Die Globalisierung der Medikamentenversorgung

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13-02-20 06:17:00,

Um bei den Rabattverhandlungen mit den Kassen eine gute Ausgangsposition zu finden, wurde die Produktion von Arzneimittel und ihren Grundstoffen vielfach ausgelagert, was sich jetzt rächen könnte

Nicht zuletzt aus Kostengründen wurde inzwischen ein beträchtlicher Teil der pharmazeutischen Produktion in Länder außerhalb der EU ausgelagert. Früher war Deutschland als die Apotheke der Welt bekannt und stolz auf seine forschende pharmazeutische Industrie. Mit der Forschung begründete man die im Vergleich zu anderen EU-Mitgliedsländern durchaus höheren Medikamentenpreise. Klammheimlich wurde jedoch die Fertigungstiefe in den letzten Jahren deutlich reduziert.

Wo früher beispielsweise noch Tabletten produziert wurden, wird heute nur noch geblistert und die Beipackzettel entworfen, der securPharm-Code aufgedruckt. An der Koordination mit den entsprechenden Systemen der anderen EU-Mitgliedsstaaten wird noch gearbeitet. Welche Auswirkungen die national unterschiedlichen Systeme im Zusammenhang mit den Online-Apotheken im EU-Ausland haben, ist derzeit noch nicht eindeutig geklärt.

Nach Aussage der ABDA (Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.) obliegt die Überwachung einer Versandapotheke grundsätzlich derjenigen Aufsichtsbehörde, in dessen Staat sie ihren Sitz hat und die auch im Impressum genannt wird. Aufgrund eines Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2016 darf die deutsche Festpreisbindung für rezeptpflichtige Medikamente durch ausländische Versandhändler mittels Boni und Rabatten unterlaufen werden, um deren Standortnachteil auszugleichen.

Zu den größten Risiken bei Online-Bestellungen von Arzneimitteln zählt jedoch die Tatsache, dass es im Internet verblüffend echt aussehende Fake-Apotheken gibt, deren Angebot nicht den deutschen Vorschriften entspricht. Hilfestellung bei der Überprüfung, ob der Anbieter in Deutschland zugelassen ist, bietet das Angebot des Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI).

Lieferengpässe bei Medikamenten und Folgen des Coronavirus

Seit geraumer Zeit gibt es in Deutschland immer wieder Lieferengpässe bei Medikamenten. Wenn der Patient Glück hat, dann sind von dem Lieferengpass nicht alle wirkstoffgleichen entsprechenden Medikamente betroffen, sondern nur die Version für die seine gesetzliche Krankenkasse einen Rabattvertrag hat. Er kann dann immer noch auf ein höherpreisiges Medikament ausweichen, muss den Mehrpreis dann bislang jedoch aus der eigenen Tasche bezahlen.

Die Bundesregierung will jetzt dafür sorgen, dass in diesem Fall die gesetzlichen Krankenkassen einspringen und die Mehrkosten übernehmen. Man hat in Berlin die Hoffnung, dass die Kassen ihre Mehrausgaben möglicherweise von nicht lieferfähigen Herstellern zurückfordern können.

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