Der Nebel

12-09-20 04:54:00,

Im Café Del Sol werde ich direkt am Eingang gelobt, weil ich meine Hände desinfiziere. Dann bekomme ich eine Anweisung, an einer aufgezeichneten Linie stehen zu bleiben. Ein weiterer Mitarbeiter empfängt mich und spricht ein Gebet, also Psalme. Verhaltensregeln. Ich werde müde, so unendlich müde, dass ich direkt auf der Stelle einschlafen möchte. Mein Kopf fällt leicht zur Seite. Das Halstuch rutscht etwas von der Nase.

„Sie können mir jetzt folgen, ich führe Sie zu Ihrem Tisch.“

„Das ist ja wie im Krankenhaus. Bekomme ich eine Infusion?“

„Warten Sie, wenn Sie erst einmal sitzen, ist alles wie früher.“

Immer wenn ein Service-Dings in die Nähe meines Tisches kommt, ziehe ich das Tuch wieder in mein Gesicht.

„Das müssen Sie nicht, nicht wenn Sie am Tisch sitzen. Am Tisch ist wie früher.“

Auf dem Weg zur Toilette soll ich das Tuch wieder in mein Gesicht ziehen. Müde von den Gebeten, müde von dem Essen betrete ich die Toilettenräume. Hose runter. Tuch wieder runter. Also auch runter. Oder? Ist hier auch alles wie früher, frage ich mich. Hose nach oben ziehen. Tuch weiter oben lassen. Hände desinfizieren. Frisur kontrollieren. Tuch kontrollieren. Hose kontrollieren.

Tuch höher ziehen, damit mein besonderes Engagement, meine absolute Ergebenheit, meine Treue, mein Pflichtbewusstsein, meine bedingungslose Solidarität zum Ausdruck kommt, sichtbar wird, wenn ich diese Räume verlasse. Hose höher ziehen. Tuch bis unter die Augen ziehen. Hände kontrollieren. Die Brille an das Tuch anpassen. Weniger atmen, weil meine Brille sonst beschlägt. Ein zweites Mal die Hände desinfizieren. Dann wieder das Tuch herunter ziehen, weil ich ein Hustenbonbon lutschen möchte. Ich habe Angst, husten zu müssen, unter Verdacht zu geraten.

Dann huste ich bereits vor dem Verlassen der Toilettenräume, weil ich das Hustenbonbon zu hastig lutsche. Ich spucke es versehentlich aus, suche es auf dem Fußboden und finde es nicht. Erneut desinfiziere ich meine Hände. Diesmal sogar dreimal. Ich fange zu schwitzen an. Die Brille beschlägt erneut. Wieder versuche ich, weniger zu atmen.

„Hier ist nichts wie früher,“ kommentiere ich brummend die Situation. Meine Stimme hört sich unter dem Tuch dumpf an, und ich frage mich, wie ich unter diesem Nebel zurück zu meinem Tisch finden soll. Ich höre mich selbst atmen und mache mich auf den Weg in meine sichere Zukunft,

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Giftiger Nebel – Die JAPCC- /Nato- Konferenzen in der Messe Essen und das Völkerrecht – www.NachDenkSeiten.de

20-09-18 08:18:00,

20. September 2018 um 8:52 Uhr | Verantwortlich:

Giftiger Nebel – Die JAPCC- /Nato- Konferenzen in der Messe Essen und das Völkerrecht

Veröffentlicht in: Aufrüstung, Friedenspolitik, Lobbyorganisationen und interessengebundene Wissenschaft, Veranstaltungshinweise / Veranstaltungen

Die Nato nimmt den Untergang der europäischen Zivilisation in Kauf: Inhalte der Strategie-Entwicklung offenbaren die Konferenzen des Joint Air Power Competence Centre (JAPCC), das in Kalkar stationiert ist und in Essen seine Jahres-Konferenzen abhält. Der Ersteinsatz von Nuklearpotentialen ist im Köcher der Nato; das ist nicht nur völkerrechtswidrig, es ist auch ein Verbrechen gegenüber den Lebensinteressen der Menschheit. Von Bernhard Trautvetter[*].

Schon der Titel der unmittelbar diesen Oktober (vom 9. bis zum 11.10.) anstehenden Konferenz ist für jeden friedliebenden Menschen eine Provokation: „Der Nebel des Tages Null – Luft und All an der Frontlinie“ – im englischen Text der Einladung heißt das: “The Fog of Day Zero – Air and Space in the Vanguard“.

Die militärische Strategieschmiede JAPCC wird aus Steuergeldern und Beiträgen aus 16 Nato-Staaten finanziert. Das JAPCC versteht sich als Denkfabrik der Nato, um militärisches Wissen, militärische Erfahrung und Informationen auszutauschen, zu vernetzen und für zukünftige Entwicklungen zu öffnen. Das JAPCC ist eines von derzeit 24 steuer-finanzierten Nato-Zentren außerhalb der Kommando-Struktur der NATO, um Nato-Führungskräfte zu bilden und zu trainieren. Ziel ist eine Strategie-Entwicklung für die Kriegsführung im 21. Jahrhundert sowie die Qualifizierung von Führungskräften.

JAPCC-Konferenzen bieten den Militärs, führenden Politikern und Rüstungsindustriellen wichtige Möglichkeiten, diesen Zielen zu dienen. Damit steht die Arbeit des JAPCC im Widerspruch zum Friedensgebot internationaler Verträge, des Völkerrechts und des Grundgesetzes.

Schon einige der Titel der Konferenzen machen deutlich, dass es nicht um das friedliche Zusammenleben der Völker geht, wie es der Vertrag zur Regelung der Einheit Deutschlands und das Grundgesetz verlangen –Beispiele: Militärische Handlungen als expeditorische Operationen (JAPCC-Konferenz 2007: ‚The Role of Air Power in Expeditionary Security and Stability Operations‘), Entscheidungs-Überlegenheit in der Kriegsführung des 21. Jahrhunderts (JAPCC-Konferenzen 2008, 2012). Expeditorische Kriegshandlungen erinnern an Ingeborg Bachmanns Gedicht:

Alle Tage

Der Krieg wird nicht mehr erklärt,

sondern fortgesetzt. Das Unerhörte

ist alltäglich geworden. Der Held

bleibt den Kämpfen fern.

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Kriegsrat berät den Tag Null im Nebel | KenFM.de

21-08-18 02:58:00,

von Bernhard Trautvetter.

Jedes Jahr finden zwei herausragende Strategiekonferenzen unter Beteiligung hochrangiger Militärs in Deutschland statt. Zum einen die medienwirksame SiKo, ein halbes Jahr später die Air and Space Power-Conference in Essen.

Unsicherheitskonferenz

Von der Münchner „Sicherheitskonferenz“ aus verbreiten die Verantwortlichen das schleichende Gift militärischen Denkens und dann auch entsprechen kriegerischen Handelns in die Gehirne der Menschen in der NATO-Öffentlichkeit. Herausragendes Beispiel für diese propagandistische Inszenierung war die Sicherheitskonferenz 2014 mit dem Dreiklang des damaligen Bundespräsidenten Gauck, der so genannten „Verteidigungs“ministerin von der Leyen und des damaligen Außenministers Steinmeier. Sie betonten alle die „gewachsene Bedeutung“ Deutschlands in der Welt, das mehr „Verantwortung“ übernehmen müsse, die auch militärisch gemeint ist. O-Ton des damaligen Außenministers Steinmaier: „Der Einsatz von Militär ist ein äußerstes Mittel. (…) Allerdings darf eine Kultur der Zurückhaltung für Deutschland nicht zu einer Kultur des Heraushaltens werden. Deutschland ist zu groß, um Weltpolitik nur von der Außenlinie zu kommentieren.“ In dieser Propagandashow hatte Bundespräsident Gauck zugleich auch den Pazifismus als aufrichtig aber störend abgewickelt. (1)

Diese Verharmlosung durch den begrifflichen Ausflug in die Fußballsprache stellt ein geschicktes Mittel dar, die Gehirne der Menschen im Informationskrieg zu gewinnen. Was damit konkret gemeint ist, wird klar, wenn man sich nur den derzeit gefährlichsten Konflikt in Europa, den in der Ukraine ansieht: Nach RTL-News vom 18.03.2014:

Die Ukrainische Regierung hat die Sicherheitsmaßnahmen an den 15 Atomreaktoren im Lande wegen der bedrohlichen Lage verstärkt. In der Ukraine ist nicht nur Tschernobyl, sondern circa 200 km von Donezk entfernt steht beispielsweise das leistungsstärkste Atomkraftwerk Europas. Ein Waffengang hätte fatalste Auswirkungen für die Zivilisation, für Europa und die Welt; er würde in einem nuklearen Inferno münden. Davon redet keiner in der Bundeswehr, in der NATO und in den Staaten, die in der NATO sind.

Kriegsrat

Doch auf den Jahreskonferenzen der NATO-Einrichtung „Joint Air Power Competence Centre“ (JAPCC), über die die NATO die Medien und damit die Öffentlichkeit nicht informiert, da man ungestört unter sich sein will, wie es scheint, wird der Krieg auch in Europa durchgespielt.

Diese Jahreskonferenzen sind Treffen von circa 250 Führungskräften aus NATO und  Bundeswehr, unter denen circa 50 Generäle sind. Desweiteren kommen ranghohe Politiker aus den NATO-Staaten,

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