Outtakes auf den NachDenkSeiten

05-07-20 02:59:00,

Wo Menschen arbeiten, da werden Fehler gemacht. Auch wir bei den NachDenkSeiten, Redakteure wie Gastautoren, bleiben davon nicht verschont. An dieser Stelle möchten wir Ihnen eine Auswahl der schönsten, weil amüsantesten, Fehler aus dem Jahr 2019 präsentieren. Von Lutz Hausstein.

Jeder Artikel eines Autors enthält eine mehr oder minder große Anzahl von Fehlern. Die Zahl der vollständig fehlerfreien Artikel – vor dem Schlusslektorat wohlgemerkt, welches aus zeitlichen Gründen in der Regel erst nach der Veröffentlichung erfolgt – der rund 1.000 jährlich auf den NachDenkSeiten erscheinenden Beiträge liegt im niedrigen Promillebereich. Im Normalfall reicht die Zahl von Fehlern von minimal drei oder vier bis hin zu einer höheren zweistelligen Anzahl bei längeren, anspruchsvollen Artikeln.

Überzählige oder fehlende Buchstaben, Worte oder Kommas, „dass“ statt „das“, falsche Zeitformen oder grammatikalische Fälle, falsche Schreibung von Namen von Personen oder Organisationen, gelegentlich sogar gleich komplett fehlende Satzteile und noch so einiges mehr – das sind Alltäglichkeiten. Sie bieten normalerweise wenig Spektakuläres. Außer, wenn der Text durch den betreffenden Fehler einen neuen, völlig anderen Sinn erhält. Gleiches gilt auch für die unkorrekte Wiedergabe von geflügelten Worten, Redewendungen und Metaphern. Es muss ja nicht gleich die Taube auf dem Dach sein, die den Zimmermann erspart. All diese Fehler können die Aussagen eines Satzes so grundlegend verändern, dass man sich als Leser eines Schmunzelns kaum erwehren kann. Manche der Falschformulierungen schreien sogar regelrecht danach, sie sich einmal vor dem geistigen Auge vorzustellen, denn dann entfalten sie ihre Wirkung umso intensiver.

Leider wurde der erste mir aufgefallene Fehler dieser Art – vermutlich sogar einer der lustigsten dieser Auflistung überhaupt – durch mich nicht dokumentiert, da ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht an eine solche Sammlung gedacht habe. In einem Beitrag schrieb Marcus Klöckner über deutsche Parteien, insbesondere über die FDP und ihren Vorsitzenden Patrick Lindner. In dem Satz gab es keine Rechtschreib- oder Grammatikfehler, es war alles okay und ich war schon beim übernächsten Satz, als alles noch einmal in mir nachhallte. Moment mal, einen Patrick Lindner gibt es zwar, das stimmt schon. Aber der ist doch kein FDP-Chef, sondern der macht Musik, mit der ich zugegebenermaßen nicht allzu viel anfangen kann. Der FDP-Vorsitzende heißt hingegen Christian Lindner. Ich brauchte eine Weile, bis ich meinen Lachanfall wieder überwunden hatte, und ließ es mir dann auch nicht nehmen,

 » Lees verder

Die NachDenkSeiten haben großartige, differenziert urteilende Leserinnen und Leser.

20-05-20 12:58:00,

Bitte lesen Sie den folgenden Brief. Sie werden vermutlich vieles darin finden, was auch Ihre Fragen anspricht.

Betreff: Halten Sie durch und machen Sie weiter wie bisher!

Lieber Herr Müller und Team, bitte halten Sie durch und machen Sie sich nicht zu viele Sorgen um den Ruf der Nachdenkseiten. Machen Sie einfach weiter wie bisher, denn Sie machen das gut. Ich werde Ihnen weder die Leserschaft noch die Spende aufkündigen, nur weil ich mal einen Artikel lese, mit dem ich nicht übereinstimme oder weil Sie oder einer vom Team sich trotz aller Mühen mal nicht sensibel genug ausgedrückt haben. Ich denke Sie sind im Moment auf Grund der Situation, speziell auf Grund der äußerst unbefriedigenden Informationslage, was das Virus und seine direkten/indirekten Folgen angeht, in einer fast unmöglichen Position. Egal was Sie schreiben, es wird vielen Leuten nicht passen und sie werden harsche Kritik ernten.

Ich bin selbst im Moment quasi völlig verwirrt. Ich weiß nicht, was ich über die aktuelle Lage denken und glauben soll. Und verstehe rückblickend teilweise meine eigenen Meinungen und Reaktionen von vor einigen Wochen nicht mehr. Wenn es Ihnen also genauso oder ähnlich ergeht (und sie entsprechende Probleme haben zu entscheiden, was Sie auf den Nachdenkseiten schreiben oder veröffentlichen sollen), haben Sie mein vollstes Verständnis, sie sind auch nur Menschen.

Als das Virus noch in China wütete, war ich sauer auf unsere Regierung und Medien, weil man (so hab ich das jedenfalls empfunden) hochmütig auf China und seine Maßnahmen herabblickte und so tat, als könne so etwas bei uns nie passieren. Als das Virus wie von mir erwartet auch in Europa ankam und unsere Regierung noch nicht handelte, war ich sauer, dass man die Lage nicht ernst nahm und nicht handelte wie China oder zumindest Südkorea. Ich war nach den Berichten aus China (und später den Bildern aus Italien) der Meinung, dass ein Lockdown um die Infektionsketten zu stoppen bzw. durch ihre geringere Menge verfolgbar zu machen, das richtige und einzige Mittel sei, besonders weil man es ja scheinbar nicht schaffte Testmöglichkeiten für eine größere Anzahl an Bürger zu organisieren.

Als die Regierung dann den Lockdown brachte, war ich froh, dass endlich gehandelt wurde. Auch wenn es meiner Meinung nach zu spät war (weil sich die Infektionsketten ja schon über das ganze Land verbreitet hatten) und zu inkonsequent im Gegensatz zu China,

 » Lees verder

Was bieten die NachDenkSeiten? Eine Einführung für unsere vielen neuen Leserinnen und Leser

31-03-20 12:57:00,

In den letzten Wochen haben viele neue Leserinnen und Leser die NachDenkSeiten entdeckt. Am vergangenen Freitag hatten wir viermal so viele Zugriffe wie zuvor, im Wochenschnitt das Doppelte. Dieser Zuwachs freut alle, die an den NachDenkSeiten mitarbeiten. Im Folgenden geben wir Ihnen zur Kenntnis, was die NachDenkSeiten bieten. Wir bitten gleichzeitig alle unsere Leserinnen und Leser um Nachsicht, wenn wir auf die vielen Mails nicht immer antworten können. Sie können aber davon ausgehen, dass wir Ihre Mails trotz großem Stress lesen. Herausgeber und Redaktion.

Was bieten die NachDenkSeiten

  • Analysen der Redaktion zum Zeitgeschehen, Blick hinter die Kulissen, Ideen für eine bessere und gerechtere Welt.
  • Schwerpunkt: Die NachDenkSeiten beschreiben die vielfältigen Manipulationsversuche sowie Kampagnen und Strategien der Meinungsmache
  • 6x wöchentlich „Hinweise des Tages“ auf interessante Publikationen anderer Medien incl. kritischer Anmerkungen.
  • 2x wöchentlich Hinweise auf interessante Videos, mittwochs und samstags.
  • Beiträge von Gastautoren und Interviews
  • Leserbriefsammlungen
  • Weitere Angebote, zum Beispiel Links zu interessantem Kabarett, nützlichen Dokumenten des Zeitgeschehens, Videoangebote, Audioangebote, Bücher der Macher der NachDenkSeiten u.a.m. – siehe hier auf der rechten Spalte.
  • Dort finden Sie auch einen Link auf eine Liste von NachDenkSeiten-Gesprächskreisen.
  • Archiv. Dieses enthält einen wirklichen Schatz von Analysen und Berichten zum politischen und gesellschaftlichen Geschehen. Von November 2003 bis heute. Es lohnt sich zurück zu scrollen.

Das Informationsangebot der NachDenkSeiten ist kostenlos und werbefrei. Es wird ausschließlich durch Kleinspenden finanziert. Das sichert unsere Unabhängigkeit.

Unser Markenzeichen: Wir lassen uns nichts vormachen.

Es gibt einen Modebegriff, der häufig verwendet wird, wenn sich Einrichtungen, Medien oder Personen vorstellen: Alleinstellungsmerkmal. Wir mögen den Begriff zwar nicht, aber übernehmen den Gedanken – was ist das Besondere an den NachDenkSeiten: Wir lassen uns nichts vormachen, jedenfalls versuchen wir das. Drei Beispiele:

Es gibt bei den etablierten deutschen Medien durchaus kritisch zu betrachtende Personen. Sie sehen zum Beispiel den jetzigen US-Präsidenten Trump sehr kritisch. Sie merken jedoch nicht, dass ihre Gegnerschaft zu Trump häufig in eine Verklärung seiner Vorgänger ausartet. Sie bewundern das liberale US-Amerika mit Bill Clinton, Hillary Clinton, Obama usw., ohne ernsthaft zu hinterfragen, ob diese Bewunderung berechtigt ist. Sogar George W. Bush erscheint im Spiegelbild des tumben Trump noch als positiv erträglich.

 » Lees verder

Der MDR und die NachDenkSeiten beschreiben nahezu deckungsgleich, wie wir und vor allem die Menschen in der DDR 1989/1990 manipuliert worden sind.

08-10-19 07:52:00,

Am 1. Oktober erschien das Buch „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst.“ Am 4. Oktober veröffentlichten wir auf den NachDenkSeiten das Kapitel IV. 1 mit der Überschrift „Wir sind das Volk. Wir sind ein Volk.“ Siehe hier “Wie aus „Wir sind das Volk“ „Wir sind ein Volk“ gemacht wurde, kam bei den gestrigen Feiern zur deutschen Einheit nicht vor”. Am 6. Oktober widmete sich die „MDR Zeitreise“ genau dem gleichen Thema mit nahezu identischem Inhalt, nur länger und mit vielen guten Bildern. Praktisch zur gleichen Zeit gingen also die Redakteure des MDR und wir von den NachDenkSeiten der Frage nach, wie und wann das Wort „das“ durch das Wort „ein“ ersetzt worden ist. Mithilfe einer gut geplanten Kampagne. Albrecht Müller.

De facto gleichzeitig arbeiteten wir am gleichen Thema und mit der gleichen Tendenz. Das ist kein Grund für Konkurrenzneid, sondern ein Grund zur Genugtuung.

Es gibt einen kleinen Unterschied: In meinem Buch wird Bezug genommen auf eine Sendung von Deutschlandfunk Kultur vom 29. September 2005. Dort war der gleichen Frage nachgegangen worden und die wichtigsten Quellen waren damals schon genannt worden. Aber sich auf diese Quelle nicht bezogen zu haben, ist eine lässliche Sünde der MDR-Zeitreise-Redaktion. Einem breiten Publikum den Vorgang beschrieben zu haben, ist sehr verdienstvoll. Außerdem hat die MDR-Redaktion den Vorgang visualisiert und zusätzlich einige wichtige Elemente gebracht, zum Beispiel Teile eines jetzt geführten Interviews mit dem damaligen Bundesgeschäftsführer der CDU, Radunski. Er bestätigt mit einem gewissen Stolz den damaligen Manipulationsvorgang.

Ich erwähne die parallel geleistete Informationsarbeit von MDR und NachDenkSeiten zum einen, weil daran sichtbar wird, dass sich die sogenannten etablierten Medien und die vornehmlich im Internet auftretenden alternativen Medien durchaus befruchten und ergänzen könnten.

Aha-Effekte

Mein zitiertes Buch „Glaube wenig. Hinterfrage alles. Denke selbst. Wie man Manipulationen durchschaut“ war die Grundlage des NachDenkDeiten Beitrags vom 4. Oktober. Es enthält darüber hinaus eine Fülle von Anregungen nicht nur für die Leserinnen und Leser sondern auch für Journalistinnen und Journalisten. Es ist auch für Journalisten geschrieben. Die 17 im Buch beschriebenen Methoden der Manipulation, alle belegt und erläutert an praktischen Beispielen der Zeitgeschichte, sind eine Fundgrube für die redaktionelle Arbeit unserer Kollegen und Kolleginnen. Ähnliches gilt für die 16 beschriebenen und belegten Fälle von Meinungsmache und die dahinter steckenden Strategien.

 » Lees verder