Putin im O-Ton über die russische Opposition | Anti-Spiegel

23-03-20 11:41:00,

In dem Interview, dass Putin der TASS zum 20 jährigen Jubiläum seiner ersten Amtszeit gegeben hat, hat der Journalist Putin sehr intensiv nach der russischen Opposition befragt.

Das Interview war leider sehr schwierig zu übersetzen, weil der Interviewer Putin ständig ins Wort gefallen ist. Wenn man es sich anschaut, ist es besser verständlich, als in schriftlicher Form, schriftlich ist es etwas mühsam zu lesen. Ich habe schon einige Teile des mehrere Stunden langen Interviews übersetzt. Putins Aussagen zu den Wirtschaftssanktionen finden Sie hier, seine Aussagen über Chodorkowski und Oligarchen generell finden Sie hier, seine Einschätzung des Verhältnisses zur Ukraine finden Sie hier, seine Aussagen über Staatskapitalismus finden Sie hier und Putins Antworten auf die Frage, ob er nach 2024 weiterhin Präsident bleiben will, finden Sie hier.

In diesem letzten Teil des Interviews, den ich übersetze, ging es um die russische Opposition. Es gibt in Russland die sogenannte „systemische“ Opposition, die in der Duma vertreten ist und der oft vorgeworfen wird, nur eine Scheinoppisition zu sein, und die nicht-systemische Opposition, wie zum Beispiel Navalny, der in der westlichen Presse so gefeiert wird.

Wie holperig das Interview zu lesen ist, wird bei diesem Teil besonders deutlich. Der Interviewer der TASS ist Putin immer wieder ins Wort gefallen und Putin hatte Schwierigkeiten, einen Gedanken zu Ende zu bringen. Nach einigem Überlegen habe ich mich trotzdem entschieden, auch diesen Teil zu veröffentlichen, weil ich Putins Aussagen, die er am Ende auch mal zu Ende ausführen konnte, in meinen Augen sehr interessant sind. Um nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu werden, ich hätte etwas weggelassen, habe ich auch die umständlich zu lesenden Teile übersetzt.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Sie haben der Opposition das Kompliment gemacht, dass sie gebraucht wird, auch die nicht-systemische…

Wladimir Putin: Das ist kein Kompliment, es ist meine Überzeugung. Das meine ich ganz ehrlich.

Vandenko: Unsere Opposition ist, objektiv gesehen, nun ja, was wir Opposition nennen, die sind handzahm, fressen Ihnen aus der Hand.

Wladimir Putin: Nun, das stimmt nicht. Wenn…

Vandenko: Die sogenannte systemische Opposition.

Wladimir Putin: Nun, wir haben vier Parteien im Parlament. Und die haben oft eine ganz andere Sicht der Dinge.

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Putin im O-Ton zu der Frage, ob er nach 2024 weiterhin Präsident bleiben will | Anti-Spiegel

21-03-20 09:09:00,

Will Putin ewig ab der Macht bleiben? Die Frage, die die Medien auf der ganzen Welt interessiert, wurde ihm auch bei dem großen TASS-Interview zum 20. Jahrestag seiner ersten Amtszeit gestellt.

Ich habe schon einige Teile des sehr langen Interviews übersetzt. Putins Aussagen zu den Wirtschaftssanktionen finden Sie hier, seine Aussagen über Chodorkowski und Oligarchen generell finden Sie hier, seine Einschätzung des Verhältnisses zur Ukraine finden Sie hier und seine Aussagen über Staatskapitalismus finden Sie hier.

Heute geht es nun um die Frage, ob Putin nach 2014 weiter Präsident bleiben will. Auch diesen Teil des Interviews habe ich übersetzt. Meine Einschätzung zu der Frage finden Sie hier und ich habe das Gefühl, dass meine dieses Interview meine Interpretation bestätigt: Putin will sich nicht in die Karten schauen lassen und er will vor allem vier Jahre andauernde Machtkämpfe um die Nachfolge unterbinden, die das Land lähmen würden.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Kommen wir dazu, was uns 2024 erwartet. Bleiben Sie uns für immer erhalten?

Wladimir Putin: Wenn Sie wollen. Wollen Sie das?

Vandenko: Ich persönlich?

Wladimir Putin: Die Frage ist, in welcher Eigenschaft?

Vandenko: Das meine ich. Und in welcher Eigenschaft sehen Sie sich selbst?

Wladimir Putin: Ich weiß es nicht, wir werden sehen.

Vandenko: Lassen Sie uns darüber nachdenken.

Wladimir Putin: Bis dahin ist noch viel Zeit.

Vandenko: Von hier aus ist es schlecht zu sehen. Von dort oben, wo Sie sind, ist es wahrscheinlich besser zu sehen. Was ist da oben? Welche Horizonte eröffnen sich dort?

Wladimir Putin: Nein, überhaupt nicht. Wissen Sie, von wo es zu sehen ist? Man sieht es an der Stimmung der Menschen, an ihren Wünschen.

Vandenko: Aber die, die man Eliten nennt, sind nervös, der Wechsel macht sie nervös. Die brauchen Planungssicherheit.

Wladimir Putin: Ich verstehe. Das verstehe ich. Die Eliten, ja, die können nervös sein.

Vandenko: Gefällt Ihnen das?

Wladimir Putin: Nein. Das ist schlecht. Das ist wirklich schlecht, es bedeutet Ungleichgewicht. Das ist mir bewusst. Ich bin mir dessen bewusst. Aber trotzdem geht die Macht immer noch vom Volk aus.

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Putin im O-Ton über die Rolle der Oligarchen im heutigen Russland und über “Staatskapitalismus” | Anti-Spiegel

17-03-20 09:39:00,

In dem Interview, das Putin der TASS zum 20 Jahrestag seiner ersten Präsidentschaft gegeben hat, ging es auch um die Rolle der Oligarchen im heutigen Russland und um die Frage, ob es in Russland zu viele staatliche Unternehmen gibt.

Vor allem die Frage der staatlichen Unternehmen fand ich interessant, denn Russland wird vom Westen immer wieder vorgeworfen, dass der russische Staat eine zu große Rolle in der Wirtschaft spielt. Im Westen gilt die Privatisierung von staatlichem Eigentum als das Rezept der Wahl, in Russland hingegen nicht. Die Antworten Putin auf die Fragen dazu fand ich interessant, daher habe ich sie übersetzt, so wie ich auch schon andere Teile des Interviews über Russlands Verhältnis zur Ukraine, über Chodorkowski und die Wirtschaftssanktionen übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Staatskapitalismus.

Wladimir Putin: Ja.

Vandenko: Warum sind die heutigen Wirtschaftskapitäne besser als die Oligarchen der 90er Jahre? Weil Sie sie kennen und ihnen vertrauen?

Wladimir Putin: Ich kannte jeden, und ich kenne sie. Der Unterschied ist…

Vandenko: …dass Sie damals nicht Präsident waren.

Wladimir Putin: Nun, ich war Regierungschef und wurde im Jahr 2000 Präsident.

Vandenko: Ja.

Wladimir Putin: Ich kannte sie alle.

Vandenko: Und…

Wladimir Putin: … Und ich habe mit allen zusammengearbeitet.

Vandenko: Und…

Wladimir Putin: Nein, es geht nicht darum, jemanden in die Ecke zu drängen, es gibt etwas…

Vandenko: Aber so war es…

Wladimir Putin: Das ist nicht der Punkt. Wissen Sie, worum es ging? Man darf ihnen nicht erlauben, das Land zu regieren oder politische Entscheidungen zu beeinflussen. Es ist klar, dass damals und heute alle nach Wegen suchen, Lobbyismus zu machen und für ihre Interessen zu werben. Der Unterschied zwischen den 2000er Jahren, nun ja, oder zwischen den 90er Jahren und jetzt, besteht darin, dass sie die Entscheidungen des Staates bei innenpolitischen, wirtschaftlichen und sogar außenpolitischen Angelegenheiten direkt beeinflusst haben. Und Sicherheitspolitik ist wichtig. Die Chefs der heutigen Unternehmen genießen ein solches Privileg nicht.

Vandenko: Versuchen sie es denn?

Wladimir Putin: Ja, eigentlich nicht mehr. Sie erkannten, dass es unmöglich ist und mischen sich nicht mehr ein.

Vandenko: Haben Sie es ihnen erklärt?

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Putin im O-Ton über die Wirtschaftssanktionen und ihre Folgen | Anti-Spiegel

17-03-20 11:34:00,

Anlässlich des 20. Jubiläums von Putins Amtsantritt hat der russische Präsident der TASS ein langes Interview gegeben, von dem ich Teile übersetze. Dieses Mal geht es um die Wirtschaftssanktionen.

Ich habe aus dem Interview schon Fragen zur Wirtschaft und zu Chodorkowski und auch über das russische Verhältnis zur Ukraine übersetzt. Heute übersetze ich einen dritten Teil des Interviews, in dem es um die Wirtschaftssanktionen und ihre Folgen geht.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Wir sind wegen der Ukraine sanktioniert worden.

Wladimir Putin: Drauf gespuckt auf diese Sanktionen. (Anm. d. Übers.: „Drauf gespuckt“ ist im Russischen ein umgangssprachlicher, aber nicht unanständiger Ausdruck, den man auf Deutsch mit „völlig egal“, oder auch mit „scheiß drauf“, oder noch anderen sinngemäßen Formulierungen übersetzen kann.) Nach verschiedenen Schätzungen haben wir etwa 50 Milliarden verloren, aber wir haben den gleichen Betrag auch an anderer Stelle verdient.

Vandenko: Das ist nicht wenig.

Wladimir Putin: Es ist eine Menge, aber die Sanktionen haben uns gezwungen, unsere Gehirne einzuschalten. Wir haben ziemlich viel Geld für die so genannte Importsubstitution ausgegeben und begonnen, solche Produkte und Technologien herzustellen, die wir vorher nicht hatten, oder die wir mal hatten, aber dann vergessen und verloren haben. Und das kommt uns zugute, es diversifiziert unsere Wirtschaft. Tatsächlich hat es uns geholfen, unser Schlüsselproblem zu lösen. (Anm. d. Übers.: Der Westen hat Russland immer vorgeworfen, dass seine Wirtschaft zu stark von Öl und Gas abhängig ist. Ironie des Schicksals ist es, dass ausgerechnet die westlichen Wirtschaftssanktionen der Impuls waren, den Russland brauchte, um diese Abhängigkeit abzubauen und andere Industrien zu entwickeln.)

Vandenko: Aber die Gegensanktionen wurden wahrgenommen, wissen Sie… wie eine Bombardierung von Woronesch (Anm. d. Übers.: Stadt in Russland, die Formulierung könnte also übersetzt werden mit „sich selbst ins Knie geschossen“)

Anm. d. Übers.: Die Gegensanktionen hat Russland 2014 als Reaktion auf die Sanktionen des Westens verhängt und zum Beispiel den Import von Lebensmitteln aus der EU verboten. Das war eine in Russland ausgesprochen unpopuläre Sache, denn die Russen haben zum Beispiel europäische Käse geliebt und ich erinnere mich an die Diskussionen im Freundeskreis 2014, als alle sich beschwert haben, dass es keinen Schimmel- oder Parmesankäse mehr zu kaufen gab.

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Putin im O-Ton über die Entwicklung der russischen Wirtschaft und über Chodorkowski | Anti-Spiegel

12-03-20 02:52:00,

Putin hat sich in einem Interview über die wirtschaftliche Entwicklung Russlands und auch über den ehemaligen Oligarchen Chodorkowski geäußert.

Putin hat der TASS aus Anlass des 20. Jahrestages seines ersten Wahlsieges als Präsident ein langes Interview gegeben, das 20 Tage lang Stück für Stück veröffentlicht wurde. Putins Aussagen zur Ukraine aus dem Interview habe ich vor einigen Tagen schon übersetzt.

Leider fällt der Reporter der TASS Putin so oft ins Wort, dass das Interview nur schwer schriftlich darstellbar ist und Putin kaum Gelegenheit hat, ausführliche Gedanken zu äußern. Daher habe ich von dem Interview nur sehr wenig übersetzt. Aber diesen Teil über die russische Wirtschaft und auch über Chodorkowski fand ich so interessant, dass ich diesen Teil übersetzt habe.

Beginn der Übersetzung:

Vandenko: Die Wirtschaft könnte dem Land helfen.

Wladimir Putin: Was meinen Sie?

Vandenko: Nun, wenn sie sich aktiv am Leben des Landes beteiligt. Wenn es Investitionen gibt, dann wird die Wirtschaft dementsprechend wachsen.

Wladimir Putin: Ich könnte jetzt der Wirtschaft an allem die Schuld geben und sagen, dass sie sich unverantwortlich verhält. Aber so ist es nicht. Insgesamt hat sich die russische Wirtschaft in den letzten zehn Jahren dramatisch verändert. Das bedeutet, dass der Staat die Bedingungen für Investitionen schaffen muss. Das ist mal ganz sicher. Wir müssen bessere Bedingungen für die Regulierung der Inflation schaffen. Nun, hier tun wir auch einiges, schließlich haben wir im Ranking der Weltbank „Doing Business“ soweit ich weiß bereits 28. Platz erreicht, wir sind weit vorgerückt. (Anm. d. Übers.: Vor Putins Amtsantritt stand Russland auf Platz 123 der Liste) Das zeigt, dass sich die Anstrengungen des Staates auszahlen und ein positives Ergebnis bringen. Die Zahl der Investitionen nimmt zu. In den frühen 2000er Jahren lagen die Investitionen in Dollar bei einer Milliarde Dollar pro Jahr. Dann wurden es Dutzende Milliarden. Wir haben jetzt mehr als 540 Milliarden Direktinvestitionen.

Vandenko: Wissen Sie, es scheint, dass Sie Geschäftsleute per Definition als Gauner sehen.

Wladimir Putin: Nun, wissen Sie, dafür gibt es bestimmte Gründe. Ja, ich sage es zurückhaltend. Was sind die Gründe? Erstens haben alle so genannten kleinen Unternehmen in allen Nullerjahren nur Handel betrieben. Fast alle.

Vandenko: Aber nicht nur bei uns…

Wladimir Putin: Nein,

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