Nicht auf dem Buckel der Kleinsten

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27-09-20 11:05:00,

Linda Stibler

Linda Stibler / 27. Sep 2020 –

Eine Maskenpflicht für Kita-Betreuerinnen und Betreuer von Kleinkindern ist Unsinn.

Die Meldung tauchte nur kurz in den Medien auf: Zur Debatte stand die Maskentragpflicht für Kita-Angestellte, die Kinder unter 12 Jahren betreuen. Damit soll vermieden werden, dass sich das Virus in Kindertagesstätten ausbreitet. Das wurde dem Kanton Zürich vom «Marie Meierhofer Institut» dringend empfohlen. Das private Institut, das mit der Universität Zürich verbunden ist, hat eine umfangreiche Begründung vorgelegt und allfällige Bedenken zwar erwähnt, aber kleingeredet.

Man muss indessen weder Kinderpsychologin noch Pädagoge sein, um zu wissen, dass eine derartige Vermummung oder Maskierung für kleine Kinder in mancherlei Hinsicht ein grosses Problem darstellt. Jede Mutter – jeder Vater – kennt den Schrecken von kleinen Kindern, mit dem sie auf ein entstelltes oder verzerrtes Gesicht reagieren. Alle können beobachten, wie ganz kleine Kinder das Gesicht ihres Gegenübers interessiert und prüfend betrachten und spontan lächeln, wenn sie darin einen freundlichen Ausdruck erkennen. Mit diesen intensiven Beobachtungen üben sie ständig ihre Beziehungsfähigkeit zur Mitwelt ein.

Unbrauchbarer Vorschlag

Dazu schlagen die selbsternannten Experten des Instituts nun vor, dass Kitas im Umgang mit Kleinkindern unter zwei Jahren zwar auf Irritationen achten und ihnen im Bedarfsfall eine Betreuungsperson zuteilen sollen, die sich für kurze Phasen einem Einzelkind auch ohne Maske zuwenden darf. Wie man das in einer Kita mit vielen kleinen Kindern organisiert (und es gibt viele solche Kindertagesstätten, die ohnehin an Personalknappheit leiden), sagen die Experten allerdings nicht. Es ist also ein reichlich komplizierter und realitätsfremder Vorschlag.

Aus Kreisen von Betreuerinnen und Eltern gab es daher auch einige heftige Proteste auf dieses Ansinnen. Trotzdem entschlossen sich die Zürcher Gesundheitsbehörden diese dringende Empfehlung an die Gemeinden des Kantons weiterzugeben, allerdings nicht als bindende Verordnung. Trotzdem wird sie wohl grosse Wirkung entfalten und viel Anpassung auslösen, um allfälligem Druck auszuweichen.

Die Verfasser dieser Empfehlung hoffen, dass andere Kantone nachziehen. Auf entsprechende Anfrage haben aber zum Beispiel die Gesundheitsbehörden der Kantone Basel-Stadt oder Basellandschaft klar festgehalten, dass sie eine Maskenpflicht für Kita-Betreuerinnen nicht anordnen und das auch in Zukunft nicht tun würden. Andere Kantone haben keine Stellung bezogen, wie etwa der Kanton Freiburg der in den Protesten in der medialen Öffentlichkeit mehrmals erwähnt wurde.

Kein Vergleich der einzelnen Kantone

Nach Auskunft des Bundesamtes für Gesundheit gibt es zwar eine Übersicht über die allgemeinen Massnahmen zur Bekämpfung von Covid 19 der einzelnen Kantone,

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Nicht alle Oppositionelle in Russland und Osteuropa werden von der EU hofiert

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18-09-20 12:47:00,

Massenproteste gegen die Regierung in Sofia im Sommer 2020. Bild: Frank Stier

Warum man kaum etwas über die Verfolgung eines Pawel Grudinin oder die Repression gegen die Protestbewegung in Bulgarien hört

Menschen, die in Osteuropa gegen die Regierung demonstrieren und dabei von der Polizei massiv angegriffen werden. Wer denkt da nicht sofort an Belarus? Schließlich ist das Land seit den letzten Wahlen ein Dauerthema in deutschen Nachrichten.

Nur der Berliner Patient Nawalny hatte zeitweise einen noch stärkeren Aufmerksamkeitswert. Schnell wurden aber die bis heute ungeklärte Vergiftung von Nawalny und die dubiose Wahl in Weißrussland zusammengebracht. Es geht in beiden Fällen darum, Russland, oder wie es in den Medien personifizierend heißt: Putin, klare Grenzen zu setzen. So hat das EU-Parlament am 17. September eine Entschließung angenommen, in dem mehrheitlich härtere Sanktionen im Fall Nawalny gefordert werden.

Dabei sollte es doch erst einmal darum gehen, unabhängige Untersuchungen zu veranlassen – möglichst unter der Ägide der UN. Denn weder Russland noch Deutschland sind bei der Untersuchung objektiv, weil sie sich beide schon auf bestimmte Versionen festgelegt haben und damit voreingenommen sind. Solche unabhängige Untersuchungen sollten auch von Linken gefordert werden, anstatt sich in der Angelegenheit auf eine Seite zu stellen.

“Es gibt ein Russland, rechts von Putin”

Was dem deutschen Imperialismus an Nawalny gefällt, brachte die konservative Welt bereits vor 6 Jahren gut auf dem Punkt, als sie titelte “Es gibt ein Russland rechts von Putin”. Schon damals hielt das Springerblatt eine Eloge auf Nawalny:

Nawalny ist der erste, der nicht nur für Freiheit und Demokratie kämpft, sondern auch die alltäglichen Probleme der Großstadt-Bevölkerung anspricht. Korruption, Oligarchie, aber auch Migration.

Die Welt

Das Blatt verschwieg auch nicht, dass Nawalny keine Berührungsängste nach rechts hat:

Bis vor einigen Jahren beteiligte sich Nawalny noch regelmäßig an den “Russischen Märschen”, wo gemäßigte Nationaldemokraten neben “Sieg Heil”-rufenden Skinheads laufen und “Russland den Russen” fordern. Mit den Radikalen möchte Nawalny zwar nichts zu tun haben, verweist jedoch wohlwollend auf Le Pen und die NPD, die trotz ihrer nationalistischen Positionen einen Platz in der Demokratie hätten.

Die Welt

Mittlerweile wurde er von seinen Beratern wohl instruiert, dass er vom rechten Rand doch etwas Abstand halten soll. Seitdem konzentrierte er sich auf den Kampf gegen die Korruption,

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Nicht noch einmal!

nicht-noch-einmal!

25-08-20 02:44:00,

Täglich sterben in Deutschland im Durchschnitt 2.640 Personen. Davon entfielen vom 1. Juni bis zum 31. Juli 2020 pro Tag durchschnittlich 10 Verstorbene auf Personen, bei denen eine Corona-Infektion festgestellt wurde.

Am 31. Juli gab es 7.257 aktuell Infizierte, etwa so viel wie am 2. Juni mit 7.106 (1), allerdings mit um zwei Drittel oder 220.000 mehr Tests (2).

Vom 18. Juni bis zum 31. Juli gab es 20.934 gemeldete Neuinfektionen, wegen einiger Corona-Ausbrüche deutlich mehr pro Tag als vorher. In derselben Zeit gab es aber nur 285 in Zusammenhang mit Corona verstorbene Personen. Das war nach der üblichen oberflächlichen Methode eine Sterberate von 1,36 Prozent. Die Sterberate, die — über den ganzen Zeitraum betrachtet — 4,4 Prozent beträgt, ist auch ohne Impfstoff schon erheblich gesunken. Warum also noch an den einschneidenden Maßnahmen festhalten, die trotz „Lockerungen“ das wirtschaftliche und soziale Leben erheblich drosseln? Müsste nicht die Pandemie und damit ein Großteil der Einschränkungen aufgehoben werden?

Obwohl die Epidemie in Deutschland ausläuft, beschloss die Bundesregierung, dass die Dauer der Pandemie nicht vom realen Verlauf der Corona-Welle abhängt, sondern davon, wie lange die Pharmaindustrie braucht, um einen Impfstoff bereitzustellen.

Wohlgemerkt: Wir sind nicht gegen die Entwicklung eines Impfstoffs gegen das neue Coronavirus. Allerdings hängt der Verlauf der jetzigen Pandemie nicht davon ab, wann oder ob es ihn gibt. Der Koalitionsausschuss der Bundesregierung beschloss am 3. Juni:

„Die Corona-Pandemie endet, wenn ein Impfstoff für die Bevölkerung zur Verfügung steht“ (3).

Angela Merkel hatte schon am 9. April 2020 erklärt:

„Die Pandemie wird nicht verschwinden, bis wir wirklich einen Impfstoff haben“ (4).

Selbst wenn die Zahl der Infektionen gegen Null geht und die Zahl, der an oder mit Corona Verstorbenen, minimal ist, wäre die Epidemie ohne Impfstoff immer noch da? Für wie allmächtig sich doch Pharmakonzerne und ihre Fürsprecher halten.

Bill Gates, ein großer Förderer der Pharmaindustrie, erklärte in den Tagesthemen am 12. April 2020: „Wir werden den zu entwickelnden Impfstoff letztendlich sieben Milliarden Menschen verabreichen“ (5), ein gewaltiges Milliardengeschäft. Wenn die Menschheit einen Impfstoff hat, verschwindet die Gefahr einer Pandemie jedoch nicht.

Der zu entwickelnde Impfstoff gegen SARS-CoV-2 wird schon als wirkungsvoll beurteilt, wenn er nur einen Wirkungsgrad von 40 Prozent hat.

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Das erfährt der Spiegel-Leser nicht: Was Studien zu Erdgas und Methan mit der Geopolitik zu tun haben | Anti-Spiegel

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20-08-20 09:14:00,

Der Spiegel hat sich mal wieder mit dem Klimawandel und vor allem mit der Gefahr durch Erdgas beschäftigt. Dabei allerdings betätigt er sich – ohne es seinen Lesern kenntlich zu machen – nicht nur als Lobbyist einer Firma und ihrer Branche, sondern auch als Verfechter von US-Interessen.

Schon im letzten Jahr habe ich eine Studie zum Thema Erdgas thematisiert, über die der Spiegel berichtet hat. Das Ergebnis der Studie war wenig überraschend, denn sie wurde von einer NGO mit dem wohlklingenden Namen Energy Watch Group durchgeführt. Die Energy Watch Group hat als Kern all ihrer Studien immer ein Ergebnis: Fossile Brennstoffe gehen viel schneller zur Neige, als prognostiziert, daher müssen wir viel schneller auf alternative Energien setzen. Finanziert wird die Energy Watch Group – oh Wunder – von der Ludwig Bölkow Systemtechnik GmbH, einer Firma, die ihr Geld mit erneuerbaren Energien verdient. Das ist ja ehrenwert, nur bedeutet diese Verbindung, dass sich die GmbH von der Watch Group die Studien schreiben lässt, die sie braucht, um Geschäfte zu machen.

„Studien“ von Lobbyisten

Entsprechend wertlos war die Studie dann auch und in ihrer Kurzzusammenfassung nannte sie für ihr wichtigstes „Studienergebnis“, dass Erdgas wegen angeblich sehr hoher Methanemissionen ausgesprochen klimaschädlich sei, nur eine Quelle:

„Die hier vorgestellten Daten beruhen auf neuesten Forschungen (Howarth, 2019; Worden et al., 2017), die belegen, dass die Methanemissionen der Nutzung von fossilen Energieträgern etwa 20% höher sind, als den jetzt aktualisierten Originaldaten zugrunde liegt (Olivier J.G.J. et al., 2017).“

Aber eine solche „Studie“ von einer Lobbyisten-NGO war dem Spiegel 2019 einen Artikel wert. Und die Geschichte wiederholt sich. Am Donnerstag erschien wieder ein Artikel im Spiegel, dieses Mal mit der Überschrift „Methanlecks aus Gasnetzen – Kleine Löcher, großer Klimaschaden“ und auch dort konnte man die gleiche These wieder lesen.

Ich habe immer wieder darauf hingewiesen, dass man die Wahrheit oft erst ganz am Ende eines langen Spiegel-Artikels findet. So auch hier. In ewig langen Absätzen wird dem Leser lang und breit erklärt, dass beim Transport von Gas und generell aus den Gasnetzen unglaublich viel Methan entweiche, was ganz gefährlich für das Klima ist. Am Ende des langen Artikels lässt der Spiegel dann Thure Traber zu Wort kommen, das ist der Chef oben erwähnten der Energy Watch Group:

„“Auf den Gasfeldern in Sibirien und in den Pipelines nach Deutschland gehen in ähnlicher Größenordnung wie bei importiertem US-Flüssiggas insgesamt mindestens 2 bis 2,5 Prozent der Fördermenge verloren“,

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Um die Welt? Nicht um jeden Preis

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17-08-20 08:34:00,

Trockenheit, Waldschäden und Waldbrände, dann wieder Platzregen mit Hagel und Sturmböen – auch die Coronakrise kann nicht verdecken, dass sich unser Klima immer schneller verändert. Um das 1,5-Grad-Ziel noch zu erreichen, müsste die Einsparung an CO2-Emissionen jedes Jahr so groß sein wie durch den Shutdown, sagt der Diplom-Meteorologe Sven Plöger. Dazu müssen wir die Gier, die im jetzigen System steckt, in den Umbau der Wirtschaft lenken. In seinem aktuellen Buch „Zieht euch warm an, es wird heiß!“ nennt Plöger zahlreiche Maßnahmen, die von Seiten der Politik ergriffen werden sollten – unter anderem im Bereich Mobilität. Ein Auszug.

Fragt man sich, was wir von der Politik fordern müssten, um eine klimaverträgliche, bezahlbare und zuverlässige Mobilität für alle zu entwickeln, weiß man fast nicht, wo man anfangen soll – es hängt so vieles schief: Subventionen für Diesel und Kerosin, die Pendlerpauschale, ein nicht spürbarer CO2-Preis oder das völlige Fehlen einer übergeordneten Strategie jenseits der »innovativen Idee«, Straßen und Flughäfen immer weiter auszubauen.

Im Einzelnen: Wir brauchen eine progressiv anziehende Bepreisung klimaschädlicher Mobilität. Die zusätzlichen Einnahmen müssen zu einem Teil direkt an klimafreundliche Nutzer zurückgegeben werden, etwa in Form eines persönlichen Klimabonus nach Schweizer Modell. Für eine Radverkehrsoffensive müssen wir die Hemmnisse aus der Straßenverkehrsordnung tilgen, um einen gleichberechtigten Verkehrsmix aller Fortbewegungsmittel zu erzielen. Rund 69 Prozent der Teilnehmer einer Befragung in den Jahren 2018 und 2019 befürworteten mehr gesonderte Fahrstreifen für Busse und Bahnen, und die Hälfte ist dafür, Fahrradwege zulasten von Parkplätzen auszubauen.

Gehen wir auf die Autobahn: Verlangen Sie, wie übrigens die Mehrheit der Deutschen, ein Tempolimit von 130 Kilometern pro Stunde – sogar, wenn Sie es selbst etwas einschränken sollte. Sehen Sie es wie der niederländische Ministerpräsident Mark Rutte, der sogar Tempo 100 durchsetzte und es in seiner typisch kernigen Art auf den Punkt brachte: »Es ist zwar eine beschissene Maßnahme, aber sie ist unumgänglich.« Man kann das Richtige tun, auch wenn es einem emotional nicht behagt.

Ob Benzin oder Strom – die Physik lässt sich nicht betrügen. Also brauchen wir auch für E-Autos Gewichtsbeschränkungen, damit kostbarer grüner Strom nicht sinnlos in Protzmobilen verheizt wird. Die Förderung für die ohnehin kaum klimawirksamen E-Mobile muss nach Verbrauch gestaffelt werden: Schwere SUVs mit riesigen Batterien genauso zu fördern wie effiziente Kleinwagen, ist einfach Unsinn.

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