Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Und auch nicht, um „gesund“ zu sein

31-07-20 11:12:00,

Gerade Kinder, Ältere und Menschen mit Behinderungen wurden durch die Covid-19-Regelungen unverhältnismäßig hart getroffen. Der Paternalismus, mit dem die Corona-Maßnahmen bis heute als alternativlos verkauft werden, irritiert. Eine Antwort auf die Kritiker der Kritiker der Hygienemaßnahmen. Von Sandra Reuse.

Frau W. war 94 Jahre alt und Alzheimer-Patientin. Sie lebte in einer Pflegeeinrichtung der Diakonie bei Göttingen und wurde regelmäßig von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen besucht, u.a. von Frau G., über deren Besuch sie sich immer sehr freute. Seit dem Beginn der Corona-Krise aber durfte Frau G., wie alle anderen externen Pflegekräfte der Einrichtung, nicht mehr zu ihr. „Was habe ich falsch gemacht? Sagt mir bitte, was ich falsch gemacht habe!?“ soll Frau W. immer wieder klagend gerufen haben. Auch ihre Kinder durften sie nicht mehr besuchen.

Nach sechs Wochen starb sie.

Herr C. (48) geht seit Juni wegen einer Depression in eine psychosomatische Tagesklinik. In der Zeit des Lockdowns, die er im Homeoffice verbrachte, stellte er fest, dass er immer trauriger wurde. Neben der fehlenden Ablenkung durch einen ohnehin wenig erfüllenden Job sieht er als Hauptgrund dafür den Verlust der familiären Beziehung zu seinen Söhnen (10 und 14 J.), die er seit der Trennung von seiner Frau im Wechselmodell betreute. „Normalerweise kamen sie an zwei Tagen in der Woche nach der Schule zu mir und wir sind zusammen zum Fussballplatz gegangen. Aber nach dem Shutdown waren sie immer seltener da und wenn, dann haben sie auf dem Sofa gesessen und auf ihre Handys geschaut“.

Frau M. (33) infizierte sich im März mit Covid-19. Sie arbeitete und lebte in einem Yoga-Zentrum und musste, weil es nur zwei Sammeltermine für Testungen gab, insgesamt vier Wochen in ihrem Zimmer verbringen. Während sie die Infektion selbst von den äußeren Anzeichen her gut überstand, entwickelte sie in der Zeit der Isolation eine Ess-Störung und wartet derzeit auf einen stationären Therapieplatz.

Hier soll es nicht um eine Berechnung des Kollateralschadens gehen, der im Gesundheitswesen durch die Maßnahmen gegen das Coronavirus entstanden ist. Das ist zum jetzigen Zeitpunkt auch noch gar nicht möglich. Hier soll es auch nicht um virologische Fehleinschätzungen gehen, wie etwa die Vermutung, dass Kinder das Virus stark verbreiten – das Gegenteil scheint der Fall, wie etwa die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt.

Hier soll es um die Regeln zur Pandemieeindämmung und ihre Auswirkungen auf die Seele der Menschen gehen.

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Ein Mensch ist ein Mensch und keine Kommode

30-06-20 09:19:00,

Fällander Tagebuch 37
© cc

Fällander Tagebuch 37

Jürgmeier / 30. Jun 2020 –

Alle Menschen sind gleich. Ein Leben ist ein Leben. Aber der Preis – volatil. 46 Millionen. 220’000. 3426. (Markt-)Preise für Tote.

8. Januar 2020

Alle Menschen
Sind gleich.1
Jede und jeder
Hat das Recht,
Das auf Leben2
Ist ein Leben.
Nur sein Wert –
Der steigt und fällt,
Wie’s der Macht und
dem Markt gefällt.

Alle Menschen sind gleich.
Ein Mensch ist ein Mensch.
Ein Leben ist ein Leben.

Der Preis für das Kind,
Das tote – erdrückt
Von einer Kommode –,
Ausgehandelt von Eltern
Und Möbelhaus Ikea3:
46 Millionen Dollar.
Weil nicht eindringlich
Genug davor gewarnt,
Dass Malm-Kommoden
Kippen und töten
Können.

220’000 zahlte die Swissair4
Für jede und jeden im
Todesflug SR 111, 1998.
Endstation Peggy’s Cove, Kanada.
Haben die Instruktionen
Für Schwimmwesten,
Sauerstoffmasken und
Notrutschen, alle gerappt5,
Den Preis gedrückt?
Weil die Toten wussten,
Was ihnen drohte?

Alle Menschen sind gleich.
Ein Mensch ist ein Mensch.
Ein Leben ist ein Leben.

Durchschnittlich 3426 Dollar6
Überwiesen die USA für eine
Versehentlich getötete
Zivilistin in Afghanistan,
Fünf Mal mehr für ein
Abgebranntes Haus.
Wurde die Bevölkerung
Rechtzeitig und ausdrücklich
Gewarnt? Kamen vor den
Panzern die Lautsprecherwagen?
Damit sie noch hätten fliehen können.

Und weshalb kein Dollar7
Für Agent-Orange-Kinder
Und -Kindeskinder in Vietnam?
Haben sie nicht nur
Die Wälder mit dem Gift
Von Dow Chemical & Monsanto
Besprüht und entlaubt,
Sondern auch Präservative
Abgeworfen, mit der Ermahnung
«Ihr Kind könnte ein Krüppel sein»,

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Der überflüssige Mensch

09-05-20 01:17:00,

Spätestens seit der Katastrophe des Ersten Weltkrieges konnte verstanden werden, dass die ungezügelte Verwandlung des Globus in einen Kampfplatz um Profite mit Notwendigkeit in den Krieg führen musste. Absehbar war auch, dass die anhaltende Konkurrenz in die nächste Katastrophe noch größeren Ausmaßes führen würde, ja, führen müsse, wenn keine grundlegende Weichenstellung für eine andere Lebensweise geschaffen würde.

Die Lehre, die hätte gezogen werden müssen, war klar formuliert. Notwendig wäre gewesen, die Monopolisierung des Lebens unter dem Diktat der Ökonomie durch eine Differenzierung des sozialen Organismus abzulösen und die sozialen Organe in eine neue, lebendige Verbindung zu führen. Viele Stimmen wurden nach 1918 dafür laut. Am klarsten formulierte Rudolf Steiner diese Perspektive in seinen Ideen zur Dreigliederung des sozialen Organismus nach den darin enthaltenen Elementen des geistigen, des wirtschaftlichen und des rechtlichen Lebens.

Stattdessen wurde der einheitliche Nationalstaat, der das gesamte Leben unter ökonomische Dominanz bringt, zum Credo des Jahrhunderts erhoben.

Ja, die Welt ging in die nächste Eskalationsstufe monopolistischer Konkurrenz — in der Gestalt autoritärer und faschistischer Nationalstaaten. Diese steigerten die Fixierung auf den nationalen Einheitsstaat bis zum Totalstaat, der jede Lebensregung an sich zog und den Einzelnen zum Schräubchen an der Staatsmaschine erniedrigte.

Auch die sozialistische Alternative ging, man muss wohl sagen in tragischem Irrtum, diesen Weg, nachdem und wo sie die Staatsmacht erobern konnte.

Die Ergebnisse sind bekannt. Als Vollstrecker — um es paradox zu formulieren — nationalisierter Monopolinteressen gingen diese Staaten im Kampf um weltweite Märkte und Ressourcen gegeneinander vor. Ein zweites Mal wurde dieser Konflikt in einem globalen Krieg ausgetragen. Gelöst wurde er nicht. Zurück blieb eine auf Konkurrenz und Profitmaximierung aufgebaute globale Ordnung, auch wenn sie sich als „Vereinte Nationen“ organisierte.

Die Nachkriegsphasen von der bipolaren, über die unipolare zur multipolaren Ordnung der Welt sollen hier nicht im Detail ausgeführt werden. Entscheidend ist zu erkennen, dass wir uns jetzt, allen historischen Lehren zum Trotz, in einer neuen Runde der Monopolisierung befinden, der von ihren Fürsprechern und Betreibern so genannten „4. Industriellen Revolution“, mit der sie die Welt in das digitale Paradies einer „smart society“ verwandeln wollen.

Dies vollzieht sich aber in einer äußerst widersprüchlichen Art: nämlich im Zuge einer technischen Monopolisierung unter der Aufsicht einer alle Lebensbereiche durchdringenden „intelligenten“ Technik bei gleichzeitig stattfindender Re-Nationalisierung des Völkerlebens, in der die immer noch bestehenden nationalen Zusammenhänge,

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Der Mensch als Virus

20-04-20 05:31:00,

von Ortrud Decker

Die Angst vor einer Krankheit „lähmt“ den Menschen, sie verhindert eine profunde Auseinandersetzung mit dem Virus, den Mitteilungen und Bildern aus den Medien und schwächt den Menschen somit nicht nur in seiner gesunden Urteilsbildung, einem natürlichen Zugehen auf andere Menschen, sondern auch in seinem Immunsystem. Die Angst wird zu einem „Einfallstor“ für das Virus.

In meiner eigenen Auseinandersetzung mit Corona ist die Frage aufgetaucht, ob denn wirklich das Virus der Feind des Menschen ist, oder ob es nicht vielmehr der Mensch selber ist? Zugegeben, der Gedanke mutete erst einmal grotesk an, doch gleichzeitig ließ er mich nicht mehr los.

Die gesundheitlichen und materiellen Aspekte dieser sogenannten Coronakrise sind bereits hier bei Rubikon und auch in anderen Medien vielfach diskutiert worden. Ich möchte an dieser Stelle einen Blick auf spirituelle Gesichtspunkte werfen — ohne Anspruch auf Vollständigkeit.

Nach esoterischer Sicht liegt ein Entwicklungsimpuls in jeder Krankheit (ebenso wie in jedem anderen Konflikt). Der Einzelne wird darüber aufgefordert, sich intensiver mit der Krankheit/dem Konflikt, seinen Lebensumständen, seinen Werten und Zielen auseinanderzusetzen, höhere Ziele oder Ideale zu formulieren und in die praktische Umsetzung zu bringen. Diese sollten nicht nur dazu beitragen, seine eigene Lebensqualität zu verbessern, sondern auch die seiner Mitmenschen. Diese Krise beinhaltet die Chance, die Situation anzuschauen — konkret und ohne zu polarisieren — um zu einer eigenen Urteilsbildung zu kommen, also ohne Übernahme von fremden Meinungen. Eine solche Auseinandersetzung stärkt das Immunsystem.

„Die wirkliche Art gegen Corona anzutreten ist, den Suggestionen mit klarem, logischem Verstand ins Auge zu blicken“, Heinz Grill (1).

Doch nun zu einem weiteren Aspekt, den ich oben kurz erwähnt habe: dem Umgang mit den Mitmenschen, der, zugegeben, im Moment durch die Abstandsregelung erschwert ist. Doch meine Gedanken beziehen sich auch auf den Umgang miteinander vor Corona: Inwieweit interessiert uns der Andere überhaupt noch?

Legen wir Wert auf eine gehobene Beziehungs- und Umgangskultur zu unserem Umfeld und unserer Umwelt oder ist uns das nicht schon längst gleichgültig geworden im täglichen Kampf um die eigene Besitzstandswahrung? Ist es nicht dieser fortschreitende Egoismus und Materialismus, der uns wie Viren befallen hat? Wie vielen Lügen, Betrügereien, Manipulationen und Suggestionen sind wir im Alltag ausgesetzt oder eventuell sogar an deren unreflektierten Verbreitung beteiligt? Können wir dieses überhaupt noch erkennen oder sind wir zu sehr mit uns selbst,

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Der aufrechte Mensch

13-04-20 10:24:00,

„Wahrheit wagt ich kühn zu sagen, und die Ketten sind mein Lohn…“ — Welcher Musik- und Opernliebhaber kennt sie nicht, diese Worte aus der großen Arie des Florestan im 2. Akt der Freiheitsoper Fidelio von Ludwig van Beethoven? Gesprochen, besser gesagt gesungen werden diese von einem Eingekerkerten, einem fast Verhungerten in einem dunklen Verlies.

Was war passiert?

Da hatte doch dieser Florestan sich offensichtlich gegen eine grausame Person und deren Niedertracht aufgerichtet, und versucht, deren schändliche Machenschaften ans Licht zu bringen. Für ihn selbst hatte dieses Statement unendliches Leid und den dunklen Kerker zur Folge.

Das Werk, im November 1805 uraufgeführt, ist sicherlich nicht nur ein Szenario lang verblichener Zeiten. Auf Anhieb fallen mir mehrere Personen unserer Gegenwart ein, die ebenso kühn sind wie Florestan und für Wahrheit und Aufklärung Sorge tragen. Jetzt sind sie im Exil, im Gefängnis oder werden als Spinner, Sektierer oder Verschwörungstheoretiker gebrandmarkt.

Was ich an diesen Menschen bewundere, ist ihre mutige Positionierung für Wahrheit und Tugend, ihre innere Aufrichtekraft. Es ist eine Kraft, die zwar jedem Menschen zur Verfügung steht, die jedoch eigenständig entwickelt werden muss.

Das sichtbare Aufgerichtetsein, den aufrechten Gang, die vertikale Wirbelsäule, das was uns rein optisch von allen anderen Wesen der Erde unterscheidet, haben wir in unserer frühesten Kindheit unter ausdauernden Bemühungen und vielen Missgeschicken mühsam errungen. Das Gleichgewicht und die aufrechte Haltung sind uns schließlich zur Selbstverständlichkeit geworden.

Das innere Aufrichtevermögen jedoch, diese Kraft der Seele, die klare, ästhetische, moralische Haltung mit Mut und Wahrheitssuche benötigt wohl ein lebenslanges Ringen in den verschiedenen Schicksals- und Zeitbedingungen. Sie bedarf eines deutlichen Übersteigens der eigenen subjektiven Emotionen und Gefühle, also aller Ängste, Zwänge usw. um in eine wirklich objektive Anschauung der Realität zu kommen.

Manipulationen, Suggestionen, Lügen und Angstmacherei sind Werkzeuge, welche von macht- und geldgierigen Personen immer wieder eingesetzt werden, um Menschen zu steuern, sie in gewisse Handlungen zu treiben, sie letztlich für ihre eigenen, egoistischen Zwecke zu missbrauchen. Da ist Mut und ein klares, waches Bewusstsein notwendig, um von all dem Negativen und wahrhaft Bösen in der Welt den Blick nicht zu wenden, sondern eine gesunde moralische Haltung dagegen einzunehmen, welche dann mit Blick auf das soziale weltweite Umfeld in ein verantwortungsvolles und aufbauendes Handeln führen kann.

Diese eigenständige Aktivität,

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