Gefährliche Pauschalisierung

16-07-20 02:12:00,

Gewalt beginnt nicht erst mit Übergriffen, sondern findet bereits da statt, wo jemand die ganz persönliche Würde eines Menschen in Wort und Tat antastet. Auch die Überhöhung eines Menschen durch Zuordnung zu einer vermeintlich überlegenen Menschengruppe — „Arier“ — ist Rassismus, da der Mensch nicht als Individuum wahrgenommen wird. Alle Formen eines „Wir gegen die“ ersticken Leben.

Eine direkt rassistische Praxis generiert das Polizeigesetz im Zusammenhang mit dem „Racial Profiling“. Das Deutsche Institut für Menschenrechte (DIMR) kritisiert die als nach DIMR-Gesetz (1) eingerichtete „unabhängige nationale Institution der Bundesrepublik Deutschland“:

„§ 22 Abs. 1a BPolG ermächtigt die Beamtinnen und Beamten der Bundespolizei demnach dazu, selektiv vorzugehen, ohne dabei das Verhalten einer Person zum Anlass ihrer Kontrolle nehmen zu müssen. Es soll vielmehr nach Personen, die sich unerlaubt im Land aufhalten, Ausschau gehalten werden. Bei einem solchen Gesetzesauftrag ist es naheliegend, dass die Bundespolizei die Personen in erster Linie nach phänotypischen Merkmalen aussucht“ (1).

Phänotypische Merkmale lenken den Blick weg vom Individuum hin zu einer Kategorie, der dann bestimmte Eigenschaften per se zugeordnet werden. Das fängt bei Kindern an, die aufgrund ihrer äußeren Erscheinung Ausgrenzung erfahren, es geht weiter bei ihren Eltern, deren Kreditkarte als Diebesgut angesehen wird, weil sie „People of Colour“ sind, und es endet im hohen Alter, wo man Menschen wie Aussätzige in Einsamkeit sterben lässt, weil sie eben immer noch nicht dazugehören. Mehrfach-Diskriminierungen erfolgen beispielsweise, wenn es sich um Frauen handelt, die vielleicht überdies eine körperliche Behinderung aufweisen.

Je mehr und je massiver Ent-Individualisierungen um sich greifen, desto stärker wird Rassismus zum Sprengsatz an den Fundamenten der menschlichen Gesellschaft. Verharmlosungen, die diese gesellschaftliche Krankheit als Einzelphänomen kleinreden oder gar in Abrede stellen, können das Problem nicht lösen, im Gegenteil tragen sie dazu bei, dass die Gefahren weiter anwachsen, weil die Gesellschaft diese Entwicklung ohne entsprechende Gegenwehr hinnimmt.

Die gesteigerte Form der Verantwortungslosigkeit ist das aktive Mitmachen bei Ausgrenzungen in Wort und Tat. Auch die Ausflucht, der Mensch sei nun mal so, dass er nur seinesgleichen um sich haben und vermeintlich Fremde von sich fernhalten will, ist Kumpanei mit Rechten, die Rassismus schüren.

Niemand wird als Vertreter gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geboren. Kinder kennen von sich aus keinen Rassismus.

Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit ist eine „an-sozialisierte“ Haltung, die sich auch in der sozialen Ausgrenzung derer wiederfindet,

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