Die UN und die Meinungsmache – aktuell: Der „Folterstaat Venezuela“

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08-07-19 10:48:00,

UN-Berichte können zur Meinungsmache gegen politische Gegner instrumentalisiert werden. Ein mutmaßliches Beispiel dieser Strategie wurde aktuell gegen Venezuela genutzt. Wie bei anderen Beispielen wird die Situation in dem Land von vielen Medien grob verkürzt wiedergegeben und dieses verzerrte Bild anschließend im kollektiven Bewusstsein „geparkt“. Von Tobias Riegel.

Es ist ein mittlerweile bekannter Mechanismus: „Schockierende“ Berichte von „unparteiischen“ Institutionen, etwa der UN, werden für kurze, aber höchst intensive Medienkampagnen genutzt. Anschließend wird die Berichterstattung zu den Berichten – also auch zu möglicher Kritik und zu Gegenargumenten – abrupt eingestellt. Das installierte mediale Bild bleibt so unbeschädigt und kann bei Bedarf reaktiviert werden. Zu diesem Prinzip und etwa zu den Beispielen „Skripal, Giftgas, Hacking oder Doping“ haben die NachDenkSeiten bereits geschrieben:

„Bei vielen Affären in jüngerer Vergangenheit wurde durch mediale Wiederholung eine nicht von Beweisen gestützte Version der Ereignisse erzeugt. War das gewünschte Bild installiert, wurde die Berichterstattung – ohne neue Entwicklungen zu berücksichtigen – jäh abgebrochen und die erzeugte Botschaft im kollektiven Gedächtnis ‚geparkt’.“

Die „Schreckensherrschaft des Nicolás Mauro“

Ende vergangener Woche sorgte nun ein Bericht der UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet zu Venezuela für Aufsehen. Darin erhebt Bachelet schwere Vorwürfe gegen die venezolanische Regierung, die das ZDF und viele andere große Medien unter dem Titel „UN-Bericht: Venezuela ist ein Folterstaat“ zusammenfasst:

„Außergerichtliche Hinrichtungen, Folter, systematische Unterdrückung der Opposition und der Einsatz der Sozialprogramme als Mittel der Kontrolle: Der Bericht der UN-Menschenrechtskommissarin zur Lage in Venezuela ist ein politisches Debakel für die sozialistische Regierung von Präsident Nicolas Maduro in Caracas.“

Die „Frankfurter Rundschau“ präzisiert:

„Alleine im vergangenen Jahr seien 5287 Menschen beim ‚Widerstand gegen die Staatsgewalt‘ ums Leben gekommen, hält der Bachelet-Bericht fest. Zwischen Januar und Mai dieses Jahres seien weitere 1569 Menschen ermordet worden. Der Großteil der Toten wird den paramilitärischen Schlägertruppen Maduros, ‚Colectivos’ genannt, und der Polizei-Sondereinheit FAES zugeschrieben. Der UNHCR-Bericht fordert die Auflösung beider Einheiten.“

Das klingt wahrlich schockierend und wenn die Schilderungen und Interpretationen zuträfen, müsste man nicht nur dem dominierenden Tenor der großen deutschen Medien zustimmen, der sich etwa hier oder hier äußert, sondern auch ausländischen Stimmen wie der österreichischen „Presse“, die basierend auf dem UN-Bericht eine „Schreckensherrschaft des Nicolás Maduro“ feststellt.

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Wieder Meinungsmache in den Medien: Ohne die USA wäre Europa angeblich militärisch am Ende | Anti-Spiegel

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14-05-19 08:19:00,

Die Medien haben am Montag von einer Studie berichtet, die errechnet haben will, wie teuer es die Europäer kommen würde, wenn die USA die Nato verlassen. Diese Artikel sind unter der Rubrik Meinungsmache einzuordnen, wie wir gleich sehen werden.

Der ursprüngliche Original-Artikel findet sich im Spiegel unter Spiegel-Plus unter der Überschrift „Militärausgaben in Europa – So teuer wäre ein Nato-Ausstieg der USA“ und ist daher nicht kostenfrei. Aber dank Internet kann man ja auch andere Medien zu Hand nehmen, die darüber dann berichtet haben. Ich habe mich für die FAZ entschieden, bei der der Titel lautete „MILITÄRAUSGABEN: Nato-Austritt Amerikas würde Europa mehr als 350 Milliarden Dollar kosten„.

Nun muss man wissen, dass ein Nato-Austritt der USA völlig unrealistisch ist. Die Nato ist das Instrument, mit dem die USA den Eurasischen Doppelkontinent dominieren. Ein Rückzug der USA aus der Nato würde bedeuten, dass die USA freiwillig auf den Status als allein führende Weltmacht verzichten. Und das hat es in der Geschichte noch nie gegeben, dass ein die Welt beherrschendes – oder zumindest die Welt dominierendes – Imperium freiwillig und ohne Not auf diese Macht verzichtet.

Trotzdem soll den Europäern vor einem solchen unrealistischen Szenario Angst gemacht werden. Man möchte, dass die Europäer endlich den Forderungen der USA folgen, mehr für Rüstung auszugeben. Frei nach dem Motto: Ohne die USA würde es noch teurer, dann doch lieber mit den USA gemeinsam.

Also mussten die Zahlen der Studie entsprechend hoch und erschreckend ausfallen, was auch geschehen ist. Wie wir sehen werden, gibt es jedoch allen Grund, die Zahlen anzuzweifeln.

Berichtet wurde in den Medien über eine Studie des Londoner International Institute for Strategic Studies (IISS), die zu dem Ergebnis gekommen ist,

„dass Europa mit Kosten von mehr als 350 Milliarden Dollar rechnen muss, sollten die Vereinigten Staaten aus der Nato austreten. Dies hatte eine noch unveröffentlichte Studie, die dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ vorliegt berechnet. In der Studie untersuchen Militärfachleute anhand von zwei unterschiedlichen Szenarien die Kosten, welche auf Europa zukämen, sollte eines der beiden eintreten.“

Natürlich wurde zunächst nur das teurere der beiden Ergebnisse herangezogen, um den Leser mit dem Worst Case zu schockieren. Dabei allerdings geht es um einen Krieg mit Russland, wie wir gleich sehen werden.

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Wer sind die AfD-Wähler? Meinungsmache mit einer fragwürdigen DIW-Studie – www.NachDenkSeiten.de

Wer sind die AfD-Wähler? Meinungsmache mit einer fragwürdigen DIW-Studie – www.NachDenkSeiten.de

20-09-18 01:16:00,

20. September 2018 um 11:55 Uhr | Verantwortlich:

Wer sind die AfD-Wähler? Meinungsmache mit einer fragwürdigen DIW-Studie

Veröffentlicht in: AfD, Demoskopie/Umfragen, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus, Hochschulen und Wissenschaft, Strategien der Meinungsmache

Die Sammlungsbewegung „Aufstehen“ hat sich zum Ziel gesetzt, auch Menschen für progressive Politik zu begeistern, die sich zur Zeit wirtschaftlich und kulturell abgehängt fühlen und nun aus Protest die AfD wählen. Ginge es nach einer jüngst vom DIW veröffentlichten Studie, wäre dieses Vorhaben zum Scheitern verurteilt. Schon der Titel der Studie verrät deren Kernaussage: „AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich“. Die Botschaft ist klar. Wenn sozioökonomische Gründe für die Wahlentscheidung pro AfD keine Rolle spielen, wird auch eine Politik, die primär die sozioökonomischen Sorgen und Nöte der Menschen ernst nimmt, keinen Erfolg dabei haben, AfD-Wähler zu bekehren. Kein Wunder, dass diese Studie vor allem von den parteipolitischen Gegnern von Sahra Wagenknecht innerhalb der Linkspartei unkritisch gefeiert wird. Dabei sind Zweifel an der Studie mehr als angebracht. Mehr noch – mit derartigen Studien verspielt das DIW seinen Ruf. Von Jens Berger.

Essen Sie häufig Fleisch? Wenn Sie diese Frage mit Ja beantworten, sind Sie ernsthaft gefährdet, bei den nächsten Wahlen Ihr Kreuz bei der AfD zu machen. Was wie ein Scherz klingt, beschreibt die Arbeitsweise der Studie „AfD-Unterstützer sind nicht abgehängt, sondern ausländerfeindlich“. Der verantwortliche Autor Martin Schröder hat sich nämlich die Mühe gemacht, innerhalb der Daten des seriösen „Sozio-oekonomischen Panel“ SOEP, das vom Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung DIW herausgegeben wird, Querverbindungen zwischen einer Neigung, die AfD zu wählen, und anderen Daten, Vorlieben oder Ängsten zu suchen, die im Rahmen des SOEP von den Befragten erhoben wurden. Und die Häufigkeit des Fleischkonsums korreliert offenbar sehr stark mit der Neigung zur AfD – gleich hinter den „Sorgen über die Zuwanderung“ und den „Sorgen über die Kriminalitätsentwicklung“. Dies sind freilich rein quantitative und keine qualitativen Aussagen.

Bevor man in die qualitative Analyse der Daten geht, sollte man jedoch zunächst einmal die Qualität der Daten kritisch betrachten. Denn bereits an dieser Stelle könnte man eigentlich bereits aufhören, diese „Studie“ ernsthaft zu diskutieren. Schröder hat nämlich die – an sich zuverlässigen – Daten des SOEP 2016 verwendet.

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Wie kann man sich vor Manipulation und Meinungsmache schützen? Fortsetzung – www.NachDenkSeiten.de

Wie kann man sich vor Manipulation und Meinungsmache schützen? Fortsetzung – www.NachDenkSeiten.de

04-06-18 07:50:00,

Wie kann man sich vor Manipulation und Meinungsmache schützen? Fortsetzung

Veröffentlicht in: Aufbau Gegenöffentlichkeit, Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Strategien der Meinungsmache

Albrecht Müller

Am 26. Juni 2015 erschien auf den NachDenkSeiten ein Artikel mit der oben wiederholten Frage: wie kann man sich vor Manipulation schützen? Das ist ein zentrales Anliegen der NachDenkSeiten. Die Kenntnis von Methoden der Manipulation zum Beispiel und von Fällen der Manipulation soll Ihnen helfen, von sich aus und rechtzeitig zu durchschauen, wie wir unentwegt manipuliert werden. Den damaligen Beitrag wiederholen wir im Anhang. Wir werden demnächst eine geordnete Sammlung der vielfältigen Methoden der Manipulation präsentieren. Heute folgt zunächst einmal aus aktuellem Anlass hier die Information zu zwei zurzeit unentwegt gebrauchten Methoden der Manipulation. Albrecht Müller.

Erstens: Der unentwegte Gebrauch von Worten, die mit einer Wertung, meist mit einer Abwertung versehen sind, jedenfalls Urteile transportieren sollen.

Bestes Beispiel ist der Gebrauch des Worten „Populist.“ In den Sendungen des ZDF und der ARD über die Regierungsbildung in Italien wurde in den letzten Tagen dieser Begriff unentwegte gebraucht. Ohne Gänsefüßchen, ohne Hinterfragung. Durch die Wiederholung wird dieser wertende Gebrauch dann zur Selbstverständlichkeit und zugleich quasi mit einem Verbot kritischer Einwände und Hinterfragungen belegt.

Nur zwei Beispiele:

Die Manipulationen sind gang und gäbe. Man muss sich fragen, ob sich die Journalisten, die dafür mit Namen und Gesicht Pate stehen, nicht schämen. Kenner der NachDenkSeiten werden sich nicht wundern, wenn ich an dieser Stelle anmerke, dass der Gebrauch des Wortes Gleichschaltung keine Übertreibung ist.

Zweitens: In der Addition von Viertel-Wahrheiten und Unwahrheiten werden diese zu einer „wahren“ Botschaft.

Die gezielt geplante und transportierte Botschaft lautet: die Russen sind böse, sie sind expansiv, ihnen ist alles zuzutrauen. Dazu werden unentwegt und vermischt eine Reihe von Geschichten erzählt: die Russen haben MH 17 abgeschossen, die Russen haben die Krim annektiert und damit den neuen Ost-West-Konflikt vom Zaun gebrochen; ihre Freunde haben auf dem Maidan Freiheitskämpfer erschossen; die Russen haben mit dem Krieg in Syrien begonnen; die Russen haben in Großbritannien ihren Landsmann und Doppelagenten plus Tochter vergiften wollen; die Russen haben einen Gegner Putins und Journalisten in Kiew umgebracht; Trump Putin Erdogan,

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