Fake News und kein Ende – Der Fall Skripal wird zum Offenbarungseid einer Branche – www.NachDenkSeiten.de

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13-04-18 09:05:00,

13. April 2018 um 9:34 Uhr | Verantwortlich:

Fake News und kein Ende – Der Fall Skripal wird zum Offenbarungseid einer Branche

Veröffentlicht in: Kampagnen / Tarnworte / Neusprech, Medienkritik

Gestern berichteten die NachDenkSeiten von einem spektakulären Fall einer Falschmeldung, die von vielen selbsternannten Qualitätsmedien weiterverbreitet wurde. Es ging um die Meldung, dass die OPCW eine russische Herkunft des in Salisbury eingesetzten Gifts bestätigt habe. Dies ist nicht zutreffend. Ein Leser machte uns daraufhin darauf aufmerksam, dass die von uns gewählte Überschrift „Fake News auf allen Kanälen“ ein wenig überzogen sei, da einige Medien die Falschmeldung erkannten und nicht publizierten. Das ist richtig. Doch ein kleiner Blick darauf, wie die Fake-News-Verbreiter auf den Skandal reagiert haben, lässt sämtlichen Zweckoptimismus wieder verschwinden. Von Jens Berger.

So hat der Branchenprimus SPIEGEL Online beispielsweise die Falschmeldung bis heute nicht korrigiert. Und auch die ehemals angesehene Frankfurter Rundschau ist heute noch auf Fake-News-Kurs – und dies obwohl zahlreiche Leser sich beschwert haben. Anstatt die Falschmeldung zu korrigieren, hat man lieber das Forum zum Artikel geschlossen. In beiden Fällen kann man nicht mehr von Fahrlässigkeit oder einem peinlichen Fehler ausgehen. Wer wider besseres Wissen Falschmeldungen publiziert, tut dies mit vollem Vorsatz.

Zahlreiche andere Medien korrigierten zwar die Falschmeldung – jedoch so lustlos und oberflächlich, dass man an Dinge wie Bildunterschriften etc. gar nicht dachte. So steht heute auf dem Portal t-online und Welt.de die Falschmeldung zwar nicht mehr in der Überschrift; dafür aber in Bild- und Videounterschriften. Andere Medien korrigierten die Falschmeldung still und leise, während einige Ausnahmen wie der Tagesspiegel eine bessere Krisenstrategie fanden und die Korrektur kenntlich machten und zusätzlich gleich auch auf den Bericht der OPCW verlinkten.

Insgesamt ergibt die Stichprobe ein wirklich erbärmliches Bild. Von allen großen Medien hat nur heute.de schnell und korrekt gearbeitet. Nun könnte man die Position vertreten, solche Fehler seien lässlich – schließlich habe man ja in den meisten Fällen relativ schnell reagiert. Doch das ist natürlich falsch. Bei den Lesern brennt sich meist der erste Eindruck ein. Gerade bei Eilmeldungen interessiert es die Leser in der Regel nicht mehr, ob diese Meldung einen Tag später im Kleingedruckten korrigiert oder relativiert wird. Denn am nächsten Tag wird bereits die nächste Sau durchs mediale Dorf getrieben und die Falschmeldung bleibt im Hinterkopf hängen.

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