Chinas Grüne Große Mauer

16-01-20 11:57:00,

Grafik: TP

Die Volksrepublik forstet nicht nur großflächig auf, sondern nutzt ihr “Dreifaches Nördliche Schutzgürtel-Programm” auch zur Produktion von Äpfeln, Walnüssen, Kumuldatteln und Esskastanien

Fährt man in China über Land, fällt auf, dass es zwar keine alten Bäume gibt, dass aber an allen Ecken und Enden wieder aufgeforstet wird – und zwar offensichtlich schon länger. Tatsächlich läuft in der Volksrepublik China seit 40 Jahren – von der Weltöffentlichkeit fast unbemerkt – das größte Aufforstungsprogramm der Weltgeschichte. 1981 verpflichtete der nationale Volkskongress alle Chinesen ab einem Alter von elf Jahren jedes Jahr drei Baumsetzlinge zu pflanzen – vorzugsweise Pappeln oder Weiden, Eukalyptus, Birken und Lärchen. Allein zwischen 2000 und 2010 haben die Bürger 56 Milliarden Bäume gesetzt.

Bis heute werden in China mehr Bäume aufgezogen als im Rest der Welt zusammengenommen. 2010 verfügte das Land über den weltweit größten von Menschen gepflanzten Wald, der eine Fläche von schätzungsweise einer halben Million Quadratkilometer bedeckte. Damit galt das offizielle Ziel der Kommunistischen Partei Chinas, 20 Prozent (etwa 1,95 Mio. km2) des Staatsgebietes zu begrünen, als erreicht. Zum Vergleich: Spanien ist knapp 506.000 km2 groß.

Ebenso dringlich wie mühselig

Besondere Bedeutung hat diese Politik im Norden und Nordwesten Chinas. Denn dort liegen ausgedehnte Wüsten, die etwa 27 Prozent der chinesischen Landflächen bedecken. Davon sind zwei Drittel Sandwüsten, und die wachsen rasch. Die South China Morning Post beziffert die Desertifikation in China für das Jahr 2006 mit circa 2.500 Quadratkilometern. In den 1950er Jahren waren es noch 1.500 km2 gewesen. Chinas Graslandschaften nehmen seit den 1980er Jahren jährlich sogar um schätzungsweise 15.000 km2 ab.

Im Kampf gegen die Desertifikation gab es allerdings auch heftige Rückschläge: Erosion und intensive Landwirtschaft verursachen Probleme, genauso wie Umweltverschmutzung und Dürre. Zwar wurden allein 2009 etwa 5,88 Millionen Hektar aufgeforstet, eine Fläche, die diejenige der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz und Saarland noch übertrifft. Doch ging schätzungsweise ein Viertel der Setzlinge ein, nachdem Winterstürme im Jahr zuvor schon zehn Prozent der Neupflanzungen vernichtet hatten.

2013 beklagte die Global Times, dass neue Untersuchungen große Verluste ausgewiesen hätten. Insbesondere die Pappelbestände in der Provinz Zhangbei litten stark unter Dürre, ein Prozess der schon 2003 begonnen habe. Auch in der Provinz Gansu gab es Probleme: Hier war es vor allem eine Käferart,

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Die grüne Mauer

28-08-19 07:28:00,

In den 50er Jahren verdunkelten Sandstürme noch durchschnittlich 56,2 Tage pro Jahr den Himmel über Beijing. 2017 gingen die Stürme aus den Wüsten im Norden auf sieben Tage zurück, heute auf praktisch null.

In den letzten Jahren ist Beijing mit den Nachbarstädten Tianjin und Hebei zu einer Megastadt zusammengewachsen, Jing-Jin-Ji genannt. Über diese riesige Wirtschaftszone von der Größe der alten BRD mit 130 Millionen Einwohnern tobten 1978 noch an durchschnittlich fünf Tagen Sandstürme im Jahresverlauf. Nun konnten die Meteorologen für dieses Gebiet Entwarnung geben: im Durchschnitt noch 0,1 Tage pro Jahr. Ein positiver Effekt des Klimawandels? Mitnichten, sondern ein sozialistischer Plan.

Wie das Magazin ChinAfrica am 26. März 2019 berichtete, hob Zhu Jiaojun, Chef des „Institute of Applied Ecology“ an der Chinesischen Akademie der Wissenschaften, in seinem Evaluations-Bericht diesen Erfolg der 40jährigen Arbeit des „Three-North Shelterbelt Forest Program“ hervor, den Bau der „Großen Grünen Mauer“. Das Programm wird seit zwei Jahren von der „National Forestry and Grassland Administration“ und der Chinesischen Akademie der Wissenschaften nach einer weiten Bandbreite von Kriterien wie Veränderungen in Forstbestand, Entwaldung, Erosion und Klima ausgewertet.

Vor über 40 Jahren, das heißt 1978/79 wurde das Programm aufgelegt, um der Ausdehnung der Wüste Gobi zu begegnen beziehungsweise sie zurückzudrängen. 551 Bezirke in 13 Provinzen waren von Entwaldung betroffen, ein Gebiet von über vier Millionen Quadratkilometern, halb so groß wie die Europäische Union, wo mehrere zehn Millionen Menschen betroffen waren, so Xu Xinwen, Forscher am „Xinjiang Institute of Ecology and Geography“ (XIEG) im ChinAfrica vom 10. Juni 2019. Verursacht hatten die Entwaldung Naturkatastrophen, aber auch eine über Generationen dauernde exzessive Abholzung für Feuerholz und die Umwandlung in Weideland, ähnlich wie jene im kolonialisierten Irland vor zwei bis dreihundert Jahren durch die englischen Landlords.

Dieses Entwicklungsprogramm wurde 1978 beschlossen, in drei Etappen eingeteilt mit acht exakt beschriebenen Phasen.

2050 soll das Werk vollbracht sein, ein Geschenk zum 100. Geburtstag der Volksrepublik: ein 4.500 Kilometer langer und mehrere 100 Kilometer breiter, wiederaufgeforsteter Schutzwall. Aktuell steht die Arbeit in der fünften Phase und kann eine stolze Zwischenbilanz vorlegen: 46,14 Millionen Hektar aufgeforsteter Wald (eine Fläche größer als Deutschland), den Plan übererfüllt mit 118 Prozent, und die Waldfläche ist insgesamt auf 13,57 Prozent gestiegen.

Die Flächen mit windbrechenden, die Erosion verhindernden und sandbefestigenden Hecken und Wäldern sind um 154 Prozent gewachsen.

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Die Mauer des Schweigens

28-08-19 07:26:00,

Wenn eine solche Aktion doch bekannt wird, berichtet die Presse entweder gar nicht oder nur sehr kurz und dann verschwinden die Skandale hinter einer Mauer des Schweigens. Die „Qualitätsmedien“ scheinen solche Dinge nicht aufklären zu wollen, sondern tun ihr Bestes, damit die Menschen davon nichts erfahren. Und wenn es unvermeidbar ist, darüber zu berichten, dann sorgen sie anschließend dafür, dass die Menschen es schnell wieder vergessen.

Bevor ich auf die aktuelle Meldung aus Österreich komme, hier eine kleine Auswahl von Beispielen und Belegen für meine These — damit auch ein Leser, für den all das völlig neu ist, meine Argumentation verstehen kann.

Für alle, die davon noch nie gehört haben: Gladio ist der Name für direkt nach dem Zweiten Weltkrieg von der CIA gegründete und gesteuerte, illegale Untergrundarmeen in den NATO-Ländern. Ursprünglich sollten sie im Falle eines Krieges hinter den sowjetischen Linien als Partisanen tätig werden, aber sie wurden auch auf andere Weise eingesetzt, als es nicht zu dem befürchteten Krieg mit den Sowjets kam. Die Geschichte kam heraus, als Ende der 1980er und Anfang der 1990er Jahre in Italien Skandale vor Gericht kamen und ein ehemaliger italienischer Ministerpräsident alles einräumen musste.

Die schlimmsten Terroranschläge in Italiens Geschichte, wie zum Beispiel der Bombenanschlag auf den Bahnhof von Bologna vom August 1980 mit 85 Toten, waren von dieser geheimdienstgeführten Organisation verübt worden. Zuvor hatte man die Schuld auf die kommunistischen Roten Brigaden geschoben, was sich dann jedoch als unwahr herausstellte.

Das führte zu Skandalen in ganz Westeuropa und sogar das EU-Parlament hatte in einer Resolution Aufklärung gefordert — die natürlich nie stattfand. In Belgien hatte der damalige Verteidigungsminister seine Generäle entrüstet gefragt, ob all das wahr wäre, ob es so etwas auch in Belgien gäbe und warum er davon nichts wisse. Die Antwort der Generalität war bestechend: „Ihr Verteidigungsminister wechselt ja so oft und das war zu geheim, um es Euch zu erzählen.“

In Deutschland war damals, im Jahre 1991, gerade Wahlkampf und die SPD unter Kanzlerkandidat Björn Engholm wollte das Thema in den Wahlkampf bringen. Das tat sie dann doch nicht, nachdem die CDU lapidar mitgeteilt hatte, dass es ja auch schon unter den SPD-Kanzlern Brandt und Schmidt all das gegeben hätte. Das Thema würde also beide großen Parteien beschädigen.

Die Medien hatten es einfach,

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