Tagesdosis 13.11.2019 – Der Mauerfall und die Wiedervereinigung | KenFM.de

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13-11-19 01:57:00,

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Eine fantastische Erzählung von Rüdiger Lenz.

Am 9. November 2019 stand ich am Brandenburger Tor in Berlin. Dort geschah etwas so Seltsames, davon muss ich euch berichten. An dem Tag, dreißig Jahre zuvor, fiel die Mauer, die durch ganz Deutschland verlief. Ich sah kleinere Autokorsos, Leute die sich in Gruppen zusammen taten und fröhlich waren, aber auch vereinzelt Demonstranten, die über die missliche Entwicklung dieser sogenannten Wiedervereinigung redeten. 

Und dann stand da ein Mann ganz alleine. Er stand bloß da und schaute sich um. Da es kalt war, trug er einen schönen Hut auf seinem Kopf. Er sah an sich sehr gut aus und war stilvoll gekleidet. In seinem Gesicht lag etwas unergründlich Liebevolles, etwas, dass ich als nicht von dieser Welt wahrnahm. Warum, das weiß ich nicht. Dann breitete dieser Mann seine Arme sanft aus und fing zu lächeln an. Seine Augen strahlten dabei so sehr und so tief, wie ich es noch bei keinem Menschen sehen und gleichzeitig auch fühlen konnte. Ich war wie elektrisiert und dachte mir, was geschieht da gerade mit dir? Dann fing er an zu sprechen, einfach so, ohne ein Mikrofon. Das, was er sagte, das erklang nicht von einer Ferne, denn ich stand gut zwanzig Meter von ihm entfernt. Seine Stimme erklang in meinem Kopf, so, als hätte ich Kopfhörer um meinen Kopf aufgesetzt. Ich sah mich um und bemerkte, dass es einigen genauso erging wie mir, und andere nahmen überhaupt gar keine Notiz von ihm. Wir aber standen wie elektrisiert und hörten ihm zu. 

Er sprach: Es gibt keine Mauern, die ihr einreißen könnt außer die Mauern, die in euch selbst liegen. Diese Mauern sind nicht meines Vaters Haus. Es sind die, die euch zu Waisen und Verirrten machten. Zu Obdachlosen der Liebe und Güte, von der ihr euch entfernt habt. Die Mauer ist groß und stark, die euch trennt und die euch zum Feind eures Nächsten gemacht hat. Sehet, aber der Nächste ist der Arm meines Vaters. Er liebt euch. Die Mauer ist stark und sie ist dicker geworden.

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30 Jahre Mauerfall – Wie das russische Fernsehen über das Jubiläum berichtet | Anti-Spiegel

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11-11-19 03:49:00,

30 Jahre Mauerfall war auch im russischen Fernsehen ein Thema. Dass die russische Sicht auf das Jubiläum eine andere ist, als in den deutschen Medien, ist nicht überraschend. Worin sie sich unterscheidet, ist allerdings überraschend.

Auch in Russland ist der Mauerfall ein wichtiges Thema. Viele Russen haben das damals hautnah als Soldaten in der DDR miterlebt. Auch die Russen waren damals von der Euphorie der politischen Wende ergriffen und (auch) die Russen wurden schwer enttäuscht. Umso interessanter ist, wie die Russen, die sich inzwischen wirtschaftlich und politisch von der Wende erholt haben, in der Rückschau auf das Jubiläum blicken. Da das russische Fernsehen am Sonntag in der Sendung „Nachrichten der Woche“ darüber einen langen Bericht gebracht hat, habe ich den übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Der 9. November war in Deutschland ein wichtiges Datum: 30 Jahre sind seit dem Fall der Berliner Mauer vergangen. Und 1990 haben sich Ost- und Westdeutschland unter dem Motto „Wir sind ein Volk!“ wieder vereinigt, die seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs getrennt waren. Großbritannien und Frankreich, vertreten durch Thatcher und Mitterrand, waren aktiv dagegen. Aber die UdSSR war dafür. Damals, vor 30 Jahren, gab es viele Pläne und Hoffnungen, vor allem bei den Menschen in Ostdeutschland. In Erfüllung gegangen sind längst nicht alle.

Deutschland feiert den 30. Jahrestag des Mauerfalls genauso, wie das 20-jährige und das 25-jährige Jubiläum. George Bush und Helmut Kohl sind zwar verschwunden aber in der ganzen Stadt erinnern wieder Plakate an die Schrecken des totalitären Regimes, auch die Szenen am Brandenburger Tor ähneln sich jedes Mal. Auch die Kanzlerin ist die gleiche. Aber die Stimmung hat sich gewandelt: Das Vertrauen darin, dass der Sieg der liberalen Werte unumkehrbar ist, dass mit dem Fall des Kommunismus das Ende der Geschichte gekommen ist, ist verloren gegangen.

Darüber hinaus haben die Deutschen in den letzten fünf Jahren erleben müssen, dass die historische Episode der dritten Vereinigung Deutschlands noch nicht vorbei ist. Im Gegenteil, die Deutschen unterscheiden sich nach Eigentums- und Sozialverhältnissen in Ost und West.

Merkel war an dem Tag mit hohen Gästen an den Resten der Berliner Mauer: Schaut nur das Böse an, das wir gemeinsam gesiegt haben!

„Ich erinnere an alle, die an dieser Mauer getötet wurden. Sie suchten die Freiheit. Ich erinnere auch an die 75.000,

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Tagesdosis 09.11.2019 – Mauerfall 9.November ’89 – Der Blick zurück | KenFM.de

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09-11-19 10:00:00,

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Ein Kommentar von Hermann Ploppa.

Als ich am 9. November 1989 abends eine halbe Stunde vor Mitternacht von einem geselligen Abend aus meiner Stammkneipe nachhause kam, machte ich noch mal das Radio an, einen hessischen Dudelfunk, nur um mich vor dem Schlafengehen noch ein wenig berieseln zu lassen mit den Klängen von Phil Collins. Doch da kam eine Liveübertragung: „Ich kanns noch gar nicht fassen! Die Mauer ist offen, und wir fahren hier mit unserem Trabi über den Kurfürstendamm!“ Wie bitte? Ein Scherz wie damals der Krieg der Welten von Orson Welles? Hätte ich dem Hessischen Rundfunk nie zugetraut. Der Vergleich mit anderen Radiosendern brachte überall dieselben Originaltöne: glückliche Ostberliner, die mitten durch Westberlin kutschierten. In der Tat eine Sensation. Wir alle hatten damit gerechnet, dass es auch bei unserem Ableben die Mauer immer noch geben würde.

Ich muss aber klar sagen: schon damals traute ich dem Frieden nicht so ganz. Wie sollte die angekränkelte DDR denn eine offene Grenze zum wohlgenährten bundesdeutschen Bruder überleben? Diese Ungleichheit war ja später schon geradezu physiognomisch zu greifen in Form der riesigen Fleischmassen von Bundeskanzler Kohl und der terrierhaften Schmächtigkeit des DDR-Regierungschefs Lothar de Maiziere, der mindestens zweimal in den Bauch von Kohl zu passen schien. Das konnte doch nicht gutgehen.

Und dann soll der ganze Mauerfall ja ein Versehen gewesen sein. Der SED-Funktionär Günter Schabowski soll auf die Frage eines Journalisten nicht weiter gewusst haben und hätte dann eine Order von oben eigenwillig so gedeutet, dass die Grenzen ab sofort offen seien. War ja unerheblich, denn für den nächsten Vormittag, so sah die Politbüro-Anweisung vor, sollten DDR-Bürger frei ausreisen können. Das betraf Auswanderer aus der DDR, die ein Visum vorweisen sollten. Und nun überrannten die Massen die völlig geschockten Grenzpolizisten, und aus der Auswanderung wurde ein Sight-Seeing-Trip nach Westberlin.

Naja, das ist natürlich wieder einmal ein schönes Märchen aus tausend und einer Umnachtung. Tatsächlich hatte die Führung der DDR-Schutzmacht Sowjetunion den deutschen Arbeiter- und Bauernstaat schon lange an den Westen verkauft. Es blieb den Sowjets schlicht und wenig ergreifend gar nichts anderes übrig.

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