In der Nacht der US-Wahl dürfte es kein Wahlergebnis geben – Und was dann? | Anti-Spiegel

24-09-20 11:45:00,

Die US-Wahl beherrscht die Schlagzeilen, was dabei aber in Deutschland nicht explizit erwähnt wird ist, dass es in der Wahlnacht kein Wahlergebnis geben wird. Das ist inzwischen praktisch sicher, wird in deutschen Medien aber verschwiegen.

Erinnern Sie sich noch an das Jahr 2000, als es nach der US-Wahl kein Wahlergebnis gegeben hat und wir wochenlang beobachten konnten, wie in Florida die Wahl neu ausgezählt wurde? Am Ende haben nicht die Wähler die Wahl entschieden, sondern das Oberste Gericht der USA hat entschieden, dass George Bush jr. die Wahl gewonnen habe. In diesem November dürfte sich diese Show wiederholen, aber nicht nur in Florida, sondern praktisch landesweit.

Der Grund liegt in der Briefwahl, die die Demokraten wegen Corona propagieren. Am Wahltag werden nicht alle Briefwahlstimmen ausgezählt werden können, da man auch noch auf Wahlzettel warten muss, die zwar rechtzeitig abgeschickt worden, aber noch nicht angekommen sind. Das ist normal bei US-Wahlen, aber weil die Briefwahlstimmen normalerweise nur einen verschwindend geringen Anteil ausmachen, kann man in der Wahlnacht normalerweise trotzdem ein Ergebnis verkünden, da die Briefwahlstimmen das vorhandene Ergebnis nicht mehr änder können. Das dürfte in diesem Jahr anders werden. Beide Seiten wollen Wahlergebnis nicht anerkennen

Die deutschen „Qualitätsmedien“ berichten ständig, dass Trump gesagt hat, er wolle das Wahlergebnis nicht anerkennen. Das stimmt so nicht ganz, er hat gesagt, er wolle die Entwicklungen abwarten, bevor er sich entscheidet. Aber trotzdem kann man festhalten, dass Trump zumindest nicht klar gesagt hat, er werde das Ergebnis anerkennen.

Die Demokraten waren da in Person von Hillary Clinton deutlicher. Sie hat klar gesagt:

„Joe Biden sollte eine Niederlage unter keinen Umständen eingestehen, denn die Auszählung wird lange dauern, ich glaube letztlich, dass er gewinnen wird, aber nur, wenn wir keinen Zoll zurückweichen“

 » Lees verder

Über Nacht einige Millionen mehr Patientinnen und Patienten

15-06-20 08:52:00,

Bernd Hontschik

Bernd Hontschik / 15. Jun 2020 –

Unter dem Einfluss der Pharma senkte die EU-Fachgesellschaft die «erwünschten» Cholesterinwerte. Neue, teure Medis stehen bereit.

Red. Chirurg und Publizist Bernd Hontschik ist gelegentlicher Gastautor von Infosperber.

Arzneimittel sind seltsame Waren. Normalerweise stehen sich Hersteller und Verbraucher gegenüber. Bei Arzneimitteln ist das anders. Um ein Arzneimittel kaufen zu können, braucht man ein ärztliches Rezept. Diese Rezeptpflicht macht den Arzt oder die Ärztin zur Kund*in der Pharmaindustrie. Patient*innen als die eigentlichen Verbraucher*innen sind für die Hersteller also uninteressant. Dies gilt umso mehr, als sich die Hersteller in Europa für rezeptpflichtige Medikamente nicht direkt mit Werbung an die Endverbraucher wenden dürfen.

Anders in den USA: Dort dürfen sich Pharmafirmen mit ihrer Werbung direkt ans grosse Publikum richten. In Werbespots springt sogar eine Hauskatze wieder fröhlich über den Bildschirm, wenn das neueste Antidepressivum die ganze Familie wieder auf Vordermann gebracht hat. Auch für Antibiotika und sogar für Zytostatika, die bei einer Chemotherapie zum Einsatz kommen, wird in den USA hemmungslos geworben.

Werbeverbot und Rezeptpflicht schmälern Umsätze und Gewinne

Die Rezeptpflicht und das Werbeverbot sind für die Pharmaindustrie hierzulande ein ständiges Ärgernis. PR-Strategen und Lobbyisten arbeiten daran, diese beiden dicken Brocken aus dem Weg zu räumen. Ein Versuch über die EU-Gesetzgebung ist vor einigen Jahren gescheitert.

Dennoch haben die Pharmakonzerne Erfolg, schrittweise. Wie weicht man die Rezeptpflicht auf? Es gibt Schmerzmittel in verschiedenen Wirkungsstärken, milde gegen Kater und Kopfweh bis hin zu den Opiaten bei schwersten Schmerzzuständen. Aber auch die vermeintlich milden haben es in sich, machen abhängig, können sogar Organe zerstören wie die Nieren. Daher müssten sie eigentlich alle rezeptpflichtig sein. Doch der Industrie ist es gelungen, die lästige Rezeptpflicht teilweise auszuhebeln.

Beispiele: Ibuprofen 200 mg oder Diclofenac 25 mg erhält man rezeptfrei, Ibuprofen 600 mg oder Diclofenac 50 mg dagegen nur mit einem Rezept. Eine medizinische Logik hat das nicht – man kann drei Schwachdosierte gleichzeitig einnehmen –, sondern nur eine Marktlogik. Denn für die Schwachdosierten – oft mit dem gleichen oder einem verwechselbaren Namen – erlauben die Gesetzgeber Publikumswerbung. Verboten bleibt sie nur für die Hochdosierten. Mit dem Trick der Niedrigdosis ist es der Industrie gelungen, gleich zwei Fliegen auf einen Schlag zu treffen: das Umgehen der lästigen Rezeptpflicht und das Aushebeln des Werbeverbots.

 » Lees verder

Die Heilige Nacht

23-12-19 05:10:00,

Die Nacht zum ersten Weihnachtsfeiertag unterscheidet sich von allen Nächten des Jahres. Es wohnt ihr objektiv ein besonderer Zauber inne – nicht weil die Menschen ihr erwartungsvoll entgegenleben, sondern sie leben ihr entgegen, weil sie diesen Zauber hat. Man macht sich das nur nicht ganz klar. Zwar ist Weihnachten zumeist zu einem Familienfest reduziert. Aber die Einsamkeit in dieser Nacht macht eben auch krassen Materialisten und Ungläubigen zu schaffen. Denn was sich in ihr abspielt, lässt sich nur voll in der Gemeinschaft mit anderen Menschen erleben – oder auch zudecken.

Zahllose Menschen haben diesen Zauber in den elendigsten Situationen und in ganz unerwarteter Weise erlebt. Besonders eindrucksvoll und ergreifend sind die zahlreichen spontanen gemeinsamen Weihnachtsfeiern und Verbrüderungen von gegnerischen Soldaten in der Heiligen Nacht während der beiden Weltkriege, von denen ich an den beiden vergangenen Weihnachten berichtet habe.1
In der Begebenheit „Merry Christmas“, die verfilmt worden ist, sagte der schottische Pastor, der die gemeinsame Weihnachtsmesse gehalten hatte: „Diese Männer sind heute Nacht von dem Altar angezogen worden wie von einem Feuer mitten im Winter, selbst diejenigen, die nicht gläubig sind, sind gekommen, sich zu wärmen.“ Und ein deutscher Oberleutnant bekannte: „Ich bin Jude. Weihnachten bedeutet mir nichts. Aber an diesen Abend werde ich mich immer erinnern.“

Nicht umsonst ist das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ weltweit das bekannteste Weihnachtslied und gilt überall als Inbegriff deutscher Weihnachtsinnerlichkeit. Wie alles wird es auch verkitscht, aber die ernste und tiefe Stimmung, die in ihm liegt, wird immer wieder empfunden. Es ist in 320 Sprachen und Dialekte übersetzt. 1914 sangen, wie überliefert ist, in einigen der erwähnten spontanen Weihnachtsfeiern an der deutsch-britischen Front deutsche und britische Soldaten gemeinsam Stille Nacht.

Heute möchte ich eine – sicher vielen bekannte – Weihnachtslegende nachfolgen lassen, die Selma Lagerlöf mit fünf Jahren von ihrer weisen Großmutter2 erzählt bekommen und nie wieder vergessen hat. Sie bringt in besonders spiritueller Weise den Zauber der Heiligen Nacht zum Ausdruck. Sicher wird dieser Zauber von vielen Menschen nicht anerkannt. Aber auch dafür hatte die Großmutter eine Erklärung.

Die Heilige Nacht

von Selma Lagerlöf

Als ich fünf Jahre alt war, hatte ich einen großen Kummer. Ich weiß kaum, ob ich seitdem einen größeren gehabt habe.
Das war,

 » Lees verder

Schrille Nacht, eilige Nacht

21-12-19 08:27:00,

Als ich am Morgen des 24. Dezember anno 2018 von vier doppelten Mokka & Metaxa angestachelt vom Buffet in mein Hotelzimmer mit Blick auf das modergrüne Kuppeldoppel der Frauenkirche zurückkehre, steht auf dem Schreibtisch ein Körbchen aus Bast, in dem sich Trüffelkugeln, Cognacbohnen, Dresdener Stollenbrocken und einige Zimt- und Ingwerwürfel befinden. Das Ensemble macht den Eindruck, in den letzten Tagen schon ein wenig im Haus herumgekommen zu sein.

Ich hatte bis dato keinen Plan für diesen Tag. Doch die ungeschickte, fast beleidigende Aufmerksamkeit des Hauses verstörte mich. Aus dem Nichts heraus entstand so eine Art pränatale Unruhe — es musste etwas geschehen. Und wenn es nur ein Akt der freiwillig-eigentlichen Geworfenheit werden würde, so wie bei Heidegger oder Sartre damals im Gymnasium.

Gegen 14 Uhr senkt sich feuchtgrauer Nebel und ich gehe die Maximilianstraße entlang, wissend, dass unser Leben letztlich keinem Kalender gehorcht, Jesus hin, Maria her. Ein rotierendes Symposium aus fetten Stadttauben nimmt vor dem Brenners Platz. Barmann Ali, lustlos staubsaugend, winkt und deutet entschuldigend auf seine Uhr. Aus der nahen Fußgängerunterführung hallen Pfennigabsätze. In der Falk-Bar des Bayerischen Hofs inspiriert mich der mandarinenblasse Stuckkitsch zu einem doppelten Pastis.

Eine zierliche ältere Dame mit einem runden und sehr roten Hut und einer tuberkulösen Stimme sitzt an der Theke und fragt mich, nach gründlicher Musterung: „Junger Mann, Sie erinnern mich an Claude, einen Kapitän aus Marseille! Sind Sie etwa Claude?“ Ich habe gute Lust zu bejahen. Wir sprechen über die Florianskastraße in Krakau, die Matrosenkneipen Antwerpens, entdecken gemeinsame Interessen und ziehen gelegentlich auch den Barmann mit ein, der seinerseits auf ökogrüne Geheimtipps im Großraum Wolfratshausen verweist. Meine neue Muse grunzt angewidert. Stößchen.

Im Schellingsalon, wo vor langer Zeit Hitler und Lenin aus- und eingingen, komme ich neben einem wahlberechtigten Zeitgenossen zu sitzen, der eine Ferrari&Vettel-Baseballmütze trägt. Ansonsten findet man dort unter nikotingrauen Bildern menschliche Paare, schweigend und kauend. Der Mützenmann erzählt einer Frau mit Bedienungsschürze, dass ihn seine Alte neuerdings nötige, zu Hause die Schuhe auszuziehen — er, Schuhe ausziehen —, aber da habe sie die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Immerhin war er 20 Jahre bei der Telekom. Die Bedienung meint nach einigem Überlegen, dass im Universum nichts verlorengehe und Energie sich ohnehin selbst erhalte und zwar annähernd hundertprozentig. „Mag sein“,

 » Lees verder

Rettet die Nacht!

01-12-19 09:52:00,

Zürich West mit Prime Tower: Künstliche Beleuchtung macht die Nacht zum Tag
© stravag/CC BY-NC-SA 2.0

Zürich West mit Prime Tower: Künstliche Beleuchtung macht die Nacht zum Tag

Linda Stibler / 01. Dez 2019 –

Unnötige Lichtimmissionen sind schädlich für Menschen und Tiere. Griffige Gesetze könnten Abhilfe schaffen.

Lichtverschmutzung war in der Schweiz lange Zeit kein Thema, obwohl das Problem seit Jahren besteht. Und die Nächte werden immer heller – spätestens seit sich das Siedlungsgebiet in vormals ländliche Gebiete ausbreitet. Schon seit Jahren ist der Sternenhimmel für Städter selbst in klaren Nächten kaum mehr zu sehen. Auch in grossen Gebieten des Mittellandes ist der Himmel in einen diffusen Schimmer getaucht – die berüchtigte Lichtglocke, die die Sterne zum Verschwinden bringt.

Aufdringliche Leuchtreklamen beeinträchtigen die Lebensqualität vieler BewohnerInnen von Städten und Agglomerationen und stören deren Schlaf, weil sie oft die ganze Nacht hindurch eingeschaltet bleiben. Grossflächige Überbauungen und Baustellen werden mit viel Aufwand und ohne Grund nächtelang beleuchtet. Nicht zuletzt waren es die immer dichteren und helleren Strassenbeleuchtungen, die AnwohnerInnen Anlass zu Klagen gaben. In jüngster Zeit kamen Alarmrufe von Naturschützern hinzu. Sie weisen darauf hin, dass die anhaltende nächtliche Beleuchtung für viele Tierarten negative Folgen hat. Besonders gefährdet sind Insekten. Neuste Untersuchungen stellen fest, dass die Artenvielfalt und Zahl der Insekten in den letzten Jahren drastisch abgenommen haben, was ökologisch höchst bedenklich ist.

Grundsatzentscheid: Lichterlöschen!

Bereits im Jahr 2013 gab es ein Bundesgerichtsurteil, nachdem Bürger aus dem Kanton Aargau die nächtliche Beleuchtung an einer Hausfassade beanstandet und den Streit bis zur höchsten gerichtlichen Instanz weitergezogen hatten. Die Richter kamen zum Schluss, dass jede private oder geschäftliche Beleuchtung, die nicht aus Sicherheitsgründen erforderlich sei, um 22.00 Uhr abgeschaltet werden müsse. Einzige Ausnahme seien Weihnachtsbeleuchtungen, die jedoch um 01.00 Uhr gelöscht werden müssten.

Dieser Grundsatzentscheid ist allerdings noch lange nicht ins öffentliche Bewusstsein gerückt. Vermehrt gibt es Klagen gegen solche nächtlichen Störungen. Als Reaktion auf die Beschwerden haben in den vergangenen zwei Jahren diverse Gemeinden die Strassenbeleuchtungen umgerüstet, die Leuchten besser abgeschirmt und die Lichtstärke nachts massiv gedämpft, wo es die Sicherheit erlaubte.

Steigende Zahl von Nachbarschaftsklagen

Von Lichtverschmutzung betroffen sind vor allem die grösseren Agglomerationen der Schweiz – die Nordwestschweiz, der Grossraum Zürich oder Bern. Hat auch hier ein Umdenken stattgefunden?

 » Lees verder