Odessa – 5 Jahre nach dem Brand im Gewerkschaftshaus

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02-05-19 10:08:00,

Trauer um die Toten in Odessa unerwünscht. Deutsches Fernsehen bringt keine Filme zu den Hintergründen des Brandes. Ermittlungen der Staatsanwaltschaft verlaufen im Sande. Täter immer noch auf freiem Fuß. Ein Bericht von Ulrich Heyden, Moskau.

Zum fünften Mal jährt sich am 2. Mai der Brand im Gewerkschaftshaus von Odessa. Eine unheilige Koalition versucht die Trauer um die 200 Verletzten und die 42 Toten, die am 2. Mai 2014 bei dem Brand umkamen, zu verhindern. Die Opposition spricht von insgesamt 56 Toten, die am 2. Mai im Gewerkschaftshaus starben.

In der Ukraine sind es Sicherheitsstrukturen und Ultranationalisten, welche Trauerkundgebungen in Odessa am 2. Mai permanent behindern, aus Angst, es könnte zu Protestkundgebungen gegen die Regierung in Kiew kommen. Ultranationalisten mischen sich immer wieder in Gruppen von Trauernden vor dem Gewerkschaftshaus oder räumen Blumen weg, die vor dem Gebäude niedergelegt wurden. 2015, am ersten Jahrestag des Brandes, hatten sich bei einer spontanen Trauerkundgebung vor dem Gewerkschaftshaus mehrere Tausend Menschen versammelt. So etwas soll es nach dem Willen der ukrainischen Regierung in Odessa nicht mehr geben.

In Deutschland waren es die großen Medien, welche über das Massaker von Odessa kaum oder nur oberflächlich berichteten und so taten, als ob es sich bei dem Brand um eine Verkettung unglücklicher Umstände, nicht aber um eine Einschüchterungsmaßnahme gegen die Opposition in Odessa handelte, welche den nationalistischen Kurs der neuen Regierung in Kiew nicht mitmachen und gute Beziehungen zu Russland aufrechterhalten wollte.

Alljährliche Waffenschau der Polizei vor dem Gewerkschaftshaus

Eine würdige Trauer um die Opfer gibt es in Odessa bis heute nicht. Fast jedes Jahr gibt es das gleiche Ritual. Wenige Tage vor der alljährlichen Trauerveranstaltung vor dem Gewerkschaftshaus machen die ukrainischen Sicherheitskräfte auf dem Kulikow-Feld, einem Platz vor dem Gewerkschaftshaus, eine große Waffenschau.

Auch in diesem Jahr, am 30. April, wurden vor dem Gewerkschaftshaus modernste Ausrüstung und mit neuester Technik für den Einsatz im Innern ausgerüstete Truppen der Polizei und der Sondereinsatzkräfte gezeigt (Fotos). An der Schau nahmen 700 Polizisten und Mitglieder von Sondereinheiten, 50 gepanzerte Spezialfahrzeuge und 14 Diensthunde teil. Die Demonstration staatlicher Gewalt soll zeigen, dass die Innenbehörde keine regierungskritischen Kundgebungen in der Stadt zulassen will.

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