Makers and Takers: So haben die Banken die Macht übernommen

Makers and Takers: So haben die Banken die Macht übernommen

15-08-18 07:41:00,

Um es gleich vorwegzunehmen: Für mich, der ich als Journalist nicht nur die geopolitischen Winkelzüge und offenkundigen Machtkämpfe auf dieser Welt mitverfolge, sondern auch die gesellschaftspolitischen Veränderungen in Ost und West aufmerksam beobachte, ist das Buch von Rana Foroohar, «Makers and Takers; Der Aufstieg des Finanzwesens und der Absturz der Realwirtschaft», das interessanteste all der Bücher, die ich in diesem Jahr schon gelesen habe. Da werden einem in vielen Punkten und anhand realer Beispiele richtig die Augen geöffnet.

Rana Foroohar, geboren 1970, ist von ihrer beruflichen Vergangenheit her eine Spezialistin im Finanzwesen, war zuerst selber in der Finanzindustrie tätig, dann mehrere Jahre Korrespondentin des Time Magazine mit Sitz in London und zuständig für die Berichterstattung über Europa, und ist seit 2017 Kolumnistin der Financial Times. Schon in der Einleitung ihres Buches über die «Makers», die arbeiten, und die «Takers», die nur nehmen, erzählt sie ein ganz persönliches Erlebnis im Gespräch mit Polit- und Finanzexperten, das dazu führte, dass sie, wie sie schreibt, dieses Buch schreiben musste. Und so ist das Buch denn auch geworden: Es ist das Bekenntnis einer engagierten Frau, die nicht länger nur zusehen wollte und will, wie sich das internationale Finanzsystem entwickelt und wie mehr und mehr die Banken die Macht über diese Welt übernommen haben. Mit vielen konkreten Fällen, die das sichtbar machen. Wobei man bei der Lektüre daran denken muss, dass Rana Foroohar primär die US-amerikanischen Verhältnisse beschreibt. Nur: Europa ist seit Jahrzehnten dabei, alles zu übernehmen, was aus den USA kommt. Warum sollte Europa gerade in diesem Punkt aus seiner eigenen und der US-amerikanischen Geschichte lernen und einen eigenen Weg beschreiten? Es gibt kaum Anzeichen dafür.

Rana Foroohar – sie hat eine eigene Website – beschreibt anschaulich, wofür die Banken früher da waren und wofür sie eigentlich immer noch da sein sollten: als Dienstleister der Realwirtschaft. Man gibt einem Unternehmen, das investieren muss oder will, einen Kredit. Heute wird das Geld nicht mehr primär für realwirtschaftliche Investitionen eingesetzt, sondern zur Steigerung der Profitabilität der Unternehmen, sprich: vor allem zur Wertsteigerung der Aktien, zum Beispiel durch Rückkauf von Aktien durch das Unternehmen selbst, oder wie auch immer. Die Autorin des Buches «Makers and Takers» nennt diesen Wandel die Finanzialisierung. Und sie erklärt das so (alle hier wiedergegebenen Zitate stammen aus der deutschsprachigen Ausgabe des Buches): «Die Krankheit unserer Wirtschaft hat einen Namen: Finanzialisierung.

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