseinandersetzung weiß, worüber man spricht, seine Argumente also mit Fakten unterlegen kann. Schon der große marxistische Globalhistoriker Eric Hobsbawm warnte kurz vor seinem Tode vor dem Abdriften der historischen Erinnerung in eine völlig falsche Richtung: „Politisch gesehen liegt die größte unmittelbare Gefahr für die Geschichtsschreibung in einem ‚antiuniversalistischen‘ Ansatz nach dem Motto: ‚Meine Wahrheit ist so gültig wie deine,

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Bernies letzte Chance

12-03-20 11:49:00,

Ist Sanders gescheitert? Momentan spricht nahezu alles dafür. Nach dem „Super Tuesday“ hat Sanders auch den „Big Tuesday“ verloren. Die Bundesstaaten Michigan, Idaho, Mississippi und Missouri gingen an Obamas Vizepräsidenten. In North Dakota und Washington State lag Sanders vorne, aber hauchdünn – während Biden in Mississippi 81 Prozent holte und Sanders unter die 15 Prozent der Stimmen drückte, die ein Kandidat benötigt, um überhaupt irgendwelche Delegierten zu holen.

Der Südstaat Mississippi mit seiner starken, schwarzen Bevölkerung zeigt dann auch gleich ein Kernproblem der Sanders-Kampagne. Wie bereits 2016 ist es ihr nicht gelungen, die Kontrolle des demokratischen Parteiestablishments über die afro-amerikanische Vorwählerschaft zu brechen.

Zwar führt Sanders klar bei den Afro-Amerikanern unter 35 Jahren. Es hat sich aber bei den bisherigen Vorwahlen gezeigt, dass die Mobilisierung der Jugend zu den Wahlurnen deutlich unter den Erwartungen der Sanders-Kampagne bleibt.

Das trifft auf die Jugend insgesamt zu. Somit ist eines der entscheidenden strategischen Ziele bisher nicht erreicht worden. Die Kampagne des Senators aus Vermont selbst ist durchaus sehr jung, viele ihrer Aktivisten sind jung, die Besucher der Kundgebung sind weit jünger als der Bevölkerungsschnitt – aber unter den tatsächlichen Wählern ist die Jugend weiterhin stark unterdurchschnittlich vertreten. In Michigan stimmten 82 Prozent der Wähler unter 30 für Bernie Sanders. Dennoch gewann Joe Biden Michigan deutlich.

Die Alten dominieren die Wahlergebnisse – und die sind eher auf eine Rückkehr zum Status-quo Ante-Trump orientiert als auf eine „politische Revolution“ Marke Sanders.

Bei den Afro-Amerikanern scheint zudem ein doppeltes Motiv für die Wahl Joe Bidens vorzuliegen. Die nach wie vor riesige Popularität des ersten schwarzen Präsidenten färbt offenbar weiterhin auf dessen Vizepräsidenten ab. Gleichzeitig ist die Angst vor einer zweiten Amtszeit von Donald Trump in der Community enorm, weshalb alle inhaltlichen Überlegungen der Frage untergeordnet werden, wer im November die besten Chancen hat, Trump zu besiegen.

Aus meiner Sicht wäre das exakt Bernie Sanders. Die Umfragen bestätigen das zuverlässig. Nahezu durchgehend schneidet Sanders gegen Trump besser ab als Joe Biden. Aber die Medien trommeln seit Monaten, dass Sanders ein riskanter Kandidat sei – und bisher ist es nicht gelungen, diese Wahrnehmung wirkungsvoll zu kontern. 

Dies verweist auf eine zentrale Erkenntnis betreffs der Machtverhältnisse in den USA, die uns durch die Entwicklung der Vorwahlen unerbittlich aufgezwungen wird: Es ist nämlich trotz einer in der Tat sehr starken progressiven Medienlandschaft in den USA nach wie vor nicht gelungen,

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