Missbrauch: Church of England lässt Opfer im Stich

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11-10-20 09:00:00,

Die Church of England schützt lieber ihren Ruf statt die Opfer von sexuellem Missbrauch

Tobias Tscherrig / 11. Okt 2020 –

Eine Untersuchung stellt der Church of England ein miserables Zeugnis bei Fällen von sexuellem Missbrauch durch Priester aus.

Ein vernichtender 170-seitiger Bericht der unabhängigen Untersuchungsstelle über sexuellen Kindesmissbrauch (IICSA) stellt der Church of England, der Mutterkirche der Anglikanischen Gemeinschaft, ein miserables Zeugnis beim Umgang mit Opfern von sexuellem Missbrauch durch Priester aus. Die Church of England schütze in erster Linie ihren Ruf und nicht die Opfer, so die Bilanz der Untersuchung.

Die Kultur der Ehrerbietung und des «Klerikalismus» der Church of England bedeute, dass die Kirche ein Ort sei, an dem sich Missbrauchstäter verstecken könnten, ist im Bericht zu lesen. Die dringende Forderung: Die Bischöfe der Church of England sollen von ihrer Verantwortung, Kinder vor sexuellem Missbrauch zu schützen, entbunden werden.

Allerdings geht der im Oktober erschienene Bericht «The Anglican Church – Safeguarding in the Church of England and the Church in Wales» auf zwei Hauptforderungen der Überlebenden von sexuellem Missbrauch durch Kleriker nicht ein: Die obligatorische Meldung von Missbräuchen an die gesetzlichen Behörden und eine unabhängige Aufsicht über die Schutzpolitik und -massnahmen der Church of England sollen erst in einer zukünftigen Untersuchung geprüft werden.

Nur ein Viertel aller Missbrauchsvorwürfe landen bei staatlichen Behörden

Der IICSA-Bericht geht in erster Linie der Frage nach, wie die anglikanische Kirche in England und in Wales mit der Offenlegung von sexuellem Missbrauch umgegangen ist. Demnach wurden zwischen 1940 und 2018 insgesamt 390 Geistliche und Personen in kirchlichen Vertrauenspositionen wegen Missbrauchs verurteilt.

Die Zahlen der Fälle, die den Diözesen gemeldet wurden, sind aber ungleich höher: Allein im Jahr 2018 erhielten sie über 2500 «Schutzbedenken» betreffend gefährdeten Kindern und Erwachsenen, darunter 449 Klagen wegen des sexuellen Missbrauchs von Kindern. Nur ein Viertel dieser Fälle wurde an staatliche Behörden weitergereicht.

Der Bericht spricht eine klare Sprache: «Die Achtung vor der Autorität der Kirche und vor einzelnen Priestern, die Tabus bei der Diskussion über Sexualität sowie ein Umfeld, in dem mutmassliche Täter hilfsbereiter behandelt wurden als Opfer, stellten Hindernisse für die Offenlegung dar, die viele Opfer nicht überwinden konnten.» Die moralische Autorität des Klerus werde weiterhin als über jeden Vorwurf erhaben angesehen. Vorwürfe des Missbrauchs durch Priester seien von Kirchenführern «ignoriert,

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Missbrauch von Haftbefehlen: Interpol will aufräumen

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08-02-19 01:23:00,

Interpol überprüft zehntausende Haftbefehle auf möglichen Missbrauch. Denn einige Staaten nutzen internationale Haftbefehle dazu, Regierungsgegner zu verfolgen. Eine eigens eingerichtete Arbeitsgruppe von Interpol nahm vor kurzem die Arbeit auf. Die Task Force besteht aus sieben MitarbeiterInnen aus der Slowakei, Kroatien, Schweden und der Ukraine, heißt es in einem nun veröffentlichten EU-Dokument. Das Bundeskriminalamt (BKA) möchte ebenfalls eine Volljuristin in die Arbeitsgruppe zur Überprüfung der Haftbefehle schicken. Das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz erwägt die Entsendung von Personal aus den Landesjustizverwaltungen.

Interpol ist nach Artikel 3 der Statuten jede „Betätigung oder Mitwirkung in Fragen oder Angelegenheiten politischen, militärischen, religiösen oder rassischen Charakters“ untersagt. Die internationalen Fahndungen zur Festnahme (die sogenannten „Rotecken“) dürfen diese Politik nicht unterlaufen. Viele Länder nutzen den Interpol-Kanal trotzdem zur politisch motivierten Fahndung.

Nur Haftbefehle werden geprüft

Eine Fahndung zur Festnahme wird über das Zentralbüro des ausstellenden Mitgliedstaates an Interpol geschickt. Über diesen Interpol-Kanal werden die Ersuchen an alle 194 Mitgliedstaaten verteilt, möglich ist aber auch der Versand an einen regional eingegrenzten Empfängerkreis. Nur wenn eine Zentralbüro zu diesem Verteiler gehört, erfährt es von der Fahndung. Die deutsche Kontaktstelle ist das BKA in Wiesbaden.

Die „Buntecken“ bei Interpol. Nur zwischen 2014 und 2016 ausgestellte „Rotecken“ werden rückwirkend geprüft. Alle Rechte vorbehalten Interpol

In der Datei für „Rotecken“ sind derzeit mehr als 200.000 Personen gespeichert, seit 2014 war ihre Zahl um 30 Prozent gestiegen. Die Untersuchung des „Fahndungsaltbestands“ betrifft 80.000 Haftbefehle, die vor 2016 ausgestellt worden sind. Nicht nachträglich überprüft werden die „Buntecken“ in den Farben Blau („Bitte um den Aufenthaltsort der Ausgeschriebenen“) oder Grün („Warnungen“), die von Staaten ebenso zur politischen Verfolgung genutzt werden könnten.

Vorher werden die eingehenden Fahndungsersuchen auch bei Interpol auf einen Verstoß gegen Artikel 3 überprüft. Die Zentralbüros sind zur verstärkten Wachsamkeit aufgerufen und sollen einen möglichen Missbrauch an das Interpol-Generalsekretariat melden. Laut dem Bundesinnenministerium sind derartige Benachrichtigungen „in der Vergangenheit verschiedentlich erfolgt“. Wie viele Haftbefehle das BKA daraufhin ausgesondert hat, ist nicht dokumentiert.

Fahndende Behörde soll Asylantrag mitteilen

Das Generalsekretariat hatte die Zentralbüros seit 2014 über die Rücknahme von 130 Fahndungen informiert. Jedoch entschied die Bundesregierung, fünf Ersuchen trotz schwerwiegendem Verdacht nicht auszusondern, sondern als nationale Haftbefehle weiterzuführen.

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