Medien und Corona – Taktgeber mit ersten Selbstzweifeln?

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22-09-20 07:18:00,

Das Thema Corona dominiert auch im Spätsommer die mediale Berichterstattung. Trotz der mittlerweile deutlich entspannten Lage ist die Berichterstattung nach wie vor vor allem von Alarmismus geprägt. Langsam muss man gar die Frage stellen, ob die vielfach von Kritikern zu recht gescholtene Politik hier noch der Treiber oder längst der Getriebene ist. Es gibt jedoch auch eine zarte Hoffnung am Horizont. Mit Stefan Aust, Stephan Hebel und Jakob Augstein haben sich in den letzten Wochen bereits drei namhafte Journalisten zu ihren Selbstzweifeln bekannt. Doch auch drei Schwalben machen noch keinen Sommer und von einem branchenweiten Umdenken kann leider überhaupt nicht die Rede sein. Von Jens Berger

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In der letzten Woche meldete sich der WELT-Herausgeber Stefan Aust mit einer sehr lesenswerten Generalabrechnung an die Politik zu Wort – selbstkritische Worte zur Rolle der Medien und des eigenen Blattes sucht man dabei jedoch vergebens. Wenn Aust von der Politik fordert, „vom Panik-Modus zurück in den Normalitäts-Modus“ zu schalten, so ist dies erfreulich. Noch erfreulicher wäre es jedoch, wenn er diese Forderung auch deutlich an seine Kollegen adressiert hätte. Es wirkt schon ein wenig befremdlich, wenn der Herausgeber einer der größten deutschen Zeitungen der Politik generös zugesteht, dass „nach den Bildern aus China und aus Norditalien rigide Maßnahmen notwendig“ waren, dabei aber nicht erwähnt, wer diese Bilder publiziert hat, ohne sie einzuordnen. Auch die WELT hat damals mit Bildern von Särgen und Horrorszenarien das Umfeld geschaffen, in dem die Politik ihre „rigiden Maßnahmen“ durchsetzen konnte. Auf die Einordnung dieser Bilder und Meldungen mussten Leser der WELT mehr als ein halbes Jahr warten. Läge es da nicht nahe, von der WELT eine selbstkritische Aufarbeitung zu fordern? Die wäre dringend nötig, gehörte doch die WELT immer wieder zu den Negativbeispielen, die von den NachDenkSeiten für ihren Alarmismus kritisiert wurden.

Selbstkritischer geht da der Frankfurter-Rundschau-Redakteur Stephan Hebel mit der Branche und auch mit seinem Blatt ins Gericht. Hebel forderte am Wochenende seine Leser zu einem Dialog auf. Dies sei, so Hebel, als „selbstkritisches Angebot“ zu verstehen, mit der Zeitung über deren Berichterstattung zu sprechen. Dabei thematisiert er auch die Unzufriedenheit der Leser und den Vertrauensverlust des Blattes in Folge dessen Corona-Berichterstattung.

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Die Medien und das falsche Bild von einem „guten Amerika“

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21-08-20 09:53:00,

Die einhellige Diffamierung von US-Präsident Donald Trump sowie die unhaltbare Darstellung der US-Demokraten als das „gute Amerika“ sind selektiv und verzerrend. Aus beiden Aspekten folgen große Irreführung und Orientierungslosigkeit bezüglich der USA. Von Tobias Riegel.

Es ist nicht leicht, ein konstruktives Gespräch über den US-Präsidenten Donald Trump zu führen: Zu leidenschaftlich stehen sich die Pole gegenüber. Hier soll trotzdem versucht werden, über den US-Wahlkampf zu schreiben, ohne Trump rundum zu verteufeln. Und ohne die Gegenseite als moralisch eindeutig im Vorteil zu bezeichnen. Dass der Verzicht auf eine pauschale Diffamierung Trumps nicht bedeutet, dass man sich mit seinem Stil und seinen Inhalten identifiziert, ist selbstverständlich. Es soll hier trotzdem noch einmal betont werden: Donald Trump ist ein radikaler Großkapitalist, positive Charakterisierungen als Widerstandskämpfer gegen das Establishment oder als Friedensbotschafter sind zurückzuweisen. Ebenso zurückzuweisen sind aber Exzesse der Verteufelung und die Zeichnung der US-Demokraten als das „gute Amerika“.

Manipulation und Verzerrung zur US-Politik

Die Berichterstattung großer deutscher Medien zum US-Wahlkampf ist extrem selektiv, es sind vor allem die bereits erwähnten Aspekte zu kritisieren: Die einseitige Diffamierung des Präsidenten sowie die unhaltbare Darstellung der US-Demokraten als das „gute Amerika“. Aus beiden Aspekten folgt große Irreführung und Orientierungslosigkeit bezüglich der USA: Wohin die tatsächlichen Entwicklungen gehen könnten, wird vernebelt. Angesichts von emotionalen und verzerrten Artikeln kann sich der Bürger kein reales Bild von den USA machen – etwa davon, dass es eine „US-Kriegspartei“ gibt, die sich über die Parteigrenzen von Demokraten und Republikanern erstreckt.

Bezüglich Donald Trump ist eine Trennung der Betrachtungen zur Innen- bzw. zur Außenpolitik angebracht: Innenpolitisch betreibt er die Polarisierung der Gesellschaft ebenso wie seine Gegner bei US-Demokraten und in zahlreichen Institutionen. Außenpolitisch ist das Bild nicht so eindeutig: Einerseits können Tendenzen festgestellt werden, große militärische Konflikte zumindest vorerst nicht weiter zu eskalieren. Andererseits werden unter Trump die Konflikte etwa mit China, Venezuela oder Iran vorangetrieben, wenn auch auf einer bisher weitgehend nicht-militärischen Ebene. Die Bereitschaft zu großen militärischen und für alle Seiten extrem verlustreichen Einsätzen der US-Armee erscheint aber bei den US-Demokraten erheblich größer. Ebenso scheint dort die Bereitschaft erheblich kleiner, die selber ausgehobenen Gräben zu Russland zu überbrücken. Die NachDenkSeiten haben dazu geschrieben:

„Vor allem die Innenpolitik des US-Präsidenten muss sehr kritisch betrachtet werden, da Trump hier seinen bösen Worten meist auch schlimme Taten wie die grausame Isolierung der Migrantenkinder,

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Deutsche Medien: oberflächlich, regierungshörig, kriegsgeil. Ein Nachtrag zu Bombern über dem KZ Dachau. Plus Leserbriefe.

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20-08-20 11:35:00,

Die NachDenkSeiten hatten gestern einen Beitrag von Winfried Wolf zur deutsch-israelischen Flugdemonstration über dem KZ Dachau gebracht. Dazu gab es eine Reihe von Leserbriefen, die in Teil B zusammengestellt sind. Diese Leserbriefe entsprechen so gar nicht dem Medienecho. Auf dieses gehen wir im Teil A ein. Dort wollen wir Ihnen einen Eindruck von der Reaktion unserer Medien auf diesen unglaublichen Vorgang geben. Das Echo ist positiv. Unsere Hauptmedien, die sich gerne als seriös verkaufen, haben nicht gemerkt, wie oberflächlich und zynisch dieses militärisch geprägte Gedenken an die in Dachau Ermordeten ist. Sie haben auch nicht gemerkt, dass der Überflug kombiniert mit der Präsenz der israelischen Militärflugzeuge in Deutschland und die Einbindung in gemeinsame Übungen mit der Bundesluftwaffe und der NATO vermutlich eine große militärische und politische Bedeutung hat. Damit rücken wir dem Kriegseinsatz im Nahen Osten näher. Kein Thema für unsere so großartigen Medien! Albrecht Müller.

Schon jetzt sind wir militärisch in Jordanien und Syrien involviert. Die gemeinsamen Übungen verstärken diese Tendenz. Wenn es zum großen Konflikt im Nahen Osten kommt, dann wird mit Berufung auf die Parole, Israels Sicherheit gehöre zur deutschen Staatsraison, auch die deutsche Beteiligung am großen Konflikt vor Ort eingefordert werden.

Die etablierten deutschen Medien verlieren darüber kein einziges Wort. Schauen Sie sich mal an, was dort so alles zu lesen, zu hören und zu sehen ist. Das zu lesen lohnt sich! Eine Auswahl von Berichten über die Präsenz israelischer Flugzeuge in Deutschland, in Dachau und in Fürstenfeldbruck finden Sie im folgenden Teil A. Dann wie angekündigt einige Leserbriefe in Teil B.

Teil A: Berichterstattung einiger deutscher Medien zur Präsenz der israelischen Luftwaffe in Deutschland

 

 
Tagesschau:

tagesschau.de/inland/israel-kampfjets-101.html

 

 
Die Bild-Zeitung:

bild.de/politik/inland/politik-inland/historischer-moment-israels-luftwaffe-ueberfliegt-ehemaliges-kz-dachau-72445818.bild.html

von: JULIAN REICHELT

veröffentlicht am18.08.2020 – 23:33 Uhr

Israelische Kampfjets im deutschen Luftraum, am Himmel über dem ehemaligen Konzentrationslager Dachau – was für ein historischer Moment, was für eine grandiose Symbolik.

Dieses einmalige Foto sollte uns aber nicht bloß friedensbeduselt und rührselig stimmen. Es sollte uns vor allem daran erinnern,

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Das berichten die Medien nicht: OSZE hat Einladung zur Beobachtung der Wahlen in Weißrussland abgelehnt | Anti-Spiegel

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19-08-20 08:18:00,

In den deutschen „Qualitätsmedien“ erfahren wir derzeit täglich, dass die OSZE die Wahlen in Weißrussland nicht beobachtet hat und es wird so dargestellt, als sei eine Wahlbeobachtung durch die OSZE von Minsk nicht zugelassen worden. Das ist nicht wahr, wie Pressemeldungen der OSZE zeigen.

Das habe auch ich nicht gewusst und wahrscheinlich auch kaum jemand sonst. Es ist keineswegs so, dass Weißrussland gegen eine Beobachtung der Präsidentschaftswahlen gewesen wäre, im Gegenteil: Weißrussland hat die OSZE zur Wahlbeobachtung eingeladen, aber die OSZE hat abgelehnt. Die „Qualitätsmedien“ und die europäischen Politiker stellen es aber so dar, als hätte Weißrussland die OSZE-Beobachter nicht zugelassen und daher könne man das Wahlergebnis nicht anerkennen, denn es sei gefälscht worden.

Auch ich habe Zweifel an dem Wahlergebnis, aber es gibt keine Beweise für eine Fälschung. Hätte die OSZE die Einladung Weißrusslands angenommen und die Wahl beobachtet, dann hätte man heute die Berichte der OSZE zur Einschätzung der Wahl. Das aber wurde durch die Ablehnung der OSZE verhindert.

Und das ist tatsächlich wahr, denn am 15. Juli hat die OSZE in einer Pressemeldung mitgeteilt, sie habe dem weißrussischen Außenminister mitgeteilt, sie könne die Wahl nicht beobachten, weil sie nicht rechtzeitig eingeladen worden sei. Das Problem dabei ist aber, dass es keinerlei Bestimmungen oder Regeln bei der OSZE gibt, wann eine Einladung erfolgen muss.

Dass sie selbst die Beobachtung der Wahl abgelehnt hat, hat die OSZE am 10. August noch einmal bestätigt, als sie in einer Pressemeldung, in der sie ihre Besorgnis über die Vorgänge in Weißrussland zum Ausdruck gebracht hat, schrieb:

„Das ODIHR bedauert, dass es nicht in der Lage war, die gestrigen Präsidentschaftswahlen zu beobachten, nachdem die weißrussische Regierung keine rechtzeitige Einladung an das ODIHR geschickt hat, um die kritischen Elemente des Wahlprozesses zu beobachten.“

Da es bei der OSZE jedoch keinerlei Regeln gibt, wie viele Wahlbeobachter zu einer Wahl geschickt werden oder innerhalb welcher Fristen Einladungen zur Wahlbeobachtung ausgesprochen werden müssen, ist das offensichtlich eine Ausrede. Das ODIHR führt an, dass zu dem Zeitpunkt (15. Juli) die Registrierung der Präsidentschaftskandidaten schon abgeschlossen war, weshalb eine Wahlbeobachtung unmöglich sei.

Das überzeugt jedoch keineswegs, denn die Wahl und vor allem die Auszählung der Stimmen hätten trotzdem beobachtet und überwacht werden können. Und die nach Ansicht des ODIHR zu späte Einladung hätte sie in dem Beobachterbericht ausführlich thematisieren und kritisieren können.

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Kinderarmut: Medien berichten zu oberflächlich und mit zu wenig Nachdruck

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09-08-20 06:40:00,

Kinderarmut – dieser Begriff taucht in den Medien immer mal wieder auf. Meistens berichten Journalisten darüber, wenn neue Studien darauf verweisen, wie real Armut unter Kindern in diesem reichen Land ist. Zahlen, Daten, Fakten: Darauf springen Medien an. Das ist verständlich. Doch die Berichterstattung ist zu oberflächlich, sie bleibt im Alibi-Modus, es fehlt am Nachdruck. Ein Kommentar von Marcus Klöckner.

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Kürzlich kam wieder so ein Tag, an dem das Thema Kinderarmut die Aufmerksamkeit von Journalisten erregt hat. Anlass war eine aktuelle Studie der Bertelsmann Stiftung, wonach rund 2,8 Millionen Kinder in Deutschland in Armut leben, also über 21 Prozent aller unter 18-Jährigen.

Lokale, regionale und bundesweit erscheinende Medien berichteten. „Kinderamut in Deutschland – Armutsverschärfer Corona“, lautete die Überschrift bei der Zeit. „Bertelsmann-Studie: Kinderarmut trifft Millionen“, heißt es bei der Leonberger Kreiszeitung. „Bertelsmann-Studie zur Armut – Das Geld, armen Kindern zu helfen, fehlt nicht“, lautet die Überschrift eines Deutschlandfunk-Kommentars. Wer bei Google news den Begriff Kinderarmut eingibt, findet zahlreiche Treffer. Anders gesagt: Den Medien kann man auf den ersten Blick nicht vorwerfen, das Problem der Kinderarmut nicht zu thematisieren. Doch wer sich mit dem Thema schon länger auseinandersetzt, fällt auf: Es ist wie bei so manch anderem wichtigen Thema auch – Berichterstattung ist nicht gleich Berichterstattung.

Der Alibi-Modus vieler Medien

Die Berichterstattung zum Thema Kinderarmut kommt in Wellen. Wobei diese Wellen – und das ist eines der Probleme – nicht sonderlich hoch sind. Richtig ist: Medien platzieren das Thema durchaus auch prominent, allerdings fehlt der Berichterstattung etwas, was dringend nötig wäre, um Politik zu einem konsequenteren Handeln zu bewegen. Was fehlt ist der Druck. Zwar erzeugen prominent platzierte Artikel durchaus Aufmerksamkeit und dadurch eben auch einen kurzfristigen Druck, doch der Druck, der notwendig ist, um dafür zu sorgen, dass Politik das Problem der Kinderarmut nicht nur im Alibi-Modus angeht, entsteht nicht dadurch, dass hin und wieder Medien für einen Tag in der Berichterstattung auf die Kinderarmut verweisen.

Nachhaken ist gefragt. Immer und immer wieder. Journalisten müssen Politiker bei Interviews und Pressekonferenzen stellen, nicht aus der Verantwortung lassen.

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