Die DDR und ihre Opfer: Eine Infragestellung der Opferrolle gelernter DDR-Bürger

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11-11-19 09:22:00,

Die DDR und ihre Opfer

Eine Infragestellung der Opferrolle gelernter DDR-Bürger.

von Peter Frey / PEDS ANSICHTEN

Die kritische Betrachtung dessen, was den Menschen in der DDR im Jahre 1990 versprochen wurde, führt in der Regel zur Erkenntnis, dass diese Versprechen nicht gehalten wurden. Die Mächtigen und die Beherrschten des untergehenden Systems wurden kollektiv Opfer des neuen Systems. Es stellt sich die Frage, ob eine solcherart verkürzte Betrachtung für die Herausforderungen der Gegenwart tatsächlich hilfreich ist.

Gab es ab 1989 in der DDR weniger einen Systemwechsel als vielmehr einen Machtwechsel? Worin unterschied sich das System der DDR von dem der BRD, wenn wir das Handeln der Menschen im Einzelnen betrachten?

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Wenn etablierte Macht – bislang als Glaube in den Menschen manifest – sich auflöst, ergibt sich auch eine ganz neue Möglichkeit der gelebten Rolle: Autonomie. Diese Rolle muss natürlich zuvor erwogen und idealerweise geprobt worden sein, ansonsten wird sie als Möglichkeit gar nicht erst wahrgenommen oder aber es wird vor ihr zurückgeschreckt.

Im politischen System der DDR umfasste der Systemwechsel einen Zeitraum von zwei Monaten. Zwei Monate in denen etwas tatsächlich völlig anderes grundsätzlich möglich schien. Dieses Andere – eh ein zartes Pflänzchen – wurde rasch zertreten. Die Hinwendung zur neuen Macht wurde entschieden, als die alte Macht noch gar nicht abgetreten war. Dieses Annehmen einer neuen gesicherten Herrschaftsform fand “oben” wie “unten” statt. Der Glaube an das bisherige System wurde durch den an das “neue” System ersetzt.

Am 1. Dezember 1989 beschloss die Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik (DDR), den Führungsanspruch der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) aus der Verfassung der DDR zu streichen [1].

Was so hoffnungsvoll als Auflösung bestehender Machtverhältnisse, hin zu wahrer Basisdemokratie gedeutet werden möchte, war in Wirklichkeit nur die notwendige Entmachtung zur Erweiterung einer bereits existierenden Macht. Macht gewinnt zuerst in den Köpfen und erst danach bestimmt sie reale Prozesse.

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In der selben Volkskammertagung wurde bereits deutlich, wohin die Reise gehen würde. Die neuen “Guten” wagten sich vor und hofierten die gerade im Westen auf Hochtouren laufende Propaganda gegen das “chinesische Regime”, das angeblich in Peking ein Massaker auf dem Tiananmen-Platz angerichtet haben sollte. Das Protokoll gibt wieder:

“Auf derselben Tagung stellte der Abgeordnete Richard Wilhelm den Antrag,

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Die Stigmatisierung der Opfer

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02-11-19 07:27:00,

An dieser Stelle möchte ich einen eindringlichen Appell an die Fachkollegen der Psychiatrie richten. Nach meinen Erfahrungen sind Psychotraumata und insbesondere das gesamte Paket einschließlich der sexuellen Traumatisierung die Hauptursache für die Symptome, die psychiatrisch als schwere „psychische Erkrankungen“ diagnostiziert werden. Weswegen solche Traumaopfer und Traumatäter zuweilen auch in den geschlossenen Abteilungen psychiatrischer Kliniken landen und zwangsbehandelt werden.

Mit Diagnosen wie „Angststörungen“, „Zwangsstörungen“, „Borderline-Persönlichkeitsstörung“, „Narzisstische Persönlichkeitsstörung“, „Schizophrenie“, „Psychose“, „dissoziative Identitätsstörung“, „Sozio“- oder „Psychopathie“ et cetera ignoriert das System der biologisch orientierten Psychiatrie die traumatischen Hintergründe solcher Symptomgruppen. Es tut so, als wäre das traumatische Geschehen nur eine Randbedingung für vermeintliche „psychische Erkrankungen“, die durch „Gene“ und einen angeblich „gestörten Gehirnstoffwechsel“ verursacht seien. Traumata erhöhten nur die „Vulnerabilität“. Damit wird die Psyche der Menschen nicht ernst genommen! Die Traumaopfer mit ihren verzweifelten und hilflosen Opferüberlebensstrategien werden so nicht gesehen. Es wird ihnen keine adäquate Hilfe zuteil (1).

Die Gabe von Psychopharmaka ist aus meiner Sicht selbst eine Psychotrauma-Überlebensstrategie der vermeintlichen Experten.

Dieses System schützt zugleich die Traumatäter. Es hält mit seiner Praxis die inneren Spaltungen der Betroffenen aufrecht, verstärkt sie weiter und fügt ihnen durch die Wirkungen der Medikamente noch weitere körperliche Schäden zu. Es deckt systematisch einen gesamtgesellschaftlichen Skandal, weil damit das ganze Ausmaß sexueller Traumatisierungen in einer Gesellschaft verschleiert wird (2).

Schätzungen zufolge macht etwa jede vierte bis dritte Frau in Deutschland in ihrem Leben sexuelle Gewalterfahrungen. Auch fünf bis 15 Prozent aller Männer sind Sexualtraumaopfer. Da ich mit meinen Seminaren weltweit unterwegs bin, sehe ich, dass in jeder Gesellschaft das Thema sexuelles Psychotrauma vorkommt. Es ist als Beiwerk von Kriegen und Bürgerkriegen an der Tagesordnung und in vielen Familien seit Generationen übliche Praxis. Es wird überall verschwiegen, geleugnet und unter den Teppich gekehrt. Die Opfer müssen schweigen, sie werden selbst als die Schuldigen dargestellt. Sie erfahren keine Loyalität in ihren Familien, keinen Schutz durch die Polizei und nur selten Genugtuung durch die Justiz. Die Täter werden vor Strafverfolgung systematisch geschützt. Ein Beispiel: „Das Leben von zwei Dritteln der mexikanischen Frauen über 15 Jahren ist von Gewalt durchtränkt. In vielen Fällen beginnt der Missbrauch in der Kindheit“ (3).

Zu einem Trauma der Sexualität kann es kommen, wenn die eigene Sexualität dafür eingesetzt wird, um nicht allein zu sein und die Illusion zu haben, körperlich berührt und geliebt zu werden und dadurch eine Daseinsberechtigung zu bekommen.

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Die nützlichen Opfer

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31-10-19 09:01:00,

Auf meinen PodCast vom 16. Oktober über die militärischen Aktionen der Türkei in Nord-Ost-Syrien habe ich Kritik sowohl von Türken als auch von Kurden erhalten. Im Prinzip ein gutes Zeichen, zeigt es doch, dass ich keineswegs einseitig berichtete. Allerdings war der Hinweis am Beginn des Artikels nicht ausreichend gewürdigt worden, dass es sich hauptsächlich um die Sicht der Syrer handelt, die ich einmal der Sicht der deutschen Massenmedien gegenüberstellen wollte.

Und es zeigten sich auch offensichtliche Missverständnisse hinsichtlich der Politik beider Seiten in den letzten Jahren mit Bezug auf Syrien. Zu sehr sind die Massenmedien nur noch Sprachrohre und Verstärker des jeweiligen Establishments, dem sie dienen. Es ist unerträglich, wenn im deutschen öffentlich-rechtlichen Fernsehen eine Serie von Propagandaberichten die Bevölkerung in die Irre führt, und die Medien die völkerrechtswidrige Besatzung durch die USA fordern. Schlimmer kann man die Situation nicht verdrehen. Daher hier noch ein paar zusätzliche Erklärungen, die in dem sowieso episch langen Beitrag auf KenFM von letzter Woche keinen Platz mehr hatten, durch den aber weitere Sichtweisen zum Zuge kommen sollen.

Zunächst die Klarstellung, dass es weder „die Kurden“ noch „die Türken“ gibt. Es gibt ultranationalistische Türken, wie es sie in den USA oder Deutschland auch gibt, die andere kulturelle Einflüsse, eine andere Sprache oder Religion, welche nicht in ihr Gedankenschema passen, als Bedrohung des Staates ansehen und bekämpfen. Und es gibt ultranationalistische Kurden, welche um jeden Preis, auch den Preis eines Krieges und vieler Opfer, einen eigenen Staat erzwingen wollen. Auch gibt es auf beiden Seiten Menschen, welche ein friedliches multikulturelles Zusammenleben in einem Staat als Stärke desselben ansehen und sich dafür einsetzen. Und die Mehrheit befindet sich wohl in der Mitte zwischen beiden Gruppen, schwankt hin und her zwischen den verschiedenen Propagandalinien. Leider sind oft die Vertreter eines pluralistischen Staates, in dem Ethnien gleichberechtigt miteinander leben und ihre jeweiligen Besonderheiten pflegen dürfen, medial unterrepräsentiert, was zu einer Stärkung der jeweiligen extremistischeren Strömungen führt.

In diesem Artikel soll es nicht um die Kurden in der Türkei oder im Irak gehen, sondern nur um Syrien, und er baut auf Informationen auf, welche in dem PodCast von letzter Woche erwähnt wurden.

Ob man die PKK als Terrororganisation ansehen mag, kann sicher diskutiert werden. Die meisten Anschläge,

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Das Opfer der Freiheit

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14-10-19 08:48:00,

Ich frage mich, warum eine notwendig gewordene radikale Kehrtwende in der Umweltpolitik unsere Mainstreammedien dazu verleitet, sofort die ärgsten Ängste zu schüren. Vor uns liegt die größte Aufgabe, der sich die Menschheit je gegenüber gestellt sah. Wir alle — jeder Einzelne von uns — ist gefragt, die Herausforderung im Rahmen seiner Möglichkeiten anzunehmen.

Es macht keinen Sinn, auf die Politik zu warten, die ohnehin nur am Gängelband einer giergesteuerten Wirtschaft agiert. Nehmen wir das Heft des Handelns doch selbst in die Hand. Es beginnt, wenn wir anfangen zu handeln. Nach diesem Motto haben sich bereits Abertausende Menschen überall auf der Welt neu organisiert. Sie alle haben Folgendes realisiert: Wenn die Zerstörungen unserer Lebensgrundlagen so radikal und schnell vonstattengehen, wie wir es gerade erleben, dann muss der Versuch, sie einzudämmen, ebenso radikal und schnell sein, sonst greift er nicht!

Es muss doch Spaß bringen, unseren verschmutzten Wohnraum Erde gemeinsam aufzuräumen. Je mehr Menschen das verstehen, desto größer ist die Chance, die scheinbar unverrückbaren Strukturen eines alten Machtgefüges von innen heraus zu unterminieren und zu Fall zu bringen. Die Menschen wollen es nicht mehr hinnehmen, dass jede ihrer produktiven Handlungen in ein globales Wirtschaftssystem gepresst wird, um einen Wert zu bekommen. Sie sehnen sich nach Identität. Ihre Identität finden sie nur, wenn sie ihre Probleme vor Ort angehen. Der einzige Weg, das globale Desaster in den Griff zu kriegen, sind weltweite lokale Lösungen. Und an ihnen — das ist das Gute daran — kann jeder mitwirken.

Was wollen wir? Wer sind wir? Was brauchen wir? Indem wir uns dies fragen, schulen wir nicht nur unsere Wahrnehmung, wir formulieren auch unsere Bedürfnisse neu. Wenn es uns gelingt, eine positive Zukunftsvision in uns erblühen zu lassen, dann werden wir sie in der praktischen Politik auch umsetzen können. Denn es wird nichts Neues durch uns in die Welt kommen, was nicht vorher in unserem Bewusstsein Gestalt angenommen hat.

Als Rubikon mich bat, einen Beitrag für die Doppel-Ausgabe zum Thema Umwelt zu schreiben, lehnte ich zunächst ab. Ich gebe mich schon längst keinen falschen Hoffnungen mehr hin. Zumal die halbherzigen Bemühungen von Politik und Wirtschaft, der finalen Katastrophe entgegen zu wirken, eher daran erinnern, als würde man an einer von einem Tsunami bedrohten Küste noch schnell ein Bündel Seegras pflanzen, um ihm Einhalt zu gebieten.

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Die vergessenen Opfer

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06-07-19 07:41:00,

von Elizabeth Vos

Die afghanischen Tagebücher lösten einen Aufschrei aus, als sie die Geheimhaltung ziviler Opferzahlen, die Existenz eines US-geführten Elite-Tötungskommandos sowie die verdeckte Rolle Pakistans in dem Konflikt enthüllten. Elizabeth Vos berichtet.

Dies ist der zweite Artikel in einer Reihe zu WikiLeaks, die auf die wichtigsten weltverändernden Veröffentlichungen der Plattform seit ihrer Gründung 2006 zurückblickt. Diese Reihe ist ein Versuch, der Mainstream-Berichterstattung etwas entgegen zu setzen, in der das Wirken von WikiLeaks ignoriert und stattdessen der Fokus auf die Persönlichkeit Julian Assanges gelegt wird. Es sind die WikiLeaks-Enthüllungen von Kriegsverbrechen und Korruption, die die Verfolgung Assanges durch die USA ausgelöst und schließlich zu seiner Verhaftung am 11. April dieses Jahr geführt haben.

Drei Monate nach der Veröffentlichung des „Collateral Murder“-Videos publizierte WikiLeaks am 25. Juli 2010 ein Archiv mit geheimen US-Dokumenten über den Krieg in Afghanistan. Dieser enthüllte unter anderem die Geheimhaltung ziviler Opferzahlen, die Existenz eines US-geführten Elite-Tötungskommandos sowie die verdeckte Rolle Pakistans in dem Konflikt. Die Veröffentlichung der afghanischen Kriegstagebücher trug maßgeblich dazu bei, dass die US-Regierung auf einen Konfrontationskurs mit WikiLeaks-Gründer Julian Assange ging, der schließlich zu seiner Verhaftung im April dieses Jahres führte.

Die Kriegstagebücher wurden von der damaligen Mitarbeiterin des Nachrichtendienstes der US-Armee Chelsea Manning weitergegeben, die durch ihre Top-Secret-Sicherheitsermächtigung legalen Zugriff auf die Protokolle hatte. Manning wandte sich erst an WikiLeaks, nachdem sie die Organisation sorgfältig überprüft hatte und nach dem erfolglosen Versuch, die Dokumente an die New York Times und die Washington Post weiterzugeben.

Eine der maßgeblichen Kontroversen um die Veröffentlichung der Tagebücher waren Vorwürfe, Einsatzdetails seien zum Kampfvorteil der Taliban öffentlich gemacht und die Leben von Informanten der US-Koalition durch die Bekanntgabe ihrer Namen gefährdet worden.

Trotz der weit verbreiteten Annahme, WikiLeaks hätte sorglos nicht redigierte Dokumente veröffentlicht, wurden letztlich nur 75.000 von insgesamt mehr als 92.201 internen US-Militär-Dokumenten zum Afghanistan-Krieg zwischen 2004 und 2010 publiziert.

WikiLeaks erklärte, sie hätten derart viele Dokumente zurückgehalten, da Manning darauf bestanden habe: „Wir haben die Herausgabe von etwa 15.000 Berichten aus der Gesamtheit des Archivs zurückgestellt, als Teil eines Prozesses der Schadensminimierung, der von unserer Quelle gefordert wurde.“

Manning bestätigte 2013 in ihrer Aussage vor dem Militärgericht,

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Das nächste Opfer

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16-02-19 09:59:00,

„Wir ermutigen alle Regierungen in Europa, das Volk von Venezuela und die Übergangsregierung in Venezuela zu unterstützen, indem sie Guaidó als Übergangspräsidenten anerkennen“, sagte die für Lateinamerika zuständige US-Diplomatin Kimberly Breier letzte Woche. 13 EU-Länder inklusive Deutschland sind der Aufforderung bisher gefolgt und haben Venezuelas Oppositionsführer Juan Guaidó offiziell als Interimspräsident des Landes anerkannt. Der gewählte venezolanische Präsident Nicolás Maduro spricht von US-Aggressionen gegenüber seinem Land.

Laut UN-Charta gebe es allerdings keine völkerrechtliche Grundlage, einen selbsternannten Präsidenten von außen so ohne weiteres zu unterstützen, erklärt der emeritierte Politikwissenschaftler Mohssen Massarrat. Das nämlich würde eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder bedeuten, was nach UN-Recht nicht erlaubt ist. Massarrat kritisiert:

„Dass der deutsche Außenminister Maas in dieser Richtung initiativ geworden ist, ist ganz schlecht und gefährlich, denn auf diese Weise werden der US-Regierung und Präsident Trump Signale gegeben, dass Europa hinter einem Regime Change steht. Das ist auch immer ein Signal für Militärinterventionen. Solange Europa gegen US-amerikanische Militärinterventionen ist, ist es schwierig für eine US-Regierung einen innergesellschaftlichen Konsens dafür zu bilden.“

Die aktuelle Haltung der 13 EU-Länder hält Massarrat deswegen für genauso falsch und gefährlich, wie damals die europäische Haltung im Jugoslawien- oder Libyenkrieg.

Auch 2011 in Libyen seien die Europäer vorgeprescht, hätten die Pläne der USA und Hillary Clintons umgesetzt und so mit dazu beigetragen, dass das libysche Regime gestürzt worden sei. Die Folgen seien bis heute spürbar. Etwas Vergleichbares in Lateinamerika wäre katastrophal für den gesamten Kontinent. Massarrat warnt:

„Wir würden eine ‚Mittelostisierung‘ der Konflikte in Lateinamerika zu erwarten haben.“

Eine militärische Intervention der USA in Venezuela könnte leicht zu einem Bürgerkrieg ausarten. Sollte ein Teil der Militärs der Aufforderung von Guaidó folgen und sich auf seine Seite schlagen, könnten vor allem die niedrigen Ränge für Präsident Maduro Partei ergreifen und notfalls die Regierung mit Militärgewalt verteidigen, vermutet Massarrat. Dann sei es nicht ausgeschlossen, dass die Vereinigten Staaten die abtrünnigen Militärs aus der Luft unterstützen würden. Eine solche Situation erinnert den ehemaligen Professor für Politikwissenschaft an der Universität Osnabrück an Syrien:

„Erst nachdem sich dort ein Teil der Armee gegen Assad gewandt hatte, gab es eine große Auseinandersetzung innerhalb der Armee, erst dann ist der Bürgerkrieg eigentlich losgegangen.“

Sorgen macht er sich aber nicht nur um Venezuela.

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Opfer werden durch Gewalt – ein stiller Alptraum!

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05-02-19 11:34:00,

Ein Appell von Rudolf Hänsel. Der Erziehungswissenschaftler und Psychologe mahnt schon seit längerem an, sich um die Gewalt an Schulen zu kümmern. Seine Mahnungen wurden durch den Selbstmord einer Elfjährigen noch einmal besonders dringlich.

Liebe Eltern und Lehrkräfte, wie lange noch tolerieren Sie die Gewalt an Schulen?

Wie viele Kinder- bzw. Schüler-Selbstmorde verträgt eine Gesellschaft, bevor sich betroffene Eltern und Lehrkräfte dazu aufraffen, das Opferwerden durch Gewalt – diesen „stillen Alptraum“ – nicht mehr zu tolerieren, sondern zu stoppen? Wissen sie nicht, dass von der Politik, den vorgesetzten Schulbehörden wie auch von Eltern- und Lehrerorganisationen keinerlei Unterstützung zu erwarten ist? In Nordnorwegen führten Anfang der 1980er-Jahre drei Schüler-Selbstmorde als Folge schwerer Gewalttätigkeiten durch Gleichaltrige dazu, dass der Psychologe Dan Olweus im Auftrag des norwegischen Erziehungsministeriums im ganzen Land eine Anti-Tyrannisierungs-Kampagne („Antibullying Campaign“) durchführte. Im Laufe von nur zwei Jahren verringerte dieses Interventionsprogramm die unmittelbaren und mittelbaren Gewaltausübungen um 50 Prozent.

Zunehmende Angst und Aggressivität an deutschen Schulen

In meinem Offenen Brief „J‘accuse…!“ an den Bundespräsidenten Dr. Frank-Walter Steinmeier vor genau einem Jahr, in dem ich ihn (ohne Erfolg!) um Unterstützung bat, schrieb ich:

„Die Gewalt in unserem Land nimmt epidemische Ausmaße an. Es vergeht kein Tag, an dem die Medien nicht über Gewalttaten an Schulen berichten. Schwere körperliche Übergriffe, Messer und andere Waffen spielen dabei eine immer größere Rolle. Die Brutalität nimmt zu und zugleich nehmen Hemmschwellen für aggressives Verhalten ab. An vielen Schulen herrscht ein Klima der Angst und Aggressivität. (…).

Die Not der Lehrerinnen und Lehrer ist inzwischen so groß, dass sie für ihre Schulen Sicherheitsdienste einstellen und sich in Brand-Briefen Hilfe suchend an die Öffentlichkeit wenden. Doch sie werden in der Regel im Stich gelassen. Wenn es uns nicht gelingt, diese Gewalt zu stoppen, wird sie sich weiter ausbreiten und nur noch schwer einzudämmen sein.“  [1]

Am 18. Dezember 2018 befasste sich auch die ARD-Sendung „Report Mainz“ mit dem Thema „Kinder brutal: die zunehmende Gewalt von Minderjährigen überfordert Schule“. Berichtet wurde vom „Tatort Schule“, von einer „beunruhigenden Statistik“ sowie von einem „dramatischen Anstieg“ und einem „neuen Ausmaß schwerer und gefährlicher Körperverletzungen“ unter Schulkindern.

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Die vergessenen Opfer

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23-01-19 11:39:00,

„Der Donbass ist eine Kriegsregion.“ Andreas Maurer betont diesen Fakt gegenüber deutschem Publikum ausdrücklich. Oft hört man das hierzulande nämlich nicht. Auch er selbst musste diese Einsicht erstmal sacken lassen. So richtig hat Maurer es erst zu Hause gemerkt, wo er keine Geschosseinschläge hört und wo es keine frischen Massengräber gibt.

Der Lokalpolitiker aus der niedersächsischen Kleinstadt Quakenbrück berichtete in Hannover bei der Initiative „Frieden mit Russland“ über die alltäglichen Folgen des bewaffneten Konflikts zwischen der Kiewer Regierung und den Volksrepubliken Donezk und Lugansk. Die professionellen Berichterstatter von den Leitmedien ignorieren diesen Krieg in Europa größtenteils — und wenn sie berichten, dann meist einseitig, phrasenhaft und manipulativ im transatlantischen Sinne.

Eigentlich war Maurer als Wahlbeobachter in dem umkämpften Teil der Ostukraine. In den 2014 ausgerufenen aber international nicht anerkannten Volksrepubliken Donezk und Lugansk fanden im November 2018 Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Beide Kleinstaaten hatten die Abgeordneten zahlreicher nationaler Parlamente und des EU-Parlaments eingeladen, um als Wahlbeobachter zu fungieren. Doch erschienen waren nur wenige. Dazu später mehr.

Zuerst berichtete Maurer von den Lebensbedingungen in den belagerten Regionen. Er besuchte ein Kinderkrankenhaus in der „Frontstadt“ Gorlowka. 2015 hatten die linken Bundestagsabgeordneten Wolfgang Gehrke und Andrej Hunko Medikamente in die schwer beschädigte Klinik transportiert und die notwendigen Reparaturen organisiert. Beides wurde aus Spendengeldern bezahlt, die zuvor in Deutschland gesammelt wurden.

In Gorlowka herrscht bis heute große Anerkennung für die Leistung der beiden Politiker, berichtete Maurer. Das medizinische Personal arbeite jedoch weiterhin mehr aus helfender Motivation — die Löhne sind nur minimal. „Herr Maurer, wir arbeiten hier nicht für Geld“, erklärte ihm eine Krankenschwester.

Während seines Besuches wurden ein Kind und ein älterer Mann schwer verwundet in die Klinik eingeliefert. Sie waren auf Anti-Personen-Minen getreten. „Das sind geächtete Waffen und nur dazu gedacht, Menschen zu verletzen“, sagte Maurer empört. Die Tretminen seien aus US-Produktion. Da sie aus Gummi seien, ließen sie sich durch herkömmliche Minendetektoren nicht aufspüren. „Kiew will die Menschen im Donbass bestrafen“, betont er. Kiew hätte gern den Donbass, aber ohne die Bewohner.

Die Menschen dort sind des Krieges müde. Sie haben den ständigen Beschuss satt. Besonders in den frontnahen Gebieten müssen viele Bewohner aus Angst vor der ukrainischen Artillerie bis heute in Kellern schlafen, sagte Maurer. Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hatte dies schon im Jahr 2014 angekündigt:

„Unsere Kinder werden zur Schule gehen,

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Tim Anderson: das neue Opfer der Gleichschaltung der politischen Wissenschaft | KenFM.de

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09-12-18 08:44:00,

Von Jochen Mitschka.

Wer den USA oder Israel widerspricht, ist in Gefahr.

Mein Freund und Co-Autor Tim Anderson (auf Twitter @timand2037) wurde von der australischen Universität, an der er seit 20 Jahren lehrte, mit sofortiger Wirkung suspendiert. Grund war „beleidigende“ Kritik an den Streitkräften Israels während des letzten kurzen Krieges gegen Gaza. Deutlicher kann man kein Exempel gegen kritische Geister und solche, die vielleicht mit dem Gedanken spielen, es zu werden, statuieren.

Die Presseerklärung des Liepsen-Verlages, das sein erstes deutschsprachiges Buch veröffentlichte, erwähnt außerdem, dass er vom zuständigen Vizekanzler ein Hausverbot erhalten hatte. Außerdem heißt es darin: „Der bekannte Autor des in zehn Sprachen übersetzten Buches „Der Schmutzige Krieg gegen Syrien“ (Originaltitel: The Dirty War on Syria – Washington, Regime Change and Resistance) Tim Anderson ist am 3. Dezember 2018 von seinem Lehrstuhl für Politik und Ökonomie an der Sydney-Universität in Australien suspendiert worden.“

Noch einmal zum Verdeutlichen: Anderson hatte keine Dienstpflichten verletzt, sondern der Vizekanzler machte Tim Anderson seine Kritik an den israelischen Streitkräften im Gaza-Streifen zum Vorwurf. Damit ist klar, dass die Wissenschaft nicht mehr als Ausbildungsort für kritische Geister, die den Status Quo hinterfragen, existiert, sondern als Schule, die angepasste Arbeitskräfte für die Wirtschaft erzieht.

„Der Gegendruck, den Anderson zunehmend erfuhr, artikulierte sich nach seinem entschiedenen Eintreten für die Rechte des syrischen Volkes auf Selbstbestimmung und sein Engagement gegen jegliche Einmischung von außen in die innersyrischen Angelegenheiten. Durch sein bedingungsloses Eintreten für diese Sache gelang es Anderson, das bis dahin höchst einseitige Narrativ vom Terrorherrscher Assad und den humanitären Motiven der ‚westlichen Wertegemeinschaft‘ in der Öffentlichkeit hinterfragbar zu machen.“ So die Presseerklärung seines Verlages. Und natürlich waren seine Aktivitäten, mit denen auch australische Verbrechen in Syrien angeprangert wurden, schon lange ein Dorn im Auge des bedingungslos hinter den USA stehenden Establishments Australiens.

Aus diesem Anlass hier ein kleiner Ausschnitt eines Textes, den Tim Anderson für das Buch „Schattenkriege des Imperiums – Die Zukunft Palästinas“ (1) verfasste:

„Linke Zionisten“ und andere falsche Freunde

Die große Popularität und Legitimität der palästinensischen Sache, neben einer starken Unterstützung der jüdischen Kolonien durch den Westen, erzeugten Spannungen, die eine große Anzahl von Doppelzüngigkeiten hervorbrachten.

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Belanglose Opfer

Belanglose Opfer

17-05-18 09:30:00,

von David William Pear

Edward Herman und Noam Chomsky unterscheiden in ihrem Buch „Manufacturing Consent“ (etwa „Einen Konsens fabrizieren“, Anmerkung der Übersetzerin) zweierlei Arten von Opfern: belanglose Opfer und beklagenswerte Opfer. „Beklagenswerte Opfer“ sind (echte wie angebliche) Opfer aus der Gruppe der Staatsführer, die auf der Feindesliste der USA stehen, wie zum Beispiel Baschar al-Assad. Die „belanglosen Opfer“ dagegen haben die USA und ihre Satellitenstaaten wie Israel und Saudi-Arabien zu verantworten.

Die von den USA angeführte geheime Verbindung, die sich selbst „internationale Gemeinschaft“ nennt, ist außer sich, wenn es „beklagenswerte Opfer“ gibt. So zeigt beispielsweise Nikki Haley, die US-Botschafterin der UN, der ganzen Welt Bilder toter syrischer Babies. Beklagenswerten Opfern werden Menschenrechte zugestanden, und Assad verdient unsere Empörung.

Belanglose Opfer sind zum Beispiel die 50.000 jemenitischen Kinder, die verhungert sind, weil Saudi-Arabien eine Totalblockade gegen den Jemen verhängt hat – einschließlich eines Embargos für Essen, Wasser und Medizin. Belanglose Opfer „sind wohl selbst schuld“ und werden von der internationalen Gemeinschaft sowie den Mainstream-Medien ignoriert. Belanglose Opfer haben keine Menschenrechte. Der Jemen ist eine humanitäre Katastrophe, die deswegen ignoriert wird, weil Saudi-Arabien mit den USA befreundet ist.

Wenn Saudi-Arabiens Mohammad bin Salman (MbS) in den USA hergestellte Bomben aus von den USA hergestellten Flugzeugen wirft und ohne Unterschied jemenitische Männer, Frauen und Kinder ermordet, hört man aus den USA keinen empörten Aufschrei. MbS ist der neue Liebling der Neokonservativen, und Thomas Friedman verfasst Lobeshymnen über ihn, als sei es wirklich cool, im 21. Jahrhundert ein absoluter Herrscher zu sein. Der verstorbene Robert Parry beschrieb Friedman und die Neokonservativen als „von der Wirklichkeit abgekoppelt“.

Zehntausende Einwohner in Gaza demonstrieren nun schon seit Wochen legal für ihr Recht, zu ihren Häusern in Palästina zurückzukehren. Hier gibt es keinen empörten Aufschrei, wenn Netanjahu und sein Regime israelischen Soldaten befehlen, sie zu massakrieren. Hunderte von Palästinensern wurden am Land Day und während Demonstrationen für das Rückkehrrecht niedergemäht. Netanjahu hat die volle Unterstützung der USA, also gibt es keine öffentliche Empörung, und er wird auch nicht für seine Verbrechen zur Verantwortung gezogen werden. Netanjahu hat allen Grund davon auszugehen, dass die USA ihn decken werden – wie sie es in der Vergangenheit schon oft getan haben.

Nikki Haley wird auch keine Bilder von toten palästinensischen Kindern zeigen.

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„Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit“ | KenFM.de

„Das erste Opfer eines Krieges ist die Wahrheit“ | KenFM.de

04-02-18 09:35:00,

„Friedenssicherung sollte Aufgabe aller Medien sein“, meint Ulrich Teusch. Impulsreferat auf der Tagung „Krieg und Frieden in den Medien“ am 27. Januar 2018 in Kassel (1).

Hinweis zum Rubikon-Beitrag: Der nachfolgende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“, in dessen Beirat unter anderem Daniele Ganser und Rainer Mausfeld aktiv sind. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt KenFM diesen Text in der Zweitverwertung und weist explizit darauf hin, dass auch der Rubikon auf Spenden angewiesen ist und Unterstützung braucht. Wir brauchen viele alternative Medien!

von Ulrich Teusch.

Meine Damen und Herren,

aus irgendwelchen, mir rätselhaften Gründen, bin ich davon ausgegangen, dass mir 45 Minuten Redezeit zur Verfügung stünden und habe einen entsprechenden Vortrag vorbereitet. Als ich vor zwei Tagen die bittere 20 Minuten-Wahrheit entdeckte, habe ich mich dann schleunigst ans Kürzen gemacht. Ursprünglich hatte ich mein Referat in zwei Teile gegliedert. Zunächst war da ein normativer, vielleicht könnte man auch sagen: utopischer Teil, sodann ein eher analytischer Teil. Den ersten, normativen Teil lasse ich nun zwar nicht ganz, aber doch weitestgehend weg und beschränke mich darauf, ihn kurz zu skizzieren, Ihnen also ein paar Stichworte zuzurufen.

Was heißt „Beitrag zum inneren und äußeren Frieden“?

Den inneren Frieden könnte der Journalismus befördern, indem er die Demokratie, die demokratischen Prozesse stärkt, den äußeren Frieden, indem er einen Beitrag zur Völkerverständigung leistet. Um zu zeigen, wie das konkret vonstattengehen könnte, habe ich verschiedene Maximen aufgestellt und am Beispiel der Arbeit einzelner Journalisten, die mir lieb und teuer sind, demonstriert, dass diese Maximen, wenn man denn wirklich will, durchaus in die Praxis umzusetzen wären.

Ich habe das Thema aber nicht nur auf der Ebene des einzelnen Journalisten durchgespielt, der ja immer nur, wie alle Menschen, perspektivisch sehen kann und nur in Glücksfällen in der Lage ist, diese perspektivische Verengung zu transzendieren, sondern auch auf höheren Ebenen, also auf der Ebene des einzelnen großen Mediums und auf der Ebene des Mediensystems.

Da in einem großen Medium viele Journalisten arbeiten, hätte es, wiederum den entsprechenden Willen vorausgesetzt, die Möglichkeit, konsequent multi-perspektivisch zu berichten.

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