Novartis macht Marketing mit schwerkranken Kindern

novartis-macht-marketing-mit-schwerkranken-kindern

09-02-20 09:07:00,

Bernd Hontschik

Bernd Hontschik / 09. Feb 2020 –

Unabhängige Wissenschaftler nennen die Aktion des Pharmakonzerns eine «verantwortungslose Lotterie zum Überleben».

Red. Der Autor ist Chirurg und Publizist.

Der Pharmakonzern Novartis brachte 2019 ein Medikament auf den US-Markt, von dem eine einzige Dosis mehr als zwei Millionen Euro kostet. So etwas hatte ich überhaupt noch nie gehört. Und es ist tatsächlich der höchste Preis, der je für ein Medikament verlangt worden ist. Mein erster Impuls war: Das ist obszön!

Das Medikament heisst Zolgensma. Es kann zur Behandlung der Spinalen Muskelatrophie bei Kleinkindern und Säuglingen eingesetzt werden. Die Ursache der Spinalen Muskelatrophie, als Muskelschwund bekannt, ist wahrscheinlich ein Gendefekt, die Häufigkeit beträgt 1:10.000 Geburten. Die betroffenen Kinder sterben in den ersten zwei Lebensjahren, zumeist an einer Atemlähmung. Bereits die einmalige Gabe von Zolgensma könne eine Dauerbehandlung mit bisherigen Medikamenten ersetzen –sagt Novartis.

Exorbitante Kosten nicht wegen Forschung, sondern für einen überhöhten Kaufpreis

Die Gesetzlichen Krankenkassen haben in Deutschland im Jahr 2018 insgesamt etwas mehr als 226 Milliarden Euro ausgegeben. Den drittgrössten Posten nehmen mit knapp 40 Milliarden Euro die Arzneimittel ein. Wenn eine einzige Dosis Zolgensma zwei Millionen Euro kostet, dann kann das mit einem solchen Budget nicht finanziert werden. Die Gesetzlichen Krankenkassen wären geplündert. Wie kommt es aber zu diesem Preis? Den Wirkstoff von Zolgensma hat eine Firma in Chicago namens Avexis entwickelt, die vor zwei Jahren von Novartis für knapp neun Milliarden Dollar gekauft wurde. Der astronomische Preis für Zolgensma spiegelt also nicht irgendwelche exorbitant hohen Forschungskosten wider, sondern Novartis will damit den Kaufpreis amortisieren.

Eine Heilung der kleinen Patientinnen und Patienten ist mit diesem Medikament aber keineswegs garantiert. Immerhin war bei 14 von 21 mit Zolgensma behandelten Kindern längere Zeit keine permanente Atemtherapie nötig, zehn von ihnen konnten wenigstens eine Zeitlang selbständig sitzen. Die Behandlung ist ausserdem mit erheblichen Risiken verbunden, etwa mit schweren Leberschäden. Da werden falsche Versprechungen gemacht und grosse Hoffnungen geweckt.

Nicht Überlebenschancen, sondern Glück entscheidet

Trotzdem stellen verzweifelte Eltern Spendenaufrufe ins Internet, es gibt davon inzwischen viele. Das ist aber noch nicht alles. Aus unerfindlichen Gründen ist Zolgensma nicht nur fast unbezahlbar, sondern es gibt auch nicht genug davon. Es ist Mangelware. Das erinnert mich an die Triage,

 » Lees verder

Malaria: Novartis, WHO und Stiftung Bill Gates mitschuldig?

malaria:-novartis,-who-und-stiftung-bill-gates-mitschuldig?

23-10-19 09:21:00,

Urs P. Gasche / 23. Okt 2019 –

Südlich der Sahara sterben jeden Tag fast tausend Kinder an Malaria. Medikamente helfen bei Erkrankung, verhindern sie aber nicht.

upg. Bill Gates sponsert seit vielen Jahren grosszügig ein Novartis-Medikament gegen Malaria. Aber eine wirksame, billige Prävention interessiert ihn nicht. Diesen Vorwurf versucht ein Dokumentarfilm zu belegen, der am Internationalen Leipziger Dokfilmfestival Anfang November zum ersten Mal gezeigt wird. Infosperber hatte über die jahrelangen Recherchen von Katharina Weingartner und ihrem Teams berichtet. Der Dokumentarfilm konzentriert sich auf die Sicht der Betroffenen. Hier ein Trailer:

_________________________________________

Im Folgenden die Recherchen von Infosperber vom 29. April 2019 zur Malaria in Afrika.

Die Stiftung Bill Gates behindert die Prävention gegen Malaria

Im subtropischen Afrika sterben jedes Jahr rund 350’000 Kinder unter fünf Jahren noch immer an Malaria. Das schätzt die Weltgesundheitsorganisation WHO. Die Bill & Melinda Gates Foundation gibt diese Zahl mit 430’000 an. Zum Vergleich: In ganz Afrika sterben laut WHO rund 100’000 Kinder an Masern.

An Malaria erkranken im subtropischen Afrika über 200 Millionen Erwachsene jährlich und müssen behandelt werden.Malaria sei deshalb für die Gates-Stiftung «eine Top-Priorität». Nach eigenen Angaben hat die Stiftung des Microsoft-Gründers bereits fast zwei Milliarden Dollar allein zur Bekämpfung von Malaria ausgegeben. Ihr Ziel sei «eine Welt, in der es keine Malaria gibt».

Der Pharmakonzern Novartis, welcher das Malariamedikament Coartem im Jahr 1999 auf den Markt gebracht hatte, zitiert auf seiner Webseite die senegalesische Professorin Awa Marie Coll-Seck mit den Worten: «Auch dank Novartis wird vielleicht schon die nächste Generation in einer Welt ohne Malaria leben».

Eine Welt ohne Malaria ist eine Illusion

Doch eigentlich müsste die Euphorie verflogen sein. Denn in den letzten zwei Jahren nahmen die Todesfälle nach Angaben der WHO wieder leicht zu statt ab. Dies hat offensichtlich mit aufkommenden Resistenzen gegen das Malaria-Medikament Coartem zu tun, das seit Anfang des Jahrhunderts im Einsatz ist. Die Gates-Stiftung räumt auf ihrer Homepage ein: «Die zunehmende Resistenz gegenüber Medikamenten und Insektiziden ist eine unmittelbare Bedrohung der kürzlich erreichten Fortschritte und ein Hindernis für zukünftige Fortschritte.»

Coartem,

 » Lees verder