Ich will lieben und geliebt werden | Von Franz Ruppert | KenFM.de

23-02-21 08:14:00,

Ein menschliches Urbedürfnis und die weitereichenden Folgen, wenn die Mutterliebe fehlt.

Ein Standpunkt von Franz Rupert.

Die Sehnsucht nach Liebe – eine conditio humana

Ich will geliebt werden – ich behaupte, dieses Bedürfnis hat jeder Mensch. Eigentlich ist es ein zentrales menschliches Bedürfnis, das ursprünglich lautet: Ich will von meiner Mama geliebt werden.

Die Beziehung zur eigenen Mutter ist die erste Liebesbeziehung eines jeden Kindes. Ein Kind ist von Beginn seines Lebens an, also bereits vorgeburtlich voller Liebe für seine Mutter. Es ist auf den körperlich-emotionalen Kontakt mit ihr ausgerichtet. Für das Kind gibt es nichts Wichtigeres als seine Mutter. Das ist nicht verwunderlich, wächst doch jeder Mensch anfangs im Bauch seiner Mutter heran und ist auf Gedeih und Verderben auf sie angewiesen und ist von ihr existenziell abhängig. Jeder Mensch verfügt daher – und muss das auch – von Anfang an über eine enorme Liebesfähigkeit, die auf seine Mutter ausgerichtet ist, und hat einen ebenso großen Wunsch danach, von seiner Mutter geliebt zu werden.

Daran ist nichts verkehrt. Das gehört zu den Grundbedingungen unseres Menschseins dazu. Wir Menschen vermehren uns sexuell, die Kinder wachsen im Bauch ihrer Mutter heran. Daher gehört die Liebe zur eigenen Mutter und das Verlangen nach ihrer Liebe zur conditio humana. So wie es das Wesen von Vögeln ist, dass sie Flügel haben, um damit fliegen zu können, ist es das Wesen von uns Menschen, dass wir lieben können und geliebt werden wollen. Das sind quasi unsere Flügel.

Liebe und Angst

Liebe und Angst sind innerhalb der Psyche gleichsam Antagonisten. Wo Angst herrscht, ist für die Liebe wenig Raum. Angst aktiviert das Stresssystem in einem menschlichen Organismus. Wo Angst ist, entsteht auch Wut, Aggression und zwanghaftes Denken und Handeln. Diese Gefühle und Lebenshaltungen sind die Saat der Gewalt. Liebe ist das Gegengift zu Angst. Liebe kann Angst neutralisieren. Wo Menschen lieben, können sie auch mit ihren Ängsten gut und angemessen umgehen. Auch zwischenmenschliches Vertrauen ist ohne Liebe nicht zu gewinnen.

Fehlende Mutterliebe

Was also, wenn seitens der eigenen Mutter das Liebesbedürfnis eines Kindes nicht adäquat beantwortet wird? Wenn einen die eigene Mutter gar nicht haben will, einen ablehnt und zurückweist? Wenn sie völlig gleichgültig einem gegenüber ist? Wenn sie ihr Kind sogar bekämpft und körperlich wie emotional quält?

 » Lees verder

Ich kann halt lieben nur, und sonst gar nichts … | KenFM.de

20-02-21 05:14:00,

Ein Beitrag von Dirk C. Fleck.

Der erste Schnee. Die Stadt liegt wie betäubt unter dem weißen Laken. Hamburg erträumt sich unter einem tiefblauen Himmel zu neuer Unschuld. Selbst die Autos haben das zu respektieren, sie geistern sozusagen auf Zehenspitzen herum. Das Bellen eines Hundes klingt, als verlöre es sich in einem weiten Tal. Ich stehe auf dem Balkon und atme – atme tief und regelmäßig. Der Winterwind legt sich auf mein Gesicht, als wollte er mich vor Kälte schützen. Nach einer Weile schnappe ich mir meinen Mantel, haste die Treppen hinunter und geselle mich zu den zahlreichen Spaziergängern, die trotz der herben Corona-Maßnahmen nichts vermissen. Das Geräusch unserer Schritte in dem harschigen Schnee scheint uns auf magische Weise zu verbinden.

Ich lasse mich bis in den Innocentiapark treiben und stelle mich in die Sonne. Von einem vereisten Hügel purzeln in wattierte Nylonanzüge gepackte Kinder wie Gummibärchen herunter. Die Mütter stehen daneben und beobachten, welchem der Kleinen wohl meine besondere Aufmerksamkeit gilt. Ich kann mich nicht entscheiden, es ist niemand dabei …

Während ich dort stehe, eingewickelt in das fröhliche Kindergekreisch, habe ich das unmissverständliche Gefühl, in diesem Körper nur vorübergehend anwesend zu sein. Ich spüre, wie die Hülle altert, wie sie sich bereit macht, mich wieder freizugeben. Fühlt sich gut an, zumal ich dank dieses geschenkten Wintertages mit meinen Mitmenschen endlich einmal wieder im Einklang bin. Sie haben sich nicht grundsätzlich verändert, aber ich bin ihnen wieder nahe, ich gehe nicht auf Distanz. Am Rande des Parks bückt sich eine alte Frau über eine frisch gegossene Betonmauer, schaut ihr in die Poren. Sie hat Schmerzen im Kreuz, hält sich den Rücken. Eine Betonmauer! Warum betrachtet sie nicht den Busch, dem diese Mauer auf die Füße tritt und dessen Schreie nicht zu überhören sind? Egal, ich mag sie in ihrer verqueren Versenkung.

Auf dem Weg zur Alster begegnet mir eine Frau, deren aufrechter Gang mich beeindruckt. Sie ist schön. Den begehrlichen Blicken der Männer begegnet sie mit dem Gedanken: „Ich schenke Leben, aber nicht für dich, auch nicht für dich und für dich auch nicht.“ Niemand tritt ihr zu nahe. Ich muss schmunzeln, als wir aneinander vorbei gehen, sie lächelt kaum merklich zurück.

 » Lees verder

Wir lieben den großen Bruder

07-04-20 02:25:00,

Selbst Leute, die ich bislang als ziemlich unabhängige Geister respektiert habe, sind ihr verfallen. Sie glauben (obgleich es für diese Annahme nur äußerst fragwürdige Belege gibt), sie retteten andere vor einer grausamen Seuche, indem sie sich in ihren Häusern verstecken. Und so kann man mittags im Herzen der Stadt seine eigenen Schritte vernehmen. Ich vermute, der glücklichste Mensch, den man am Sonntag dort zu Gesicht bekam, war ein runzliger, plappernder Zecher mit einer Dose kräftigen Lagers in der Hand, der sich in einem undefinierbaren Krebsgang die Fassade des Balliol College entlang bewegte, wobei er sich dieses mächtigen Sitzes der Gelehrsamkeit als Geländer bediente, um nicht vornüber zu fallen. Aus zwei Gründen konnte er entspannt und froh gestimmt sein. Erstens war er nahezu besinnungslos und hatte folglich keine Ahnung von dem traurigen Schicksal, dass über sein Land gekommen war. Zweitens sind gemäß einem ungewollt komischen Zusatz zu unserer neuen Ausgangssperre im chinesischen Stil die Obdachlosen ausdrücklich von der Vorschrift ausgenommen, die uns alle in, äh, unsere Häuser sperrt.

Die eher fragwürdige gesetzliche Grundlage unseres Massenhausarrests ist ein Dokument mit dem Titel The Health Protection (Coronavirus, Restrictions) (England) Regulations 2020. Es basiert selbst auf dem Public Health (Control of Disease) Act 1984. Abgesehen von denen ohne ein Heim, für die es heißt “Regulation 6, Paragraph (1) findet keine Anwendung auf jedwede Person, die obdachlos ist“, stehen wir unter dem Zwang von Regulation 6, Paragraph (1), welche unverblümt und demütigend verkündet: “Während der Zeit des Notstands darf niemand seine Unterkunft ohne vernünftige Gründe verlassen.” Es folgt eine Liste offiziell akzeptierter Entschuldigungen, zu welchen bloßes Herumstehen und die Landschaft Betrachten, Pausieren, um die Aussicht von einem Hügel zu genießen, oder irgendeine andere Form der Kontemplation und des Vergnügens nicht gehören. Ein führendes Regierungsmitglied, der zunehmend enttäuschte angebliche Intellektuelle Michael Gove, hat angeregt, wir sollten unsere Gänge auf eine Stunde pro Tag beschränken. Ich kenne Michael seit vielen Jahren. Der Gedanke, er sei nun befugt, mir vorzuschreiben, wann und wo ich in den Feldern und Wäldern meiner Heimat spazieren gehe, ist bis zur Unglaubwürdigkeit absurd. Aber ein striktes Verbot selbst kleinster Freuden wird allerorten mit Strenge und Beflissenheit durchgesetzt. Es ist, als wäre man besetzt, bis auf den Umstand, dass die finster blickenden Besatzer meine eigenen Landsleute sind. Vor einem Pub, den ich kenne (und der natürlich verschlossen und dunkel ist),

 » Lees verder

Wir lieben die Lüge und die Verführung mehr als die Wahrheit

12-03-18 09:42:00,

Bild: MaxPixel/CC0

  1. Wir lieben die Lüge und die Verführung mehr als die Wahrheit

  2. Lieber neu, unwahrscheinlich und überraschend als wahr


  3. Auf einer Seite lesen

Eine Analyse über die Verbreitung von Informationen auf Twitter macht deutlich, dass Falschinformationen schneller und weiter verbreitet werden, weil sie vermutlich neuartiger und überraschender sind

Angeblich wollen alle die Wahrheit hören und werfen den anderen Lug und Trug vor. Tatsächlich ist aber die Lüge, also die List, dem anderen eine Falle zu bauen und ihn etwas glauben zu lassen, was nicht der Fall ist, eine wichtige Kulturleistung, die auch die Erfindung von Techniken der Täuschung zur Folge hat und vielleicht auch der Möglichkeit zugrundeliegt, technisch die Welt zu verändern. Menschen haben dieses Spiel perfektioniert, weil sie sich wie im Spiegelbild als anderen sehen und damit sich selbst aus den Augen eines anderen betrachten können. Das erleichtert das Schauspielen enorm, die Faszination daran treibt uns in die Kunst, in den Schein, die Fiktion, die Simulation. Das, was ist, erscheint uns oft zu banal und zu langweilig, wir leben im Möglichen. Schließlich ist selbst die Suche nach Wahrheit immer verbunden mit einem Trick, angeblich hinter die Bühne zu schauen, als ob dort nicht auch nur ein anderes Schauspiel geboten wird.

Kürzlich hatten Wissenschaftler vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Science eine Studie veröffentlicht, die herausfand, dass sich unwahre Behauptungen und auch “Verschwörungstheorien” nicht nur schneller verbreiten als wahre Geschichten, sondern auch von deutlich mehr Menschen rezipiert und weitergegeben werden. Die Wissenschaftler haben zwischen 2006 und 2017 die Verbreitung von durch faktenüberprüfende Organisationen (snopes.com, politifact.com, factcheck.org, truthorfiction.com, hoax-slayer.com, urbanlegends.about.com) nachgewiesen wahren und falschen Nachrichten auf Twitter analysiert. Ob diese “Organisationen” richtig vorgegangen waren, wurde nicht überprüft, ebenso spielte keine Rolle, ob mutmaßlich falsche Informationen bewusst zur Irreführung oder aus anderen Gründen weitergegeben wurden.

Dabei haben sie auf den Begriff der Fake News verzichtet, der zu einem Kampfbegriff geworden sei, um unerwünschte Nachrichten zu diskreditieren, allerdings verwenden sie nicht nur die Kennzeichnung von wahr und falsch, sondern sprechen eben auch von Verschwörungstheorien, die ebenso wie Fake News zu einem Kampfbegriff geworden sind. Nicht zuletzt sollten mit der negativen Belegung des Begriffs durch die CIA auch gezielt unerwünschte Gedanken über Zustandekommen von Ereignissen,

 » Lees verder